Zitat der Woche: Die Kirche, unser Körper und Corona

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Mein Freund Jochen Klautke stellt in einem Artikel der neusten “Bekennenden Kirche” (Nr. 84) fest:

Angesichts (der) ernüchternden Sachlage stelle ich folgende Fragen: Könnte es nicht sein, dass wir Christen die rechte Seite der Waage unter anderem deswegen so wenig gewichten, weil wir vom Zeitgeist die Geringschätzung des Körpers übernommen haben? Oder anders gefragt: Sind wir wirklich bereit, die körperliche Anwesenheit und Zugewandtheit (mitsamt Mimik, Nähe und Körperkontakt), die gemäß der Heiligen Schrift und der Schöpfungsordnung ein unverzichtbarer Aspekt der Nächstenliebe sind, als Bedrohung und nicht als Bereicherung anzusehen?

Ich habe den Eindruck, dass aktuell diejenigen als verrückt angesehen werden, die physische Nähe für eine Bereicherung halten. Dabei liegt die Beweislast auf der Seite derer, die den Körper des anderen einseitig als Bedrohung wahrnehmen und dies der Gemeinde zu vermitteln suchen. Sie müssen gut und nachvollziehbar begründen können, warum es ausgerechnet an dem Ort, an dem Nächstenliebe gelebt werden soll wie sonst nirgendwo in dieser Welt, in Ordnung ist, die physischen Aspekte der Nächstenliebe preiszugeben. Anders formuliert: Sie müssen zeigen, dass die linke Seite der Waage schwerer wiegt als die rechte.

… Die Gefahr ist groß, dass Leute am Rand der Gemeinde auf der Strecke bleiben. Es besteht die reale Gefahr, dass Singles und ältere Menschen unserer Gemeinden vereinsamen mit all den negativen Konsequenzen, die das nach sich zieht. (Körperliche) Gemeinschaft mit anderen Christen ist ein unverzichtbares Mittel, das Gott benutzt, um uns im Glauben zu bewahren, zu er- mutigen und zu stärken (zum Beispiel: 1Kor. 12,21–25; Röm. 12,5–8). Von daher ermutige ich Sie, auf jeden Fall den Präsenzgottesdienst Ihrer Gemeinde zu besuchen – auch dann, wenn Sie die Corona-Maßnahmen Ihrer Gemeinde für zu locker oder für zu einschränkend halten.