Aufsatz: Lektionen für den Generationsübergang

In der Bekennenden Kirche Nr. 66 ist mein Aufsatz über den Generationsübergang von Mose zu Josua erschienen.

Es kommt die Stunde der Wahrheit für jede neue Generation, der Moment, in dem das Außerordentliche vorbei ist und das ordentliche Leben anfängt. Das war auch zur Zeit Josuas so. Nachdem die Landnahme beendet war, wurde jeder in sein Erbteil entlassen. Die Israeliten gingen in ihren Alltag. Jetzt kam zum Tragen, was Mose vor der Überquerung des Jordan dem Volk nochmals eindringlich zugerufen hatte: Ich nehme heute Himmel und Erde gegen euch zu Zeugen: Ich habe euch Leben und Tod, Segen und Fluch vorgelegt; so erwähle nun das Leben (5Mos. 30,19).

… Keine Generation kann von der Vergangenheit alleine leben. Sie muss sich erneut an Gottes Gesetz ausrichten. Was begründete den Erfolg Josuas?

Input: Der Gottesdienst im Neuen Testament

Input unseres Pfarrers in der Gemeindeschulung:

Apostelgeschichte 2,42-47

  • Die Gemeinde (ver)sammelt sich seit ihrem ersten Tag.
  • Ihre Aktivitäten sind in erster Linie auf Gott ausgerichtet (Lehre, Gemeinschaft, Gebet, Abendmahl).
  • Der Gottesdienst prägt den Alltag ("täglich")…
  • und führt zu Gottes Lob.

1. Korinther 11,17-22

  • Der Gottesdienst kann schaden, wenn man auf sich selbst schaut und die eigenen Bedürfnisse in den Vordergrund stellt (wie die reichen Korinther)
  • Der Gottesdienst fängt in den Häusern an. (Darum: Wie kommen wir zum Gottesdienst? Körperlich, geistig?)

Matthäus 18,15-18

  • Der Gottesdienst stellt in die Gemeinschaft.
  • Es kommt vor, dass aneinander gesündigt wird.
  • Der Einzelne sucht Buße und Vergebung in Christus.

Buchbesprechung: Rebelliere gegen niedrige Erwartungen!

Meinen beiden Ältesten gab ich kürzlich das Buch "Do Hard Things" zum Lesen. Ein Muss für jeden Heranwachsenden. Ich habe das Buch vor Jahren begeistert gelesen und bezeichne mich seither selbst als "Rebelutionary". Einige Gedanken flossen übrigens in mein Buch "Ich konsumiere, also bin ich? Als Familie in der Konsumgesellschaft überleben" ein. Für Josia – Truth for Youth hat Simon Mayer eine gute Rezension geschrieben, die ich vollständig wiedergebe:

Alex und Brett Harris scheinen das Kernproblem der heutigen Teenager-Generation erkannt zu haben: Die Jugendlichen wissen nicht, was sie imstande sind zu leisten, weil sie von der Gesellschaft unterfordert und mit dem Vorurteil der Unreife abgestempelt werden, anstatt Verantwortung für ihr Leben übernehmen zu müssen. Doch in ihrem Weckruf an den Leser ist das passende Gegenmittel der Zwillingsbrüder schon verpackt: "Rebelliere gegen niedrige Erwartungen!"

Wie es konkret aussehen kann, den Rahmen dessen zu sprengen, was die Gesellschaft so üblicherweise für möglich hält, haben die beiden eindrucksvoll vorgemacht. Mit 16 Jahren starten sie ihren Internet-Blog TheRebelution.com, der innerhalb kurzer Zeit auf mehr als eine Million Besucher pro Monat kommt, mit 18 Jahren halten sie Konferenzen vor bis zu 2000 Menschen überall in den USA und sogar in Japan und mit 19 Jahren veröffentlichen sie ihr erstes Buch.

Dass das Wort "Teenager" und die seltsame These, diese seien so ziemlich zu nichts zu gebrauchen, eine Erfindung der Moderne sind, verdeutlichen sie außerdem an Beispielen historischer Persönlichkeiten: Da gibt es z.B. George Washington, erster Präsident der Vereinigten Staaten, der mit 17 Jahren zum offiziellen Landvermesser von Culpeper County ernannt wird. Da ist David Farragut, erster Admiral der US-Marine, der mit 12 Jahren die Befehlsgewalt über ein im Krieg erbeutetes Schiff erhält. Oder die 17-jährige Clara Barton, eine Lehrerin für mehr als 40 Schüler an einer Krankenpflegeschule, die später Gründerin des Amerikanischen Roten Kreuzes werden soll.

Die Aufforderung, schwierige Dinge zu tun, meinen Alex und Brett vollkommen ernst. Sie sind davon überzeugt, dass dazu jeder Jugendliche in der Lage ist und nennen gleich einmal fünf Übungsfelder:
– Tu Dinge, die dich aus deiner Wohlfühlzone holen!
– Tu Dinge, die über das hinausgehen, was von dir erwartet wird!
– Tu Dinge, die du nicht allein machen kannst!
– Tu Dinge, die sich nicht sofort rentieren!
– Tu Dinge, die sich von dem abheben, was alle tun!

