Predigt: Die Dornen der Begierden

Markus 4,1-20 Das Gleichnis vom vierfachen Ackerfeld

Beat Tanner, Paar- und Familientherapeut; Predigtnotizen vom 6.7.2015

Die Hauptbotschaft herausarbeiten

Jesus benützte Gleichnisse, um eine Wahrheit des Reiches Gottes zu verdeutlichen. Dazu benützte er häufig Bilder aus der Landwirtschaft. In der Geschichte der Bibelauslegung sind diese Gleichnisse oftmals zerpflückt worden: Jeder Aspekt eines Gleichnisses wurde symbolisch gedeutet. Es ist jedoch wichtig, den Vergleichspunkt bzw. die Hauptbotschaft eines Gleichnisses herauszuarbeiten.

Gottes Wort trifft auf verschiedene Herzenszustände

Im Gleichnis vom vierfachen Ackerfeld wird uns ein Bauer beim Säen vorgestellt. Der Same fällt auf vier unterschiedliche Böden. Jesus legt dieses Gleichnis im Nachgang seinen Jüngern aus. Es geht um das Wort Gottes, das auf verschiedene Herzenszustände trifft. Es geht also um zwei Dinge: Einerseits um den Inhalt von Gottes Wort; andererseits um die verschiedenen Herzenszustände. Wir müssen beides kennenlernen: Gottes Wort und den Zustand unseres Herzens. Dazu müssen wir uns mit den Hindernissen auseinandersetzen, welche die Aufnahme und/oder das Wachstum von Gottes Wort in unserem Leben verhindern.

Die Dornen: Wenn etwas wächst, das dann erstickt

Wir schauen uns einen Herzenszustand näher an. Die einen Samen fallen unter die Dornen. Sie schlagen zwar aus, aber ersticken, weil die Dornen grösser sind. Jesus legt dieses Bild aus und beschreibt drei Hindernisse: Die Sorgen der Welt, der Betrug des Reichtums und die „übrigen Begierden“. Wer von Sorgen vereinnahmt wird, dessen Gedanken drehen sich nur noch um sich selbst. Wer sich vom Erwerb von Besitz betören lässt, verliert für alles andere den Blick. In beiden Fällen geht es letztlich um „Nabelschau“:  Der Blick geht nach unten; die Sicht nach oben geht verloren.

Ich will es, und ich will es sofort

Wenden wir uns besonders der dritten Kategorie der Dornen, den „Begierden“ zu. Man könnte diesen Begriff durch das Motto „I WANT NOW“ ausdrücken. Ich will das, was mir im Moment am meisten Spass macht. Zum Beispiel: „Ich will meine Ruhe haben und mein Buch lesen.“ „Ich will jetzt ein Eis.“ „Ich will genau das, was mein Bruder bekommen hat.“ „Ich will jetzt am Computer weiterspielen.“  Es sind diese kleinen Dinge, welche sich als übermächtige Dornen erweisen und verhindern, dass Gottes Wort seine Wirkung in uns entfalten kann.  

Vom „Ich muss“ zum „Ich darf“

Eine Schlüsselfrage unserer Gesellschaft lautet: Wie kann ich mich selbst motivieren? Die gängigste Antwort darauf: Indem du alle Störfaktoren eliminierst, die deiner Erfüllung im Weg stehen. Wer seinen „Begierden“ auf diese Weise nachzugeben beginnt, der empfindet die täglichen Pflichten als eine Last. „Ich muss jetzt lernen.“ „Ich will jetzt nicht den Tisch decken.“ „Ich möchte jetzt nicht Instrument üben.“ „Ich will jetzt nicht meiner Frau zuhören.“ „Ich möchte jetzt nicht für die Familie kochen.“ Die kleinen Aufgaben werden zu lästigen Pflichten. Die Freude verschwindet, an ihre Stelle tritt Druck. Wer ständig in diesem Druck steht, brennt mit der Zeit aus.

Empfangenes tausendfach zurückgeben

Wenn Gottes Wort in unserem Leben Gestalt gewinnt, zeigt es seine Wirkung darin, dass wir in einer veränderten Herzenshaltung unseren Pflichten nachkommen. „Ich darf lernen.“ „Ich darf kochen.“ „Ich darf lernen, ein Instrument zu spielen.“ „Ich darf meiner Frau ein aufmerksamer Zuhörer sein.“ Wir beginnen, diese „kleinen Dinge“ mit Freude auszuführen. Stellen wir uns Familien und Gemeinden vor, die in dieser Haltung einander zu dienen beginnen! „Dankbare Menschen sind wie fruchtbare Felder; sie geben Empfangenes tausendfach zurück.“

Input: Das anschlussfähige theologische System von Schleiermacher

Friedrich Daniel Schleiermacher ist ein – wenn nicht gar der – Vordenker für (post)moderne Religiosität. Diese lässt sich nicht nur mit Agnostizismus, sondern auch mit dem evangelikalen Frömmigkeitsverständnis der Gegenwart verbinden. Thomas Jeising beschreibt in seinem informativen Aufsatz (in Bibel & Gemeinde 101, 2/2015) drei anschlussfähige Kennzeichen seines theologischen Systems:

Je unvernünftiger etwas ist, desto anziehender scheint es zu sein. Und selbst für die evangelikale Frömmigkeit erscheint es suspekt, dass Gott sich mit seinem Wort an die Vernunft richtet und sie erleuchten will. Ein Wirken des Heiligen Geistes durch Kraft und Stoß oder Gefühl wird vielfach seinem argumentativen Reden vorgeordnet. Bibelwissen und die Beschäftigung mit theologischen Lehrfragen wird Spezialisten überlassen und fristet in der Gemeinde ein Schattendasein.

Die zweite Beobachtung ist, wie stark alles Religiöse in den Bereich des Selbstbewusstseins verlagert ist. Wie der Mensch sein Verhältnis zu Gott empfindet, erhält mehr Gewicht als die Rede von den Tatsachen in Raum und Zeit, die Gott geschaffen hat. Die eigene Erfahrung und die eigene Gefühlswelt erscheint als der Ort des Handelns Gottes. Eden, Morija, Sinai, Golgatha werden sekundär und müssen erst im Menschen eine Erfahrung auslösen.

