Publikationen: Wahrheitsfrage, Herman Bavinck, Wirkung narrativer Texte

2014 war ein schreib-reiches Jahr. In der neuen Ausgabe von “glauben & denken heute” (2/2014) sind von mir zu lesen:

Zur Wahrheitsfrage: In der Wahrheit leben

Gehen Sie einen Augenblick in Gedanken Ihre Nachbarn und Arbeitskollegen durch. Die wenigsten von ihnen würden sich als aktive Gottesleugner bezeichnen. Sie haben eine unbestimmte Vorstellung von einer höheren Macht. Aber Gott hat nichts mit ihrem Leben zu tun. Er hat ihnen nichts zu sagen und schon gar nichts vorzuschreiben. Damit eng verbunden ist ein bestimmtes Verständnis von Wahrheit. Wahrheit hängt für sie von ihrer individuellen Wahrnehmung ab. Diese Einsicht ist, so lehrt uns vor allem die Sozialwissenschaft, „sozial konstruiert“, das heißt, sie widerspiegelt das aktuelle Übereinkommen der Gesellschaft. Aus christlicher Sicht lässt sich dazu sagen: Weil der göttliche Gesetzgeber nicht anerkannt wird, macht sich der Mensch selbst zum Gesetz.

Herman Bavinck: Eine Einführung in sein Leben, seine Zeit uns sein Werk

Das stetige Suchen nach Antworten auf aktuelle Fragen, ohne in Euphorie oder aber Resignation abzugleiten, sehe ich – neben seinen Schriften – als wichtigste Hinterlassenschaft Bavincks.

Buchbesprechung: Teaching and Learning Through Story

Diese Publikation soll die tschechische Comenius-Diskussion einem internationalen Publikum öffnen. Dies erfüllt dieses kurze Buch – der Haupttext umfasst etwa 60 Seiten – in doppelter Weise: Einerseits macht sie mit einem seiner Werke bekannt, das die tschechische Seele noch heute anspricht; andererseits erschließt die Erörterung über die pädagogische Funktion narrativer Texte in der Postmoderne ein unbesetztes Thema. „Die Pädagogik weiß zwar darum, dass Geschichten ‚wirken‘, sie fragt jedoch üblicherweise nicht weshalb“ (107).

Rückblick 2014: Bücher und Lesegewohnheiten

Welche Werke enthielten entscheidende Impulse für mein Denken und Handeln? Die Beschränkung auf drei Werke fiel mir schwer.

1. Eine Dogmatik im Dialog mit der Gegenwartskultur von David W. Wells

David F. Wells‘ sechsbändige Systematische Theologie als Dialog mit der Gegenwartskultur
David F. Wells. No Place for Truth. Band I (Vorrede). Wells gelang es, die gesellschaftlichen Entwicklungen einzufangen und deren Einfluss auf die evangelikalen Gemeinden zu beschreiben Es geht insbesondere um den auf sich selbst fokussierten Menschen, der gleichzeitig in höchstem Grade vom Markt der Gefühle und Erwartungen abhängig ist.
David F. Wells. God in the Wasteland. Band II (Gotteslehre). Innerhalb des Evangelikalismus hat sich eine stille Revolution vollzogen. Das Resultat dieses Wandels: Ein verlorenes Zentrum, nämlich Gott.
David F. Wells. Losing Our Virtue. Band III (Anthropologie). Unsere Gesellschaft ist moralisch vom Kurs abgekommen und sich selbst entfremdet. Deshalb besteht ein Vakuum.
David F. Wells. Above All Earthly Pow’rs. Band IV (Christologie). Wie sieht eine biblische Christologie aus einer Welt, in der Rechtgläubigkeit keinen Platz hat, die Idee der Wahrheit abgeschafft ist, Weltanschauungen kollabiert sind und sich Religionen sowie neue Formen von Spiritualität sich Seite an Seite tummeln?
David F. Wells. The Courage to be Protestant. Band V (Ekklesiologie). Seine These lautet: In den Nachkriegsjahren haben sich die Evangelikalen um zwei Kernüberzeugungen gesammelt, nämlich die volle Autorität der inspirierten Schrift und die Zentralität von Jesu stellvertretendem Sühnetod. Durch die Marketer-Welle und den Einfluss der Emergenten wurde dieses Fundament ausgehöhlt.
David F. Wells. God in the Whirlwind. Band VI (Praktische Theologie). Wells geht zurück zu seinem Kernargument, dass Gott an Gewicht verloren habe. Darum macht er sich daran, eine „gewichtige“ Sicht von Gott zu entwickeln und den Blick seiner Leser eben dafür zu gewinnen. Nur durch die Rückgewinnung einer ausgewogenen Perspektive des heilig-liebenden Gottes könne sich unser Leben nachhaltig verändern.

