E21 Konferenz: 1. Umsetzungsidee „Die Kirche in der Gesellschaft“

Eine erste Idee zur Vermittlung zu Hause (Input von Albert Mohler, schematisiert)

  1. Die Kirche in der Vormoderne: Im Zentrum der Gesellschaft
  2. Die Kirche in der Moderne: Eine Stimme unter vielen
  3. Die Kirche in der Spätmoderne: Draussen, ohne Stimme, isoliert

Das Anschlussgespräch:

Mein Zweiter: "Wie reagieren wir darauf?" – Ein erster Hinweis: Unsere Argumente müssen "dick" ("thick") werden, das heisst das treffen, was den anderen zutiefst beschäftigt. Francis Schaeffer sprach von einem "Schutzdach", das zu entfernen ist.

E21 LiveBlog „500 Jahre Reformation“: Soli Deo Gloria

#11 Predigt: Soli Deo Gloria (Hes 36,22f) – David Platt

A) Die primäre Motivation zur Errettung ist die weltweite Verherrlichung Gottes.

Eine der grössten Vorzüge einer solchen Konferenz sind die Beziehungen, die untereinander geknüpft werden und stärkend wirken. – David Platt

Die Frage dieser Predigt lautet: Warum? Ich habe vier kleine Kinder in meinem Haus. Das ist eine häufige Frage. Sie wollen die Motivation erkennen. Also: Warum Sola Scriptura – Fide – Christus – Gratia? Ein Vorschlag zur Antwort: Soli Deo Gloria.

Hesekiel ist während des gesamten Buches im Exil. In der Mitte des Buches fällt Jerusalem endgültig an die Babylonier. Im 36. Kapitel kündigt er Gottes Wirken an, um einen neuen Bund aufzurichten.

Eine Wahrheit, die aus diesem Text herausspringt: Die grösste Motivation der Errettung ist die weltweite Verherrlichung Gottes. Warum rettet Gott sein Volk, obwohl sie gegen Ihn sündigen? Gott richtete sein Volk, aber er hat sie nicht gänzlich ausgelöscht. Er tat an ihnen nicht, was er an vielen anderen Völkern getan hatte. Im Exil wurde der Name Gottes entweiht (Hes 36,20). Der Gott dieser Leute könnte, so ihre Schlussfolgerung, nicht gross sein. Er führt sein Volk wegen seines heiligen und grossen Namens zurück!

Als Kirche stellen wir uns kaum einen Gott vor, der für seine Herrlichkeit eifert. Dabei ist es kein Randgedanke. Ein über das andere Mal erschallt der Ruf (70-mal): „Du sollst erkennen, dass ich der Herr bin.“ John Piper hat das nicht erfunden! Es ist mehr als angemessen für Gott, Gott-zentriert zu sein (nicht aber für uns). Auf was sollte Er denn sonst ausgerichtet sein? Warum hat die Schrift absolute Autorität? Damit Gott und nicht einem Menschen alleine die Herrlichkeit zukommt!

Beachten wir, wie oft ab Hes 36,23ff das Wort „ich“ vorkommt (13-mal in 11 Versen!) Gott handelt in seiner souveränen Gnade – das ist die alleinige Grundlage unserer Errettung.

B) Darum: Trage Gottes Herrlichkeit in die Welt hinaus. (Und für Leiter: Lasst uns Gottes Volk dazu anführen.)

Warum hat Gott dich gerettet? Die Antwort lautet: Zu seiner Herrlichkeit. Wir sind nicht das Zentrum seines Universums, Er ist es. Als Empfänger dieser Gnade: Lasst uns zu Seiner Ehre leben unter den Völkern! Nenne diese Predigt keine Missionspredigt. Denn die Verbreitung der Herrlichkeit Gottes gilt nicht nur für Missionare. Es braucht eine neue Kategorie in unseren Herzen: Es gibt Menschen, die ein Anliegen für die Verkündigung der Herrlichkeit unter den Völkern haben. Sie heissen „Christen“. Weltmission ist kein Programm in der Kirche. Sie ist der Sinn und Zweck unseres Lebens.