Und hier hat drittens der religiöse Pluralismus seinen Ausgangspunkt. Ob einer in einer vorhandenen Gemeinde wohnt oder seine eigene erbaut, hängt vielfach davon ab, was ihn „mit rechter Lebhaftigkeit ergreift“. Das gleiche gilt für die Entscheidung in Lehrfragen. Nicht ein Ringen und Suchen nach der Wahrheit Gottes bestimmt die Gemeinden, sondern die Pflege des eigenen Pfündleins, von dem man ergriffen ist.

Vortrag: Drei Formen des Gesetzes der Sünde

Kurzvortrag von Beat Tanner anlässlich meines 40. Geburtstags

Regiert vom Gesetz der Sünde

In Galater 4,21 fragt Paulus: „Hört ihr das Gesetz nicht?“ Was ist mit diesem Gesetz gemeint? Geht es um die Zehn Gebote, um staatliche Regeln oder familiäre Normen? In Römer 7,23 spricht Paulus vom „Gesetz der Sünde“, das uns gefangen nehmen will. Es ist das Gesetz, dem Israel in Ägypten gehorchen musste.

Damals ging es darum, eine grosse Menge von Ziegelsteinen zu brennen. Für eine Pyramide wurden 2,54 Mia. Ziegelsteine benötigt. Die Anforderung war so hoch angesetzt, dass sie nicht erreicht werden konnte. Die Israeliten wurden deshalb angetrieben und bei Nichterreichen der Ziele bestraft. Im „Reich der Finsternis“ (vgl. Kolosser 1,13) muss den Forderungen dieses Gesetzes gehorcht werden. Es ist wie bei einem Süchtigen, der nach der nächsten Dosis Betäubung giert (Versprechen), um sich erneut in einen Kreislauf des Elends hinein zu begeben.

Wie die Israeliten aus dieser Knechtschaft erlöst worden sind durch das Blut eines Lammes, so sind wir von den Forderungen dieses Gesetzes der Sünde erlöst durch den stellvertretenden Tod von Gottes Sohn. Wer stirbt, ist frei von den Forderungen des Gesetzes der Sünde (vgl. Römer 7,2).

Drei Formen dieses Gesetzes der Sünde

Die tröstliche Botschaft, dass wir vom Gesetz der Sünde erlöst sind, muss gepaart sein von der Einsicht, wie dieses Gesetz in unserem Alltag aussehen kann. Es kommt ganz unverdächtig daher in Form von Erwartungen, Vorstellungen und Wünschen. Wir können drei konkrete Ausprägungen ausmachen:

  1. Perfektionismus: Ich erfülle meine eigenen Erwartungen, Wünsche und Vorstellungen nicht. „Unter einer Sechs geht nichts.“ „Ich muss der Beste in der Mannschaft sein.“ „Ich muss diese Arbeit unbedingt beenden, auch wenn es drei Uhr morgens wird.“ Häufig entwickelt sich daraus eine Angst vor Versagen oder Zorn, der sich an anderen entlädt, wenn diese Erwartungen nicht erfüllt werden können.

  2. Menschenfurcht: Die Angst, den Erwartungen anderer nicht zu genügen, ist kein Kavaliersdelikt! Saul ist uns ein warnendes Beispiel. Sein Ungehorsam gegenüber Gottes Gebot war durch die Furcht vor seinem Volk begründet. Selbst nach der Konfrontation durch Samuel war es ihm am wichtigsten, dass er durch den Propheten „vor dem Volk geehrt“ wurde (1. Samuel 15,24+30). Menschenfurcht bringt zu Fall. Wir sollen den Nächsten lieben, aber uns nicht fürchten vor dem, was die anderen über uns denken.

  3. Stolz: Die anderen müssen meinen Erwartungen entsprechen. Zum Beispiel: Wenn ich etwas tue, fordere ich die positive Resonanz der anderen für meine Leistung ein. Oder: Ich erzeuge Druck gegenüber mir anvertrauten Menschen (z. B. Erpressen eines braven Verhaltens). Dies kann auch in unserer Beziehung zu Gott geschehen: Wir erwarten von ihm, dass er als Bedürfnisstiller „funktioniert“.

Der Blick auf Christus

Das Erkennen, dass wir unter einer oder mehreren Formen dieses Gesetzes leiden bzw. uns versklaven – obwohl wir eigentlich frei wären -, ist ein wichtiger Schritt in die Freiheit. Ich gestehe ein: Meine Erwartungen versklaven mich! Das Erkennen des Gesetzes im Alltag lässt uns bei dem um Hilfe schreien, der die Erlösung sichergestellt hat: Christus. Er leitet uns an, in Gottesfurcht (dem Bewusstsein, dass wir zuerst ihm Rechenschaft schuldig sind) und Demut (einer realistischen Einschätzung unserer selbst) zu leben.

Vortrag: Gottesfürchtige Elternschaft

Dr. Tony Curto; Vortragsnotizen vom 28. Juni 2015

Vier Voraussetzungen

  1. Die Familie ist von göttlichem Ursprung; die Ehe ist die Verbindung von einem Mann mit einer Frau.
  2. Die Familie ist Grundlage aller irdischen Beziehungen. Sie gleicht dem ersten Kontaktpunkt eines Steines, der ins Wasser geworfen wird.
  3. Die Familie ist erste Schule in Glauben und Verhalten. Wir lernen zuerst dort über Glaube und Gesetz, Liebe und Gehorsam, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit.
  4. Die Familie ist Übungsplatz für Beziehungen zwischen einzelnen Personen: Vorgesetzte (Eltern), Untergeordnete (Kinder), Gleichgestellte (Geschwister).