2. Os Guinness, “Asche des Abendlandes” (Buchbesprechung noch nicht veröffentlicht; beispielhaftes Zitat “Zwischen Liberalismus und Fundamentalismus”).

3. Richard A. Muller, “Post-Reformation Reformed Dogmatics”, Vol. 3, The Divine Essence and Attributes. (Buchbesprechung noch nicht veröffentlicht)

 

Lesen beeinflusst und verändert Leben. Hier sind einige wichtige Beiträge.

Leselisten Theologie

Anregungen für den Aufbau guter Lesegewohnheiten

Rückblick 2014: Bücher-Empfehlungen

Jeden Tag freue ich mich auf die “Top 10″-Bücher-Posts von Bloggern. Hier sind einige Empfehlungen, die mich neugierig machen:

Kevin DeYoung

Vertiefung zu Tolkiens “The Hobbit”: Jonathan Witt and Jay W. Richards, The Hobbit Party: The Vision of Freedom that Tolkien Got, and the West Forgot (Ignatius).

Trevin Wax

Monumentales Werk samt Begleitbuch: A SECULAR AGE by Charles Taylor and HOW (NOT) TO BE SECULAR by James K. A. Smith

Gott bei seinem Wort nehmen: TAKING GOD AT HIS WORD Why the Bible is Knowable, Necessary, and Enough, and What That Means for You and Me by Kevin DeYoung

Tony Reinke

Das neue Buch von Keller: Tim Keller, Prayer: Experiencing Awe and Intimacy with God (Dutton).

TGC zur Autorität der Bibel

So aktuell wie je zuvor: B. B. Warfield, The Inspiration and Authority of the Bible, with intro by Van Til (P&R, 1948).

Andy Naselli

Ein Theologie des Schlafes: Adrian Reynolds. And So to Bed …: A Biblical View of Sleep. Fearn, Scotland: Christian Focus, 2014.

Collin Hansen

Eine Biografie über Billy Graham: America’s Pastor: Billy Graham and the Shaping of a Nation, Grant Wacker (Harvard).

 

Wer gute Rezensionen über aktuelle Bücher lesen will, den verweise ich auf die Zeitschrift themelios. Ich empfehle z. B.

Rückblick 2014: Vier Dinge, die mich beschäftig(t)en

Christenverfolgung: Die Lage von Christen in muslimischen Ländern

Täglich beten wir für die Christen im Irak und in Syrien. Wir hören, dass die Kirchen trotz der Flucht von Neubekehrten gefüllt sind. Es ist uns auch berichtet worden, dass Besuche und Belehrung der neu bekehrten Christen dringend nötig wären. So sitzen wir in unserem Wohnzimmer und beten dafür. Wir gehören – im Bild gesprochen – zum gleichen Körper wie diese Menschen und leiden mit ihnen mit. Trotzdem dünkt es mich bisweilen surreal, mit welchen Problemen wir uns täglich herumschlagen und was zur gleichen Zeit meine Geschwister an einem anderen Ort auf der Erde durchmachen müssen.

