Kolumne: Lebensstil ist Lebensziel

Donald Trump ist seit gestern im Amt. Zeit, etwas näher in unserem eigenen Leben hinzusehen.

Manchmal äussere ich in Seminaren und bei Führungkräften den Gedanken: Wie ich heute lebe, zeigt an, wie ich einst enden werde. Ein meiner Freunde fasst es mit diesem Motto zusammen: Lebensstil ist Lebensziel. Das bedeutet für die zögernde Jugend, die sich nicht entscheiden kann, dass gesunde Entscheide verschleppt werden. In den Lebensphasen, wie sie von Gott für Menschen geplant sind, geraten sie ins "Hintertreffen". So gibt es 40-jährige, die sich so "frei" und verantwortungslos benehmen wie Halbwüchsige; 50-jährige Männer, die sich doch noch durchgerungen haben, mit der neuen Partnerin ein Kind zu haben; 60-jährige, die ihrem Körper sportliche Aktivitäten des 30-jährigen zumuten.

Eine zweite Beobachtung: Menschen, die ihre Beziehung zu den vorangegangenen Generationen nicht reflektiert haben, geraten mit zunehmendem Alter in eine steigende Abhängigkeit. Als 30-jährige waren sie vielleicht noch finanziell abhängig von den Eltern. Mit 40 kehren sie nach Beziehungsbrüchen zurück in den Wohn- und Einflussbereich der Eltern. Richtig spitzt es sich jedoch zu, wenn die Eltern alt werden. Dann drückt der Charakter richtig durch. Was Verstand und Wille über Jahrzehnte zu verbergen imstande waren, bricht hervor. Menschen, die immer Könige ihres Lebens waren, wollen Könige bleiben. Wer seinen Kopf stets durchdrückte, tut es erst recht im Alter. Andere, die es sich gewöhnt waren zu manipulieren durch verletzende Bemerkungen und/oder Tränen, wenden diese Strategie inflationär an. Das dicke Ende des Unverarbeiteten, aber auch die Konfrontation mit dem eigenen Charakter, setzt nach dem Tod von Angehörigen ein und schlägt sich in Erbstreitigkeiten nieder.

Ich gehe davon aus, dass sich diese diese Tendenzen in unserer Gesellschaft verstärken werden. Wie werden die Baby Boomer, die lebenslang bestimmen konnten, was sie essen, wie sie wohnen, Urlaub machen, welches Fahrzeug sie fahren, welche medizinische Behandlung sie geniessen wollen, den Verlust von Kraft und Handlungsspielraum verkraften? Ich rechne damit, dass dies zu viel Leid hinter verschlossenen Türen führen wird. Und wie wird es erst in unserer Generation sein? Mit Menschen, die lebenslang nie verzichten mussten? Die sich immer durch Medien ablenken konnten? Die bei jedem kleinen Unwohlsein ein Medikament einwarfen? Die lebenslang ihre Partner wechselten, wenn das Feuer erloschen war? Menschen, die in Spitälern und Altenheimen arbeiten, erzählen mir erschütternde Geschichten.

Es braucht keine hellseherischen Fähigkeiten um vorwegzunehmen, dass sich zwei Tendenzen verstärken: Die Tyrannei derjenigen, die sich solchen "Eskapaden" auch in zunehmendem Alter leisten können, sowie Lieblosigkeit der nachrückenden Generationen bis zum Punkt, die "Alten" aus dem Weg schaffen zu wollen. Ich führe jedoch ein inneres Kontrastbild mit mir. Ich kenne alte Menschen, die ganz anders sind. Wenn ich aus ihrem Leben höre, dann erschliesst sich mir ein einheitliches Bild: Sie waren nie verwöhnt. Sie arbeiteten hart. Sie gaben grosszügig. Sie dachten viel an andere. Sie haben Schweres durchgestanden. Sie mussten oft jahrzehntelang mit Schmerzen leben.