Die Frage, woher man denn die Motivation dazu nehmen soll, beantworten die beiden ebenfalls, selbstverständlich anhand der Bibel. Genauer gesagt v.a. aus dem Leitvers ihrer Rebelution-Bewegung: "Niemand verachte dich wegen deiner Jugend; du aber sei den Gläubigen ein Vorbild im Wort, im Wandel, in der Liebe, im Glauben, in der Reinheit." (1. Timotheus 4,12)

Gott hat hohe Erwartungen an dein Leben. Er möchte nicht, dass du einige der besten Jahre deines Lebens verschwendest. Deshalb vertrau auf ihn und fang heute an, deine Denkweise radikal zu ändern. Lerne, nach den Sternen zu greifen. Es ist möglich. Es gibt eine Alternative. Es gibt einen besseren, größeren, aufregenderen und erfüllenderen Weg dein Leben zu leben.
Nimm die Herausforderung an und lass den Aufruf nicht ungehört verklingen, lies "Yes You Can"! Es wird dich mit Sicherheit inspirieren…

P.S. Nicht nur empfehlenswert für Teenager!

Buchbesprechung: Eine Predigt aus dem Jahr 2002, durch die Tausende zum Glauben kamen

Paul Washer. A Shocking Message. CLV: Bielefeld, 2016. Kostenloser Download.

Hinweis: Diese Predigt gibt es hier mit deutschen Untertiteln. Zudem gibt es hier den Bericht einer jungen Frau aus dem deutschsprachigen Raum.

10 Schlüsselsätze

  1. "Die größte Irrlehre in den amerikanischen Kirchen evangelikaler und protestantischer Prägung besteht darin, dass Jesus Christus auf jeden Fall in dein Herz kommt, wenn du nur ein Gebet sprichst und ihn darum bittest."
  2. "Dem Glauben allein an Jesus Christus geht Buße voraus und folgt Buße nach. Und das bedeutet ein Abwenden von der Sünde, ein Hass auf die Dinge, die Gott hasst, und eine Liebe für die Dinge, die Gott liebt."
  3. "Ihr habt keine Ahnung, was das heißt, dass wir radikal – von der Wurzel her – verdorben und als Gotteshasser geboren wurden. Dass wir von uns aus Gott niemals gesucht hätten, niemals zu Gott gekommen wären."
  4. »Nein, Gott kann nicht hassen, weil Gott Liebe ist.« Und ich sage: »Gott muss hassen, weil er Liebe ist.«
  5. Bekehrung funktioniert nicht wie eine Grippe-Impfung. »Oh, das habe ich erledigt. Ich habe Buße getan, ich habe geglaubt.« Die Frage ist, mein Freund: Tust du auch weiterhin Buße über deine Sünden? Glaubst du auch weiterhin?
  6. Der Großteil unseres Christentums basiert auf Klischees, die wir auf der Rückseite christlicher T-Shirts lesen. Ein Großteil unseres Christentums stammt von Songschreibern und nicht aus der Bibel.
  7. Wenn du wirklich ein wiedergeborener Christ bist, ein Kind Gottes, dann wirst du auf dem Weg der Gerechtigkeit als deinem Lebensstil wandeln. Und wenn du von dem Weg der Gerechtigkeit abweichst, dann wird der Vater kommen. Er wird dich züchtigen und zurechtweisen. Er wird dich auf diesen Weg zurückbringen.
  8. Du sollst Menschen nicht sagen, dass sie errettet sind; du sollst ihnen sagen, wie Menschen errettet werden.
  9. (Wir sind so) dünnhäutig geworden, dass niemand uns zurechtweisen kann. Niemand kann uns sagen, dass wir falschliegen.
  10. Und was ist die Frucht, die du bringst? Siehst du aus wie die Welt? Verhältst du dich wie die Welt? Hast und genießt du dieselben Freuden, die die Welt genießt? Kannst du Sünde lieben und sie genießen? Kannst du Rebellion lieben und sie genießen? Dann kennst du Gott nicht.

Wie diese Predigt entstanden ist

(aus dem Nachwort) Diese Predigt wurde 2002 auf einer Konferenz gehalten, wo etwa 5000 Teenies und Jugendliche anwesend waren und Paul Washer einer der Redner war. Washer: "Es schien mir, dass vor mir Tausende Zuhörer saßen, die eine falsche Gewissheit ihres Heils hatten. Mir brannte eine Botschaft im Herzen, aber ich wusste, dass diese Botschaft Anstoß erregen würde. Als ich anfing, darüber zu sprechen, wie die gegenwärtige Kultur die Gemeinde zunehmend beeinflusst, da brachen die Zuhörer in Applaus aus – sie hatten nicht begriffen, dass ich über sie sprach. … Die Botschaft, die ich gepredigt habe, war hart, sogar sehr hart. Aber das war die Ausnahme und nicht die Norm für mein Predigen. Es gibt Zeiten, in denen ein ›hartes Wort‹ gepredigt werden muss – selbst wenn es an das Volk Gottes gerichtet ist."