Evangelium: Das Erreichen von Menschen in unserer Stadt

Oft blicke ich durchs Fenster unseres Kinderzimmers auf die neue Überbauung in unserer Nähe. Ich sehe die vielen erleuchteten Fenster. Es wohnen dort mehrere Hundert Personen, viele davon mit kleinen Kindern im selben Alter wie unsere. Mit einigen Familien haben wir Bekanntschaft geschlossen. Doch was spielt sich wirklich hinter den vier Wänden ab? Welche Nöte bleiben uns verborgen? Mir fällt auf, dass sich viele (Klein-)Familien bis an den Hals mit Verpflichtungen “zugeschüttet” haben. Man lebt „5 Minuten vor der nächsten Katastrophe“. Beide Elternteile sind erwerbstätig, mindestens einer von den beiden Partnern steckt in einer Weiterbildung, die Kinder sind fremdbetreut, alle sind dem erbarmungslosen Konsumstress ausgesetzt. Schule, Freizeit- und Förderangebote decken die Kinder zu. Allfällige Lücken werden mit Social Media zugemüllt. Meine Frage: Wie erreichen wir solche Menschen mit der befreienden Botschaft des Evangeliums? (Zusatzfrage: Wie wollen wir dies tun, wenn wir im selben Modus laufen?)

Familie: Eine Nachricht löst die andere ab

Was ich eben beschrieben habe, erleben wir auch als Familie. Der dichte Fahrplan hält mich zwar nicht davon ab, über Dinge echt betroffen zu sein. Doch: Einem Problem folgt gleich das nächste. Kaum ist die eine Fragestellung erledigt, liegt die nächste auf dem Tisch. Man mag mir jetzt sagen: „Du musst es halt gelassener nehmen.“ „Du musst dich einschränken.“ Da frage ich mich: Es steht kein Fernseher in der Wohnung, ich lese keine Tageszeitung, für die Aufnahme sozialer Medien habe ich mich selbst zeitlich limitiert. Und trotzdem dringt so viel auf mich ein.

Gemeinde: Der Einzug des Postmodernismus in unseren Gemeinden

Als Theologe, der sich intensiv mit dem Zeitgeschehen auseinandersetzt, verfolge ich die Schlagzeilen an den evangelikalen Aus- und Weiterbildungsinstitutionen. Eigentlich sollte mich das, was zurzeit abgeht, keineswegs überraschen: Die Ideen der letzten Jahrzehnte dringen jetzt mit voller Wucht auf die Gemeinden ein. Jemand hat es in einem FB-Kommentar so zusammengefasst:

Der Witz ist dass der Postmodernismus eigentlich schon tot ist, aber die Frommen graben ihn wieder aus. Das war auch mit dem Rationalismus so, dem das unerklärliche Auftreten Napoléons den Todesstoss gab, aber der theologische Vulgärrationalismus lebte noch Jahrzehnte weiter. Wann werden wieder Christen Ideenschmiede?

Rückblick 2014: 7 Einsichten für das Familienleben

In der Familie präsent sein

Präsenz des Vaters in der Familie ist Gold wert. Damit meine ich nicht, dass ich als Vater dauernd mit den Buben rumbalge, Baumhäuser baue und endlos Geschichten erzählen (alles tolle Dinge), sondern dass ich den Alltag mitbekomme. Auch wenn ich am Lesen oder Schreiben bin, erfahre ich von Freuden und Leiden des Nachwuchses. Sie kommen zu mir, um etwas zu berichten, Klagen vorzubringen oder um etwas zu bitten.

Gottes Worte einschärfen

Mich lässt die Aufgabe, der nächsten Generation Gottes Wort weiterzugeben, nicht in Ruhe. Täglich flehe ich vor Gott, dass ich es auch in einer rechten Gesinnung tue. Zorn und Ungeduld vermischen die wichtigen Worte leider manchmal mit eigener Sünde. Immer wieder raffe ich mich auf, um den dichten Fluss der Tagesereignisse zu durchbrechen und Vorfälle mit seinen Ordnungen in Zusammenhang zu bringen.

Die Mutter ehren

Sechs Männer leben um eine einzige Frau herum, welche ihnen dient. Wie wichtig ist es da, dass ich als Ehemann und Vater wertschätzend und rücksichtsvoll mit ihr umgehe. Dies bedeutet beispielsweise, dass ich bei einer Bitte oder Ermahnung ihrerseits beim ersten Mal zuhöre und reagiere. Damit zeige ich, dass ich sie ernstnehme.