Das führt mich zu meinem Gebet: "Herr, mache mich weich, auch wenn es mich hart ankommt. Hilf mir, Kritik konstruktiv auszusortieren und nicht zu zögern, Veränderungen einzuleiten. Lass mich heute in einer Klarheit leben, die keine selbstbezogene Scheu vor Konflikten entwickelt."

E21-Liveblog: Die Dynamik der Jüngerschaft

E21-Regionalkonferenz Süd; Bibeltext: Epheser 4,17-6; Redner: David Jackman

  1. Wenn das Wort gepredigt wird, kommen zwei Fragen hoch: Und jetzt? Die nächste: Aber wie (soll ich es tun)? In der Predigtvorbereitung müssen wir diese Fragen bewegen.
  2. Wir sollten uns nicht darüber wundern, dass die Dynamik der alten Lebensordnung uns immer noch anzieht.
  3. Als Christen lernen wir Christus (Eph 4,20). Das bedeutet: Zu erkennen, wer er ist und das Verlangen, dass dies auch mich immer mehr auszeichnet.
  4. Wenn die Gesinnung erneuert wird – das bedeutet eine neue Haltung zu allen Dingen -, dann beginnt eine Gemeinde zu florieren.
  5. Die Dynamik der Jüngerschaft besteht darin Dinge abzulegen und neue Dinge anzuziehen. Die Wahrheit Gottes leitet den neuen Verstand an.
  6. Christen sind keine Lügner. In wie vielen Gemeinden ist es Standard geworden zu lügen. Sobald jemand nicht mehr zuhört, wird etwas völlig anderes gesagt.
  7. Zum Beispiel: Zwei Familien hatten in unserer Gemeinde untergründig Spannungen und redeten nicht mehr miteinander. Das kann so nicht weitergehen. Es ist so wie wenn wir dem Teufel die Tür öffnen und ihn in die Gemeinde einladen (Eph 4,27).
  8. Der Dieb sagt: Ich hole mir das, was dir gehört. Der Christ sagt: Was mir ist, gehört auch dir.
  9. Wenn wir die Kranken besuchen, dienen wir ihnen in erster Linie mit dem Wort Gottes. Ältestentreffen leben davon, dass sie von Gottes Wort geleitet sind etc. Alles dreht sich um das Wort Gottes.
  10. Denkst du, dass die Frauen in Ephesus den Drang hatten, sich ihren Ehemännern unterzuordnen? Denkst du, dass die Männer ihre Ehemänner so liebten, wie Christus sich für die Gemeinde hingab? Natürlich nicht! Im feministischen Umfeld wie Ephesus war die Botschaft des Evangeliums revolutionär.

E21-Liveblog: Luthers Theologie als Seelsorge

E21-Regionalkonferenz Süd; Thema: Luthers Theologie als Seelsorge; Redner: Ron Kubsch

Christozentrische Seelsorge

Die Gemeinde ist das von Gott berufene Organ der Seelsorge.

Die aktuelle Ausgangslage: „Man will nicht nur schnelle Beseitigung seiner Beschwerden und Störungen, sondern man will diese Störungen auch mühelos beseitigt haben.“

Christozentrische Seelsorge will Ratsuchenden dabei helfen, die Gemeinschaft mit Christus zu vertiefen und ein Leben zur Ehre Gottes zu führen.

Martin Luther: Seelsorge als Trost

Seelsorge war für Luther der Kern seiner Theologie selbst, denn Theologie hat etwas mit dem Trost für die Seele zu tun.

Seelsorge ist für Luther nicht menschliches Handeln, sondern Gottes Werk. Luthers Grundsatz lautet: „Wir sollen nichts ohne ihn, aber er will alles ohne uns und doch in uns tun.“

Luther tadelt das Selbstvertrauen oder den Glauben an sich selbst und setzt ganz auf die fremde Gerechtigkeit, die den Menschen selig macht. Er war fleißig darum bemüht, die Menschen aus ihrer Selbstverkrümmung herauszuführen.

