Zitat der Woche: Aus Luthers Vorrede zum Römerbrief

Herrlich, wie Luther in seiner Vorrede zum Römerbrief die Beziehung von Gesetz und Evangelium, Glaube und Werke entfaltet. Im ersten Teil der Vorrede spricht er über die Bedeutung des Briefes, im zweiten geht er durch jedes Kapitel.

… keiner aus Herzens Grund Gottes Gesetz hält noch halten kann / Denn jedermann findet bei sich selbst Unlust zum Guten und Lust zum Bösen. Wo nun nicht freie Lust zum Guten ist / da ist des Herzens Grund nicht am Gesetz Gottes / Da ist dann gewißlich auch Sünde und Zorn verdient bei Gott / obgleich äußerlich viele gute Werke und ehrbares Leben scheinen.

Denn ob du wohl auswendig das Gesetz mit Werken hieltest / aus Furcht der Strafe / oder Liebe des Lohns / So tust du doch alles / ohne freie Lust und Liebe zum Gesetz / sondern mit Unlust und Zwang / wolltest lieber anders tun / wenn das Gesetze nicht wäre. Daraus denn schließt sich / daß du von Herzens Grund dem Gesetz feind bist.

… ein solches Herz gibt niemand / außer Gottes Geist / der macht den Menschen dem Gesetz gleich / daß er Lust zum Gesetz gewinnt von Herzen / und hinfort nicht aus Furcht oder Zwang / sondern aus freiem Herzen alles tut.

Der Geist aber macht ein frohes und freies Herz / wie das Gesetz fordert / So kommen denn die guten Werke aus dem Glauben selber.

insbesondere sieht die Schrift ins Herz / und auf die Wurzel und Hauptquelle aller Sünde / welche der Unglaube im Grunde des Herzens ist.

Ob nun wohl die Gaben und der Geist in uns täglich zunehmen / und noch nicht vollkommen sind / daß also noch böse Lüste und Sünde in uns übrigbleiben / welche gegen den Geist streiten / wie er sagte in Röm. 7. und Gal.5.

Aber weil wir an Christus glauben / und des Geistes Anfang haben / ist uns Gott so günstig und gnädig / daß er solche Sünde nicht achten noch richten will / Sondern nach dem Glauben in Christus mit uns fahren / bis die Sünde getötet werde.

Glaube ist eine lebendige / erwogene Zuversicht auf Gottes Gnade / so gewiß / daß er tausend Mal drüber stürbe.

Also / daß unmöglich ist / Werk vom Glauben scheiden / Ja genauso unmöglich / wie Brennen und Leuchten / vom Feuer geschieden werden mag.

Denn durch den Glauben wird der Mensch ohne Sünde / und gewinnt Lust zu Gottes Geboten / Damit gibt er Gott seine Ehre / und bezahlt ihn / was er ihm schuldig ist.

DIEWEIL EINEM EVANGELISCHEN PREDIGER GEBÜHRT / am ersten durch Offenbarung des Gesetzes und der Sünden / alles zu strafen / und zu Sünden zu machen / was nicht aus dem Geist und Glauben an Christo gelebt wird / damit die Menschen zu ihrer eigenen Erkenntnis und Jammer geführt werden / daß sie demütig werden / und Hilfe begehren.

obgleich sie wissen und täglich erkennen / daß ein Gott sei / so ist doch die Natur an ihr selbst / außer der Gnade / so böse / daß sie ihm weder dankt / noch ihn ehrt.

also sind alle gute Werke nur äußerliche Zeichen / die aus dem Glauben folgen / und beweisen / als die guten Früchte / daß der Mensch schon vor Gott inwendig gerecht sei.

(Römer 6) lehrt uns / Daß wir durch den Glauben nicht also befreit sind von Sünden / daß wir müßig / faul und sicher sein sollen / als wäre keine Sünde mehr da.

Darum ist die Freiheit eine geistliche Freiheit / die nicht das Gesetz aufhebt / sondern darreicht / was vom Gesetz gefordert wird / nämlich Lust und Liebe / damit das Gesetz gestillt wird / und nicht mehr zu treiben und zu fordern hat.

wo das Gesetz recht erkannt und aufs Beste gefaßt wird / da tut es nicht mehr / denn es erinnert uns unserer Sünde / und tötet uns durch die selbige / und macht uns schuldig des ewigen Zorns.

Weil aber nichts so gut ist / das Fleisch zu betäuben / als Kreuz und Leiden / tröstet er uns im Leiden / durch Beistand des Geistes

wer diese Epistel wohl im Herzen hat / der hat des Alten Testaments Licht und Kraft bei sich.

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