Gaukle deinen Kindern nicht vor, dass du es alleine schaffst

Es gab manche Momente, in denen mir klar wurde: Das schaffe ich aus eigener Kraft nicht. Nach einem langen Arbeitstag waren meine Kräfte aufgebraucht. Mit meinen zwei linken Händen stand ich immer wieder mal wie ein Esel am Berg da. Dann stellte ich laut die Frage: „Und was machen wir jetzt?“ Die Antwort: „Wir beten.“

Freude bereiten

Als Vater freue ich mich über die Gelegenheit, Freude zu bereiten. Wenn ich mir eine gute Idee kommt, bespreche ich sie mit meiner Frau. Wenn es unsere Ziele stärkt, setze ich sie um. Zum Beispiel durfte ich jedem Buben ein Budget zum selbständigen Erwerb für Kleider gewähren. Es war sehr interessant zu beobachten, wie der Einzelne damit umging.

Um Vergebung bitten

Väter sündigen. Doch so wie uns der himmlische Vater Vergebung gewährt, dürfen wir auch vor die Familie treten und um Vergebung bitten. Leider wird dies in Familien selten umgesetzt. Sünde wird rationalisiert und versteckt. Dabei ist ein Bekenntnis so entlastend für die gesamte Familie!

Von der Arbeit berichten

Meine Kinder hören sehr gerne zu, wenn ich von der Arbeit erzähle. Am Vätertag wollten sie gleich alle mit ins Geschäft kommen. Die Überlegungen meines Ältesten, der dieses Jahr mitkommen durfte, waren für mich selbst erhellend.

Rückblick 2014: 7 Hilfen beim Bibelstudium

Dieses Jahr habe ich täglich weiter durch die Bibel gelesen. Als ich im Mai mit einer Runde fertig war, begann ich die nächste.

  1. Lass dich nicht aufhalten.

Es gibt tausend Gründe, um mit dem Lesen aufzuhören. Drei bekannte Feinde des Lesens in meinem Leben sind Gewöhnung, Ablenkung und Entmutigung. Ähnlich wie bei der Familienandacht habe ich das Prinzip etabliert: Egal, was passiert, lies einfach weiter.

  1. Öffne mir die Augen.

Wenn wir in der Familie Gottes Wort lesen, beginne ich oft mit Psalm 119,18: „Herr, öffne uns die Augen, damit wir die Wunder in deinem Gesetz erkennen.“ Eines Tages fragte mich ein Bube, warum ich dies so oft bete. Gute Frage! Wir können Gottes Wort lesen, aber wenn es uns der Heilige Geist nicht aufschliesst, zieht der Inhalt an uns vorbei.

  1. 2 + 1 bis 4 + 2

Nicht jeder Tag ist meine Aufmerksamkeit gleich. Manchmal bin ich müde und gehetzt; an anderen Tagen bin ich so gefüllt mit eigenen Gedanken, dass seine Gedanken kaum in mich eindringen können. Um die Bibel in einer vernünftigen Frist durchgelesen zu haben, portioniere ich mir 2 – 4 Kapitel aus dem AT sowie 1 – 2 aus dem NT. Diese Spanne gibt mir Spielraum, manchmal weniger, manchmal mehr zu lesen.

  1. Einen Vers pro Kapitel verinnerlichen

Auch wenn wenig Zeit bleibt, habe ich mir es zur Angewohnheit gemacht, pro Kapitel über mindestens einen Vers nachzudenken und zu beten. Oftmals sind es Stellen, die ich bisher nicht besonders beachtet habe.

  1. Lies die Bibel mit einem besonderen Fokus.

Neben der Gewohnheit, sich über einzelnen Versen länger aufzuhalten, ist ein „Weitwinkel“ für einen Durchgang durch die Bibel empfehlenswert. Das kann zum Beispiel Gottes Handeln sein (einmal strich ich sämtliche Verben, die Gottes Handeln beschrieben, blau an); oder sein Reden (ich markierte Aufforderungen mit roter Farbe). Für den nächsten Durchgang plane ich nach Anweisungen für das gemeinsame bzw. öffentliche Leben Ausschau zu halten.

  1. Etabliere das Lesen als tägliche Gewohnheit.

Es dauert mehrere Monate, bis eine Gewohnheit verinnerlicht ist. Ich rate deshalb, das Lesen nicht jeden Morgen neu vor sich her in den Tag zu schieben, sondern eine feste tägliche Zeit dafür zu reservieren.

