Christen sind Weltbürger

Christen sollten diejenigen sein,

denen es am leichtesten fällt, global zu denken – im eigenen Interesse (‚damit ihr ein ruhiges und friedliches Leben führen könnt’, 1Tim 2,3), aber vielmehr, weil sie wissen dass alle Menschen und Völker von einem abstammen und ein gemeinsames Schicksal haben (Apg 17,26-27; Röm 5,14-21; 8,20-24).

Das ganze lässt sich auch anders auf den Einsatz für weltweite Verbesserungen der sozialen Bedinungen anwenden. Christen haben von Amts wegen immer die ganze Welt im Blick, nie nur ihre eigene Familie, ihr eigenes Volk oder ihren eigenen Staat. Sie glauben nämlich nicht an eine Stammesgottheit, sondern an den Schöpfer, der die ganze Welt und alle Völker erschaffen hat und alle erlösen will (1Mose 1,1; Joh 3,16; Mt 28,18-20; Offb 4,11; Offb 21,1). Sie gehören auch nicht zu einem Privatklub mit engstirnigen Anliegen, sondern zur internationalen Gemeinde Jesu, die an keine Sprache, kein Volk, keine Kultur, keine soziale Schicht, kein Alter und kein Geschlecht und nicht, was Menschen sonst trennt, gebunden ist (Röm 1,14; Eph 1,13-14; Offb 5,9-10; Offb 21,24-25).

Aus: Andreas Kusch und Thomas Schirrmacher (Hg.) Der Kampf gegen die weltweite Armut – Aufgabe der Evangelischen Allianz? VKW: Bonn 2009.

Substanzielle Heilung

Aufgrund des vollkommenen Werkes Christi wird bei der Auferstehung des Leibes der Mensch psychisch und physisch vollkommen sein. Diese psychologische Spaltung kann aber schon jetzt, in diesem Leben, substantiell überwunden werden. Es ist keine vollkommene, aber eine wirkliche und substantielle Überwindung. Die Heilung kann und muss wesensmässig sichtbar sein, wenn sie auch noch nicht in diesem Leben vollkommen ist.

Gott kann und wird immer wieder umfassende Heilung schenken, aber er tut es nicht immer. Selbst wenn Gott jemanden von einer bestimmten Krankheit völlig heilt, muss das nicht heissen, dass der Betreffende dann in jeder Hinsicht vollkommen gesund ist.

Aus: Francis Schaeffer. Geistliches Leben – was ist das? R. Brockhaus Verlag: Wuppertal 1975.

Lernerlebnis Nr. 39: Was machen Sie, wenn…?

Der Kinderarzt ist schon zum nächsten Patienten gegangen. Doch mein Dritter hatte noch eine brennende Frage. Er springt ihm nach und fragt ihn: „Was machen Sie, wenn jemand soooo krank ist?“ (Er streckt seine Arme so weit aus, wie er konnte.) Sein Gegenüber verstand ihn nicht sogleich. Er wiederholte die Frage so oft, bis sie verstanden und beantwortet war. Von dieser Hartnäckigkeit kann ich mir ein Stück abschneiden.

Aktive Passivität

Heiligung geschieht, wie auch das Leben, Augenblick für Augenblick. Der Glaube von heute Morgen reicht nicht für heute Mittag. Das ist die Praxis der „aktiven Passivität“. Das ist die einzig mögliche Art zu leben; niemand kann anders als Augenblick für Augenblick leben. Maria ist dafür ein Beispiel: Nach der Ankündigung, dass sie den Messias gebären werde, antwortete sie: „Mir geschehe nach deinem Wort!“ (Lukas 1,38)

So strecken wir die leeren Hände des Glaubens Augenblick für Augenblick aus.

Aus: Francis Schaeffer. Geistliches Leben – was ist das? R. Brockhaus Verlag: Wuppertal 1975.

Das Lied der Lieder (9): Nähe durch Versöhnung

Ich bin meines Geliebten, und mein Geliebter ist mein. (6,3)

Ich gehöre meinem Geliebten und sein Verlangen steht nach mir. (7,11)

Ich will dir meine Liebe schenken. (7,13)

Kein Happyend, sondern eine realistische Perspektive: Die beiden Liebenden finden sich wieder. Die Impulse gehen, wenn auch nicht zur gleichen Zeit, von beiden Seiten aus. Das Hohelied beschreibt also nicht nur die Wonnen der Liebe, sondern auch die Arbeit bis zur Versöhnung: Es braucht von beiden Seiten Anstrengung, um die beiden Leben zu synchronisieren.

