Aufsatz: Fünfzig Thesen zur Pädagogik aus christlicher Weltsicht

Seit Jahren beschäftige ich mich mit Pädagogik durch die zentrale Frage der Bildung meiner fünf Söhne, parallel mit Andragogik durch meine berufliche Tätigkeit mit Erwachsenen. Die Zeitschrift Bekennende Kirche Nr. 70 hat nun 50 Thesen zur Pädagogik aus christlicher Weltsicht veröffentlicht.

Hier sind weitere Ressourcen, die ich im Lauf der letzten Jahre veröffentlicht habe:

  1. Mein erstes Buch "Home Education" (2011): Resultat meiner Recherche zum Thema Bildung der nächsten Generation, online abrufbar.
  2. Die beiden Aufsätze "Was hat Theologie mit Pädagogik zu tun?" und "Form und Freiheit – ihre Bedeutung für Bildung und Erziehung".
  3. Ein Paper aus dem Doktoralstudium (Kurzfassung, 2012): Lernen mit und ohne Gott – was ist anders, was bleibt gleich? 
  4. Einen ausfürlichen Aufsatz aus dem Doktoralstudium (2013): Was hat Lernen mit Sünde zu tun?
  5. Fallstudie "Null Bock zum Lernen" (2013) sowie das Traktat "Mein Kind will einfach nicht lernen" (2016)
  6. Einführender Aufsatz "Lernen im Horizont des christlichen Glaubens" (2015)
  7. Artikelserie "Das Leid von kognitiv begabten Kindern" (2016)
  8. Ein zusammenfassender Aufsatz "Personalentwicklung aus christlicher Weltsicht betreiben" (2017)
  9. Zwei Lektionen "Pädagogik aus christlicher Weltsicht" (Youtube, 2017)

Zitat der Woche: Der unklare Begriff der „Werte“

Günter Rohrmoser beschreibt in hervorragender Weise die Ambivalenz rund um den viel gebrauchten Begriff der "Werte" (in Nietzsche als Diagnostiker der Gegenwart, S. 314f):

Der Wertbegriff war einer der konstitutiven Begriffe  der Nationalökonomie von Adam Smith. In die Philosophie ist der Wertbegriff aber erst durch Nietzsche gekommen. Der Wertbegriff erlebt heute eine Konjunktur, die weit über die Philosophie hinaus reicht. Er ist zum zentralen Begriff in allen Zusmmenhängen unserer Gesellschaft geworden, so weit es nicht gerade nur um Fakten und um technische Machbarkeiten geht. In allen heute noch kulturell zu nennenden Verständigungsformen geht es um die Wertfrage. Alles gesellschaftliche Geschehen hat, direkt oder indirekt, mit Prozessen zu tun, in denen Werte sich ändern und wandeln. Dieser Prozess des Wertewandels beschleunigt sich immer mehr, wir sprechen daher von einem dynamischen Wertewandel. Diesem inflationären Gebrauch des Wertbegriffes steht eine nach wie vor höchst unbefriedigende Klärung dessen gegenüber, was ein Wert ist. Nur in nationalökonomischen Zusammenhängen kann man präzise die Frage beantworten, was ein Wert wert ist. In allen nicht nationalökonomischen Verwendungszusammenhängen steht der allgegenwärtigen Präsenz des Wertbegriffs eine merkwürdige Unklarheit in Bezug auf die entscheidende Frage gegenüber, was denn die Werte selber wert sind, die man jeweilig setzt oder die gerade entwertet werden. … Max Scheler hat noch behauptet, dass die Werte an sich gelten, und dass die Menschen auch über ein eigenes emotionales Organ verfügen, um diese Werte zu erfassen. Für die neukantianische Wertphilosophie steht dagegen fest: Werte gelten, aber sie sind nicht. Werte rufen daher nach ihrer Verwirklichung. Die Verwirklichung der an sich geltenden Werte braucht den Einsatz für die Verwirklichung der Werte. Die Werte müssen dann aber gegenüber konkurrierenden Werten durchgesetzt werden. Über die Chance einer Durchsetzung eines Wertes entscheidet dann die Macht. Die Macht holt den Wert aus dem abstrakten, wesenlosen Sein abstrakter Geltung heraus und sorgt für dessen Durchsetzung. Die Realität einer sich auf Werte hin verstehenden Gesellschaft ist darum gekennzeichnet durch den Kampf um die Werte.