  1. Über Gott und sich selbst lernen

Eine hilfreiche Angewohnheit ist die doppelte Frage nach jeder Leseeinheit: Was lerne ich über Gott? Was lerne ich über den Menschen? Diese Doppelfrage ist auch ein roter Faden im Dialog mit meinen Söhnen.

Eine aktuelle Strömung in der evangelikalen Erbauungsliteratur betont das Geheimnisvolle in der Gottesbeziehung. Ich empfehle, das Augenmerk eher auf das andere zu richten: Uns mit dem Anvertrauten vertraut zu machen. Dazu passend ist der Titel eines Buches: „Fühlst du schon oder liest du noch?“

Rückblick 2014: 7 Einsichten

Tägliches Leben vor Gott

Seit meinem gesundheitlichen Einschnitt gibt es kaum einen Tag, an dem ich nicht erwache und denke: Es könnte der letzte sein. Dies ist keinesfalls mit einem morbiden Lebensgefühl zu verwechseln! Anders ausgedrückt: Wenn ich morgens im Gebet vor meinen Schöpfer trete, so bitte ich ihn darum, den Tag bewusst vor ihm zu gestalten. Das verschiebt meine inneren Prioritäten, ich kann Dinge einfach weglassen. Oder es drängt mich, Gedanken in Worte zu fassen oder zu äussern, die ich sonst nicht gesagt hätte.

In der Berufung leben

Viele Menschen leben nicht in ihrer Hauptberufung. Warum? Weil sie innerlichem und äusserlichem Komfort den Vorzug geben oder sich einfach den Ansprüchen der Vergleichsgruppe gebeugt haben. Damit nehmen sie sich zumindest teilweise aus dem Segenskanal Gottes. Wer eher den eigenen Ängsten Priorität gibt anstatt mutig zu entscheiden, lebt mit angezogener Handbremse. Unglaublich ermutigend fand ich in diesem Zusammenhang das Buch von Os Guinness „Von Gott berufen“.

Selbsterlösung durch Arbeit

Die einen Menschen suchen Sinn in der Freizeit, die anderen in der Arbeit. Viele wechseln zwischen beiden Bereichen, weil sie spüren, dass beide nicht richtig befriedigen können. Arbeit und Freizeit sind zwei wichtige gesellschaftliche Götzen. Gerade bei jungen Menschen, die ins Arbeitsleben eintreten, stelle ich eine gewisse Naivität fest. Einerseits sind sie es sich gewöhnt, dass alles zur eigenen Befriedigung laufen muss. Diese Botschaft wurde ihnen in der Jugendzeit vermittelt. Andererseits sind sie stark monetär gesteuert. „Ich möchte viel verdienen.“ Das kann doch kein wahres Ziel sein, es ist höchstens eine Massnahme!

Nicht für die Erwartungen anderer leben

Ab und an erhalte ich ruppige Rückmeldungen zu eigenen Bemühungen, gerade auch den schriftlichen. Da gibt es zwei Seiten: Einerseits nehme ich kritische Rückmeldungen sehr ernst. Gott spricht gerade durch Unangenehmes zu mir. Auf der anderen Seite möchte ich mich nicht durch Erwartungen steuern lassen.

Sicherheiten weglassen

Es gab in meinem Leben kein anderes Jahr, in dem ich die Versorgung Gottes von unerwarteter Seite so deutlich vor Augen geführt bekam. Wie oft kamen wir als Familie in unserer Not vor Gott! Ich erinnere mich an über ein Dutzend Male, in denen uns Gott genau im richtigen Moment Unterstützung durch Menschen zukommen liess! Das macht mich zuversichtlich für die Jahre, die kommen.

Warum-Fragen stellen

Ich denke oft an den Beitrag „Das Zwiebelmodell“ auf dem Portal von Josia. Wie wichtig ist es, in Gesprächen zum Motiv durchzudringen. Wir halten uns zu lange an der Oberfläche auf. Wir hören dem anderen zu, wie er von schwierigen Vorkommnissen erzählt. Wir pflichten ihm bei, weil es bequem ist. Dabei wäre es angebracht, unter die Oberfläche, unter das Verhalten, unter den Ärger oder Frust zu dringen. Was treibt das Gegenüber an so und nicht anders zu handeln? Das Dranbleiben erst hat zu kostbaren Momenten der Begegnung geführt.