„Ich tat nichts. Das Wort tat alles.“ (Martin Luther) Lass uns diesem Wort vertrauen, dass es sein Werk tun wird. Dann wird es zur Herrlichkeit Gottes erschallen. Im verkündigten Evangelium zeigt Gott seine Kraft zur Rettung.

E21 LiveBlog „500 Jahre Reformation“: Neun Merkmale einer gesunden Gemeinde

#10 Seminar: Die neun Merkmale einer gesunden Gemeinde (Mark Dever)

Die Kennzeichen der wahren Kirche

  • Universal, über alle Zeiten: Die eine, heilige, weltweite, apostolische Kirche.
  • Lokal gedacht: Die Reformatoren definierten zwei bzw. drei Kennzeichen (u. a. Augsburger Bekenntnis). Richtige Predigt des Wortes Gottes, richtiges Darreichen der Sakramente,  dazu Kirchenzucht (Bucer, Cranmer).

Unter diesen wahren Gemeinden: Was zeichnet gesunde Gemeinden aus?

  1. Auslegendes Predigen: Die Hauptaussage des Bibeltexts ist die Hauptaussage der Predigt (z. B. Röm 10,17). Gottes Wort fügt Menschen zu Gottes Volk hinzu, nicht: Gottes Volk schuf Gottes Wort.
  2. Biblische Theologie: Ist es wahr, ausgewogen? Entspricht es dem Gesamtcharakter der Schrift? Werden die Grundlehren wie Sünde und Gnade richtig gelehrt?
  3. Biblisches Verständnis des Evangeliums: Gott, Mensch, Christus, Antwort. Menschen können ohne es genau erklären zu können gerettet werden. Doch sie werden durch das Evangelium, das klar benannt werden kann, gerettet.
  4. Ein biblisches Verständnis von Bekehrung: Busse ist ein Geschenk Gottes. „Werde gerettet.“ Statt: „Entscheide dich.“ Dieser Sprachwechsel ist signifikant.
  5. Ein biblisches Verständnis von Evangelisation: Wir können frei die Botschaft des Evangeliums verkündigen. Wir können jedoch keine Entscheidung herbeiführen. Vorsicht vor Manipulation!
  6. Biblisches Verständnis von Gemeindemitglied: Fordere die Menschen auf, sich verbindlich zur Ortsgemeinde zu bekennen. Die ontologische Mitgliedschaft besteht natürlich unabhängig davon.
  7. Biblisches Verständnis von Gemeindezucht: Wir führen sie zum Wohl des Einzelnen und der gesamten Gemeinde aus.
  8. Geistliches Wachstum/Jüngerschaft
  9. Biblische Ältestenschaft

(Nach dem gleichnamigen Buch "Neun Merkmale einer gesunden Gemeinde".)

E21 LiveBlog „500 Jahre Reformation“: Der alte Glaube

#9 Vortrag: Der alte Glaube (Ligon Duncan)

Die Absicht der Kirchenväter bestand darin uns in die Heilige Schrift einzuführen (nach Martin Luther). Wir können und sollen von der Kirchengeschichte viel lernen. Die Reformatoren hielten stets fest, dass die Kirchenväter sich auf ihre Seite stellten. Sie zitierten diese in ihren Disputation laufend. Es hilft uns, unsere Bibeln besser zu studieren. Manchmal stimmen wir zu, manchmal weichen wir von ihnen ab. Dadurch kommen wir zu einer tieferen Wertschätzung der Bibel. Wir akzeptieren jedoch nur die Schrift selbst als unsere letzte Autorität.

„Der alte Glaube“ ist ein Titel von Heinrich Bullinger. Er plädierte darin, dass Adam der erste Protestant gewesen war. Tradition und Kirche waren auf dieselbe Ebene gestellt worden. Manchmal wurden gar Aussagen der Bibel durch Aussagen der Kirchenväter widerlegt (zum Beispiel die Anbetung von Ikonen). Zudem reklamierte die katholische Kirche einen unfehlbaren Ausleger der Bibel, nämlich die Kirche. Darum wurden die Priester nicht ermutigt, selbst die Schrift zu studieren. Die Bibel wurde gar auf die Liste der verbotenen Bücher gesetzt.