Hanniel hirnt (26): Wie ich Konflikte in der (Gross-)Familie angehe

Gibt es bei der Familie Strebel nie Konflikte? Denkste! In diesem persönlichen Beitrag kommentiere die Erfahrung im Umgang mit Konflikten in unserer Grossfamilie.

Beschränkte Ressourcen, nahe aufeinander, miteinander lernen, mit den Charakterzügen des anderen konfrontiert werden: Das ist Nährboden für Konflikte. Demütigungen, Abfertigungen, Übergangen-werden, Beleidigungen kommen immer wieder vor.

Worte können stark verletzen: Schweigen, verweigern einer Antwort, wegblicken, nicht aussprechen eines Kompliments, das Ausbleiben des Danks. Auch wer Gutes unterlässt, sündigt. Ich bin auf der Ebene der Tat zu langsam, zu reaktionsarm.

Typischerweise spielen sich die ärgsten Konflikte in Zeiten der Müdigkeit und der Erschöpfung statt. Wenn ich zu langsam dazwischen gehe, kann der Streit heftig werden. Es bildet sich Hartherzigkeit. Nach Möglichkeit achte ich darauf, die Versöhnung vor dem Schlafengehen anzustossen.

Konflikte gehen mir in der Nacht nach. Ich ruhe nicht, bis die Wiederherstellung eingetreten war. Darin kann ich auch ungeduldig sein. Besser mit der Ungeduld zu Gott gehen als meine Nächsten zu bedrängen!

Versöhnung vertieft die Gemeinschaft. Es wird viel Energie und Bewegung frei. Wer Sünde wuchern lässt, nimmt in Kauf, dass sie sich ausbreitet. Konfliktlösung braucht Kraft; es ist schädlich, sich abzuwenden, um der Demütigung und Scham aus dem Weg zu gehen.

Hanniel hirnt (25): Als sich meine Frau in eine Prügelei einmischte

Die Öffentlichkeit ist anonyme Zone. Niemand mischt sich ein. Konzentriert wegschauen, lautet die Devise. Dass meine Frau in freundlich-zugewandter Weise drei sich prügelnde Jugendliche ansprach, und mit ihnen ein Gespräch über die Gründe für die Rangelei führte, mag Ausnahme- eher denn Regelfall sein. Gelernt:

  • Ernstnehmen und in die Verantwortung nehmen sind Zwillinge.
  • Wir entlasten Jugendliche in der Zeit überbordender Kräfte falsch und trauen ihnen zu wenig zu.
  • Wir sprechen zu wenig über das Warum, was sie antreibt.
  • Jugendliche wollen sich selbst und ihre Grenzen spüren. Leider haben sie in der Kleinfamilie oft nur virtuellen Raum (statt einer sinn-vollen, zukunftsgerichteten Aktivität).
  • Das Prinzip der Vergeltung und der Scham treibt viele in einen Zwiespalt. Auch das wird nicht thematisiert.

Ich rekapituliere das Fazit meiner Rezension Über die Jugendgewalt: "Erstens fragte ich mich, welche Veränderungen eintreten würden, wenn Jugendliche nicht nur sinnvoll beschäftigt wären, sondern einen übergeordneten Lebenssinn entdecken würden. Als Christ habe ich Menschen kennengelernt, die durch ihre Umkehr zu Jesus einen radikalen Wandel erlebt haben. Das heisst nicht, dass sie nicht unter (Spät-)Folgen ihres früheren Lebensstils zu leiden hätten. Doch die neue Perspektive befreite sie von der Ich-Versessenheit und liess sie zu Helfern für andere werden. Zweitens gab es eine unmittelbare Botschaft für Erziehungsverantwortliche: Es ist wichtig, Jugendlich möglichst schnell zu stellen und sie mit den Folgen ihrer Handlungen zu konfrontieren."