Das Lied der Lieder (8): Distanz durch Rückfall in alte Muster

Mein Geliebter hatte sich zurückgezogen, war fortgegangen. (5,6)

Niemand merkt so gut wie unsere Nächsten, wie wir wirklich sind. Am Abend nach einem anstrengenden Tag. Beim Packen, wenns in die Ferien geht. Im Stau. Beim Zügeln. Beim Putzen. Beim Socken- und Unterhosen-Liegen-lassen. Einige sagen: Nimm mich so, wie ich bin. Wie wahr und wie falsch zugleich: Ich kann nicht einfach aus meiner Haut schlüpfen. Aber ich kann mich verändern.

Patchworkfamilien – das geheuchelte Familienglück

Ist Patchwork wirklich das Familienmodell der Zukunft? Auf jeden Fall passt es in unsere Unverbindlichkeitswelt. Doch unsere Selbstverwirklichungsmanie fordert ihren Preis. Und den zahlen die Kinder. So schreibt Melanie Mühl in der faz.

Die Kinder sind die Opfer der Ich-Optimierung. Das beweisen ein paar einfache Tatsachen, die viele nicht wahrhaben wollen. Zum Beispiel, dass Scheidungskinder später beinahe doppelt so häufig geschieden werden wie Nicht-Scheidungskinder. Dass sie stärker zu Depressionen und Schizophrenie neigen und häufiger kriminell werden. Sie haben Probleme, Nähe aufzubauen und Menschen zu vertrauen. Sie wissen nicht, wie sich Familie anfühlt, sie haben es nie gespürt. Eine Scheidung ist eine Selbstverständlichkeit und kein Schicksalsschlag mehr. Für ein Kind ist sie eine Tragödie.

Ron Kubsch hat eben auf den faz-Artikel hingewiesen.

Das Lied der Lieder (7): Nähe durch Bewunderung

Du hast mir das Herz geraubt … wie schön ist deine Liebe. (4,9+10)

Der Bräutigam beschränkt sich nicht mit dieser Zusammenfassung, sondern er zählt in den Versen vorher die körperliche Vorzüge einzeln auf. Die Bibelkommentatoren waren besonders bestrebt, diese Details wie „Brüste wie Gazellen“ zu vergeistigen.

Warum eine solche Aufzählung? Ich glaube, dass sie uns einen wichtigen Impuls für Beziehung geben kann: Drücke Bewunderung immer wieder konkret aus.

Lernerlebnis Nr. 38: An den Schwächen arbeiten.

Meine beiden Älteren sind keine Sportskanonen. (Ich war es auch nicht.) In den Sommerferien gingen sie eine Woche lang jeden Tag in eine Turnhalle, wo sie balancieren, klettern und springen konnten.

Lassen wir unsere Kinder auch an den Schwächen arbeiten? (Und bin ich auch als Vater darin Vorbild?) Dazu braucht es zweierlei: Einige Nerven mehr als üblich und viele Ermutigungen. Mein Zweiter überwand seine Angst und kletterte mit äusserster Anstrengung eine Leiter hoch, um sich eine oben aufgehängte Kleinigkeit zu angeln.

Das Lied der Lieder (6): Nähe durch Intimität

Der dritte Akt des Hohelieds beschreibt die Heimführung der Braut und die Hochzeit im Festsaal des königlichen Palastes. Als Schlusspunkt kommt die Aufforderung der Braut (und nicht des Bräutigams):

Mein Geliebter komme in seinen Garten und esse seine herrliche Frucht. (4,16)

Die Braut verwendet das Bild des Gartens als Bild für diese Exklusivität. Hast du schon mal einen schön angelegten Park gesehen, der öffentlich zugänglich ist? Es dauert nicht lange, bis er an Schönheit eingebüsst hat. Meine Frage: Gibt es in deinem Leben so etwas wie einen Zaun?

Trinkt und berauscht euch an der Liebe (5,1).

Ist Gott körperfeindlich? Das wollte uns die Kirche über Jahrhunderte einreden. Dieses Bild passt nicht. Gott hat ja den Höhepunkt geschaffen.