Durch die Reformation wurde eindrücklich bewiesen, dass das Lesen der Bibel zu gottesfürchtigerem Leben führt. Die Reformatoren haben die Menschen ermutigt selbst ihre Bibeln zu lesen. Dadurch lernten die Menschen die Lehren der Bibel kennen und stimmten ihr Leben besser darauf ab. Die Reformatoren wurden als Ketzer angeklagt, welche die Kirchengeschichte abgelehnt hätte. Sie übersprängen die Auslegung der Kirche. Die Antwort: Das Beste der Kirchengeschichte stimmt ihrer Auslegung bei gegen die Auslegung der Katholischen Kirche.

Die Kirchenväter werden anhand von Daten, ihres Lebens, ihrer Lehre und der Anerkennung innerhalb der Kirche eingeteilt. Das beginnt im frühen 2. Jahrhundert und geht bis hin zum 8. Jahrhundert (Johannes von Damaskus). Die frühesten Schriften werden in dem Buch „Die Apostolischen Väter“ zusammengefasst.

Irenäus von Lyon schrieb fünf Bücher gegen die Gnostiker (die übrigens behaupteten, dass sie ihr Wissen von Jesus durch den Heiligen Geist getrennt von der Bibel empfingen). Wie können wir den Kanon des Neuen Testaments von den Schriften der Gnostiker unterscheiden? Sie vollzogen das Selbstzeugnis der Schriften nach. Das war kein schwieriger Prozess. Also nicht so, wie Dan Brown und die Katholische Kirche behaupten. Die Christen folgten dem Prinzip, dass die Schrift die Schrift auslegt. Die gnostischen Schriften verleugneten allesamt Genesis 1,1. Irenäus und andere halfen mit, die Autorität der Schrift hochzuhalten. Dafür schätzen die Reformatoren die Kirchenväter.

Die vierfache Berufung der Reformatoren auf die Kirchenväter:

  1. Sie beriefen sich insofern auf sie, als diese sich wiederum auf die Schrift bezogen.
  2. Sie zeigten auf, dass die Kirchenväter sich nie auf die Kirche, sondern stets auf die Schrift bezogen. Beispiel: Selbst Calvin zitiert Cyprian und wies nach, dass er die Schrift über die Kirche stellte.
  3. Sie wiesen auf die Heilslehre der Kirchenväter hin. Sie zeigten auf, dass diese das Heil durch Gnade, Glaube und Christus allein sahen.
  4. Zudem bezogen sie sich in der Lehre der Sakramente auf sie.

Sie taten es nie in der Überzeugung, dass es keine normative Übereinstimmung unter den Kirchenvätern gab. Noch lasen sie die Kirchenväter, als ob diese über christliche Lehre und Praxis bestimmten. Sie lasen sie nicht so, als ob sie unfehlbar gewesen wären – ja wiesen auf Widersprüche hin. „Es gibt Weizen und Spreu in der Lehre der Kirchenväter. Die katholische Kirche hat den Weizen aussortiert.“ (Calvin) Die Reformatoren wiesen darauf hin, dass in den fünf ersten Jahrhunderten keine katholische Kirche existierte. Die unfehlbaren Konzile könnten niemals von den Kirchenvätern hergeleitet werden.

Die Reformatoren zeigten auf, dass die Kirchenväter treue Leser der Heiligen Schrift waren und sich in Kernbereichen auf sie beriefen. Calvin war ein begeisterter Leser der Kirchenväter. Insbesondere las und zitierte er Augustinus, aber auch Johannes Chrysostomos, sogar Bernhard von Clairvaux. Luther liebte besonders Bernhards Christologie. Die Institutio wimmelt von Kirchenväter-Zitaten. Er zeigte auf, dass er das Beste von ihnen übernahm. Besonders oft werden sie in der Sakramentslehre, speziell des Abendmahls, herangezogen. Auch in der Auseinandersetzung mit Luther bezog er sich auf sie. Die Reformatoren schlugen einen Weg ein, um die Kirchenväter auf rechte Weise zu lesen.