Hier kann meine mündliche Nacherzählung angehört werden.

Drei weitere Beiträge zum Nachlesen:

 

Standpunkt: Las Vegas und die Frage nach dem Bösen

Das Daily Briefing von Albert Mohler – Vorlage für mein eigenes Format Hanniel hirnt – beschäftigte sich am 3.10.17 mit der Frage nach dem Bösen (The moral vocabulary of pure evil in the aftermath of Las Vegas). RJ, ein Berliner Freund, hat einen Teil des Transcripts übersetzt:

Das Böse ist eine Tatsache. Und das Böse ist eine theologische Kategorie. Die säkulare Weltanschauung kann das Wort nicht mit Stimmigkeit oder Sinn verwenden. Die Anerkennung der Tatsache, daß es das Böse gibt, erfordert die Bejahung eines moralischen Urteils und einer moralische Wirklichkeit über dem menschlichen Urteil. Wenn wir nur zufällige Wesen in einem zufälligem Universum sind, kann nichts wirklich böse sein. Das Böse weist auf ein notwendiges moralisches Urteil hin, das von einer moralischen Autorität gemacht wird, die größer ist als wir – eine transzendente und übernatürliche moralische Autorität: Gott.

Hochschulprofessoren erzählen uns, dass der moralische Relativismus eine Generation von Amerikanern hervorgebracht hat, die es ablehnen, irgendetwas böse zu nennen und sogar die Existenz moralischer Tatsachen verleugnen. Justin P. McBrayer, der am Fort Lewis College in Colorado unterrichtet, schrieb in der New York Times dass "viele Studenten im College-Alter nicht an moralische Tatsachen glauben." Das ist wirklich beängstigend, aber McBrayer argumentiert, dass, wenn die Schüler auf dem College ankommen, ihnen schon wieder und wieder gesagt wurde, dass es keine moralischen Tatsachen gibt – dass nichts objektiv richtig oder falsch ist.

Nur die christliche Weltanschauung, die auf der Bibel basiert, kann erklären, warum moralische Tatsachen existieren und wie wir sie erkennen können. Nur die biblische Weltanschauung erklärt, warum die sündige Menschheit solch schreckliche moralische Ungerechtigkeiten begeht. Die christliche Weltanschauung verspricht auch, dass Gott einen endgültigen Akt des moralischen Urteils herbeiführen wird, der das letzte Wort zu Recht und Unrecht sein wird – als Tatsachen, nicht nur Spekulationen. Das Evangelium Christi weist uns auf die einzige Art der Rettung aus der Tatsache unseres eigenen Bösen und unserer Schuld hin.

Wir fühlen mit den Familien und Gemeinden, die jetzt trauern, und wir beten für sie und für die, die jetzt auch ums Überleben kämpfen. Es ist sowohl entlarvend als auch beruhigend, dass säkular orientierte Menschen, die mit moralischem Schrecken konfrontiert sind, wie wir es jetzt in Las Vegas sehen, immer noch vom Bösen als einer moralischen Tatsache sprechen können – auch wenn sie weiterhin moralische Tatsachen in den Klassenzimmern und Gerichtssälen leugnen. Niemand kann leugnen, dass der Schrecken in Las Vegas durch eine Handlung zustande kam, die böse war, das pure Böse, das Böse als eine Tatsache. Ich denke an die Worte des Propheten Jesaja: "Wehe denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die Finsternis zu Licht und Licht zu Finsternis erklären, die Bitteres süß und Süßes bitter nennen!" (Jesaja 5,20)

Buchempfehlungen: 10 gesellschaftskritische Bücher, auf die ich immer wieder zurückkomme

Dies sind 10 gesellschaftskritische Bücher, auf die ich immer wieder zurückkomme. Ich habe z. T. zu meinen Rezensionen verlinkt.

