Zitat der Woche: Pluralismus als Geisteszustand

Passendes Buch:

Bei meinen Re-Readings habe ich erneut das ausgezeichnete Werk «The Gagging of God» zur Hand genommen.

Wir haben ein Stadium der Pluralisierung erreicht, in dem die Wahlfreiheit (choice) nicht nur ein Zustand, sondern ein Geisteszustand darstellt. Die Wahl ist zu einem Wert an sich geworden, sogar zu einer Priorität. Modern zu sein bedeutet, süchtig nach Wahlmöglichkeiten und Veränderung zu sein. Veränderung wird zum eigentlichen Wesen des Lebens. (221; Kindle-Position)

Die Postmoderne ist eine Sichtweise, die nicht zuletzt davon abhängt, was als die fundamentalen Grenzen der Deutungshoheit wahrgenommen wird: Da die Interpretation nie mehr als meine oder unsere Interpretation sein kann, ist keine rein objektive Haltung mehr möglich. (1144)

Der philosophische Pluralismus ist im Grunde genommen eine erkenntnisbezogene Haltung: Er kauft sich in einen Komplex von Theorien über das Verständnis und die Interpretation ein, der Zweifel daran aufkommen lässt, ob die objektive Wahrheit zugänglich ist, und der die meisten, wenn nicht alle Bedeutungen im Interpreten selbst, nicht im interpretierten Text oder Objekt verortet. (860)

Das Evangelium der relativistischen Toleranz ist vielleicht die derzeit am meisten evangelistische Bewegung in der westlichen Kultur, die Zustimmung verlangt und keine Rivalen duldet. (492)

Was bedeutet “aufgeschlossen” (open-minded)? Es bedeutet nicht mehr, dass Sie starke Ansichten haben oder nicht, aber dennoch verpflichtet sind, den entgegengesetzten Argumenten ehrlich zuzuhören. Vielmehr bedeutet es, dass Sie sich dogmatisch der Ansicht verschrieben haben, dass alle Überzeugungen, die eine andere als verkehrt ansehen, unangemessen und engstirnig sind. (539)

Eines der Hauptargumente dieses Buches ist, dass das konfessionelle Christentum weder die Moderne noch die Postmoderne vollständig annehmen kann, doch muss es aus beiden gewisse Lehren ziehen; es muss sich vielen Merkmalen des philosophischen Pluralismus energisch entgegenstellen, ohne sich in die Moderne zurückzuziehen. (294)

Wir müssen nicht nur den gesamten Ratschluss Gottes verkünden, sondern dies auch in einer Umgebung tun, in der das Thema als vage oder sogar ausdrücklich irrelevant wahrgenommen wird. (632)