Lernerlebnis Nr. 23: Projektwoche Soziale Kompetenz.

An den Schulen werden Trainingsprogramme und Projektwochen zum Thema Soziale Kompetenz abgehalten. In kürzeren und längeren Einheiten sollen die Kinder bestimmte Verhaltensweisen erleben, reflektieren und einüben. So weit so edel; mein Einwand: Charakterentwicklung ist ein andauernder Prozess. Eine neue Gewohnheit einzuüben kann mehrere Monate dauern. Und es reicht nicht aus, die Verhaltensebene anzusprechen, das Kind (wie auch der Erwachsene) muss mit seinen Motiven konfrontiert werden. Das beste Trainingsumfeld hierzu ist und bleibt das Elternhaus.

Zum Verhältnis von Staat und Kirche

Johannes Corrodi, Religionsphilosophe an der Universität Zürich – Dissertation “The Christian Philosophy of Herman Dooyeweerd (1894-1977)” hat einen kurzen, dichten Aufsatz „Zum Verhältnis von Staat und Kirche – eine theologisch historische Skizze“ geschrieben. In diesem Text wird die Auffassung stark gemacht

dass der Staat in einer christlichen Gesellschaft die rechtliche Privilegierung einer besonderen Religionsgemeinschaft gerade ausschliesst. In dieser Perspektive wurzelt das Mandat des Staates vielmehr im göttlichen Auftrag, gerechte Rahmenbedingungen für die Entfaltung aller (Arten von) Gemeinschaften, inklusive Religionsgemeinschaften, zu gewährleisten – vorausgesetzt diese Gemeinschaften akzeptieren das staatliche Mandat.

Corrodi plädiert dafür, dass die Kirche nicht nur Gottes Wort verkündet und die Gegenwart Christi in den Sakramenten feiert, sondern dazu anleitet,

die Gegenwart Christi in der gesamten Schöpfung, Natur und Kultur, wahrzunehmen. … Es gibt kein Leben, keine Kultur und keine Wahrheit ohne Materialität.

Im Anschluss an den Theologen und Staatsmann Abraham Kuyper (1837-1920) setzt sich Corrodi für die „Sphärensouveränität“ ein: Das Schöpfungs- und Kulturmandat (nach Gen 1,28) beinhaltet „die Gestaltung und Transformation aller Lebenssphären“.

Durch den historischen Prozess seien hingegen immer mehr Lebenssphären aus dem Schoss der Kirche in die Selbständigkeit gelangt,

zur immer grösseren ‚Unsichtbarkeit’ des christlichen Glaubens – der schliesslich allein in den ‚Herzen’ der Gläubigen wohnt. … Der persönliche Glaube und das moralische Gewissen sind dem Einzelnen so innerlich, dass sie einerseits zum Inbegriff der unantastbaren Privatsphäre werden, andererseits aber jeden intersubjektiven Wahrheits- oder Geltungsanspruch ausschliessen.

Das wiederum führte zu einer Neudefinition der Freiheit, die nicht mehr Freiheit in Christus, sondern „Freiheit der ‚selbst-bestimmten’ Persönlichkeit“ wird. In der Folge würden die Sphären Ehe, Familie, Kirche, Parteien, Verbände etc. atomisiert, denn diese werden als Bedrohung der Autonomie gesehen.

Angewandt auf die Frage, ob Angehörige anderer Konfessionen und Religionen ihre Heiligtümer auf Schweizer Boden errichten dürfen,  schlussfolgert Corrodi: Der Rechtsstaat brauche

ein einheitliches moralisches Wertesystem, keine Einheitsbildung, keine einheitliche Architektur etc., sondern allein Anerkennung der einheitlichen Rechtsprechung und Respekt vor dem einen Gesetz des Landes.

Beurteilung: Drei Fragen bleiben aus meiner Sicht offen.

  1. Die hermeneutische Grundlage, auf der Corrodi operiert, bleibt mit der Definition “Als normativer Leitfaden dient die heilige Schrift der Christen im Kontext ihrer Wirkungsgeschichte.” unklar. Was hat Priorität?
  2. Was ist Grundlage für die „kreatürlichen“ gesellschaftsbildenden Normen?
  3. Wie nimmt die Kirche ihr Kulturmandat wahr, ohne ihre – aus meiner Sicht primäre – Aufgabe der Verkündigung des Heils zu vernachlässigen?

Deutschlands (Geburten-)Armut

Schirrmacher hat die Geburtenstatistik Deutschlands zusammengetragen und kommentiert:
  • 2008 waren 21 % der 40-44jährigen Frauen kinderlos (bei Akademikerinnen 28 %)
  • Geburtenrate liegt unter 1,4 (nötig wären 2,08)
  • Geburtenrate der Frauen mit Migrationshintergrund 1,6
  • Geburtenrate bereits seit 30 Jahren unter 1,4!

Damit mich keiner falsch versteht: Jeder Rassismus ist mir fern und dem ‘deutschen’ Boden dürfte es ziemlich egal sein, welche Menschen auf ihm leben.