  1. Vishal Mangalwadi. Das Buch der Mitte. Wird der Westen die Demut haben, sich der offenbarten Wahrheit wieder zuzuwenden?
  2. Nancy Pearcey. Total Truth. Es gibt nur eine Wahrheit für das ganze Leben.
  3. Francis Schaeffer. Geistliches Leben – was ist das? Was ist geistliches Leben – wahres geistliches Leben – und wie kann man es im Milieu des 20. Jahrhunderts verwirklichen?
  4. David F. Wells. The Courage to Be Protestant. Gegen die Übel des Evangelikalismus: Das Christentum wurde zunehmend auf private, innere, therapeutische Erfahrung reduziert.
  5. C. S. Lewis. Dienstanweisung an einen Unterteufel. Die perfiden Strategien des Gegners und die täglichen Anfechtungen.
  6. Alexander Solschenizyn. Harvard-Rede 1978. Die westliche Gesellschaft am Nerv getroffen.
  7. Herman Bavinck. Reformed Dogmatics. Prolegomena. Klarstellungen zur Erkenntnislehre, zur modernen Theologie und zur Frage der allgemeinen Offenbarung.
  8. John Frame. Systematic Theology. Eine Dogmatik fürs 21. Jahrhundert mit Schwerpunkt Gotteslehre.
  9. Viktor Frankl. Trotzdem Ja zum Leben sagen. Die überlebenswichtige Frage nach dem Sinn.
  10. Günter Rohrmoser. Nietzsche als Diagnostiker der Gegenwart. Die Krise des Nihilismus und ein Ausblick ins 21. Jahrhundert.

Standpunkt: Ein Interview, das in der Familie, in Hauskreisen und Jugendgruppen diskutiert werden sollte

Parzany hat ein überaus mutiges und richtungsweisendes Interview Sind Sie ein Extremist, Herr Parzany? in der ZEIT gegeben. Ich empfehle, dieses am Familientisch, in Hauskreisen und in Jugendgruppen zu diskutieren. Ich habe einige weltanschauliche Vorannahmen des Säkularismus heraus gegriffen. Im Artikel werden weitere Themen wie Christ und Politik, Bibelkritik an staatlichen Universitäten etc. aufgegriffen.

Sind Sie ein Extremist?

Die Assoziation zu diesem Begriff ist: Extrem – weit entfernt von einer gesunden Mitte; zu Gewalt gegenüber anderen bereit.

Hier ist die Definition des Begriffs Fundamentalismus – militanter Wahrheitsanspruch – sehr hilfreich. Parzanys Anspruch ist keineswegs militant. Er setzt ihn nicht mit Gewalt durch. Bereits der Titel ist also eine Verunglimpfung.

(Z) Wenn Sie Gott einmal begegnen und er gibt Ihnen in allen strittigen Fragen recht – was haben Sie dann erreicht?

Die Frage der Sexualethik, die im Raum steht, gehört gemäss der Religion der Medienelite in den privaten Bereich (zur Erklärung der Beitrag Der Säkularismus von oben). Es gilt das Dogma des ethischen Relativismus: Über Fragen der Ethik trifft jeder Einzelne ein Urteil. Einander widersprechende Urteile sind gleichermassen richtig.

(P) Es geht nicht darum, ob ich recht habe.

Nicht der Einzelne ist letzte Instanz, sondern es gibt einen übergeordneten Gesetzgeber. Hier erreichen wir den Boden der gesamten Debatte: Eine a-theistische Vorannahme führt in der Realität zum Diktat der Ethik durch eine kleine Elite.

(Z) … wieso führen Sie dann einen solch erbitterten Kampf für Ihre Wahrheit?

Man bemerke die Zuschreibung „Ihre Wahrheit“. Es gibt keine für alle bindende Wahrheit. Dieser tiefe verwurzelte Skeptizismus führt zuerst einmal in die Selbstwidersprüchlichkeit. Wenn alles relativ ist, warum denn nicht auch meine eigene Meinung? An diesem Punkt hört die Toleranz auf: Sie wird kämpferisch und intolerant. Zum Weiterdenken siehe Die Intoleranz der neuen Toleranz.

(Z) Werden Juden, Muslime und Homosexuelle gerettet?

Jede Einschränkung des Heils wird sofort gebrandmarkt. Parzany kann hier mit Ruhe auf den Gesetzgeber verweisen: „Die Entscheidung über die Menschen trifft Gott. Sie werden mich nicht verführen, mich zum Richter aufzuspielen.“

(Z) Zur Homosexualität sagt er (Jesus) kein Wort.