„Luther liefert das menschliche Ich nicht an sich selbst aus. Vielmehr bindet er es. In der Bindung an Gott wird es paradoxerweise frei von sich selbst und damit fähig, Gott uns seinen Nächsten zu lieben.“ (R. Sons)

Luthers Seelsorge für die Spätmoderne

Ich habe den Eindruck, als habe heute der Zweifel an Attraktivität gewonnen. Authentischer Glaube brauche möglichst viele Zweifel. Menschen vertrauen dabei auf Gefühle; das einzige was sie nicht bezweifeln, sind ihre Gefühle.

Luther lenkt den Blick weg von den eigenen Gedanken und Gefühlen hin zu Gott. Da er weiß, dass die Wahrheit nicht im Menschen zu finden ist, verweist er die Ratlosen und Ratsuchenden nicht auf sich selbst, sondern fordert sie heraus, ihr abgründiges Herz von Gottes Wort durch- und erleuchten zu lassen.

Narzissmus ist eine Form der Selbstrechtfertigung. Wenn einem Menschen die Gewissheit fehlt, durch Glauben gerechtfertigt zu sein, ist er gezwungen, selbst Rechtfertigungsgründe zu schaffen.

Wir sind heute als Christen nicht nur „politisch korrekt“ geworden, sondern auch „weich“. Anstatt mit dem Schwert des Geistes zu fechten, geben wir nach und auf.

E21-Liveblog: Die Schönheit des Evangeliums im Blick

E21-Regionalkonferenz CH: Die florierende Gemeinde

Zweiter Vortrag von Ron Kubsch

Die Schönheit des Evangeliums

„Die Schrift ohne alle Glossen ist die Sonne und ganzes Licht, von welchem alle Lehrer ihr Licht empfangen und nicht umgekehrt.“ (Martin Luther) Luther wäre über eine Studienbibel nicht erfreut gewesen, in welcher die Erklärung länger als der Text selbst ist.

„Durch das Evangelium werde Gottes Gerechtigkeit offenbart, nämlich die passive, durch die uns der barmherzige Gott gerecht macht durch den Glauben, wie geschrieben ist: ‚Der Gerechte lebt aus Glauben‘. Da hatte ich das Empfinden, ich sei geradezu von neuem geboren und durch geöffnete Tore in das Paradies selbst eingetreten.“ (Martin Luther)

Die gegenwärtige Evangelisationsarmut

  1. Ich bekomme selten so viel Kritik wie dann, wenn ich mich zum christlichen Sühneverständnis äussere.
  2. Wir selbst sind nicht die Botschaft, sondern wir verkündigen den gestorbenen und auferstandenen Christus.
  3. Wenn das Evangelium nicht verkündigt wird, kann es keine Bekehrungen geben. Der Glaube kommt laut Röm 10,17 aus der wortgemäßen Verkündigung.
  4. Bekehrung ohne Erkenntnis des Sünderseins ist unmöglich.
  5. Gott ist nicht mehr der Transzendente, sondern der Geliebte. Schaut euch mal einige erotisch aufgeladene Lobpreislieder an.
  6. Gott erscheint als der Mond, der sich um mich als Sonne kreist.
  7. Nur wer aus der Gnade lebt, ist bereit, zurückzustecken und „Beleidigungen und Kränkungen ohne Protest, sondern aus Gottes strafender und gnädiger Hand hinzunehmen“. (Dietrich Bonhoeffer)

Fazit

Die weitaus größere Herausforderung scheint mir allerdings zu sein, dass wir Christen uns leicht vom Evangelium entfremden. Der Glaube der Jesusjünger verliert dort seine Schönheit und Kraft, wo wir das Evangelium Gottes aus den Augen verlieren.