Die Kinder, wie Gott sie sieht

  • Kinder sind ein Erbe des Herrn (Ps 127,3) und eine Gabe der Gnade Gottes (vgl. Gen 33,5). Sie sind eines der grössten Geschenke ausserhalb des Heils.
  • Kinder sind in erster Linie im Bild Gottes und nicht nur im Bild von Vater und Mutter geschaffen.
  • Die Kinder sind gefallen in Adam.

Hinweise für gottesfürchtige Elternschaft

  1. Die erste Verantwortung der Eltern besteht darin, mit den Kindern in den Bund Gottes einzutreten und sie nach den Massstäben dieses Bundes aufzuziehen. Der Bund wird durch die Taufe besiegelt.
  2. Sobald die Kinder dazu fähig sind, beginnt sie über Segnungen und Pflichten dieses Bundes zu lehren. Vorrangige Lektion: Die Kinder gehören nicht sich selbst.
  3. Sobald die Kinder dazu fähig sind, unterweist sie in genauem Gehorsam. Es gibt viele Situationen, in denen wir als Eltern STOP sagen, ohne dass wir gleich eine Erklärung abgeben können.
  4. Arbeitet eifrig daran, die Herzen der Kinder in der Ehrfurcht Gottes zu erziehen und ihnen die Schönheit und den Segen der Heiligkeit bewusst zu machen. Hört euren Kindern genau zu, dann erfahrt ihr, was in ihren Herzen ist.
  5. Redet mit euren Kindern oft über himmlische Dinge.
  6. Legt euren Kindern Respekt gegenüber Gottes Autoritäten in Haltung, Worten und Handlungen nahe. Einige scheinen unseres Respektes nicht würdig zu sein; trotzdem stehen sie in einem göttlichen Amt.
  7. Lehrt eure Kinder, dass Sünde einen Anwurf (reproach) gegenüber Gott darstellt, aber auch gegen ihr eigenes Dasein gerichtet ist. Selbst die kleinsten Sünden tragen den Stachel der Zerstörung in sich.
  8. Lehrt ihnen, dass ihr Körper Tempel des Heiligen Geistes ist, den sie nicht vernachlässigen oder missbrauchen sollen.
  9. Führt ihnen die Wichtigkeit der Bildung vor Augen. Es geht darum, die eigenen Fähigkeiten zu entwickeln – jedoch nie losgelöst vom Schöpfer.
  10. Zeigt ihnen die biblische Sicht von Arbeit und Ruhe auf.
  11. Achtet auf die Sprache der Kinder. Lüge, Sarkasmus, Fluchen, Murren und Klagen können verheerende Konsequenzen haben.
  12. Wacht über den Umgang der Kinder. Wenn sie weise werden wollen, sollen sie mit Weisen Umgang pflegen. Gott möchte, dass wir die Dinge auf die einfache Art lernen.
  13. Lebt ihnen den Wert der Zeit vor. Es gibt kein Alter, das vom Tod ausgenommen ist.
  14. Lebt ihnen das Beispiel eines gehorsamen Lebens vor. Reizt sie nicht zum Zorn durch eigene Inkonsequenz

Entmutigt?

Vergesst nie, dass die Kinder nicht den Eltern, sondern Gott gehören. Es ist sein Werk der Gnade, das er in uns und durch uns tut!

Hier kann der Vortrag angehört werden.

Buchbesprechung: Franz von Assisi

G. K. Chesterton. Der Heilige Franziskus von Assisi. Herder: Freiburg, 1959. 144 Seiten.

Ich erstand mir die antiquarische Ausgabe von Herder (1959). Unvergessen bleibt mir der Geruch des alten Papiers, kombiniert mit der herrlichen Aussicht von unserem Hausberg, wo ich einen Teil des Buches las. Das erste Bedenken wurde schon zu Beginn des Buches ausgeräumt. Chesterton liegt viel daran, Franz von Assisi nicht als geschichtsloses ethisches Ideal zu beschreiben. Ja, er beklagt sogar, dass der grösste Teil der Geschichtsschreibung an der gleichen Krankheit wie der Journalismus leide (19): Es wird nur ein kleiner Teil der gesamten Geschichte erzählt. „Wir erfahren von Reformatoren, ohne zu wissen, was sie zu reformieren hatten, von Rebellen, ohne eine Ahnung von dem zu haben, wogegen sie rebellierten, von Gedenksteinen, welche mit keinerlei Gedenken im Zusammenhang stehen, und von der Wiederherstellung von Dingen, die dem Anschein nach nie vorher existiert haben.“ (22) Nach einer längeren Debatte über die Historizität des Mannes kommt Chesterton zum Schluss: „Ich bevorzugte daher von den beiden Verfahren dasjenige, zuerst zu erweisen, dass jedermann ausser ein Narr von Geburt klar einsehen muss, dass Franz von Assisi ein ganz reales, historisches, menschliches Wesen war.“ (127)

Ein Meister der Umkehrungen

Wer Chesterton etwas kennt, der weiss: Es ist mit vielen Paradoxien und Umkehrungen zu rechnen. Das Aussergewöhnliche wird bei ihm gewöhnlich, der Alltag aussergewöhnlich. So ist es keineswegs erstaunlich, dass er nach dem Einführungskapitel über die Geistesgeschichte des 13. Jahrhunderts zum Schluss kommt, dass wir es damals mit einer gereinigten Zeit zu tun hätten. „Für jemand, der Atmosphären zu beurteilen weiss, liegt etwas Klares und Lauteres in der Atmosphäre dieser rauhen und oft strengen Gesellschaft.“ Ich verband mit Franz von Assisi vor allem Pantheismus und Naturmythos. Doch Chesterton schrieb flugs: „Blumen und Sterne haben ihre erste Unschuld wieder erlangt. Feuer und Wasser werden würdig befunden, Bruder und Schwester eines Heiligen zu sein. Die Läuterung vom Heidentum ist endlich vollbracht. … Der Mensch hat den letzten Fetzen der Naturanbetung von seiner Seele gerissen und kann zur Natur zurückkehren.“ (33-34) Das 13. Jahrhundert sei darum „eine fortschrittliche Zeit“ gewesen (58).