Hier greift der Interviewer ein geläufiges Argument der „Rote-Buchstaben-Christen“ auf. Diese spielen das von Jesus Gesagte gegen das Alte Testament und gegen Paulus aus. Zum Weiterdenken siehe Mehr Jesus weniger ­Paulus? – Wenn Gottes Wort gegen Gottes Wort ausgespielt werden soll

(Z) Sie treffen diese ethische Entscheidung ja nicht für sich, sondern für andere.

Mit diesem Satz fällt der Interviewer selbst ein Urteil über den Interviewten. C. S. Lewis bemerkt richtig, dass wir daran merken, dass es eine übergeordnete Ethik gibt, wenn wir laufend Urteile über andere fällen. Zum Weiterdenken siehe meine Buchbesprechung von Pardon, ich bin Christ.

(P) Ich verweise nur auf die Quelle, die Heilige Schrift, die Offenbarung Gottes, die das klipp und klar ausdrückt.

Parzany beruft sich nicht auf ein Naturrecht, sondern auf die Offenbarung der Bibel. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder die Bibel als erstes Kriterium der Wahrheit zu akzeptieren oder dem eigenen Verstand diese Möglichkeit zuzubilligen. Siehe Wenn dein Wort nicht mehr soll gelten, worauf soll der Glaube ruhn?

(P) In unserem Land kann jeder leben, wie er will. Meine Verpflichtung ist nur, zu sagen: Wenn Gott uns liebt und sich uns offenbart hat, dann sind seine Maßstäbe für uns auch die Maßstäbe zum gelingenden Leben.

Hierin besteht der Unterschied zwischen einer festen christlichen Überzeugung und militantem Wahrheitsanspruch. Der Christ steht geradlinig dafür ein, setzt sie jedoch nicht gesellschaftlich durch (im Unterschied zum Islam).

(P) Sie (die EKD) brechen die Gemeinschaft mit der Mehrheit der Christen weltweit. Aber das müssen sie selbst verantworten.

Mit der Perspektivenübernahme des Säkularismus bricht die EKD die Gemeinschaft mit der Mehrheit der Christen weltweit und in der Geschichte. Oftmals sind deren Vertreter noch unbarmherziger und mit grösserem „Missionseifer“ unterwegs als ihre agnostischen Zeitgenossen.

(Z) Woher kommt die Liebe dann?

Ein Abschnitt des Interviews geht um die Definition von Liebe. Es wird deutlich, dass der Säkularismus sie als individuelle, gefühlsbasierte, kündbare Grösse definiert. Mehr zur Charakterisierung der Liebe Gottes in Die schwierige Lehre von der Liebe Gottes

(P) Sie (Ärzte und Berater, die Homosexuellen helfen wollen, die dies als Not empfinden) werden von aggressiven Besserwissern sofort kriminalisiert.

Nochmals: Die Toleranz hört dort auf, wo Menschen nicht im Einklang mit dem eigenen Hauptdogma (dem ethischen Relativismus) handeln.

(P) Interessanterweise vertritt ja keiner mehr die Position, dass jemand, der von seiner Anlage her zur Päderastie neigt, nicht eine Verhaltensänderung erfahren könnte.

Wer den Spiess umdreht bzw. das gleiche Wahrheitskriterium (den ethischen Relativismus) auf eine gesellschaftlich (noch) nicht geänderte Ethik anwendet, erntet Unverständnis. Parzany geht – wie ich – davon aus, dass weitere sexualethische Barrieren durchbrochen werden.

(P) Warum sollte die von der Aufklärung bestimmte Theologie. Westeuropas die richtige sein?

Parzany weist zurecht auf die Arroganz des westlichen Säkularismus hin. Sie halten nämlich ihre Position für die richtige. "Warum sollte die von der Aufklärung bestimmte Theoloie Westeuropas die richtige sein? Immerhin ist es der einzige Teil der Welt, in dem die Kirche nicht wächst, in dem die großen Kirchen oft leer sind."