Das unspektakuläre Leben

Die Werbung suggeriert andauernd: Du musst ein Radikaler, Ausgefallener, Spannender, Ausserwöhnlicher sein! Sonst lebst du am Leben vorbei. Je länger ich über diese Metabotschaft nachdenke, desto weniger kann ich ihr beipflichten: Kein Radikaler möchte ich sein, sondern einer, der vor Gott lebt, und das im Alltag! Es muss nicht immer verrückter, schräger, ausgefallener werden. Insofern spricht mich die Botschaft von Michael Horton „The Ordinary Christian Life“ sehr an.

Zitat der Woche: Der postmoderne Pastor

Eine scharfsinnige Beobachtung innerhalb einer Buchbesprechung über das neue Ehebuch von Rob Bell:

Untethered from history or orthodoxy, the postmodern pastor has to

(1) ignore or deconstruct traditional beliefs,

(2) humbly introduce a narrative from his surprising and fresh personal journey, and then

(3) become the shepherd-guru for the lost souls he created through step one.

P. S. Es fällt mir bei etlichen “christlichen Beratungsbüchern” auf: Eigene Ideen, höchstens tangentiale Berührung mit (normativen) Aussagen der Bibel, fades Kopieren säkularer Konzepte.

Rückblick 2014: 7 viel gelesene Beiträge

Seit etwa einem halben Jahr blogge ich nach einem festen Wochenprogramm. Hier sind 7 gut gelesene Beiträge aus den vergangenen Monaten.

Interview: Hanniel bloggt

1. Wann hattest du die größte Freude an deinem Blog?

Mir kommen drei Momente in den Sinn. Der erste ist nicht so rühmenswert. Ich bin mir bewusst, dass wir in einer Zeit des Messens und Vergleichens leben. Wie schnell schleicht sich die Haltung ein: Du bist dann etwas wert, wenn du viele Klicks hast. Diese Freude ist jedoch eine unechte Freude. Sie dauert nur kurz und treibt einen gleich zur nächsten Anstrengung, um den Triumpf zu übertreffen. Die wahre Freude trägt andere Züge und zeigt vor allem andere Auswirkungen. Sie entlädt sich in grosser Dankbarkeit gegenüber Gott und dient dem Nächsten. Letzteres merke ich dann, wenn z. B. die Mutter einer Grossfamilie sich bedankt und mir schildert, wie sie die Anstösse in der eigenen Familie umgesetzt hat; wenn meine Frau mir schmunzelnd erzählt, dass sie meinen Beitrag gelesen habe; wenn Arbeitskollegen meinen Blog lesen und sich darauf beziehen.

Publikation: Ein Leben zu Gottes Ehre

Was bedeutet es, ein Christus-zentriertes Leben zu führen in der Verbindlichkeit zu einer Gemeinde, im Lernprozess in Schule oder Universität, auf der Suche nach einem Ehepartner, im Gespräch mit nicht-christlichen Freunden oder in einem Augenblick der Versuchung allein vor dem Computer?

In der Leseprobe ist zu erfahren, was für mich selbst Auslöser für dieses Buch war.

Buchbesprechung: Die Lehre der Schöpfung ins Zentrum rücken

Der Titel ist Programm des Buches: Es geht um die Skizze (Basics) der Stützpfeiler einer Weltsicht (Worldview) aus biblischer-heilgeschichtlicher Optik (Biblical), die sich selbst in Anlehnung an ihr reformiertes Erbe das Etikett „Reformational“ gegeben hat. Es geht im Wesentlichen darum, neben der individuellen Heilsabsicht Gottes seinen Plan für die Erneuerung dieser Schöpfung wieder ins Blickfeld zu bekommen (Creation Regained). Das Buch kurz und allgemeinverständlich im Sinne einer Einführung gehalten.

Aus den Medien: Märsche für das Leben

Hier mein Bericht in Freie Welt:

Mit drei Söhnen verliess ich kurz vor zwei Uhr den Bahnhof Enge. Fröhlich wollten sie sich einer kleinen Gruppe anschliessen, die in die gleiche Richtung zog. Ich forderte sie auf, sich mal die Kleider, die Gesichter und die Wortwahl der jungen Leute genau anzusehen bzw. anzuhören. Erschreckt blickten sie mich an. Richtig, wir zogen in die gleiche Richtung, doch nicht zur gleichen Demo.