E21 LiveBlog „500 Jahre Reformation“: Herr, belebe uns neu!

#8 Predigt: Herr, belebe uns neu! (Psalm 85) – Matthias Lohmann

Schlüsselaussagen

  • Wer wären wir, wenn Gott nicht eingegriffen hätte?
  • Die geistliche Situation unseres Landes kann zu einem heiligen Zorn oder zu einem verächtlichen Herabschauen führen. Doch der Psalmist geht auf die Knie und fleht Gott an. Unsere Kirchen und Gemeinden brauchen dringend unser Gebet. Auch wenn wir sie verlassen haben.
  • Wir müssen immer wieder auf den Zuhörmodus umschalten und in unserer Not auf Gott hören. Das wird uns nicht immer gefallen.

Struktur

  • Ein Blick zurück: Dankbarkeit dafür, was Gott getan hat
  • Ein Blick in die Gegenwart: Flehen für die momentane Situation
  • Ein Blick in die Zukunft: Stärkung und Trost

Wichtige Aussagen

Der Psalm lässt sich historisch nicht genau zuordnen. Wahrscheinlich handelte es sich um die Rückkehr Judas aus dem Exil. Gott griff ein und führte sein ewig untreues Volk zurück. Wir feiern in diesem Jahr 500 Jahre Reformation. Luther sah damals enge Parallelen zur Rückkehr aus dem babylonischen Exil. Er sprach von der Gefangenschaft der babylonischen Kirche. Überlegen wir für uns selbst: Wer wären wir, wenn Gott nicht eingegriffen hätte?

In neuerlicher Not wendet sich der Psalmist an den Gott seines Heils. Das Volk ist zurück in Jerusalem, diente Ihm jedoch nicht treu. Es war schnell dabei zu klagen und sich Gott bestenfalls halbherzig hinzugeben. Das zeigt uns der Prophet Maleachi. Wie bei uns: Noch gibt es einen äusserlichen christlichen Anstrich. Doch die Menschen haben sich weit vom Evangelium abgewandt. Sie meinen, sie hätten es selber gut im Griff. Gottes Aussagen sind aussortiert worden. Das kann zu einem heiligen Zorn oder zu einem verächtlichen Herabschauen führen. Doch der Psalmist geht auf die Knie und fleht Gott an. Unsere Kirchen und Gemeinden brauchen dringend unser Gebet. Auch wenn wir sie verlassen haben.

Heute reden wir alle über einen gnädigen Gott. Doch wir haben das Problem aus dem Blick verloren. Bete darum, dass er deine Familie, deinen Hauskreis, deine Gemeinde, dein Land neu belebt.

Der Psalmist trifft eine Entscheidung: Ich will hören, was der Herr reden wird. Dieses Reden Gottes wird als etwas Zukünftiges beschrieben. Doch der Schreiber weiss bereits, um was es sich handeln wird: Er verspricht Frieden. Wir müssen immer wieder auf den Zuhörmodus umschalten und in unserer Not auf Gott hören. Das wird uns nicht immer gefallen. Denn er weist uns auf unsere Sünde hin. Die Zuversicht entsteht durch das, was geschehen würde: Gott würde vollkommen gerecht richten und Menschen gleichzeitig gnädig annehmen.

E21 LiveBlog „500 Jahre Reformation“: Sola Gratia

#7 Vortrag: Sola Gratia (Ligon Duncan)

Warum muss Errettung durch Glauben kommen? Und: Welche Rolle spielen dann die guten Werke im christlichen Leben? Diese Fragen werden in Epheser 2 geklärt (besonders V. 1-3; 8-10).