Hanniel hirnt (24): Theologischer Liberalismus ist keine Spielart des Christentums, sondern eine andere Religion

Einmal mehr nach Worten ringend kommentiere ich eine Gegenüberstellung, die ich dem Buch Christentum und Liberalimus (Rezension) entnommen habe. Es geht um die Unterscheidung zwischen zwei verschiedenen Religionen: Eines, das die Dogmen des theologischen Liberalismus angenommen hat sowie eines am Evangelium und dem Selbstzeugnis der Bibel orientierten Christentums. Ich streiche besorgt heraus: Es handelt sich um zwei verschiedene Religionen. Das eine stellt den Menschen in den Mittelpunkt, das andere geht von einem Gnadenakt des Schöpfers und Erlösers aus, der Menschen aus dem geistlichen Tod auferweckt, aus ihrer Schuldverstrickung erlöst und eine neue Identität schenkt.

Was die Unterscheidung schwierig macht, ist das fromme Gewand des theologischen Liberalismus. Manche Menschen wähnen sich unter diesem Deckmantel in einer falschen Sicherheit. Sie gehen davon aus, dass sie zu Gottes Schar gehören. Deshalb weise ich mit allem mir zur Verfügung stehenden Ernst darauf hin: Prüfen Sie sich, in welchem Umfeld Sie sich befinden. Prüfen Sie sich, ob Sie im Glauben stehen (2Kor 13,5)!

Lesen Sie das Interview mit Paul Washers Frau Rosario, die bezeugt: "We had worked together for years. They had seen me work with street children in Lima, with believers in the Andes and with the church in Barranco. Because of this, it was difficult for them to comprehend, but they came to see that it was not just the “outward” works but the inner testimony of my life that counted. Before my conversion, I was simply doing empty works, living on auto pilot, and “doing the right thing.” I am very duty oriented so I was going to keep doing what was right no matter what. But there was no love for God in me, only a sense of duty. However, by God’s mercy He allowed me to run out of every ounce of strength. He showed me my sin and need for Him.”

Ähnlich berichtet eine junge Frau: "Bevor Gott mit 18 Jahren mein Leben in eine andere Richtung drängte, führte auch ich, als Kind aus gläubigem Elternhaus, ein eher schläfriges Christsein. Zwar ging ich gerne zu jeder nur möglichen „christlichen“ Veranstaltung, jedoch hatte ich kein Verlangen danach die Bibel zu lesen und kannte das Evangelium nur sehr oberflächlich. Es gibt keinen Grund, wieso Gott mir gnädig war, aber er war es: als ich eigentlich keine besondere Lust hatte eine Predigt zu hören, stieß mich jemand auf die Predigt 'Shocking Youth Message' von Paul Washer. Bis zu diesem Tag, hatte ich noch nie eine Predigt dieser Art gehört. Ich kannte nur den 'Wohlfühl-Glauben' und war wahrhaft schockiert. Gott erweckte in mir einen wachsenden Hunger nach mehr Wahrheit und Christuserkenntnis."

Im mündlichen Beitrag (ca. 30 Minuten) kommentiere ich unten stehende Darstellung:

„Christianity and Liberalism“ (Gegenüberstellung)

Seite

Liberalismus

Christentum

62

Imperativ: Appell an den Willen des Menschen (mittel)

Indikativ: Verkündigung eines Gnadenaktes Gottes

 

Leben vs. Lehre (stark)

Lehre ist unbedeutend, es kommt auf den Lebensstil an

Lehre vs. falsche Lehre

Leben, das nicht auf blossen Gefühlen, sondern auf Fakten bzw. Lehrsätzen beruht: Christus starb für unsere Sünden.

Lehre über Gott

80, 178

Aufhebung der Transzendenz Gottes; Gott existiert um des Menschen willen (stark)

Ausgewogenes Verhältnis zwischen Transzendenz und Immanenz; der Mensch existiert um Gottes Willen

Lehre über den Menschen

81, 85, 161f

Gerechte zur Busse rufen

Helfen, die Sündenerkenntnis zu vermeiden (mittel)

Ihr seid richtig gut! Ihr kümmert euch um das Wohl der Gesellschaft. (stark)

Der Mensch ist tot durch seine Sünden.