Fünf interessante Vorfälle aus seinem Leben

  1. Vor den Bischof geführt und des Raubes am Eigentum seines Vaters, eines wohlhabenden Tuchhändlers bezichtigt (er wollte es für den Bau einer Kirche einsetzen), riss sich Franziskus seine eigenen Kleider vom Leib, warf sie dem Vater hin und ging fast nackt von dannen. Er liess das gesamte Erbe hinter sich. Als erstes machte er sich daran, eine Kirche neu aufzubauen. „Er selber ging Steine sammeln und bat alle Leute, die ihm begegneten, ihm Steine zu geben.“ (52)
  2. Mit zwölf Franziskanern brach Franziskus auf, um in Rom einen Franziskanerorden zu beantragen. „Er war vollkommen fähig, fünfzig Kaisern gegenüberzutreten, um für einen einzigen Vogel zu bitten. Er machte sich mit zwei Gefährten auf, um die mohammedanische Welt zu bekehren. Er machte sich mit elf Gefährten auf, um vom Papst die Errichtung einer neuen monastischen Welt zu verlangen.“ (97)
  3. Franziskus konnte einem Dieb nachlaufen, der seine Mütze gestohlen hatte, um ihm auch noch sein Gewand zu geben. „Die Note des heiligen Franziskus … hat etwas von liebenswürdigem Spott über den Eigentumsbegriff an und für sich, etwas von einer Hoffnung, den Feind durch Grossherzigkeit zu entwaffnen, von einem humorvollen Bewusstsein, die Weltlichen mit dem Unerwarteten zu verwirren, von der Freude, eine begeisterte Überzeugung bis ins logische Extrem zu treiben.“ (109)
  4. Seine Mission bei den Sarazenen: „Es gelang ihm, eine Zusammenkunft mit dem Sultan zu erreichen, und bei dieser Zusammenkunft erbot er sich offenbar, wie andere sagten, machte er sich sogar schon daran, sich zum Gottesurteil ins Feuer zu stürzen, während er die religiösen Lehrer der Moslems aufforderte, ein Gleiches zu tun.“ (115)
  5. Sein Tod: „Es ist, möchte man sagen, eine traurige Ironie, dass der heilige Franziskus, der sein ganzes Leben lang alle Menschen einig wünschte, inmitten zunehmender Uneinigkeit sterben musste. … Der Hauptpunkt war die Auslegung des Armutsgelübdes oder die Zurückweisung allen Besitzes.“ (134)

Fünf anregende Gedanken

  1. Eine hermeneutische Anleitung für das Erkunden von Figuren, die uns nicht so nahe stehen: „Er kann versuchen, das, was verstanden wird, zu benutzen, um das, was nicht verstanden wird, zu erklären.“ (11)
  2. Die Kunst des Wohlwollens: „Wenn man will, kann man sagen, dass der heilige Franziskus bei aller nackten und dürftigen Einfachheit seiner Lebensweise an einem einzigen Fetzen Luxus festhielt, an den höfischen Manieren.“ (87)
  3. Eintritt ohne finanzielle Hürden: „Da aber jemand Franziskaner werden konnte durch das blosse Versprechen, am Wegesrand Beeren zu essen oder eine Brotkruste aus der Küche zu erbetteln oder unter einer Hecke zu schlafen oder geduldig an der Türschwelle zu sitzen, wie es gerade der Zufall gab, so war kein wirtschaftlicher Grund dafür vorhanden, dass es nicht eine beliebige Anzahl solcher exzentrischer Enthusiasten innerhalb einer beliebig kurzen Frist geben sollte.“ (94)
  4. Franziskus steuerte immer gleich auf den Kern der Sache zu. „Er hatte die Fähigkeit, sich rückhaltlos offen zu geben und dabei doch mitten ins Herz zu treffen.“ (95-96)
  5. Zur Möglichkeit von Wundern: „Ich bin mir nie über die Natur des Rechts klar geworden, kraft dessen Historiker ganze Massen von Einzelheiten als definitiv wahr annahmen und dann doch plötzlich ihre Wahrhaftigkeit leugneten, wenn eine Einzelheit übernatürlich war. … Wenn es neun Scheite verbrennt, weil es also Gottes Wille ist, dann könnte es auch Gottes Wille sein, dass das zehnte unverbrannt bleibt.“ (122+125)

Drei irritierende Stellen

  • Franziskus liess seine Augen mit einem brennenden Holzscheit blenden: „Bruder Feuer, Gott hat dich schön und stark und nützlich gemacht; ich bitte dich, sei artig mit mir.“ (84)
  • Die Argumentation von Kardinal Paolo in Rom zugunsten des neuen Ordens: „Es ist vielleicht ein hartes Leben, aber schliesslich ist es das Leben, wie es im Evangelium offensichtlich als Ideal dargestellt wird.“ (98) Wirklich?
  • Die Erzählungen über die übernatürlichen Vorkommnisse seines Lebens: „Und es gab mehr und mehr des Übernatürlichen in seinem Leben, je mehr er sich dem Tode näherte. Dieses Moment des Übernatürlichen trennte ihn nicht vom Natürlichen; denn es war gerade das Wesentliche seiner Einstellung, dass es ihn mit dem Natürlichen noch vollkommener vereinte.“ (130)

Fazit

Die wichtigste Stelle des Buches bestand für mich aus den Ausführungen Chestertons über den Schlüssel zur franziskanischen Moral: „Es ist das höchste und heiligste der Paradoxe, dass der Mann welcher wirklich weiss, dass er seine Schulden nicht bezahlen kann, immer daran zahlt. Er wird immer zurückgeben, was er nicht zurückgeben kann, und was man nicht von ihm zurückerwartet.“ (72) Deshalb war seine Askese nicht Starrheit oder stoische Einfachheit, Selbstverleugnung oder Selbstbeherrschung. Es war – so Chesterton – Leidenschaft (73). Dem voraus war die Einsicht gegangen, dass die „ganze Welt an der Gnade Gottes wie an einem Harren hängt.“ (70) Er begann mit der „vorsichtigen Idee“ des Nichts, „mit dem dunklen Nichts seiner eigenen Verdienste“. Deshalb konnte er irdische Dinge so geniessen, wie sie wenige Menschen genossen haben (68). Ich wünsche mir eine grössere Position dieser Einsicht für mein Leben!