Ein sterbender Mann zu sterbenden Männern, Frauen und Jugendlichen

"Ich werde als ein sterbender Mann zu sterbenden Männern und Frauen und Jugendlichen predigen. Ich werde predigen, als ob ich nie wieder predigen würde, und ich werde euch Dinge sagen, die ihr missverstehen werdet. Ich werde euch Dinge sagen, die euch wütend auf mich machen, und ich werde euch Dinge sagen, die ihr abstreitet. Und ich werde euch Dinge sagen, von denen ihr sagen werdet, dass ich kein Recht habe, sie euch zu sagen."

Über was wir wirklich beunruhigt sein sollen

"Es beunruhigt mein Herz nicht, ob du momentan gut mit dir selbst klarkommst oder nicht, ob dein Leben sich so entwickelt, wie du gewollt hast, oder ob es finanziell gerade gut geht oder nicht. Es gibt nur eine einzige Sache, die mir eine schlaflose Nacht bereitet hat. Es gibt nur eine einzige Sache, die mich den ganzen Morgen geplagt hat, und zwar Folgendes: In einhundert Jahren wird die große Mehrheit der Leute in diesem Gebäude möglicherweise in der Hölle sein."

"Man sagt, dass das Wichtigste auf der Erde ist, Jesus Christus zu kennen. Das ist nicht wahr. Das Wichtigste auf der Erde ist, dass Jesus Christus dich kennt."

"Da gibt es diejenigen, die bekennen, dass Jesus Herr ist, und sie tun den Willen des Vaters im Himmel, und es gibt jene, die bekennen, dass Jesus Christus Herr ist, und sie tun nicht den Willen des Vaters im Himmel, und sie kommen in die Hölle."

Kritik: Gesetz und Evangelium predigen

Ich ergänze mit der Rückmeldung eines Lesers: "Die Analyse ist treffend. Die Lösung problematisch. Klar, wir haben den Auftrag den Indikativ UND den Imperativ zu predigen. Da wird es vorkommen, dass wir mal das eine mehr betonen und mal das andere mehr (je nach Textgrundlage). Aber der Inhalt dieser Predigt verbunden mit dem Tonfall der Stimme verursachte schon beim ersten Gucken vor vielen Jahren bei mir ein flaues Gefühl im Magen, was nicht daher kam, dass ich überführt war, sondern daher, dass mir das ganze Auftreten suspekt war. Aufrütteln: ja, unbedingt! Das tut auch Paulus immer wieder.
1. Korinther 10 könnte man als "Shocking Corinthians Message" bezeichnen. Aber bemerkenswert ist der Schluss der Rede. Paulus schreibt dieser absolut weltlichen Gemeinde nach 12 Versen härtester Konfrontation: "Gott aber ist treu; er wird nicht zulassen, dass ihr über euer Vermögen versucht werdet, sondern er wird zugleich mit der Versuchung auch den Ausgang schaffen." (1Kor 10,13) Nach 12 Versen die Ermutigung des Evangeliums. Das Gesetz an sich ist kraftlos Veränderung zu bewirken. Von daher knüpft Paulus dann seine weiteren Ermahnungen ab Vers 14 an Vers 13 an: "Darum, meine geliebten Brüder…" Bis heute finde ich schade, dass das bei Washer in dieser Predigt nicht vorkommt."

Modell: Worin besteht Glück?

Ein universelles Streben

Alle Menschen ohne Ausnahme streben danach, glücklich zu sein, wie verschiedenen die Wege auch sind, die sie einschlagen; alle haben dieses Ziel.  … Es ist der Beweggrund aller Handlungen des Menschen, selbst derer, die im Begriff stehen, sich zu erhängen.“ – Blaise Pascal, Pensées, Fragment 425

Woher kommt Glück? Worin besteht es?

Für alle Menschen erkennbar

Spaß

„Das hat Spaß gemacht.“

Kurz andauerndes Hochgefühl
Äußeres Ereignis, kurzfristig

Vergnügen

„Es war mir ein Vergnügen.“

Durch Interaktion mit anderen herbeigeführte Zufriedenheit
Äußeres Ereignis, eher kurzfristig

Freude

„Das macht mir Freude.“

Innere Zufriedenheit, ausgelöst durch einen eigenen Beitrag
Innerer Zustand, eher anhaltend

Glück

„Ich bin glücklich.“

Innere Balance, anhaltend
Nachhaltige Ausgeglichenheit in Lebensphasen

Für Erlöste erkennbar

Wahres Glück

„Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir."

Durch die innere Transformation bewirkte Neuorientierung
Nachhaltige Ausgeglichenheit, äußeren Umständen zum Trotz

Beobachtungen:

  1. Wir fragen ständig nach Ereignissen, die einen externen Stimulus benötigen. „Hat es dir Spaß gemacht?“
  2. Es gibt Menschen, die uns emporheben und eine Resonanz in uns auslösen. „Es war mir ein Vergnügen (mit dir).“
  3. Wenn Begabungen ausgelebt werden können, stellt sich Freude ein. „Das macht mir Freude.“
  4. Ein verliebtes Paar kann schon mal äußern: „Wir sind glücklich.“ (Das kann sich nach einer Zeit wieder ändern.)

