Zum Gedenken: R. C. Sproul in die Herrlichkeit abberufen

Der heutige Eintrag geschieht im Gedenken an R. C. Sproul (* 1939, gestorben 14.12.2017). Einer der wichtigsten Theologen des 20. Jahrhunderts ist abberufen worden. In seinem Aufsatz "What Does coram Deo Mean?" schrieb er:

In der Gegenwart Gottes zu leben heisst zu verstehen, dass, was und wo wir immer etwas tun, wir unter dem Blick von Gott handeln.

Wie Christianity Today berichtet, sollte auf seinem Grabstein der Satz stehen:  “I told you I was sick.” Wie treffend! Auf einer Website können Statements anderer Theologen über ihn abgerufen werden. Die Gospel Coalition hat bereits 40 Zitate von ihm veröffentlicht. Justin Taylor hat bereits einen ausführlichen Lebensrückblick aufgeschaltet.

Die von ihm gegründete Organisation Ligonier schrieb zu seinem Dienst:

Through his teaching ministry, many of us learned that God is bigger than we knew, our sin is more deeply rooted than we imagined, and the grace of God in Jesus Christ is overwhelming.

Sein Freund John MacArthur twitterte:

R.C. Sproul has stood with me for decades in every major theological controversy and I will dearly miss him. There is no one like him.

Zuerst begegnete ich R. C. Sproul durch seinen Klassiker "Die Heiligkeit Gottes", den es antiquarisch günstig zu erwerben gibt. In meiner Masterarbeit zitierte ich ihn wie folgt:

Wenn wir Gott begegnen, überfällt uns das Wissen um unsere Kreatürlichkeit mit ganzer Macht und zerschmettert den Mythos, der uns das Gefühl verleiht, wir seien kleine Götter und würden immer so weiterleben. (R. C. Sproul. Die Heiligkeit Gottes. Hänssler Verlag: Holzgerlingen 1996. S. 31.)

Er scheute sich nicht, Stellung zu beziehen, z. B. in der Frage der Schöpfung (siehe dieser Post).

What God reveals in nature can never contradict what he reveals in Scripture, and what he reveals in Scripture can never contradict what he reveals in nature.

John Frame, der andere Gigant, von dem ich enorm profitiert habe, schreibt über "RC":

I greatly admired dear RC, and I ranked him as the best communicator of Reformed truth in my time.

Sein Werk, buchstäblich Tausende von Artikeln und Predigten, ist erhalten. Ebenso Dutzende Bücher, von denen ich die Reihe "Crucial Questions" herzlich empfehlen möchte. Sie können umsonst auf den eBook-Reader heruntergeladen werden! Zu manchen habe ich Zusammenfassungen erstellt.

In der deutschen Sprache ist eben die Reformations-Studienbibel veröffentlicht worden – ebenfalls ein Werk von Sproul. Ich wünsche mir, das Erbe seines Gott-zentrierten Dienstes ins 21. Jahrhundert zu tragen. Ebenfalls empfohlen:

Hanniel hirnt (45): Worauf ist unser Streben gerichtet?

Zur 45. Folge meines Podcasts

In dieser Serie "Christliche vs. säkulare Beratung" denke ich über Feinheiten nach. Manche werden einwenden: Es gibt doch ausgezeichnete säkulare Beratung – ausgezeichnet in dem Sinne, dass sie von Erfolg gekrönt ist. Es fragt sich, woran wir "Erfolg" messen, wie ich das bereits ausgeführt habe. In der Regel misst der säkular denkende Mensch am Grad seiner momentanen Erfüllung.

Jede christliche orientierte Beratung sollte stark am Bewusstmachen der motivationalen Basis arbeiten. Worauf ist unser Streben ausgerichtet? Jeder Mensch ist mit einem Grundstreben nach Glück und Erfüllung ausgestattet. Weil er in Sünde gefallen ist, zeigt die innere Kompassnadel in eine falsche Richtung. Das höchste Gut, auf welches das Streben gerichtet ist, stellt nicht mehr Gott dar, sondern ein Ersatz. Dieser Ersatz kann vielfältig sein:

  1. Sich selbst: Perfektionismus – eigene Erwartungen, Dominanz in Beziehungen, Gefühlszustände
  2. Andere Menschen (Personen aus der Familie; aus der Arbeit; aus der Medienwelt, z. B. auf Instagram; andere Kulturen)
  3. Materielles (Besitz in jeder Form, Tiere)
  4. Ideen, denen wir heilsbringenden Charakter beimessen

Die Krux der Beratung besteht gerade darin, nicht zu einem Götterwechsel zu animieren. Die Frustration des Ersatzglaubens lässt uns regelmässig nach neuen Götzen Ausschau halten. Die säkulare Beratung (und die christliche in säkularem Gewand) prägt oft die Maxime: "Du musst dir selber etwas gönnen – besser auf dich selbst hören – mit dir selber ins Reine kommen." Das Verbindende dieses Anspruchs ist das Wort "Selbst". Der christliche Glaube will aber gerade von dieser götzendienerischen Selbstfixierung lösen. Timothy Keller spricht von der Freiheit der Selbstvergessenheit.

