Hanniel hirnt (277): Grundangst – Rückblick auf drei Monate Corona-Krise

Passendes Buch:

Was habe ich in den letzten Wochen nicht alles gelesen: Zeitungsartikel, Einschätzungen von medizinischen und wirtschaftlichen Experten; ich verfolgte einige engagierte Diskussionen unter Christen. Hier meine 10 Cents im Rückblick. Ich sehe die Reaktion auf die Krise als Spiegelbild unserer Grundangst.

  1. Ein kleiner Käfer mit grosser Wirkung: Die Krise stimuliert Verbesserungen auf breiter Front (dank Gottes allgemeiner Gunst); gleichzeitig offenbart sie die Tendenz zu Hybris (Überheblichkeit). Meine Lesetipp: Hesekiel 26-28.
  2. Drei Beobachtungen (“wie es mir erscheint”): Spitäler z. T. voll, z. T. leer; 1400 Personen holen Gratis-Lebensmittelpakete ab; Patienten mit Todesängsten, Rüstige sterben.
  3. Die Überraschung: Der Staat verteilt in nie gekannter Geschwindigkeit Gelder zur Leidminderung; Spiegel der Anspruchsgesellschaft?
  4. Heute angezapft, übermorgen berappt: Wir verteilen die Substanz zukünftiger Generationen.
  5. Staatenlenker handeln – scheinbar – unter Gruppendruck.
  6. Experten übernehmen sichtbar die Rolle von Rettern.
  7. Ich nehme mit eigenen Entscheiden dauernd Stellung zum Geschehen.
  8. Manchen erscheint das Verhalten der christlichen Gemeinden als symptomatisch: Vorauseilender Gehorsam, kein Rückgrat. Der Staat greife ohne Widerstand auf das Hoheitsgebiet der Kirchen ein. (Ich äussere zwei Einwände.)
  9. Wir haben uns an widersprüchliche Argumente gewöhnt. Konsistenz ist zur Ausnahme geworden.
  10. Ich bin gefordert in Demut zu wachsen – als ängstlicher Typ, Angehöriger der Risikogruppe und Mitarbeiter in Spitälern.

Zum Beitrag (23 Minuten).

Unbedingt zum Lesen empfohlen auf diesem Hintergrund: “Wie der Westen (wieder) erreicht werden kann”. Tim Keller hebt das “Angebot” des christlichen Glaubens hervor:

  • einen Sinn im Leben, der nicht durch Leid zerstört (wohl aber vertieft) werden kann;
  • eine Erfüllung, die nicht von den Umständen abhängt;
  • eine Freiheit, die wahre Gemeinschaft und Liebesbeziehungen nicht zu oberflächlichen Transaktionen macht;
  • eine Identität, die nicht fragil ist und nicht auf Leistung oder Ausgrenzung basiert;
  • eine Möglichkeit, mit Schuld umzugehen und ohne einen anhaltenden Beigeschmack von Bitterkeit oder Scham zu vergeben;
  • eine Grundlage für das Streben nach Gerechtigkeit, ohne selbst zum Unterdrücker zu werden;
  • eine Möglichkeit, nicht nur der Zukunft, sondern sogar dem Tod mit Gelassenheit und Frieden entgegenzugehen.