Äußerungen wichtiger christlicher Denker:

  • Augustinus (De natura boni): „Das höchste Gut, über welchem nicht Höheres ist, ist Gott.“
  • Thomas von Aquin: „Nur in Gott ist alles Gute, die Kreatur nimmt nur teil am Guten. Also nur Gott kann anfüllen den Willen des Menschen … Nur also in Gott besteht die Seligkeit des Menschen.“
  • Jonathan Edwards: „The godly man is happy in whatever circumstances he is placed because of the spiritual privileges and advantages, joys and satisfactions, he actually enjoys while in this life.”
  • Johann Sebastian Bach (BWV 113): “Herr Jesu Christ, mein höchstes Gut”
  • Herman Bavinck (Our Reasonable Faith): „Des Menschen höchstes Gut ist Gott und Gott allein.“

Kolumne: Es gibt einen Punkt, an dem Menschen anderen nicht mehr zuhören – selbst wenn diese recht hätten

Ich bekenne mich freudig und entschieden zum christlichen Glauben reformierter Prägung. Ich finde volle Zustimmung zum Heidelberger und zum Westminster Katechismus. Sie spiegeln das wider, was ich in der ganzen Bibel lese, ohne Abstriche vorzunehmen oder Stellen zurecht zu feilen, um sie in ein System hineinzupressen. In einigen Fragen, die zwar wichtig sind, sich jedoch nicht um die zentrale Botschaft des Evangeliums drehen, kann ich auch andere Argumentationen nachvollziehen (z. B. Gemeinde- und Gottesdienstordnung, Taufe, Geistesgaben, Frauenfrage).

Mit Schmerzen beobachte ich, dass reformiert geprägte Kreise manchmal durch ihre Rechtsgläubigkeit und – leider – auch Arroganz auffallen. Es würde mich nicht wundern, wenn einige nach dem Lesen von Blogbeiträgen diesen Eindruck von mir selbst hatten. Tatsächlich schimmern schon mal Spuren des Ärgers und der Rechthaberei durch. Gott sei Dank für die Brüder, die mich darauf hinweisen, und Dank dem, der meine Verfehlungen getragen hat und trägt!

Jemand hat mir gesagt: „Es gibt einen Punkt, an dem Menschen anderen nicht mehr zuhören – selbst wenn diese recht hätten.“ So ist es. Wer sich über Abgrenzung definiert, muss sich nicht wundern, wenn er sich eines Tages isoliert hat. Francis Schaeffer ist mir in dieser Hinsicht ein großes Vorbild. Er betonte stets, dass rechte Lehre und liebevolle Beziehungen Zwillinge sind. Ich verweise auf meine Besprechung des kurzen Texts „Das Kennzeichen des Christen“.

Dies sind 10 Fragen, die ich mir selbst stelle und noch mehr stellen sollte:

Rechte Lehre

  • Kann ich mich auf ein ausdrückliches Gebot Gottes stützen? Oder handelt es sich mehr eine Frage der Weisheit (angepasst an die Situation)?
  • Entspricht diese Position dem Gesamtzeugnis der Bibel, kann also „durch gute und notwendige Schlussfolgerungen aus der Schrift hergeleitet werden“ (Westminster Bekenntnis 1.6)?
  • Bin ich in dieser Frage wirklich sattelfest und gegründet in Gottes Wort? Was sind meine sonstigen Quellen (Ausleger)?
  • Kenne ich die Gegenpositionen? Könnte ich sie einem Vertreter des anderen Standpunktes so überzeugend darlegen, dass er erstaunt nicken würde?
  • Auch wenn ich diese Fragen mit „ja“ beantworten kann: Liebe ich meinen Nächsten wie mich selbst? Finde ich den richtigen Ton? Ist es der richtige Zeitpunkt?

Liebevolle Beziehungen

  • Halte ich mich nur aus Menschenfurcht zurück? Rede ich dafür hinter dem Rücken schlecht über den anderen? Rede ich zu Gott darüber?
  • Kenne ich den persönlichen Hintergrund des anderen?
  • Vertritt das Gegenüber seine Meinung öffentlich (in Jugendkreisen, Predigten, Vorträgen, Blogs, Zeitschriften, Büchern)?
  • Was ist mein Ziel? Möchte ich den anderen zu Christus hinführen und ihn im Wachstum anregen?
  • Verspüre ich Ärger, Bitterkeit, Hass, Verachtung, Neid?

Predigt: Vereint, weil ER für uns betet (Johannes 17)

Larry Norman, gebürtiger Brite, hat Germanistik, Französisch und Theologie studiert. Er arbeitet als Assistenzpastor bei der Anglican Church in Leipzig. (Hinweis: Im aktuellen Timotheus-Magazin geht es zu einem Interview mit ihn.) Du kannst ihm auf Twitter oder über seinen Blog "Mehrere Kanonen" folgen.