Struktur

  1. Wovon wir errettet wurden
  2. Wodurch wir errettet werden
  3. Wozu wir errettet werden

Wovon wir errettet wurden

Provokativ ausgedrückt: In unserer Errettung sind wir letztlich vor Gott gerettet worden. Unser grösstes Problem ist Gott. Denn was können Sünder in der Hand eines gerechten Gottes tun? „Hölle ist die Ewigkeit in der Gegenwart Gottes. Himmel ist die Ewigkeit in der Gegenwart Gottes mit einem Mittler.“

Durch das Werk Christi rettet Gott dich vor Gott. Gott rettet vom geistlichen Tod, von der Rebellion gegen ihn, von der Sklaverei des Fleisches, aus der Gefangenschaft des Teufels und der Welt, vor dem gerechten Gericht Gottes.

Was ist der Zustand als Sünder? Wir sind tot. Gott hat uns für die Gemeinschaft mit ihm geschaffen. Aufgrund unserer Rebellion sind wir zu Recht aus dieser Gemeinschaft entfernt worden. Jesus erklärte, dass einer der Gründe seines Kommens darin bestehe, dass wir Leben hätten. Er ist gekommen um uns etwas zu geben, was wir verloren haben. Ohne Ihn wären wir nicht in der Lage zu erleben, wozu wir geschaffen sind. Wir können uns jedoch nicht von den Toten auferwecken.

Wir wandelten gemäss der Sünde und den Übertretungen, losgelöst von Christus. „Wandeln“ ist biblische Sprache: Gott wandelte im Garten, Henoch wandelte mit Gott, Noah wandelte im Gegensatz zu seinem Umfeld mit Gott. Wir aber sind dem Marschbefehl unserer eigenen Gesinnung gefolgt. Aus dieser Rebellion mussten wir herausgerettet werden.

Es wird noch schlimmer: Wir waren unter der Macht des Teufels. Wir führten unser Leben in den Begierden unseres Fleisches. Wir waren an unsere eigenen Begierden gebunden und wollten sie nicht aufgeben. Wir haben den Zorn Gottes verdient und sind ohne Entschuldigung. So steht es um unsere geistliche Verfassung ausserhalb von Christus. Es betrifft jeden einzelnen von uns. Wir sind nicht in einer Position, in welcher wir mit der Gnade kooperieren können.

Von Gott, durch Gnade allein

Vers 4 bringt einen abrupten Übergang von unserem Zustand nicht hin zu unserer Lösung, sondern zu Gott! Gott findet nichts in uns, sondern um seines eigenen Erbarmens willen. Wir kooperieren nicht mit der Auferstehung, wir müssen auferweckt werden. Paulus muss es vorwegnehmen, es brennt in ihm: Durch Gnade seid ihr errettet. Er hat dich zu seinem Kind gemacht, um mit ihm an seinem Tisch zu sitzen. Gott tut dies alles, um den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade zu zeigen.

Dies sagt er nun noch fünf weitere Male – falls es irgendjemand verpasst hat: Durch Gnade sind wir errettet, aus seinem Wohlwollen heraus. Der Glaube ist kein Beitrag, sondern das Mittel des Empfangs. Wenn unser Heil mit etwas verbunden ist, was wir geleistet haben, dann können wir auf die Verlorenen schauen und sagen, dass wir besser als diese seien. Beim Hochzeitsmahl werden wir jedoch fragen: Warum gerade ich? Es gibt nichts, worin ich mich rühmen kann. Wir sind seine Schöpfung, sein Werk. Wir Protestanten glauben an die Errettung durch Werke – Gottes Werke.

Wozu wir gerettet werden

Weshalb hat Gott uns errettet? Damit wir endlich das sein können, wozu er uns geschaffen hat. Du hast neues Leben in Christus. Es ist, als ob Gott nochmals von Punkt 0 angefangen hat. Wir sind nicht durch unsere guten Werke gerettet, sondern um gute Werke zu tun. Das Ebenbild Gottes ging durch die Sünde nicht verloren, aber es ist zerbrochen, verdreht und entfremdet. Durch die Erlösung beginnt Gott das Ebenbild wiederherzustellen. Er bereitet dich auf den Tag vor, an dem du ihn gegenüber stehen wirst. Wir werden wandeln um Seinen Willen zu tun!