Kolumne: Der Teenie-Beenie-Wheenie-Style

Wir brauchen mehr Eier.“ Oliver Kahn

Wohlfühlen tut gut. Ich fühle mich gerne wohl. Glücklicherweise habe ich mich in meinem Leben selten unwohl gefühlt. Als Kind bin ich beim Spielen mal in den Bach gefallen, ein anderes Mal wurde ich bei einem Klingelstreich erwischt und ziemlich zusammengestaucht. (Macht noch irgendwer Klingelstreiche? Oder sind diese in Zeiten des Cybermobbings obsolet geworden?) Als Erwachsener habe ich mich auch wirklich selten unwohl gefühlt. Das liegt ein bisschen an zunehmender Reife, aber auch an einem Lebensstil, der nicht mehr so viele unvorhersehbare Variablen mit Unwohlpotential enthält, wie dies mit Bächen und Türklingeln der Fall ist. Jedoch habe ich dabei meine Rechnung ohne den Evangelikalismus gemacht. Am aller unwohlsten habe ich mich bisher im christlichen Kontext gefühlt, als eine Theologiestudentin in einer Predigt Irrlehre verbreitete. Das war wirklich furchtbar. Neben vulgären Ausbrüchen wie Häresie gibt es noch ein weiteres Unwohlfühl-Monster, dass mir viel subtiler die Laune verdirbt: Den Teenie-Beenie-Wheenie-Style. Der TBW-Style ist der postmoderne Ausdruck der Gefühlstheologie und lässt die Bibel in gerechter Sprache in etwa so feministisch erscheinen wie einen “Burschenschaftstreff”. Ich fühle, es ist Zeit den TBW-Style mit einigen Beispielen zu illustrieren.

10 Stellen aus jedem Bibelbuch: Psalmen (2. Buch)

Eine Auswahl von Aussagen, die mich erquicken.

Kinder in die Selbständigkeit begleiten: Wem gehört meine Aufmerksamkeit?

Fünf Jungs sind voller Ideen. Sie regen sich gegenseitig von frühmorgens bis (spät)abends damit an. Innerhalb von Sekundenbruchteilen entsteht Gelächter, Lärm, eifriges Arbeiten, Spielen oder Streiten. So fassen Aussenstehende die Situation zusammen, wenn sie mir zurückmelden: „Da ist bei euch immer etwas los.“

Kinder in die Selbständigkeit begleiten (16): Mit Blockflöte fing alles an

Früher musste ich über die Blockflöte als Instrument lächeln. Seit unser Fünfjähriger am Instrument übt, sind meine Vorbehalte geschwunden und dem Respekt gewichen.

Ungünstig

Das Kind beginnt mit dem Flötenunterricht. Es ist ja noch klein, also hat man keine Erwartungen. Die Lektionen sollen Spass machen, der spielerische Umgang ist das Ein und Alles. Wenn das Kind später auf ein anderes Instrument umsteigt, wird diese Haltung beibehalten. Geübt wird dann, wenn Lust und Laune danach stehen – sprich, selten.

Variante

Meine Frau ergatterte im Brockenhaus einen gebrauchten Flötenlehrgang mit über 100 einfachen Stücken. Zuerst wurde das Buch mit dem Buben durchgeblättert. Seit einigen Monaten wird fast täglich auf dem Instrument geübt. Die Übungsspanne wird langsam gesteigert. Nachdem erste Frustmomente überwunden sind, beginnt es meinem Sohn zu gefallen. Der zweite, dritte und vierte Ton kommt hinzu. Üben ist das A und O. Bereitwillig holt der Junge Instrument und Buch hervor und übt mit Mami. Einmal in der Woche gibt es Vorspielstunde mit Papi. In der letzten Zeit beobachtete ich mehrmals, dass er sein Instrument selbst hervorholet, das Heft aufschlug und zwischen 5 und 10 Minuten übte. Ich war überrascht, dass er sich auf diese Weise sogar ein neues Stück (mit bekannten Tönen) selbst angeeignete.

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