In der Predigt an der Josia-Konferenz hat er das Gebet von Jesus an seinen Vater in Johannes 17 erfrischend ausgelegt. Ich habe mitgeschrieben.

Der VIP-Pass an den Ort deiner Wahl

Wenn du einen VIP-Pass für einen Ort deiner Wahl bekommen könntest – wohin würdest du gehen? Es reizt uns zu erfahren, was unsere Helden privat machen. In Johannes 17 erhalten wir einen privaten Einblick. Wir hören, wie Jesus zu seinem Vater betet.

Weshalb betet Jesus? „Damit sie meine Freude völlig in sich haben“ (Vers 13). Das ist, wie wenn man einen ganzen Ozean in einen Becher gießen würde. Es erfrischt, wie der Sprung ins Freibad an einem warmen Tag.

1. Vater, verherrliche du dich durch mich.

Die Stunde ist endlich gekommen – die Stunde, auf welche das ganze Alte Testament hingewiesen hatte. Der Zeitpunkt seines Opfertodes nahte.

Was betete Jesus in dieser Situation? Er bittet, dass der Vater verherrlicht wird. (Wie bete ich in großen Anfechtungen?)

Wie soll er ihn verherrlichen? Indem er den Liebesplan seines Vaters vollendet, nämlich ewiges Leben denen zu schenken, die er ihm gegeben hat.

Dieses ewige Leben kommt wie eine Flut in unsere ausgetrocknete Seelenwüste. So wie ein Mensch im Meer eine Leiter aus Wasser bauen würde – so unmöglich ist es für einen Menschen, selbst ewiges Leben zu erlangen.

Es geht über Vergebung und Rechtfertigung hinaus: Wir wollen den Vater und den Sohn erkennen. Stellen wir die Verheißung dieser Fülle unserem Umgang mit der Bibel gegenüber: Wir knabbern am Wort Gottes, als ob es eine mickrige Vorspeise wäre. Dabei ist es ein Festmahl!

Was gibt Jesus seine Zuversicht? Er weiß, dass der Vater sein Gebet beantworten wird.

2. Vater, bewahre meine Jünger.

Wie kann man die Lage der Jünger zu diesem Zeitpunkt beschreiben? Ziemlich hoffnungslos und verzettelt! Eben stritten sie sich noch, wer der Größte unter ihnen sei. Sie träumten vom Fensterplatz im himmlischen Restaurant. Jesus würde ihnen den besten Platz schon reservieren.

Wie denkt Jesus über die Versuche der Jünger für ihn zu leben? Bat er seinen Vater die Jünger einzutauschen? Nein! „Sie haben dein Wort bewahrt.“ Was für eine großzügige Liebe. Er erwähnt die Versagen der Jünger nicht, er ist unser Fürsprecher. Wir müssen uns das vorstellen wie bei einem kleinen Kind, das die ersten Schritte tut. Da sagt der Vater auch nicht: „Weshalb bist du nur drei Meter weit gekommen und dann wieder hingefallen?“

Jesus gab seinen Jüngern die Würde seines Vaters mit. Er wird sie bewahren wie geschätzte Familienmitglieder.

Weshalb muss man um Bewahrung bitten? Es wird Bedrängnis kommen (V. 14-15). Der Teufel hasst Jesus und seine Jünger so, wie Vampire den Tag hassen. Die Menschen ohne Gott rufen: „Wir wollen nicht, dass dieser über uns herrsche!“

Wenn du willst, dass alle dich mögen, dann ist Jüngerschaft nichts für dich. Jesus bat nicht diesen Widerstand zu nehmen, sondern sie vor dem Bösen zu bewahren. Wenn du nicht um diese Bewahrung bittest, dann siehst du den Teufel anders, als Jesus ihn sieht.

Das Muster für das christliche Leben lautet also: Jesus betet für uns. Der Teufel hasst uns. Jesus bewahrt uns inmitten der Bedrängnis der Welt.

Er sendet seine Jünger aus, um Christi Botschaft der Welt zu bringen (V. 17). Ihm von ganzem Herzen zu dienen und ihm gerne nachzufolgen, darin besteht die perfekte Freiheit. Sich vom verführerischen Geruch von Wohlstand und Anerkennung hinreißen zu lassen, führt hingegen nicht zur Freiheit.

Der Vater heiligt die Jünger für diesen Dienst. Er bereitet sie zu (das Wort wurde im Alten Testament auch für Opfergaben gebraucht).

Vater, einige meine Jünger …

Mit der christlichen Einheit ist es ähnlich wie mit Bayern München: Entweder man vergöttert sie, oder aber man meidet sie.

Wir können uns fragen: Ist die Bitte Jesu nach Einheit in der himmlischen Post verloren gegangen? Es gibt ja so viele Konfessionen!

Trotzdem sind wir eins. Diese Einheit ist viel stärker als jeder Sekundenkleber. Er einigt seine Jünger durch seine Herrlichkeit.