Was er wirklich braucht, ist neues Leben

Lehre über die Bibel

94-97

Autorität ist das individuelle Erlebnis (stark)

Denken und Leben beruhen auf wechselhaften Emotionen sündiger Menschen (stark)

Offenbarung Gottes ist auf den objektiven, fehlerlosen Bericht der Bibel gegründet (Selbstzeugnis der Bibel; Beginn des ‚hermeneutischen Zirkels‘)

Lehre über Christus

133, 115

Christus unterscheidet sich durch Rang und nicht durch Wesen vom Rest der Menschen (nein)

Jesus ist Messias und Retter der Welt. Er bietet nicht primär Rat, sondern Erlösung an.

Er ist nicht nur Vorbild, sondern Objekt des Glaubens.

Botschaft der Erlösung

146, 153,
159

Botschaft vom Sühnopfer Jesu ist überholt (mittel)

Wirken von Gottes Geist im schon im Menschen befindlichen Guten (mittel)

Elend (Sünde als objektive Schuld, nicht nur Beziehungsstörung oder Schuldgefühle)

Erlösung (Rechtfertigung durch das stellvertretende Opfer von Jesus)

Dankbarkeit (Heiligung setzt mit Erlösung ein, ist zwangsläufiges Ergebnis)

Notwendigkeit der Evangelisation

172, 176

Konzentration auf innerweltliche Veränderung (mittel)

Gott als Mittel, um die Veränderung der Gesellschaft im Hier und Jetzt zu erreichen (mittel)

Ausgehend von dem jenseitigen Ziel rufen wir Menschen auf: Lasst euch versöhnen mit Gott!

Lehre der Gemeinde

183, 185, 206-207

Alle Menschen sind Brüder.

Ungläubige in Lehranstalten und in Gemeindeleitungen (mittel)

„Aufruhr der Welt“ wird kopiert (mittel)

Text- und christuszentrierte Predigt

Herrlichkeit des Kreuzes Christi im Vordergrund

In meinem Aufsatz "Wer Gott verliert, verliert sich selbst" habe ich von der Gotteslehre ausgehend die Thematik vertieft.

Zitat der Woche: Das Leiden ist der stumme Fels, an dem die Religion der Moderne zerschellt

Rohrmoser zum dritten (Nietzsche als Diagnostiker der Gegenwart, S. 174): Die Moderne kann keine Antwort auf das Leid geben.

Das Leiden ist der stumme Fels, an dem die Religion der Moderne, die Fortschrittsidee, zerschellt. Die moderne Welt hat Grosses hervorgebracht, aber sie konnte und kann keine wirkliche Antwort auf die Frage geben, welchen Sinn das Leiden hat. Die Moderne kann im Leiden nur etwas sehen, was es eigentlich nicht geben darf. Die Fortschrittshoffnungen der Moderne sind immer verbunden mit dem Programm der Leidensminderung, und das Enziel soll eine Welt ohne Leiden sein. Die Tragik in diesem gewaltigen Experiment, das die Menschheit in der Moderne macht, liegt in diesem vergeblichen Kampf gegen das Leiden. Die Moderne ist angetreten, sämtliche Quellen des Leidens auszutrocknen, und darum hat die UNO Gesundheit definiert hat als die Erfahrung des Zustandes eines dauernden physischen, sozialen und kulturellen Wohlgefühls. Nach dieser Definition der UNO sind wir alle krank. Jeder weiss heute, dass es eine aberwitzige Utopie ist, diesen Zustand eines physischen und sozialen Wohlgefühls für jedermann herstellen zu wollen. Die Quelle solcher aberitzigen Utopien liegt in der Vorstellung, dass Leiden keinen Sinn hat, dass es Leiden nicht geben dürfte und dass der Fortschritt Leidensüberwindung leistet. Die christliche Kultur ist dagegen dadurch ausgezeichnet, dass sie ein tiefes Bewusstsein von dem über uns verhängten Leiden mitbringt. Das Christentum hat sich immer als eine Kraft des Trostes, als eine Kraft der Hoffnung verstanden, diesem Leiden widerstehen zu können. Das Christentum wurde letztlich immer als die Macht der Übewrindung des Leidens verstanden. Die Moderne steht und fällt mit dem Anspruch, Leiden überwinden zu können. Die Moderne stösst an ihre Grenze, wenn sie eingestehen muss, dass das Leiden nicht überwindbar ist, und dass jeder Fortschritt auf dem Wege der Moderne die Erschliessung einer erneuten Leidensquelle bedeutet. Die Moderne stösst an ihre Grenze, wenn sie begründen soll, das dann der Sinn des Leidens ist. Die Moderne ist sinnlos, wenn sie auf diese Frage keine Antwort geben kann, denn man kann mit Moral das Leiden nicht abschaffen.