E21 LiveBlog „500 Jahre Reformation“: Solus Christus

#6 Vortrag: Solus Christus (Mark Dever)

Drei Dinge, die mich trafen

  • Wir werden zu Dingen aufgerufen, die unseren Mut übersteigen werden.
  • Wie kommen wir darauf, wir könnten Jesus ohne Leiden nachfolgen?
  • Wir sind hier und jetzt da und vertrauen darauf, dass Er wirkt.

Fünf Dinge, die mich an der Predigt Devers beeindruckten

  • Er setzt sich intensiv mit dem ursprünglichen Zusammenhang auseinander.
  • Er badet in den Aussagen.
  • Er achtet sich auf Details und freut sich daran.
  • Er tut es seit Jahrzehnten.
  • Er verlässt sich von Herzen auf den Trost der Verheissungen.

Struktur

Fünf abschliessende Versprechen, die den Jüngern Hoffnung geben sollten (Johannes 16):

  • Verfolgung
  • Jesus geht, der Geist kommt
  • Freude
  • Eine Beziehung mit Gott
  • Frieden

Empfehlung

Eine sehr tröstliche Predigt. Sie kann auf dem FB-Kanal von Evangelium21 wie alle anderen Vorträge bereits nachgehört werden.

E21 LiveBlog „500 Jahre Reformation“: Zukünftige Herausforderungen für die Kirche

#6 Vortrag: Zukünftige Herausforderungen, für welche die Kirche bereit sein sollte (Albert Mohler)

These: Wir befinden uns auf der anderen Seite einer Wasserscheide, nämlich jenseits der Moderne in der Spätmoderne. Das enorme Vertrauen in den Verstand sowie in die Wissenschaft ist geschwunden. Der Einzelne ist zur letzten Autorität geworden.

Die drei Herausforderungen der Spätmoderne:

  1. Neue soziale Situation: Nicht nur ist die Kirche ihrer Autorität beraubt. Sie ist nicht mehr eine Stimme unter anderen, sondern stimmlos. Also: Vom Zentrum der Kultur zur Marginalisierung hin zur Isolation! Säkulare Autoritäten brauchen die Meinung der Religiösen nicht mehr. Heute bezahlt man zunehmend dafür, Christ zu sein (anstatt dafür respektiert zu sein bzw. über einen Vorschuss an sozialem Kapital zu verfügen). Auf dem College-Campus kann das bedeuten: Du gehörst nicht hierher. Es wird als Schaden betrachtet, biblisch orientierte Christen als Dialogpartner zu haben, weil sie moralische Urteile fällen.
  2. Neue mediale Umgebung: Die intellektuellen Autoritäten haben sich komplett verändert. Eine einzelne Autorität zu etablieren scheint unmöglich. Das Fernsehen wurde eng kontrolliert durch Geldgeber; jedermann sah es. Heute hat jeder Einzelne unlimitierten Zugang zu endlos vielen Anbietern. Jeder sieht alles im selben Moment. Der 12-jährige kann mit dem Smartphone Inhalt generieren und Autoritäten entthronen. Raum und Zeit sind suspendiert. Die jungen Leute leben in derselben Welt. Es existieren kulturelle Unterschiede, doch sie tragen dieselben Marken. Wie töricht muss da Sola Scriptura den Menschen vorkommen! Umgekehrt heisst dies für uns: Wir werden dadurch auf das Sola Scriptura zurückgeworfen. Wir haben nichts anderes. Die Stimme normiert jede andere Stimme.
  3. Ein neuer moralischer Kontext: In der Moderne wurde die moralische Autorität von den Kirchen losgelöst. Die moralischen Muster wirkten zwar noch lange nach. Eltern haben nach wie vor noch Regeln für ihre Kinder. (Du lehnst alle Autorität ab, bis zu ein zwei Jahre altes Kind hast.) In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden Sexualität und die Fortpflanzung getrennt. Die Ehe wurde neu definiert. Die Scheidung wurde zur greifbaren Möglichkeit. Aussereheliche Sexualität explodierte, sie wurde demokratisiert infolge tiefer Kosten. Doch es ist weiter gegangen: Wir leben einer Periode, welche die Kirche bisher noch nie erlebt hat. Jede einzelne Person hat ein absolutes Recht, sich selbst zu definieren.