Wie kleingeistig sind wir manchmal. Wir verachten andere, weil sie eine „falsche Theologie“ haben. Wir führen uns eher wie eine einander bekriegende Straßengang, denn als liebende Geschwister. Die Welt wird durch das Erkennen glauben, dass der Vater Jesus in die Welt gesandt hat (V. 21). So wie die Schlagzeile einer Lokalzeitung bei der Veranstaltung „Pro Christ“: „Irgendetwas ist passiert: Die Christen sind sich einig.“

Die Welt kennt keine echte Einheit. Für Christen ist Einheit jedoch kein Wahlfach, sondern gehört zu ihrem Missionsauftrag. Es gibt jedoch keine Einheit ohne Gottes Wort, weil es keinen Glauben ohne Gottes Wort gibt.

Das Wort Gottes zieht sich wie ein Fluss durch dieses Gebet (V. 8, 17, 18, 20). Gottes Wort geht auf die Jagd – durch die Münder der Christen.

… und bringe sie zu mir nach Hause!

Jesus will den Rest der Ewigkeit nicht ohne dich verbringen. Du denkst, du bist Mangelware und lebst auf der B-Strasse. Doch wen er für sich haben will, den wird er auch bewahren.

10 Hinweise: Nach der Konferenz – wenn dich der Alltag wieder einholt

Dieses Wochenende durfte ich an der Josia-Konferenz "Vereint – jetzt und für immer" teilnehmen. In der Q & A-Session wurde mir die Frage gestellt, wie man Gelerntes umsetzen kann. Hier sind einige Hinweise:

  1. Sei dir bewusst: Der Widersacher Gottes ist bestrebt, das Gesäte wieder wegzunehmen. Bitte um Bewahrung.
  2. Nach dem Hoch kommt meistens ein Müdigkeitsschub – die ideale Gelegenheit, in den alten Gewohnheiten weiterzuleben. Bitte darum, dass Jesus dein Verlangen nach ihm stärkt.
  3. Sichte deine Notizen. Was hat dich bewegt und warum?
  4. Bete darüber, was du umsetzen kannst. Kehre zu deinen ersten Ideen während den Vorträgen, Seminaren und Gesprächen zurück.
  5. Teile Gelerntes mit anderen. Erzähle davon in der Familie und Freunden. Schreibe eine SMS, eine Mail und noch besser – einen Hand geschriebenen Brief.
  6. Setze in den ersten 48 Stunden bereits ein bis drei kleine Punkte um. Entscheidend sind unsere Tagesgewohnheiten. Wie lebe ich jeden Tag vor Gott und anderen Menschen?
  7. Behalte die neuen Gewohnheiten bei, auch wenn sie dir ungewohnt scheinen und du „keinen Bock“ zur Umsetzung hast. Es braucht sicherlich drei bis vier Monate, bis sie fest verankert sind.
  8. Verabrede dich nach einer Zeit mit anderen Konferenzteilnehmern. (Das kann auch per Skype geschehen.)
  9. Sind weitere Fragen aufgetaucht? Sind dir Ideen für neue Themen gekommen? Schicke sie ans Josia-Leitungsteam.
  10. Wie kannst du mit dem neu Gelernten anderen dienen? Wen könntest du das nächste Mal an die Konferenz mitnehmen? Teile es diesen Personen frühzeitig mit.

Kolumne: 20 Dinge, die ich jedem jungen Christen sagen würde

Zum Ausgangspunkt und Ziel unseres Seins

  1. Gott hat uns geschaffen, wir gehören darum ihm und sind ihm zur Rechenschaft verpflichtet.
  2. Wir leben jeden Moment vor dem Einen Zuschauer.
  3. Vertrauen in Gottes Souveränität und mutiges Zupacken sind Zwillinge.
  4. Vergiss nie die Folgen des Sündenfalls. Sie begleiten uns bis zum Tod.

Geistliches Leben

  1. Tägliche Gewohnheiten einzurichten benötigt Ausdauer und bedeutet Kampf! Wir lernen diese Gewohnheiten auf die gleiche Weise, wie wir auch anderes lernen: Durch Wiederholung und Gewöhnung.
  2. Geistliche Disziplinen umzusetzen darf darum keine Gefühls-basierte Entscheidung sein („ich tue es, wenn ich Lust dazu verspüre“).
  3. Gebet ist die vornehmste Art der Dankbarkeit.
  4. Kein Interesse an der Bibel zu haben bedeutet kein Interesse an Gott selbst zu haben.

Sexualethik

  1. Wir müssen davon ausgehen, dass auch wir Christen relativistisch denken gelehrt haben. Das hebt Gottes gute Ordnung nicht auf.
  2. Es gibt Singles (und auch Verheiratete), die auf die sexuelle Erfüllung verzichten müssen.
  3. Männer, übernehmt Verantwortung! Frauen, lasst euren Männern Raum zum Führen und Entscheiden.
  4. Bitte jeden Tag um Schutz vor der Falle der Pornografie.