Für Franziskus lag das „Geheimnis der Zurückgewinnung natürlicher Freuden“ darin, „sie im Lichte einer übernatürlichen Freude zu sehen.“ (64) Das Geheimnis des Lebens überhaupt lag für ihn im Dienen und in der Unterordnung (63). „Franziskus war ein Mensch, der den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen wollte.“ (79) Dies zog andere Menschen an – ohne Zwang. „Niemand aber brauchte dem kleinen Franziskus in dem alten, braunen Rocke zu gehorchen, der es nicht selber wünschte.“ (93)

Was für uns „unvernünftig“ klingt, war für ihn selbstverständlich. „Er war von viel zu raschem und ungestümem Temperament, um sich auf seinem Sturmeslauf mit Hin- und Herüberlegen zu plagen, wenn er sich auch alle erdenklichen Selbstvorwürfe darüber machte, dass er nicht noch schneller lief.“ (103) „Bei all seinen Sprüngen ins Dunkle besass Franziskus eine ungewöhnliche Fähigkeit, immer wieder auf die Füsse zu fallen.“ (112) Diese Fähigkeit wünsche ich mir auch! Und noch etwas: „Wenn ein anderer grosser Mann eine Grammatik des Zustimmens schrieb, so könnte man von ihm ganz wohl sagen, dass er eine Grammatik des Empfangens, eine Grammatik der Dankbarkeit geschrieben habe. Er verstand die Lehre vom Danken bis in ihre letzten Tiefen, und ihre Tiefen sind ein bodenloser Abgrund.“ (141) Bei aller Irritation, eine zunehmende Dankbarkeit gegenüber meinem Erlöser – was könnte es Kostbareres geben? Chesterton bezeichnet Franziskus als einen „Jongleur de Dieu“ (60).

Aus der Blogwelt: Nach dem Entscheid des obersten US-Gerichtshofes

Der oberste US-Gerichtshof hat die Möglichkeit der gleichgeschlechtlichen Ehe für alle 50 Bundesstaaten verpflichtend verordnet.

Es hat alles geändert und nichts geändert

Albert Mohler ist – wie so oft – lesenswert. Dieses Argument beunruhigt:

If the Supreme Court will arrogate to itself the right to redefine marriage, there is no restraint on the judiciary whatsoever. … The threat to religious liberty represented by this decision is clear, present, and inevitable.

Was sich nicht verändert hat, ist unser Auftrag:

In one sense, everything has changed. And yet, nothing has changed. The cultural and legal landscape has changed, as we believe this will lead to very real harms to our neighbors. But our Christian responsibility has not changed. We are charged to uphold marriage as the union of a man and a woman and to speak the truth in love. We are also commanded to uphold the truth about marriage in our own lives, in our own marriages, in our own families, and in our own churches.

In unsere Ehen und Familien investieren

Owen Strachan schreibt, dass bei diesem Entscheid Erwachsene und nicht Kinder im Vordergrund stünden:

Adults have chosen to cater to themselves rather than to children. Marriage–the covenantal union of a man and a woman–blesses spouses. But it also serves to protect and care for children. Children need a father and a mother. With this ruling, we will now witness many children growing up in compromised homes. This development will cause real suffering in the lives of little boys and girls.

Was sollen christliche Eltern tun?

Greg Gibson schreibt in einem lesenswerten Aufsatz an die Eltern: Unterweist eure Kinder gründlich in den Grundlagen einer biblischen Sexualethik.

Talk honestly and openly about sin, homosexuality, and gay marriage with your children. We live in a post-Genesis 3 world.  Because of this, sin is a reality, both in our lives and in the lives of our children.  Part of the goal of parenting is teaching our children to love God and hate sin.  Using your conscience as a parent, and discerning the appropriateness of their age, talk openly with your children about homosexuality and gay marriage.

Wenn der Mensch aus sich selbst heraus Urteile fällt

Douglas Groothuis wies auf ein Zitat Schaeffers hin. Wenn der Mensch aus sich selbst heraus moralische Urteile fällt, ist der Willkür keine Grenze gesetzt.

it is not only that man must start from himself in the area of knowledge and learning, but any value system must come arbitrarily from man himself by arbitrary choice. More frightening still, in our country, at our own moment of history, is the fact that any basis of law then becomes arbitrary — merely certain people making decisions as to what is for the good of society at the given moment.

Predigt: Ordnet euch einander unter!

Predigtnotizen zur Botschaft von Dr. Tony Curto (28.6.2015)

"Ordnet euch einander unter in der Furcht Gottes." (Epheser 5,21)

Grosser Zusammenhang: Paulus' doppelte Botschaft seiner Briefe

Der Brief von Paulus an die Epheser ist – wie auch andere seiner Briefe – zweiteilig aufgebaut: Zuerst entfaltet er lehrmässige Wahrheit; nachher wendet er diese an. Damit stellt er klar: Wahrheit schafft immer entsprechendes Verhalten. Ein Schlüsselbegriff des zweiten Teils ist "wandeln" (4,1; 4,17; 5,1; 5,15). Paulus ruft im zweiten Teil des Briefes zu Heiligkeit, zu Einigkeit und zu Weisheit auf.

Direkter Zusammenhang: Ein weises Leben führen

Er nennt drei Merkmale eines weisen Lebens:

  1. Die Zeit nutzen (wörtlich: zurückkaufen)
  2. Den Willen Gottes verstehen
  3. Vom Heiligen Geist erfüllt werden

Dieses Erfüllt-werden wird wiederum mit drei Aufrufen verknüpft:

  • in biblischer Weise anbeten
  • Gottes in allem dankbar sein
  • Sich gegenseitig unterordnen

Was es bedeutet, sich einander unterzuordnen?