E21 LiveBlog „500 Jahre Reformation“: Über die Reformation einer Denomination

#5 Vortrag: Was wir von den Südlichen Baptisten lernen können (Albert Mohler)

Ich weiche von meiner Struktur ab und erlaube mir ein persönliches Wort. Albert Mohler führte 10 Lektionen über die bisher einzigartige Rückbesinnung einer grossen Denomination weg vom theologischen Liberalismus aus. Ich glaube, dass wir in der aktuellen gemeindlichen Situation im deutschen Sprachraum einige dieser Lektionen dringend berücksichtigen sollten.

  1. Isolation dauert nicht an. Gemeinden, die von Natur aus konservativ sind, können in einer falschen Gewissheit leben, dass sie vor dem theologischen Liberalismus geschützt seien. Nur schon die aktuelle Leit- und Massenkultur der Jugendlichen zeigt jedoch: Wir können unsere Kinder nicht davor schützen, von aussen beeinflusst zu werden.
  2. Pietismus ist keine Garantie für Orthodoxie. Unser Leben in der Frömmigkeit stützt auf unsere lehrmässigen Überzeugungen ab. Sobald diese weg sind, wird die Frömmigkeit des Evangeliums entleert.
  3. Der Pragmatismus unterminiert die Lehre. In der Mitte des 20. Jahrhunderts ging es nur noch um Wachstum. Orthodoxie wurde vorausgesetzt. Es ging um Programme. Dieser Pragmatismus schabt an der Lehre.
  4. Bekenntnisse sind notwendig, aber nicht genug. Das Bekenntnis wurde nicht umgesetzt. Dieses muss aber reguliert und eingefordert werden. Leiter sind aufgrund ihren Treue zu den Bekenntnissen einzusetzen.
  5. Reformation erfordert grossen Einsatz und Überzeugung. Manche setzten ihren guten Ruf aufs Spiel. Sie nahmen Probleme und Streitigkeiten in Kauf. Es bedurfte unglaublich grosser Überzeugungskraft. Denn es musste immer wieder gesagt werden, dass es sich um falsche Lehre handelt.
  6. Wiederherstellung ist sehr kostspielig. Es (ver)braucht unglaublich viel Energie und Zeit. Denn es geht nicht um ein einzelnes Treffen. In jedem Treffen und bei jeder Abstimmung musste gekämpft werden. Es wurden endlos viele Gespräche geführt. Die tiefsten Narben hinterliessen zerbrochene Beziehungen. Eine Gemeinde, die nicht bereit ist, menschliche Beziehungen für die Wahrheit zu riskieren, wird den theologischen Liberalismus aufnehmen. Die Kosten, die folgenden Generationen ohne Evangelium zu lassen, sind jedoch unendlich höher.
  7. Die grössten Feinde der Reformation sind nicht die Irrlehrer, sondern die Masse im Zentrum. Die Gefahr bei der Reformation ging von denen aus, die den Frieden in der Denomination bewahren und den Preis nicht bezahlen wollten. Es stellte sich die Frage: Wer würde bis zur Abstimmung treu bleiben? Die grössten Helden der Reformation waren Gemeindemitglieder, die ihren Urlaub geopfert haben, um für konservative Kandidaten abzustimmen. Von aussen, so Beobachter, sah es wie eine Bauernrebellion aus.
  8. Die grösste Herausforderung besteht im Transfer von einer Generation zur nächsten. Ein entscheidender Faktor war die Liberalisierung der nächsten Generation – ohne dass es den Eltern aufgefallen wäre.
  9. Ein Blick in die Kirchengeschichte zeigt: Frühe Reformationsstimmen wurden ausgelöscht, manche Versuche zur Reformation scheiterten. Auch all die liberalen Denominationen gingen nicht ohne Kampf verloren. Das führt zur Frage: Wann müssen wir gehen? Sobald es keine begründete Hoffnung auf eine Erholung gibt bzw. die Satzungen keine Veränderung mehr zulassen; sobald eine Gemeinde sich auf Irrlehre festlegt oder die Autorität ihres Bekenntnisses verleugnet. Spurgeon verliess seine Denomination wie Luther: Er wurde hinausgeworfen. Er hat den Hass vieler für den Rest seines Lebens gespürt. Er fühlte, dass etwas sehr Wertvolles verloren gegangen war. Es hat seine eigene Familie gespalten.
  10. Unsere Zuversicht bleibt in Christus. Auf diesen Felsen baut Gott seine Gemeinde. Das ist keine Verheissung an eine Denomination, an ein theologisches Seminar oder eine Missionsgesellschaft.