Unsere Nachbarn sind religiös

  1. Die meisten unserer Nachbarn sind westlich-säkular religiös.
  2. Ihr Hauptdogma lautet: Werte sind relativ. Das gilt für alles außer für die Behauptung einer absoluten Wahrheit.
  3. Auf die Frage nach dem Lebensziel antworten sie indirekt durch ihr Leben: „In Übereinstimmung mit meinen Wünschen leben.“

Konsumgesellschaft

  1. Ablenkung durch Zerstreuung ist eine Scheinlösung.
  2. Wir suchen uns ständig zu betäuben – durch Sex, Medien und mit Rauschmitteln.
  3. Vergeude deine besten Jahre nicht im Ausgang.

Gemeinschaft

  1. Werde verbindlich Mitglied in einer Gemeinde. Dies ist Gottes Platz für jeden Christen.
  2. Lade Ausländer zu dir nach Hause ein und teile das Evangelium mit ihnen.

Buchbesprechung: Tolkien, der sprachwissenschaftliche Sherlock Holmes

Humphrey Carpenter. J. R. R. Tolkien. Eine Biografie. Klett: Stuttgart, 2002 (3. Auflage). 323 Seiten. 25 Euro.

Keine Heldenverehrung

C. S. Lewis ist vielen Christen ein Begriff. Im nächsten Atemzug folgt J. R. R. Tolkien, Verfasser des Klassikers „Der Herr der Ringe“. Welche Persönlichkeit und welches Leben steckten hinter diesem Buch? Um dieses fehlende Wissen auszugleichen, bestellte ich auf einen Hinweis des New Yorker Pastors Timothy Keller hin diese Biografie. Mein Eindruck vorab: Sie riss mich nicht von den Socken, überzeugte mich aber dadurch, dass sie keine Heldenverehrung betreibt.

Die Ende der 1970er-Jahre durch den Oxford-Dozenten Humphrey Carpenter herausgebrachte Biografie beruht gemäß Angaben des Autors auf Briefen, Papieren, Tagebüchern sowie Erinnerungen von Angehörigen. Obwohl es Tolkien als „völlig falsch und vergeblich“ angesehen hatte, durch die Lebensgeschichte des Autors Zugang zu dessen Werk zu suchen, musste Tolkien Vorkehrungen für eine solche Publikation getroffen haben.

Lebensetappen

Carpenter teilt Tolkiens Leben in mehrere Etappen ein: Jugendjahre (1892-1916), die Entstehung der beiden literarischen Hauptwerke (1925-1949), die Periode der grossen Publizität nach der Veröffentlichung der „Herr der Ringe“ (1949-1966) sowie die letzten Jahre (1959-1973). Äußerlich wirkte Tolkien wie ein typischer Oxorder Don, doch sein Geist „weht durch Mittelerde“ (16). Wie wurde dieser Geist geformt? Tolkien führte kein besonders spektakuläres Leben – umso faszinierender ist der Blick in sein Innenleben.

Frühe Beeinflusser

Erwähnenswerter als die ersten Jahre in Südafrika und der Tod des Vaters ist der starke Einfluss von Tolkiens Mutter. „Der erste mütterliche Unterricht fruchtete nicht beim Klavierspiel. Vielmehr schien es, als nähmen bei ihm Wörter die Stelle der Musik ein. Er genoss es, sie zu hören, sie vorzulesen oder zu rezitieren, fast ohne sich darum zu kümmern, was sie bedeuteten.“ (33) Der Tod der Mutter traf ihn im Zentrum und hatte einen tiefen Einfluss auf seine Persönlichkeit. „Er machte aus ihm einen Pessimisten. Oder genauer, er machte aus ihm zwei Personen. Von Natur aus war er ein heiterer, fast unbändiger Mensch von grossem Lebenshunger. Er liebte gute Gespräche und körperliche Bewegung. Er hatte viel Humor und eine große Begabung, Freundschaft zu schließen. Aber von jetzt an sollte es noch eine andere Seite geben, die geheimer war, doch in seinen Briefen und Tagebüchern vorherrscht. Diese Seite seiner Person kannte Augenblicke tiefer Verzweiflung. … Wenn er in dieser Verfassung war, hatte er ein starkes Gefühl drohenden Verlustes. Nichts war sicher von Dauer, kein Kampf war je für immer gewonnen.“ (44)

Glücklicherweise gab es in seiner Umgebung einige Menschen, die sich um ihn kümmerten und ihn förderten. Allen voran Pater Francis, der für den Waisenjungen von der Mutter die Erziehungsbevollmächtigung zugesprochen bekommen hatte. Er kümmerte sich persönlich und finanziell um den Jungen. Er war es auch, der eine frühe Liaison zur späteren Frau Edith rigoros zu verhindern suchte (53). Tolkien gehorchte ihm (57). Da war weiter ein Griechischlehrer an der Schule. Und da war später natürlich seine Ausbildung in Oxford. Carpenter verschweigt hier nicht, dass Tolkien über Strecken vom luxuriösen Lebensstil der Studenten beeinflusst wurde und sich verschuldete; eben so wenig, dass er eine gute Zeit „verplämperte“ und ein typischer Spätaufsteher war (67).

