Stationen meines Aufwachens (8): Der funktionale Liberalismus

In einer zehnteiligen Serie berichte ich über meine geistliche Reise der letzten zehn Jahre, aufgrund derer ich der Überzeugung bin, dass der sog. "Evangelikalismus" vor einer grundlegenden Entscheidung steht bzw. sich innerlich schon gespalten hat.

Es gibt noch eine andere Facette, die sich im Rückblick als richtungsweisend erweist. Es geht um das, was ich als "funktionalen Liberalismus" bezeichnet habe. "Besonders erschreckend zeigt sich die Differenz – man möchte bisweilen fast von einem tiefen Graben sprechen – bei der gelebten Verbindlichkeit zu Gottes Wort. Die evangelikale Welt zeichnet sich insgesamt durch ihr Bekenntnis zur Schrift als oberster Autorität aus. Im Alltag treffe ich vier beliebte Strategien an, mit denen dieses Bekenntnis umgangen wird." Ich beschreibe dann Fallen von vier Unausgewogenheiten, die alle Teilwahrheiten enthalten.

Zugespitzt zeigt sich die Problematik im Keulen-Argument des "lieblosen Dogmatismus": "Dieser verbale Vorschlagshammer könnte aus Sicht des Hämmernden bedeuten: „Du hast gesagt, dass etwas ‚absolut‘ gelte. Dabei handelt es sich um etwas, das ich anders lebe. Jetzt hältst du mir dies als Sünde bzw. Übertretung vor. Damit stellst du dich auf den Standpunkt des gerechten Frommen und mich auf den Schandfleck des Sünders. Diese Lieblosigkeit hat Jesus doch verboten. Er ging selbst zu den verruchtesten Sündern hin und holte sie aus der Schandecke. Wir Christen sollten doch gerade daran zu erkennen sein, dass wir einander in Liebe begegnen.“ Liebe bedeutet in diesem Zusammenhang: Wir sollten die Entscheidung des anderen respektieren und ihm jederzeit signalisieren, dass wir ihm vollen Respekt und volle Zustimmung geben. Die schwerste aller Sünde besteht darin, den anderen zu „verletzen“."

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