E21-Liveblog: Zum Wohlergehen des Leibes Christi

E21-Regionalkonferenz CH: Die florierende Gemeinde

Thema: Das Wohlergehen des Leibes Christi, Bibeltext: Epheser 3-4, Redner: David Jackman

Ein Blumenstrauss von Gedanken aus dem dritten Vortrag.

  1. Im Leben kannst du jede Menge Dinge tun. Aber ohne Ihn kannst du nichts von Ewigkeitswert tun. Er ordnet die Prioritäten. Das ist die grosse Herausforderung des Dienstes: Dass die Hauptsache die Hauptsache bleibt.
  2. Man predigt, man lehrt und denkt: Irgendwie kommt das nicht bei den Leuten an. Dann stellt sich die Frage, ob wir an der Berufung festhalten. Es gibt guten Ackerboden, aber auch manch anderen Boden. Der Same ist gut, es gibt nichts dran zu verbessern. Es gibt nur diesen einen Samen, das ewiges Leben hervorbringen kann.
  3. In jeder Generation hängt die Gesundheit der Gemeinde davon ab, ob sie in der gesunden Lehre unterwiesen ist. Wir können nicht davon ausgehen, dass die Schafe das sowieso mitbekommen. Zwei Dinge sind im Leben eines Pastors entscheidend: Das Gebet und das Wort.
  4. Wir müssen ein für alle Mal mit dem Gedanken abschliessen, dass wir wichtig seien. Wenn schon Paulus sagte: Ich bin der Allergeringste.
  5. Alle Facetten der Weisheit Gottes sollen in der Gemeinde sichtbar werden. Sie reflektiert jetzt und hier, was Gott einst in der Ewigkeit tun wird. Sie enthüllt den Musterplan dessen, was in Ewigkeit Bestand haben wird.
  6. Wir befinden uns in einer Zeit der kleinen Dinge in Europa. Überall in der Welt wirkt dieses Evangelium. Warum sollte es nicht auch in der Schweiz oder in Grossbritannien nach Brexit so sein?
  7. Wir haben freien Zugang zu Gott, zudem die Freiheit uns gegenüber Gott auszudrücken. Ein Merkmal der florierenden Gemeinde ist das zuversichtliche Gebet. Unser Gebet sollte sein: „Mache meine Gemeinde zu einer betenden Gemeinde und mich zu einem betenden Christen.“
  8. Wenn wir um uns herum sehen, erblicken wir noch mehr Probleme. Wenn wir nach innen horchen, dann kommt Schuld und Unfähigkeit zum Vorschein. Ich schaue besser auf Ihn, der meiner Sünde ein für alle Mal ein Ende gesetzt hat. Eine florierende Gemeinde besteht aus geretteten Sündern, die ihren Retter lieben.
  9. Eine florierende Gemeinde ist nicht immun gegen die Angriffe des Teufels, sondern zusammengehalten in der Liebe Gottes. Wenn du so bist wie ich, dann sprichst du wohl: „Aber du kennst meine Gemeinde nicht!“ Er ist in der Lage alles zu tun, was wir bitten oder denken – und noch mehr, viel mehr.
  10. Er vermag es in allen Zeitaltern zu tun, nicht nur für das 21. Jahrhundert. Du befindest dich nicht ausserhalb dieser Zeitspanne. Egal ob du die Kleinen in der Sonntagschule unterrichtest oder den Senioren dienst: Das ist die Botschaft!

E21-Liveblog: Das Evangelium für den gesamten Kosmos

E21-Regionalkonferenz CH: Die florierende Gemeinde

Thema: Die Bedeutsamkeit des Evangeliums, Bibeltext: Epheser 1-2, Redner: David Jackman

Drei Schlüsselgedanken aus dem zweiten Vortrag von David Jackman:

Die Bedeutsamkeit des Evangeliums

In Epheser 1 und 2 geht es um die Bedeutsamkeit des Evangeliums – nicht nur persönlich, sondern für den gesamten Kosmos. Zu leicht geben wir uns mit dem zufrieden, was mit uns persönlich passiert ist. Doch das ist nicht der Blick von Paulus. Es geht um Gottes Plan mit dem gesamten Universum.