Sich einander unterzuordnen heisst einander zu ehren. Die menschlichen Beziehungen fallen grundsätzlich unter das fünfte Gebot zu ehren. Das wiederum heisst,

a) die Würde jedes Einzelnen zu anerkennen. Kein anderes Geschöpf Gottes hat eine vergleichbare Würde. Wir sollen niemanden unter uns stehend sehen, sondern ihn höher achten als uns selbst.

b) einander mit Respekt zu behandeln. Dies geschieht nicht nur äusserlich, sondern zuerst in unseren Gedanken. Wir sollen den anderen uns selbst vorziehen (siehe Röm 12). Wir handeln an ihm, als ob wir an Jesus selbst handeln.

Wie wir uns einander nicht unterordnen

Diese Ermahnung hat – wie jedes Gebot – eine Kehrseite.

a) Die grösste Sünde im gegenseitigen Umgang ist die Eifersucht. Wir beneiden die Gaben, die ein anderer geschenkt bekommt. Wir sollen uns nicht nur unter den anderen begeben, sondern ihn sogar emporheben. Wie oft heben wir jemanden empor, um ihn im nächsten Moment wieder "zurechtzuklopfen" – aus Neid!

b) Wenn wir emporgehoben werden, neigen wir dazu, auf andere herunterzublicken. Wir sollen aber sagen: "Ich war nicht würdig hierzu." Wir können uns fragen: "Herr, warum ich?" Warum sollte ich auf etwas stolz sein? Paulus bringt es auf den Punkt: Was ich bin, bin ich durch Gottes Gnade (1Kor 15,10).

Was uns zur gegenseitigen Unterordnung motiviert

a) Wir ordnen uns aus Ehrfurcht vor Gott unter. Wir realisieren, was Jesus für uns getan hat (Phil 2,5ff): Er hat sich entäussert, die Gestalt eines Sklaven angenommen und wurde bis zum Tod erniedrigt. Dies tat seiner Gottheit keinen Abbruch.

b) Wir ordnen uns unter, um seinem Namen Ehre zu geben. Keine andere Religion oder Philosophie bringt eine solche Liebe hervor wie das Christentum (Joh 13,35). Die gegenseitige Unterordnung erzeugt in Familien, Gemeinden und Arbeitsstätten eine Verwandlung in Orte der Ruhe!

Zitat der Woche: Gott ist kein greisenhafter Wohlmeiner

Was uns wirklich passen könnte, das wäre ein Gott, der zu allem, was wir gerade gern täten, sagen würde: 'Was macht es schon, solange sie nur zufrieden sind?' In der Tat, wir möchten nicht so sehr einen Vater im Himmel als vielmehr einen Grossvater im Himmel – einen greisen Wohlmeiner, der es, wie man sagt, 'gerne sieht, wenn die jungen Leute sich amüsieren', und dessen Plan für das Universum einfach darauf hinausläuft, dass am Abend eines jeden Tages gesagt werden kann: 'Es war alles wundervoll.' Nicht viele Leute, das gebe ich zu, würden ihre Theologie mit genau diesen Worten formulieren; aber eine Vorstellung ungefähr dieser Art verbirgt sich im Hintergrund nicht weniger Köpfe. Und ich erhebe nicht den Anspruch eine Ausnahme zu sein: Ich würde sehr gern in einer Welt leben, die nach solchen Grundsätzen regiert würde. Aber da dies ohne jeden Zweifel nicht der Fall ist, und da ich Grund habe, nichtsdestoweniger zu glauben, dass Gott die Liebe ist, so komme ich zu dem Schluss, meine Vorstellung von Liebe ist vielleicht korrekturbedürftig.

Wenn das Christentum sagt, dass Gott den Menschen liebe, so ist gemeint, dass Gott den Menschen liebe – nicht dass Er sich auf irgendeine 'desinteressierte, unbeteiligte Weise mit unserm Wohlergehen befasse, sondern dass wir, eine schauerregende und überraschende Wahrheit, der Gegenstand seiner Liebe sind. Du verlangst nach einem 'lieben' Gott. Du hast ihn. Der grosse Geist, den du so leichtfertig beschworen hast, der 'Herrscher schrecklichen Anblicks' ist anwesend; nicht ein greisenhafter Wohlmeiner, der dir schläfrig wünscht, nach deiner eigenen Facon glücklich zu sein; nicht die kalte Philanthropie einer gewissenhaften Obrigkeit, noch auch die Sorge eines Gastgebers, der sich für das Wohlbefinden seiner Gäste verantwortlich fühlt. Sondern: das verzehrende Feuer selbst, die Liebe, welche die Welten erschuf, beharrlich wie des Künstlers Liebe zu seinem Werk, herrisch wie eines Menschen Liebe zu seinem Hund, fürsorglich und ehrwürdig wie eines Vaters Liebe zu seinem Kind, eifersüchtig, unerbittlich, streng wie die Liebe zwischen den Geschlechtern.

C. S. Lewis. Über den Schmerz. Brunnen: Giessen, 2012 (8. TB-Auflage). (37-38; 44-45)

Vortrag: Ein Leben zur Ehre Gottes

Vor einem Jahr haben Jochen Klautke, Lars Reeh und ich den ersten Band einer Ethik-Reihe für junge Erwachsene unter dem Titel "Ein Leben zur Ehre Gottes" herausgegeben. Lars hat anlässlich meines 40. Geburtstags einen kurzen Vortrag zur Frage gehalten, was es bedeutet, ein Leben zur Ehre Gottes zu führen.

  1. Die Definition: Was ist Ehre?

    Wenn man das Wort Ehre hört, verbindet man augenblicklich etwas damit. Man hat eine Ahnung davon, was sie bedeutet. Wir erkennen Ehre, wenn wir sie sehen. Wir merken auch sofort, wenn man uns keine Ehre entgegen bringt. Ehre ist. Ehre ist eine inhärente oder zugeschriebe Qualität einer Person oder Sache. Synonyme von Ehre sind: Achtung, Anerkennung, Ansehen, Bedeutung, Herrlichkeit, Geltung, Würde und Wertschätzung.