Hanniel hirnt (44): Das Menschenbild des Beraters und des Ratsuchenden

Die fünfte These betrifft das Menschenbild, das in einer Beratung zum Tragen kommt. Darüber könnte schnell ein Buch gefüllt werden. Ich erwähne im Podcast einige Aspekte.

Berater und Ratsuchende denken und handeln mit einem dahinterliegenden Menschenbild. Manchmal wird den Christen vorgeworfen, sie zeichneten ein zu schwarz-weisses Bild; ein anderer Einwand betrifft die Freudlosigkeit. Um was geht es?

  • Das Kernargument betrifft unsere Sündhaftigkeit: Wir verderben die guten Gaben Gottes.
  • Die Verfehlung betrifft unsere ganze Existenz: Gedanken, Worte und Taten; in unseren Gedanken die Kognition, den Willen und die Gefühle.
  • Das bedeutet nicht, dass Gott auch Nichchristen nicht mit vorzüglichen Gaben ausgestattet hätte – im Gegenteil.
  • Die Gaben des Menschen sind gleichzeitig seine Aufgabe. Menschen, die nichts von Christus wissen möchten, erzielen oftmals erstaunliche Ergebnisse.
  • Die Grundlage für das Heil ist jedoch nicht die äussere (bürgerliche) Gerechtigkeit oder Tugend. Wenn es das wahre Glück und das ewige Leben betrifft, ist jeder Mensch unfähig, Gott zu gefallen.
  • Unsere Strebungen, unsere Ziele und unser Standard entsprechen von uns aus nicht Gottes Anspruch. Weder Begabung noch Leistung sind aus Gottes Sicht ausschlaggebend.

In der säkularen Beratung muss hier eine Umdeutung erfolgen. Die Sünde wird anders verortet:

  • Die Betonung liegt auf dem Tun, nicht auf dem sündigen Sein. Es geht um eine Neigung zu Fehlern.
  • Das Verhalten wird erstens entschuldigt durch die Umgebung (Erziehung, Gewohnheiten, Persönlichkeit, körperliche Voraussetzungen). Das sind Faktoren, die sehr wohl mitspielen.
  • Weiter werden andere Menschen zu Schuldigen. Wir zeigen gerne auf andere. Das was uns andere zufügen, ist noch keine Bestimmung für unsere eigene Reaktion.
  • Drittens wird die Sünde gerne an Institutionen wie den Staat oder den Arbeitgeber delegiert. Das haben wir z. B. bei Kreditkrise gesehen, als bankrotte Hauseigentümer ihre Wohnung verliessen.

Das grundsätzliche Problem liegt nie ausserhalb. Wir antworten auf das, was uns widerfährt. Das Böse beginnt in unserem Herzen, kommt also aus uns heraus.

Buchbesprechung: Was tun gegen Dschihadisten?

Ich lese immer wieder querbeet. Kürzlich nahm ich mir "Was tun gegen Dschihadisten? Wie wir den Terror besiegen können" des iranischstämmigen, muslimischen deutschen Bundestagsabgeordneten Omid Nouripour vor. In meiner Rezension vermerkte ich:

«Die Welt sieht die Radikalisierung als Problem, der Radikalisierte als Lösung an.» Dass der Autor vor den Freiwilligen auf die Knie geht (letzter Satz des Buches), kann ich nachvollziehen. Dass für Deutschland ausgebildete Imame und Lehrer für einen flächendeckenden Islam-Unterricht fordert, ist angesichts der politischen Positionierung ebenfalls zu erwarten. Die Betonung auf Präventions- und Aufklärungsarbeit in Flüchtlingsheimen, Gefängnissen und Schulen ist der klassisch aufklärerischer Weg (Erlösung durch Bildung). Finanziell aufwändig ist die Umsetzung der Forderung nach mehr Polizisten und Muslime im Sicherheitsapparat sowie der Glaube die Wirksamkeit von EU-weiten zukunftsgerichteten Konzepten. Zustimmung finde ich zur Forderung, vermehrte Anstrengungen in das Trockenlegen von aktuellen und vor allem zukünftigen Geldströmen zu investieren.

Ingesamt weiss ich nach der Lektüre solcher Bücher nicht, was ich denken soll. Es ist klug ausgearbeitet, ein wenig kompliziert vielleicht. Ich frage mich, ob die Massnahmen insgesamt doch zu sehr auf «mehr desselben» zielen. Es hätte mich insbesondere interessiert noch mehr darüber zu erfahren, WIE wir in Köpfen und Herzen bei denen landen sollen, die potenziell gefährdet sind radikalisiert zu werden.

Weitere Bücher mit Rezensionen:

  1. Generation Allah. Warum wir im Kampf gegen religiösen Extremismus umdenken müssen. / Rezension
  2. Der Untergang der islamischen Welt: Eine Prognose / Rezension
  3. Sterben sollst du für dein Glück / Rezension
  4. Die offene Wunde des Islam / Rezension
  5. Der Schleier zerriss / Rezension
  6. Allahs Narren: Wie der Islamismus die Welt erobert / Rezension

Zum Nachhören: Predigten 2017

Auch wenn das Schreiben meiner bevorzugte Kommunikationsform darstellt, habe ich in diesem Jahr vermehrte Audiobeiträge erstellt. Neben dem neuen Format "Hanniel hirnt" sind auch einige Predigten von mir aufgezeichnet worden. 