Wenn ich einen Bibeltext lese,

… frage ich mich: Warum ist es auf diese Weise formuliert und in diesen Zusammenhang gestellt? Dabei nehme ich oft ein Blatt, das ich zweiteile und mir dann Überraschungen und Schwierigkeiten aufschreiben. Es ist der Tod, wenn wir schon vorab wissen, was der Text aussagt. Wenn ich selbst vom Text ergriffen werde, steigt die Möglichkeit, dass dasselbe mit den Zuhörern geschieht.

Jesus thront über allen Mächten und Gewalten.

Er ist Herr auch über die feindlichen Medien des 21. Jahrhunderts! Wir betteln deshalb nicht die Leute an, dass Jesus eine kleine Ecke ihres Herzens geben. Sondern wir werfen die Frage auf: Gibt es irgendeinen Anlass für Gott, dich überhaupt zu erretten?

E21-Liveblog: Das Kreuz Christi Mittelpunkt aller Rede von Gott

E21-Regionalkonferenz CH: Die florierende Gemeinde

Thema: Die Theologie des Kreuzes für das 21. Jahrhundert, Redner: Ron Kubsch

10 wichtige Aussagen

  1. Definition: Kreuzestheologie steht für eine Theologie, die das Kreuz Christi zum Ausgangs- und Mittelpunkt aller Rede von Gott und vom Menschen macht und Heil wie auch Heiligung vom Kreuz her versteht. Jüngerschaft, Predigt und Seelsorge ohne Kreuz bleiben trost- und kraftlos.
  2. Verstehenshorizont der Auferstehung ist das Kreuz. Einige populäre theologische Entwürfe haben das Verhältnis umgekehrt. Das Kreuz wird durch die Auferstehung geschluckt.
  3. Die Jahrzehnte der Ruhe für Christen in Europa sind eine Ausnahme, denn: Das Kreuz bleibt der Welt ein Anstoß, ist Widerspruch gegen die Macht der Sünde. Verachtung, Schmach oder gar Verfolgung sollten Christen deshalb nicht überraschen. Für Paulus gehören die Kraft der Auferstehung und die Gemeinschaft der Leiden zusammen.
  4. Was hat sich seit der Reformation verändert: Wem dürfen wir (noch) vertrauen? Es überrascht nicht, dass sich mit der Verflüssigung von Wahrheit eine immense Unsicherheit breitmacht. Es ist zu einem gewaltigen Vertrauensverlust gekommen.
  5. Der pragmatische Umgang mit der Kreuzestheologie in unseren Gemeinden: Der Kreuzestheologie ist keine Aufmerksamkeit mehr zu schenken. Sie wird weder bekämpft, noch verkündigt. Sie sei nicht falsch, aber eben auch nicht mehr relevant.
  6. Wenn das Kreuz Mittelpunkt unserer Verkündigung ist, dann können wir den Menschen Fragen stellen, von denen sie gar nicht ahnen, dass es sie gibt. Die Stärke der Evangeliumsverkündigung liegt nicht darin, dass wir Fragen beantworten, die die Menschen stellen (so wichtig das ist), sie liegt darin, dass die Botschaft vom Kreuz unser Herz aufdeckt.
  7. Das eigentliche Subjekt der Rede vom Kreuz ist Gott. Gott selbst spricht Menschen an, wo Prediger sein Wort verkündigen. Deshalb brauchen wir in unseren Gemeinden die Auslegungspredigt.
  8. Luther hat ein Denken, das an der Schöpfung ansetzt, nicht grundsätzlich und allemal verworfen. Er bestreitet, und zwar zurecht, dass uns dieses Denken zu Gott führt und mit ihm versöhnt. Er traut diesem Denken aber sehr wohl zu, dass es uns zeigt, wie sehr wir Gott brauchen.
  9. Wir leben inmitten einer Welt, die sich nichts versagt. „Wir sollen der Herrschaft der Dinge und unseres Ichs unser ‚Nein‘ entgegensetzen.“ (Francis Schaeffer)
  10. Das aber ist die am Kreuz geborene Liebe des Kreuzes, die sich nicht dorthin wendet, wo sie Gutes findet, um es für ihre eigenen Zwecke zu gebrauchen, sondern dorthin, wo sie den Bösen und Armen Gutes bringen kann. (Martin Luther)