    Jemanden oder etwas zu ehren bedeutet, ihn oder es gut zu finden, weil er/es etwas geleistet hat oder an sich gut ist. Wir erkennen Ehre, wenn wir sie sehen.
     

  2. Das Problem: Wir ehren Gott nicht!

    Wir hätten es nicht gedacht, aber unser größtes Problem ist, dass wir Gott nicht ehren.

    „Alle haben gesündigt und ermangeln der Herrlichkeit Gottes“ (Röm 3, 23)

    „Wo bleibt nun das Rühmen? Es ist ausgeschlossen?“ (Röm 3, 27)

    Wir wurden im Ebenbild Gottes geschaffen, um seine Herrlichkeit widerzuspiegeln. Durch den Sündenfall wurde diese Fähigkeit verzerrt und entstellt, sodass wir Gottes Herrlichkeit nicht mehr widerspiegeln. To make matters worse: Am liebsten ehren wir uns jetzt selbst. Wir sind Ehrendiebe! Das ist eine ernste Sache! Es klingt vielleicht nicht so schlimm, aber das ist es. Durch unsere Nicht-Verherrlichung Gottes laden wir in extremer Weise Schuld auf uns. Gott ist zornig auf uns, weil wir Ihn nicht ehren. Wenn wir von Gottes Zorn über unsere mangelnde Ehrerbietung Ihm gegenüber hören, neigen wir dazu Ihn als etwas kleinkariert zu empfinden. „Ein Gott der sauer auf uns ist, weil wir Ihn nicht ehren? Klingt nicht sehr anbetungswürdig!“ Ein Gott, der um seiner eignen Ehre willen eifert, gefällt uns gar nicht. Da beten wir uns doch lieber weiter selbst an…
     

  3. Die Lösung: Christus ehrt Gott!

    Die Lösung des Problems finden wir allein Jesus Christus. Im dritten Kapitel des Römerbriefs heißt es weiter: „…so daß sie gerechtfertigt werden ohne Verdienst, durch seine Gnade, mittels der Erlösung, die in Christus Jesus ist. Ihn hat Gott zum Sühnopfer verordnet, durch sein Blut, für alle, die glauben…“. (Röm 3,24 –25a)

    Durch die mangelnde Ehrerbietung gegenüber Gott haben wir echte Schuld auf uns geladen.

    Allein durch Christi stellvertretendes Sühneopfer am Kreuz finden wir Vergebung für unsere Sünden! Christus nahm unsere Schuld auf sich und trug Gottes Zorn an unserer Statt, sodass keine Strafe mehr für uns, die daran glauben, übrig bleibt. Ebenso hat Christus Gott, den Vater, immer vollkommen verherrlicht (Joh 17, 3-5). Gnädigerweise wird dem Gläubigen Christi Ehrerbietung gegenüber Gott zugerechnet, so als hätte der Gläubige Gott immer geehrt. Das ist die Rettung für Ehrendiebe, wie wir es sind!
     

  4. Die Anwendung: Gott ehren und den Nächsten lieben!

    "Ihr esset nun oder trinket oder was ihr tut, so tut es alles zu Gottes Ehre!" (1.Kor.10,31)

    Dies ist einer der schwierigsten Sätze in der Schrift. Gott ehren? Ja, klar! Aber wie? Das klingt super abstrakt; und dann wird das auch noch auf solch banale Tätigkeiten wie das Essen und das Trinken  bezogen – der gemeine Christ versteht die Welt nicht mehr! Wie geht das?

    Man muss Gottes Schöpfung als Widerspiegelung Seiner Herrlichkeit erkennen und Ihn dafür loben! Für „loben“ würde man heute eher „toll finden“ sagen. Wenn wir eine tolle Landschaft sehen, ein Gebirge, ein Meer oder einen Sonnenuntergang, und dann davor stehen und diesen tiefen Eindruck von Schönheit haben, dann sind wir nah dran Gott zu ehren. Man muss dann eigentlich nur noch die Schöpfungs-Schönheit auf die Schöpfer-Schönheit beziehen. Beim Essen ist das ähnlich. Das leckere Essen kommt letztendlich aus der Hand Gottes. Also: „Man lasse es sich schmecken und erkenne Gottes gnädige Hand in dieser Versorgung – uns zur Stärke und Ihm zum Preis!“ (kein Luther-Zitat)

    Eine zweite Weise, Gott zu ehren, besteht darin, Seine Gebote zu halten. Wir ehren unseren Schöpfer, wenn wir in Übereinstimmung mit Seinem Charakter leben. Dies beinhaltet auch, unseren Nächsten zu lieben.

    "Denn wer ist unsre Hoffnung oder Freude oder Krone des Ruhms? Seid nicht auch ihr es vor unsrem Herrn Jesus Christus bei seiner Wiederkunft? Ja, ihr seid unsere Ehre und Freude!" (1Thess 2, 19+20)

    Interessanterweise werden die in dieser Stelle die Geschwister eines Christen als seine „Ehre" bezeichnet. Ist das nicht widersprüchlich, wo doch alle Ehre Gott gebührt? Ich glaube wir finden eine Erklärung im zweiten Brief an die Thessalonicher:

    "wenn er [Jesus] kommen wird, um an jenem Tage verherrlicht zu werden in seinen Heiligen und bewundert in denen, die gläubig geworden sind (…)" (2Thess 1,10)