Hanniel hirnt (23): Narzisstische Manöver

Mit diesem Beitrag "Narzisstische Manöver" teile ich vier Erlebnisse, die ich allesamt dem gleichen Phänomen zuordne: Der Selbstverliebtheit der neu heranwachsenden Generationen. Die Psychologie hat sich in zahlreichen Publikationen dem Narzissmus gewidmet und deren Erscheinungsformen als gesellschaftlich prägend postuliert.

Ich versuche das Phänomen zu beschreiben, wobei ich geschäftliche Situationen vor dem inneren Auge habe.

  1. Die Ereignisse häufen sich. Als Gegenüber kann ich mir nicht mit herkömmlichen Mitteln helfen. Das bedeutet: Es braucht ein anderes Vorgehen bzw. eine andere Reaktion.
  2. Ich höre in den letzten zwei Jahren häufig Klagen auch von jüngeren Führungskräften, dass sie mit diesem Typus von Mitarbeitern nicht zurechtkommen. Bisherige Strategien gingen nicht auf. Solche Personen störten das ganze Team und entzögen ihnen überproportional viel Kraft.
  3. Die Situationen sind schwer vorhersehbar. Sie treten dort auf, wo ein Engpass angezeigt ist oder wo überschüssige Energie und Langeweile vorherrscht.
  4. Meistens ist es eine Person, welche die Stimmungsmache bzw. die Meinungsführerschaft übernimmt.
  5. Sie postuliert für sich und für den jeweiligen Moment ein Recht, das von aussen betrachtet nicht einsichtig ist. Dem Beobachter entfährt unmittelbar die Etikettierung „Egoschwein“ bzw. „arroganter Typ“.
  6. Dem Betreffenden ist die Sache ernst. Er zweifelt keine Sekunde daran, dass ihm diese bevorzugte Behandlung zustehe. Er fordert selbstbewusst sein vermeintliches Recht ein.
  7. Einwände des Gegenübers werden niedergerungen. Ich beobachte mannigfache eingeübte Manipulationsmuster: Abstreiten, jammern, klagen, Schuldumkehr, Komplizen für sich gewinnen, üble Nachrede, Ausreden, platte Lügen.
  8. In der Regel gewinnt die narzisstische Person die Auseinandersetzung. Das Gegenüber zieht sich entkräftet und frustriert zurück.
  9. Das bestärkt den Narzissten in der Haltung, dass das Recht auf seiner Seite stehe. Er bringt das auch im Nachhinein zum Ausdruck.
  10. Es sind keine Anzeichen der Reue spürbar. Das Verhalten kann wenige Augenblicke später wiederholt werden.
  11. In der Regel nehme ich das Verhalten auch im engsten Freundeskreis und insbesondere der Familie wahr. Dieses Umfeld wird gewohnheitsmässig tyrannisiert.
  12. Die Freunde wechseln in regelmässigem Abstand. Anfänglich kann eine solch selbstbewusst auftretende Person andere unsichere Personen für sich vereinnahmen. Irgendwann werden diese jedoch stark brüskiert und auf der Seite liegen gelassen.
  13. Führungs- und Lehrkräfte warten viel zu lange zu und gewähren sträflich viel Raum. In der Regel bleibt nur die Trennung der Person übrig.