E21-Liveblog: Der Kontext ändert sich, die Methode nicht

E21-Regionalkonferenz CH: Die florierende Gemeinde

Thema: Die Prioritäten für den Dienst, Bibeltext: Apostelgeschichte 19+20, Redner: David Jackman

Welche Art von Gemeinde ist für das 21. Jahrhundert gefragt?

Es gibt keinen besseren Ort als den Epheserbrief aufzuschlagen. Meine Vorgehensweise ist stets dieselbe: Ich lege die Bibel aus. Der Geist Gottes bedient sich des Wortes Gottes, um das Werk Gottes zu vollbringen. Kein Wirken des Geistes ohne Wort Gottes, und keine Auslegung des Wortes Gottes ohne den Heiligen Geist.

Ephesus, eine Bruststätte des Okkultismus

Es geschahen ausserordentliche Wunderwerke in Ephesus (Apg 19,15). Warum gerade dort? Diese Stadt war eine Brutstätte des Okkultismus. Das Herz der Stadt war der Tempel der Göttin Diana. Keine andere Gottheit wurde von so vielen Menschen verehrt. Der Verkauf der kleinen Silberstatuen hatte die Stadt reich gemacht. Diana wurde Retterin der Welt und Königin des Universums genannt, war Göttin der Fruchtbarkeit und des Wohlstandes. Dies öffnete Tür und Tor für okkultische Praktiken. Viele Magier trieben dort ihr Unwesen. Dies erzeugte eine Atmosphäre der Angst. Die Leute hatten im Hinterkopf, dass die Geisterwelt kontrolliert und manipuliert werden konnte. Willkommen im Europa des 21. Jahrhunderts! Die okkulten Praktiken mögen nicht so offenkundig sein. Doch der alte Aberglaube zeigt viele neue Gesichter.

Die Methode von Paulus: Der Dienst des Wortes

Was waren die Verben, die mit dem Dienst von Paulus verbunden wurden? Er unterredete sich anhand der Schrift (Apg 17,2). Das hiess anhand des Alten Testaments zu erklären und Beweise zu erbringen (Apg 17,3). Einige wurden überzeugt. Wie reagierten seine Gegner? Sie bedienen sich der Gewalt, dem Aufruhr und der Rebellion (Apg 17,5ff). Wenn du die ganze Wahrheit verkündest, erwarte Gegenwind! Das veranlasste Paulus nicht, die Methode zu ändern. Er tat das gleiche in Beröa, in Athen, in Korinth und auch in Ephesus. Warum dieser Dienst des Wortes? Nur dieses Wort ist in der Lage Menschen aufzubauen (Apg 20,32). Der Kontext mag variieren, die Methode nicht.

10 Hinweise … zum Reden über abwesende Dritte

Wer kennt es nicht? Wir reden über Abwesende – in der Familie, unter Freunden, im Unternehmen.

Die Kamera nach innen richten

  1. Weshalb adressiere ich es nicht direkt? Ich vermeide einen möglichen Konflikt – es geht also um MICH.
  2. Was ist mein Nutzen es anderen mitzuteilen? Ich will mich entlasten. Wieder geht es um MICH.
  3. Möglicherweise denke ich: "Es bringt nichts, wenn ich es dem anderen sage." Den Nutzen messe ich wiederum an mir SELBST.