E21 LiveBlog „500 Jahre Reformation“: Persönliche Reformation

#4 Predigt: Persönliche Reformation (Philipper 1,9-11), Michael Martens

Schlüsselbotschaften

  • Wofür betest du, wenn du für andere betest? Paulus betete für persönliche Reformation. (Wir beten oft genug für unsere Lebensumstände.)
  • Wem du am meisten vertraust, bestimmt was du für wahr hältst.
  • Manchmal bleiben wir bei etwas an sich Gutem, aber tun nicht das Beste. Zum Beispiel aus Menschenfurcht oder Bequemlichkeit.
  • Kann unsere Liebe für einen Menschen intensiver sein als unser Gebet für sie?

Struktur

  1. Auftakt: Dank für Gottes Handeln
  2. Von Liebe zu Erkenntnis
  3. Das Beste für unseren Gott
  4. Es geht nur durch Ihn und es geht nur um Ihn

Wichtige Aussagen

Es begann mit Lydia, einer Geschäftsfrau. Der Herr tat ihr Herz auf. Sola gratia. Dann kam der Kerkermeister. Glaube und sei artig? Nein, sola fida. Wer führt das Werk zu Ende? Ich? Nicht so. Gott fängt das Werk an und vollendet es. Die Zuversicht von Paulus beruht auf Gottes Wirken. Sola gratia bis zum Ende, nix labora.

Die Liebe ist schon da. Paulus dankt Gott dafür. Aber es soll noch mehr werden und überlaufen. Unsere Liebe zu Gott und anderen Menschen basiert immer auf Gottes Liebe. Erkenntnis Gottes drängt zu einem veränderten Verhalten in jedem Bereich des Lebens.

Wem du am meisten vertraust, bestimmt was du für wahr hältst. Das war schon bei Eva so. Da gab es zwei Ratgeber. Unsere Erkenntnis und die Furcht des Herrn hängen eng zusammen (Spr 1,7). Wenn jemandem in Anfechtung an Weisheit mangelt, dann folgt nicht „na, du schon wieder“. Er macht keine Vorwürfe und gibt.

Ich wünsche mir Weisheit – und es geht dabei um mich. Zum Beispiel um meinen Ruf, meinen Einfluss. Jesus hat dafür nichts versprochen. Seine Verheissung gilt für ein ungeteiltes, nicht für ein zwei-seeliges Herz.

Wir bekommen in unserer Stadt mehr Schulterklopfen, wenn wir etwas Soziales tun, als wenn wir das Evangelium verkündigen. Wir sind mittendrin und tun alles dafür, unseren guten Ruf nicht zu verlieren. So bleiben wir bei etwas Gutem, aber tun nicht das Beste. Habe ich die „Egalhaltung“ – ich will tun, was DU sagst?

Wenn die gefühlte Liebe zu anderen nicht das Beste für Gott ist, dann ist es eher Lieblosigkeit gegenüber Gott. Manches, was wir Liebe nennen, ist Fake-Love.