Interview: Niedrigere Leseziele reduzieren Druck

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Ich habe mit einem anderen eifrigen Leser, Jakob Haddick, ein Interview geführt. Er veröffentlicht seine Rezensionen auf Amazon und schreibt auch Beiträge auf dem Logos-Blog.

1. Wie stellst du dich einem Menschen persönlich vor, mit dem du in der Gemeinde zum ersten Mal ein Gespräch führst?

In der Regel stelle ich mich als Pastor der Gemeinde vor. Als Pastor stehe ich nicht über den Ältesten der Gemeinde – ich bin Teil des Ältestenkreises, lediglich der einzige „Angestellte“ – aber wenn ich mich als Pastor vorstelle vermittle ich Gästen, dass ich für die Gemeinde spreche und sie sich bei Fragen zur Gemeinde gerne an mich wenden können. Je nachdem wie sich das Gespräch entwickelt, erzähle ich gerne von meiner Bekehrung oder davon, wie es dazu kam, dass wir jetzt in der Pfalz sind. Viel lieber stelle ich aber selbst Fragen und versuche den Anderen kennenzulernen und zu erfahren, was ihn zu uns geführt hat.

2. Wer profitiert ausserhalb der Gemeinde am meisten von deinem Lesen?

Fast so sehr wie das Lesen selbst, liebe ich es, anderen Menschen Bücher zu empfehlen oder auch Bücher direkt zu verschenken. Wenn ich merke, dass andere von so einem Buch profitiert haben, und sehe, was es in ihrem Leben oder Dienst verändert hat, bin ich zutiefst dankbar. Um noch mehr Menschen damit zu erreichen plane ich, im Januar mit einem eigenen Blog zu starten. Da soll es dann nicht nur um Bücher gehen, aber doch zu einem guten Teil.

3. Weshalb hast du begonnen Rezensionen zu schreiben?

Es gab für mich im Wesentlichen zwei Gründe. Der Erste: Seit Jahren lese ich relativ viel. Für 2016 setzte ich mir ein damals trotzdem für mich ambitioniertes Ziel. Ich wollte 48 Bücher durchlesen (dazu zähle ich auch Hörbücher, von denen ich viele anhöre). Als ich dann über Jahresziele für 2017 nachdachte, wollte ich nicht nur die Anzahl beibehalten oder erhöhen, ich dachte auch über Möglichkeiten nach, mir mehr von dem Gelesenen einzuprägen. Ich bin dem Herrn dankbar, dass ich ein relativ gutes Langzeitgedächtnis habe. Ich kann mir gelesene oder gehörte Inhalte oft gut merken, aber ich habe doch nach Wegen gesucht, Inhalte noch besser zu verinnerlichen. Ich sah einen Weg im schriftlichen Festhalten wesentlicher Inhalte der gelesenen Bücher. Der zweite Grund: Da andere schon des öfteren von meinen Buchempfehlungen profitiert haben, wollte ich meine Notizen öffentlich zugänglich machen. So entschied ich mich, die Bücher auf Amazon zu rezensieren.

4. Wie baust du deine Rezensionen auf?

(1) In der Regel beginne ich mit ein paar Worten zum Autor. (2) Dann gebe ich die wesentlichen Inhalte des Buches wieder. Hierbei orientiere ich mich meistens am Inhaltsverzeichnis und folge der Struktur des Buches. (3) Anschließend schreibe ich über die persönlich empfundenen Stärken und Schwächen des Buches. (4) Zuletzt folgt ein Fazit und der Hinweis, welcher Lesergruppe ich das Buch ggf. empfehlen kann.

Schon zu Schulzeiten war ich eher jemand, der knapp und präzise geschrieben hat anstatt lang und umfassend. Ich orientiere ich mich an der Marke von 250 Wörtern. Wenige meiner Rezensionen liegen darunter, deutlich ausführlicher sind aber auch nicht viele.

5. Welche drei Rezensionen bleiben dir besonders in Erinnerung? Weshalb?

Die Frage ist wohl eng verknüpft mit der Frage, welche Bücher mich in den letzten zwei Jahren (seit ich Rezensionen schreibe) am meisten zum Denken angeregt haben. Das ist nicht einfach zu beurteilen, ich Versuches es aber einmal:

  1. Jonathan Pennington: Reading the Gospels Wisely. Eine hervorragende Einführung in die Grundlagen der Auslegung narrativer Bibeltexte, im besonderen der Evangelien.
  2. Travin Wax: This Is Our Time. Enorm hilfreich, um unsere Kultur zu verstehen, das eigene Herz zu prüfen und die Kraft des Evangeliums zu erkennen. Der Autors schreibt im Kontext der USA, aber wir sind nicht so weit weg davon.
  3. Timothy Keller: Predigen. Zeigt praktisch und kraftvoll auf, wie wir Menschen das Evangelium nahebringen können. Ich habe hier noch viel zu lernen. Hilfreich für jeden Prediger und glücklicherweise auch in deutscher Sprache erhältlich.

6. Was rätst du „Lesemuffeln“?

Die Frage der Motivation ist die wichtigste. Die Frage, die jeder für sich selbst beantworten muss: Will ich mich in meinem Denken prägen und herausfordern lassen? Oberste Priorität sollte dabei das Wort Gottes haben, aber ich möchte immer auch bereit sein, von anderen zu lernen. Wenn die Motivation gegeben ist, kann es praktisch werden. Wer sich vornimmt jeden Tag nur eine Seite zu lesen (für jeden machbar!), der kommt im Jahr durch zwei Bücher. Das ist mehr als viele Christen lesen. Die Wahrscheinlichkeit ist durchaus gegeben, dass aus der einen Seite auch mal mehr werden. Durch das niedrig gesteckte Ziel wird aber der Druck rausgenommen. Diesen Tipp las ich vor Jahren irgendwo, ich kann mich aber nicht mehr erinnern an welcher Stelle. Darüber hinaus empfehle ich, Bücher sichtbar in der Wohnung liegen zu haben und immer eins dabei zu haben, wenn man unterwegs ist. Persönlich bin ich viel mit dem Fahrrad unterwegs (der Weg zum Büro und zurück) und höre außer Podcasts auch des öfteren Hörbücher. Außer Audible kann ich auch ChristianAudio empfehlen. Wegen einer Aktion bekommt man hier aktuell (bis zum 22.12.) fast jedes Hörbuch für 7,49$ – und da sind wirklich gute mit dabei. Englischkenntnisse werden hier natürlich vorausgesetzt. Wer deutschsprachige Hörbücher sucht, kann bei Leseplatz fündig werden, die Auswahl ist aber natürlich geringer.

Vielen Dank für deine hilfreichen Antworten!

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