    Diese Stelle lehrt: Jesus Christus wird am Tag Seiner Wiederkehr in Seinen Heiligen verherrlicht. Ich gehe davon aus, dass das Maß der Verherrlichung einher geht mit der Christusähnlichkeit der Gläubigen. Das würde erklären, wie Christus, der ja außerhalb der Gläubigen ist, in ihnen verherrlicht werden kann. Nun kommt die Verbindung zur 1. Thess. 2,19+20. Mein Glaubensbruder trägt zur Verherrlichung Christi bei, wenn er dem Charakter Christi ähnelt. Ich trage also zur Ehre Gottes bei, wenn ich meinem Bruder darin helfe, in der Christusähnlichkeit zu wachsen. Dies geschieht indem ich den Bruder segne, ihm diene, ihn liebe. Was geschieht mit mir, wenn ich dafür arbeite, dass mein Bruder Christus ähnlicher wird? Ich mache das gleiche, was Christus tut, nämlich Menschen Ihm ähnlicher zu machen. Christus macht Menschen christusähnlicher und Christus gebraucht Menschen, um andere Menschen christusähnlicher zu machen, wodurch die ersteren wieder Christus ähnlicher werden. Am Ende steht eine Menge Christusähnlichkeit und somit eine Menge Ehre – für Christus, den Gott-Mensch. Mein Bruder ist also meine Ehre, in dem Sinne, dass er eigentlich Christus Ehre bringt. Man vergleiche zu diesem Gedankengang auch Offenbarung Kapitel vier und fünf, in denen die Ältesten ihre Kronen – Zeichen der Ehre – vor dem Thron niederlegen.
     

  5. Das Ende: Gott gebührt alle Ehre!

    Am Ende bleibt noch zu sagen: Seid ehrgeizig, aber nicht für euch selbst, sondern für Gottes Ehre!

    "Nicht uns, HERR, nicht uns, sondern deinem Namen gib Ehre, um deiner Gnade und Treue willen!" (Psalm 115,1)

    "Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge; ihm sei Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen." (Röm 11,36)

10 Zitate aus … Post von Graf Moderthal

Randy Alcorn. Post von Graf Moderthal. CLV: Bielefeld, 2013. 320 Seiten. Online-Download.

Eltern

»Er braucht seinen Freiraum.« Und sie geben ihm Freiraum – ein wunderschönes modernes Schlagwort, mit dem Eltern vor sich selbst rechtfertigen, dass sie ihre Kinder vernachlässigen

Medien/Unmoral

Filme und Fernsehsendungen werden dagegen meist kritiklos akzeptiert. Sie beeinflussen das Unterbewusstsein dieser Geschöpfe und unterminieren dort jegliche Werte, ohne dass die Betroffenen groß nachdenken oder sich selbst hinterfragen müssen.

Belletristik eignet sich hervorragend dazu, Lügen zu verbreiten, aber bedauerlicherweise ist sie ein ebenso gutes Medium für die Wahrheit.

Jeden Tag beobachten zahllose Christen, wie andere Frauen und Männer sich entkleiden, Unzucht treiben und Ehebruch begehen – obwohl der Feind diese Dinge verabscheut. … Wir haben einen Haufen von Voyeuren aus ihnen gemacht! Die Kirchen sind voller Spanner!

(Sie ist) der emotionalen Pornografie verfallen, die in Kitschromanen und Seifenopern propagiert wird.

Es ist nur eine Frage von Monaten, bis sie sich betrinkt – ein erhebendes Erlebnis von Übelkeit und Brechreiz, das ihre Eltern und die Jugendgruppe ihr vorenthalten haben.

Vater

Fletcher (der Vater) benimmt sich, als wäre er das Zentrum der Gravitation und besäße genügend Masse, um alles Übrige in seiner Umlaufbahn zu halten – als würde alles nur durch ihn und um seinetwillen existieren.

Er betet: »Hilf mir, nicht in Sünde zu fallen«, und dann wagt er sich an einem stürmischen Tag bis auf wenige Zentimeter an den Abgrund heran.

Wahre Freude

Gib ihm ein Paket und behaupte, es enthalte wahres Glück. Während er noch damit beschäftigt ist, das Paket zu öffnen, präsentierst du ihm bereits die nächste, hübsch verpackte Schachtel, in der sich angeblich genau dasselbe befindet. Natürlich wird Fletcher auch dieses Paket auspacken und dann das nächste und das übernächste. Reich ihm immer neue Schachteln, bis er stirbt. Dann hast du gewonnen.

Das Vergnügen, das aus echter Freude resultiert, ist eine Erfindung des Feindes.

Unsere Aufgabe besteht darin, sicherzustellen, dass die Schleimbeutel nie herausfinden, wonach sie wirklich dürsten. Dann können wir sie von einem Ersatzbrunnen zum anderen schwirren lassen, sogar während sie die Gottesdienste besuchen.

Du hast zugelassen, dass Fletcher die Freude am Feind verspürt hat. Jetzt besteht die Gefahr, dass er sich mit nichts weniger zufriedengibt.

Weltanschauung

Die Welt, gewissermaßen das »globale Fleisch«, verkörpert Werte, Traditionen, Philosophien und Einstellungen, die den Geboten des Feindes widersprechen. Die Schädlinge nehmen unsere Propaganda durch die Luft ihrer kulturellen Umgebung in sich auf, die sie von der Wiege bis zum Grab einatmen – in ihren Häusern, in den Schulen, auf den Spielplätzen, bei der Arbeit, überall.

Geld

Finanzielle und sexuelle Unmoral sind uns äußerst nützlich, und ich nehme mit Freuden zur Kenntnis, dass du Fletcher auf beiden Gebieten attackierst.

Wenn der Feind Herr über ihr Geld geworden ist, dann ist davon auszugehen, dass er auch Herr über ihr Herz ist.

Himmel und Hölle

Ein unechter Glaube, der unversehrt bleibt, ist uns dienlicher. Wenn der Pseudoglaube zerbricht, besteht nämlich die Gefahr, dass aus seinen Trümmern echter Glaube wächst.

Fletchers Pastor in den vergangenen zehn Jahren nur einmal über den Himmel und kein einziges Mal über die Hölle gepredigt hat. So wird es voraussichtlich auch in Zukunft sein, und Fletcher wird den Eindruck bekommen, dass die Ewigkeit unwichtig ist. Er wird die Hölle für eine Einbildung halten und den Himmel für etwas Vages, nicht wirklich Erstrebenswertes.

Erzähle ihnen von der Schönheit und den Wundern, die nach dem Tod auf sie warten. Sage ihnen, dass ich sie nicht richten und nicht verurteilen werde; ich werde sie herzlich willkommen heißen.

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