Wir stehen vor der Frage, ob wir eine im Erwerbsleben stehende oder eine im Kind vitale Gesellschaft sein wollen.

Hier geht es zum Blogbeitrag.

Faszination Buddhismus

Vor einigen Wochen erlebte ich die imposante Einfahrt des Dalai Lama beim Hyatt-Hotel in Zürich. Vor dem Eingang warteten einige seiner Verehrer. GEO schreibt:

„Der Dalai Lama gehört zur Kerngruppe der letzten moralischen Instanz auf der Erde …“, er ist „entschieden weniger dogmatisch als der verblichene Johannes Paul II., spiritueller als Nelson Mandela, weltgewandter und intellektueller als Mutter Teresa, weniger unter diplomatischem Anpassungsdruck als Kofi Annan.“, „… ein mittelalterlicher Herrscher, der zu einem postmodernen Engel geworden ist.“

Die Autoren der SEA-Dokumentation (2005) warnen vor einer optimistischen Vermischung von zwei sehr unterschiedlichen Weltanschauungen:

Der Buddhismus ist eine Selbsterlösungsreligion, die perfekt zu unserer Multioptions-Gesellschaft zu passen scheint. Da es in dieser Weltanschauung keine Verantwortung einem Schöpfergott gegenüber gibt, ist der einzelne Mensch nur noch sich selbst gegenüber verantwortlich. Dies entspricht dem modernen Individualismus. Sollte sich diese Haltung durchsetzen, würden die Kälte und der Egoismus in unserer Gesellschaft weiterhin zunehmen. Laut buddhistischer Anschauung hat jeder, was er verdient! Solches Gedankengut hat aber weit reichende ethische Konsequenzen.

Den vom Buddhismus Faszinierten sollte erklärt werden, dass der Buddhismus auf die völlige Auflösung des Individuums und der Individualität abzielt. Und dass es gerade nicht darum geht, zu sich selber zu finden.

Aus: sea dokumentation nr. 43. Buddhismus oder Christus? Der Dalai Lama in Zürich. Download hier.

Lernerlebnis Nr. 22: Ich bin ein Typ, der begrenzt rennt.

Ab und zu sehe ich mir eine Vereins-Turnlektion an. Es interessiert mich, wie die Leiter das Programm gestalten, wie sie mit der Horde kleiner Jungs klarkommen und wie sie mit Widerständen umgehen. Die einen geben alles, die anderen halten sich (mehr als vornehm) zurück. Mein Ältester stufte sich selber dazwischen ein: „Ich bin ein Typ, der begrenzt rennt.“ So kalkuliert können Kinder sein…

Sentimentalität als Gefahr für den Glauben (3): Die Gefühle sind Endstation, es fehlt die verantwortliche Tat.

Wie Oscar Wilde schrieb, wünscht der Sentimentalist den Luxus der Emotionen zu haben – ohne einen Preis dafür zahlen zu müssen.

Zum Beispiel: Die News-Sendungen sind so „designt“, dass die Gefühle stimuliert werden. Es bleibt bei der Empörung oder dem Mitleid.

Die Folge: Wenn Sentimentalität genügt, warum braucht es dann noch Christus? Weshalb ist der Mensch erlösungsbedürftig?

Dick Keyes. Sentimentality: Significance for Apologetics. In: Francis Schaeffer. A Mind and Heart for God. P & R Publishing: Phillipsburg 2010.

Lernerlebnis Nr. 21: Einmal aufbauen – und die nächste Packung.

An einem regnerischen Sonntag haben wir die online ersteigerte Beute (14,2 kg Lego) abgeholt. Wohl gemerkt: Fast alles Spezialteile, von der Marsstation über Star Wars-Krieger bis zum Tieflader war alles dabei – in Einzelteilen. Was werden die Kinder wohl mit Tausenden von solchen Einzelteilen anfangen? Ganz einfach: Sie kombinieren und bauen mit ihrer unerschöpflichen Fantasie neue Fahrzeuge und Gebilde. Das ist mir sympathischer als die Lego-Strategie: Einmal aufbauen, sich kurz daran freuen und dann die nächste Packung zu kaufen.

Sentimentalität als Gefahr für den Glauben (2): Wenn die Liebe zum anderen an den eigenen positiven Emotionen gemessen wird

Sentimentalität ist selbst-referenzierte Emotionalität. Die Liebe zum Nächsten wird mit der Liebe zu den eigenen Emotionen verwechselt. Das Wichtigste ist demnach, dass die eigenen Gefühle in Ordnung sind.

Zum Beispiel: Das Begräbnis von Prinzessin Diana war für Tausende eine Projektionsfläche ihrer eigenen Gefühle. Eine fromme Variante: „Faked feelings“ über angebliche Nähe zu Gott; fromme Argumentationen, um vom wirklichen Frust abzulenken…

Die Folge: Menschen wenden sich von Christen ab und stellen erbittert fest, dass diese ihr eigenes „komfortables kleines Game“ in der Kirche spielen.

Dick Keyes. Sentimentality: Significance for Apologetics. In: Francis Schaeffer. A Mind and Heart for God. P & R Publishing: Phillipsburg 2010.