Die Beziehung zu Edith schildert Carpenter – um noch ein Beispiel zu nennen – mit allen Schattenseiten. Sie ging in den Beschäftigungen des täglichen Lebens auf (82). Mit dem ersten Kind war sie es bald leid, dem Offizier (es war Kriegszeit) hinterher zu reisen (119). Später in Oxford konnte sie ihre Schüchternheit nicht überwinden und fand nie Zugang zu den beruflichen Kreisen des Mannes (177). Durch den verschobenen Tagesrhythmus und das Schnarchen schlief sie in einem anderen Zimmer (180).

Eine frühe Leidenschaft

Es ist faszinierend zu verfolgen, wie sich bestimmte Fähigkeiten früh ausbilden, um später zum Einsatz zu kommen. Tolkien beschäftigte sich liebend gerne mit dem „Knochengerüst“ von Sprachen (47). „Es war nicht das frostige Interesse an den wissenschaftlichen Prinzipien der Sprachlehre, es war die tiefe Liebe zu dem Klang und der Gestalt der Wörter.“ (48) Die Freuden und Anregungen „empfing er aus den grossen Liedern der alt- und mittelenglischen Periode und aus der frühen Literatur Islands“ (85). So erstaunt es nicht, dass Tolkien in seinen beiden Bestsellern sämtliche Namen einer eingehenden, philologischen Prüfung unterzog (115). Die Liebe zum Detail und ein rastloser Perfektionsdrang (125) begleitete ihn bis ins hohe Alter. Besonders das unvollendete – bzw. durch seinen Sohn Christopher abgeschlossene – Werk „Das Silmarillion“ widerspiegelt dies. Ja, es konnte sein, dass er es nicht ertrug, in der Welt des Buches nichts mehr zu schaffen zu haben! Gleichzeitig beunruhigte ihn der Gedanke, die Mythologie nicht zu Ende führen zu können, ungemein (224). Er musste nicht in ferne Länder reisen, weil er die Welt, die er schuf, in sich trug (72). Seine Phantasie bedurfte der äußeren Reize nicht (146).

Tolkien als Professor und Schriftsteller

Wie war Tolkien als Professor? Humorvoll, mit schneller, undeutlicher Sprechweise, freundlich zu den Studenten (139). Seine schlichte Kleidung hob ihn vom Dandytum der damaligen Zeit ab (145). Tolkien war zugleich Schriftsteller, der Worte zu poetischen Zwecken verwendete. „Er wusste die Poesie im Klang der Wörter selber zu finden, wie er es seit seiner Kindheit getan hatte.“ (156) Carpenter erwähnt, dass Tolkien weit mehr als die geforderte Mindestanzahl an Vorlesungen gehalten hat. Seine wenigen Fachveröffentlichungen werden stets an den Orten zitiert, wo englische Philologie studiert wird (164).

Und wie entstanden seine Bücher, genauer gesagt seine wichtigsten zwei? Das erste Buch, das einschlug, „Der Hobbit“, entstammt ursprünglich aus Geschichten, die Tolkien seinen Kindern erzählt hatte (185). Er schrieb auch jedes Jahr eine Weihnachtsgeschichte für sie (188). Insgesamt blieben dies jedoch Fingerübungen für ihn. Eine wichtige Schulung für seine Tätigkeit als Schriftsteller waren seine Gedichte (191). „Ich bin selber ein Hobbit … in allem bis auf die Grösse. Ich liebe Gärten, Bäume und Ackerland ohne Maschinen; ich rauche Pfeife, esse gerne gutbürgerlich (nichts aus dem Kühlschrank) und verabscheue die französische Küche; ich trage gern – ein Wagnis in dieser öden Zeit – dekorative Westen. Ich mag Pilze (vom Felde), habe einen sehr einfachen Humor (den sogar meine wohlwollendsten Kritiker störend finden); ich gehe spät zu Bett und stehe spät auf (wenn möglich). Ich reise nicht viel.“ (202) Carpenter kommentiert: „Im Hobbit trieb Tolkiens geistiger Humus ein reiches Wachstum hervor, mit dem nur wenige Kinderbücher zu vergleichen sind.“ (205)

Sein zweites großes Werk, „Der Herr der Ringe“, entstand während einer zwölfjährigen Schaffensperiode. Jede kleine Einzelheit musste sich zufriedenstellend in den Plan des Ganzen einfügen (223). Es gab, so Tolkien, nicht viele Sätze, an denen nicht herumgefeilt worden war (233). Das Hin und Her mit dem Herausgeber ist eine Geschichte für sich. (Ein Zwischenbericht Tolkiens: „Ich habe ein Monstrum erzeugt.“ 239) Dass die Kritiker sich nicht mäßigen konnten, weder in Lob noch in Kritik (254), zeigte schon früh an, dass es sich um ein Meisterwerk handeln musste.

Fazit

Sein Bemühen um Genauigkeit, gepaart mit Spürsinn für verborgene Strukturen und Beziehungen, machte ihn zum sprachwissenschaftlichen Sherlock Holmes (158). Dass Tolkien stets zuhörte und großen Anteil an Freunden nahm, nehme ich als Lektion für mein eigenes Leben mit.