Die Gewohnheit ändern

  1. Die Bibel lehrt mich, meinen Nächsten nicht zu hassen, sondern ihn ernstlich zurechtzuweisen. Zuerst geht es darum, meinen Groll Gott als Sünde zu bekennen.
  2. Dann habe ich mich zu fragen: Was ist das Ziel der Rückmeldung? Ist es der richtige Zeitpunkt? Kann ich es liebevoll geben?
  3. Ich gebe die Rückmeldung am besten in drei Schritten: Ich beschreibe genau, was vorgefallen ist; welche Wirkung es bei mir hinterlässt; was ich mir vom anderen wünsche.

Eine andere Gesprächskultur etablieren

  1. Als Vater trage ich Verantwortung für die Gesprächskultur in der Familie, als Führungskraft für meinen Bereich. Wenn ich andere höre über abwesende Dritte zu reden, unterbinde ich die Diskussion mit a) dem Hinweis es der Person direkt zu sagen und b) wenn es passt, mit einer wertschätzenden Bemerkung zur abwesenden Person.
  2. Wenn ich höre, wie jemand sich entlastet, weil er von einer anderen Person kritisiert worden ist – reagiere ich in derselben Weise.

Fortschritte überprüfen

  1. Wir können Aussenstehende (andere Teams, Kunden, Freunde) fragen, wie sie unsere Kommunikation in kritischen Situationen erleben.
  2. Ein zuverlässiges Anzeichen, wo ich persönlich stehe, ist die Antwort auf die Frage: Wann habe ich das letzte Mal eine kritische Rückmeldung bekommen?

Standpunkt: Wie kann ein guter Gott Leiden zulassen?

Dies ist eine der häufigsten Fragen in unseren nach-christlichen Ländern. In seinem Bestseller Warum Gott? (Kapitel 2) gibt Timothy Keller zu bedenken.

1. Nur weil ich Leid nicht erklären kann, muss es noch lange nicht sinnlos sein.

Hinter der Frage steckt die Prämisse, dass nämlich “etwas Böses, das mir sinnlos vorkommt, auch tatsächlich sinnlos ist”.

Oder anders ausgedrückt: “Wenn wir keine zufriedenstellenden Antworten auf das Problem des Leidens finden können, dann kann es keine geben.”

"Viele Menschen scheinen davon auszugehen, dass, wenn es gute Gründe für die Existenz des Bösen gibt, diese auch unserem Verstand zugänglich sein müssten."

2. Die Tatsache, dass ich etwas als ungerecht bezeichnen kann, spricht sogar gerade für Gott.

(C. S. Lewis) “Woher aber hatte ich meine Vorstellung von gerecht und ungerecht? … Womit verglich ich diese Welt, wenn ich sie ungerecht nannte?”

(Alvin Plantinga) “Böses kann es nur geben, wenn wir irgendwie wissen, wie rationale Wesen leben sollten, leben müssen.”

3. Dass Gottes Sohn die tiefsten Leiden erfahren musste, gibt Hoffnung und Mut.

"In Jesus Christus hat Gott die tiefsten Tiefen des Leidens erfahren. Glaube, obwohl er nicht jedes einzelne Leiden erklärt, kann uns ungeheuer helfen, dem Leiden nicht mit Verbitterung und Verzweiflung, sondern mit Hoffnung und Mut gegenüberzutreten."

"Gott nimmt unser Elend und Leiden so ernst, dass er bereit war, es selber auf sich zu nehmen."

4. Die Auferstehung wird das Leid verwandeln.

"Wir brauchen auch die Hoffnung, dass unser Leiden 'nicht umsonst ist'."

"Alles Schreckliche und Falsche, das je passiert ist, wird nicht bloß ausgelöscht oder repariert werden, sondern es wird in gewissem Sinne die Freude und Herrlichkeit noch größer machen."