Vortrag: Depression und fehlendes Werterleben

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Alfried Längle gehört zu den weltweit erfahrensten Therapeuten mit den meisten Therapiestunden. Er beschreibt in seinem Vortrag zur Depression feinfühlig (ab Minute 28):

Je depressiver ich bin, desto mehr verliert das Leben an Wert. Ich mag nicht mehr leben. Dadurch sprechen mich die Werte weniger an und erreichen mich nicht mehr. Der schwer Depressive erträgt nicht einmal mehr die Sonne und den schönen Frühlingstag. Er schliesst die Läden, weil es ihn schmerzt. Er kann sich nicht mehr von Werten nähren. Es geht also stets um eine Reduktion des Werterlebens.

Das Erleben mit Werten macht nur noch agressiver, weil es so unerträglich ist. Es ist – im Vergleich – so, wie wenn man kalt gefrorene Hände mit heissem Wasser behandelt. Es bringt in Aufruhr, Empörung, Ablehnung. Dies ist wichtig für Angehörige zu wissen. Sie wollen dem Depressiven etwas Gutes tun und erreichen genau das Gegenteil: Sie fügen ihm Leid zu.

Es ist für den Depressiven also schwierig, eine positive Beziehung in Empfang zu nehmen. Er weiss, dass die fehlende Lebensfreude eine schwere Last ist und möchte nicht, dass aus dem Unglück in der Umgebung noch mehr Unglück entsteht.