Warum ist Sex etwas Besonderes?

Warum sollte Sex nicht wie jede andere Aktivität behandelt werden? Warum sollten wir es als moralisch einwandfrei betrachten, mit jemandem Tennis zu spielen, den wir nicht lieben, aber als unmoralisch, mit jemandem Sex zu haben, den wir nicht lieben? Warum sollten wir es als moralisch einwandfrei betrachten, mit einer Person des gleichen Geschlechts Mittag zu essen, aber als unmoralisch, mit der gleichen Person Sex zu haben? Warum sollte es uns erlaubt sein, aus reinem Vergnügen einen Film zu schauen, aber nicht, aus reinem Vergnügen Sex zu haben?  
Einer meiner Dozenten, der Philosophe Thomas  K. Johnson, geht dem Sinn des sechsten Gebots „Du sollst nicht ehebrechen“ (Ex 20,14) nach. Ein lesens-werter Aufsatz! 

Das Menschenbild von Carl Rogers

Der humanistische Psychologe Carl Rogers, der Generationen von Lehrern und Sozialarbeitern direkt oder indirekt geprägt hat – selbst Kind von gläubigen Eltern -, erklärte, dass das Konzept der menschlichen Verdorbenheit Ursache dafür war, dass er dem Glauben den Rücken zuwandte:

Religion, vor allem die protestantische christliche Tradition, hat unsere Kultur mit der Grundansicht durchdrungen, dass der Mensch im Wesen sündhaft ist.

Rogers ging davon aus, dass der Mensch einen Kern bei sich entdecken würde, der

 andere weder belohnen noch bestrafen wollte, ein Selbst ohne Hass, ein Selbst, das zutiefst sozialisiert war.

Die gesellschaftlichen Folgen eines solchen Denkens sind sichtbar. Frank Koppelin schreibt:

Der Begriff Sünde ist an sich zu einem innerkirchlichen Ausdruck geworden – der Mensch von heute kann ihn kaum mehr mit Inhalt füllen. Allenfalls spricht er noch von der süssen Versuchung oder einem sündhaft teuren Geschenk.

Dem Aufsatz liegt eine Hausarbeit zugrunde.

anthropologie carl rogers

Form und Freiheit in der Kirche

Hat die institutionalisierte Kirche ausgedient? Wenn man Jacobson und Coleman’s Bestseller „Der Schrei der Wildgänse“  liest und auf der Folie von eigenen frustrierenden Gemeindeerfahrungen auswertet, könnte man zu diesem Schluss kommen.

Woche für Woche das gleiche Programm abzusitzen, laugt einen aus. Hast du nicht genug davon, Jahr für Jahr feststellen zu müssen, dass du in dieselben Versuchungen fällst, dieselben unbeantworteten Gebete betest und keine Anzeichen dafür siehst, dass du Gottes Stimme mit grösserer Klarheit wahrnimmst?

Der Schluss der Autoren: Kirche lebt nicht mehr durch die Beziehung zu Jesus, sondern ist zu einem religiösen System geworden. Ja, was ist Kirche denn – Organisation oder Organismus?

Was ist die Kirche? Diese Frage ist das ungelöste Problem des Protestantismus.

So schrieb Emil Brunner 1951. In diesem Vortrag gehe ich der Kontroverse sichtbare vs. unsichtbare Kirche nach.

schreiende gans oder blökendes schaf

Was ist der Mensch?

„Der Mensch ist Geschöpf. Er besitzt seine Würde nicht in sich, sondern nur in seiner Bezogenheit auf Gott. Deshalb scheitern die humanistische Konzepte – der Mensch ist das Mass aller Dinge – und materialistische Konzepte – der Mensch wird von biochemischen Prozessen gesteuert.
Der Mensch besitzt als Gottes Geschöpf unabhängig von Alter, Geschlecht, Rasse und sozialer Schicht eine Würde als Gottes Repräsentant. Die Sünde hat ihn entstellt, ihn aber nicht ent-würdigt.
Der Mensch ist als Geschöpf in eine Verantwortung gestellt. Er ist Fürsorger und Verwalter der Natur. Diese Verantwortung hat er in vierfacher Hinsicht wahrzunehmen: In der eigenen Familie, an der Arbeit, in der Gemeinde und im Staat.“

predigt was ist der mensch

Ersatzreligionen

Gerade der Verlust der Religion erweckt überall und in grosser Anzahl Erfinder neuer Religionen. (…) Alles wird dabei zum Gegenstand religiöser Verehrung gemacht: Welt und Menschtum, Heroen und Genien, Wissenschaft und Kunst, Staat und Gesellschaft, Geisterwelt und Naturkräfte.

Herman Bavinck. Christliche Weltanschauung. VKW: Bonn 2007. S. 20.