Predigt: Gottes Zorn – weshalb?

Nachdem ich zum Auftakt des Reformationsjahres zu Römer 1,1-16 in der Reformierten Kirche zu Leutwil predigen durfte, knüpfte ich am selben Ort gegen Jahresende mit einer Predigt "Gottes Zorn – weshalb?" (Römer 1,18-23) an. Hier geht es zum Mitschnitt (Mundart).

Kerngedanke

Lernen über Gott: Jeder weiss mehr von Gott, als er sich denkt, und wenn er ihn ablehnt, als ihm lieb ist.

Lernen über uns selbst: Uns Menschen wird nicht zum Verhängnis, dass wir etwas zu wenig lieben, sondern dass wir es zu viel lieben. Nämlich einen Ersatz anstelle von Gott.

Wo dieser Abschnitt steht

Paulus beginnt mit etwas, wovon uns die Psychologen dringend abraten würden: Er beginnt mit einer gigantischen Anklagerede von fast drei Kapiteln (Römer 1,18 – 3,20). Er malt ihnen vor Augen: “Ihr seid von euch aus gesehen absolut chancenlos!“ (Römer 3,9+20)

Was uns dieser Abschnitt lehrt

  1. Wer Gottes Zorn ausblendet, lebt an der Wirklichkeit vorbei.
  2. Zornig? Warum denn? Weil Ihm durch Dienst am Selbst die Ehre geraubt wird.
  3. Unser Problem ist nicht das Wissen, sondern das Wollen.
  4. Die vermeintliche Freiheit ist Teil von Gottes Gericht.
  5. Das Evangelium ist Gottes Kraft zum Heil jedem Glaubenden.

Wie wir diesen Abschnitt auf unser Leben anwenden

Götzendienst ist Kult am Ich. Das kann vielfältige Formen annehmen:

  • Sich selbst ins Zentrum setzen (Stichworte: Perfektionismus – eigene Erwartungen, Dominanz in Beziehungen, Gefühlszustände)
  • Andere vergöttern (Personen aus der Familie; aus der Arbeit; aus der Medienwelt, z. B. auf Instagram; andere Kulturen)
  • Materielles vergötzen (Besitz in jeder Form, Tiere)
  • Ideen anhängen

Buchbesprechung: Begründet glauben

Ich habe Stephan Langes Buch "Begründet glauben" rezensiert. Am Schluss schrieb ich:

Mich interessiert jeweils besonders, wie ein Autor mit apologetischem Anliegen die Wahrheit des Evangeliums präsentiert. Lange betont schon zu Beginn des Buches den relationalen Aspekt des Glaubens: „Christsein meint also, eine vertrauensvolle und liebevolle Beziehung mit Gott zu haben.“ (29) Zudem streicht er in einer Parabel die Herablassung Gottes in Jesus auf Augenhöhe heraus: „Ich vermisse euch. Und ich möchte mit euch in Beziehung treten.“ (156) Die Darstellung des Evangeliums hat er, wie er mir im Gespräch sagte, bewusst in sein letztes Kapitel „Warum lässt Gott Leid zu?“ eingebaut (170-172). Auch hier steht der Beziehungsaspekt im Vordergrund: „Ich selbst wurde Mensch und starb letztendlich für dich am Kreuz, um dir ein Angebot zur Wiederherstellung unserer Beziehung zu machen.“ Mich bewegt, wie die Schuldfrage unseren Zeitgenossen noch deutlicher dargestellt werden kann. Ich erlebe es so, wie Lange sagt: Sie fühlen sich mit etwas „sozialem Engagement“ und „fürsorglicher Nächstenliebe“ ganz in Ordnung. Ab und zu passiert ihnen ein Fehler, klar. Doch dass sie sich grundsätzlich in einem aussichtslosen Zustand der Rebellion befinden, vermag ihnen nicht einzuleuchten. Was kann jemand dann mit den hunderten von Stellen in der Bibel anfangen, die von Gottes Zorn sprechen? Wir gehören Ihm, er hat einen Total-Anspruch an uns. Wir existieren zu Seiner Ehre (Jesaja 43,7; Offenbarung 4,11). Als Sünder von Geburt an (Hiob 14,4; Psalm 51,7; 130,3; Prediger 7,20) sind wir ausserstande, diesem vorrangigen Ziel nachzustreben. Wir verfehlen die Herrlichkeit Gottes (Römer 3,23), indem wir uns an einem jämmerlichen Ersatz ausrichten. Dies ist nicht in erster Linie ein Fehler des Denkens, sondern des Dankens (Römer 1,21). Zugespitzt ausgedrückt: Wie können wir in „sanftmütigen Weise“, wie Petrus es fordert (1. Petrus 3,15), die Frage der Schuld, Gottes Zorn, dem ewigen Gericht in einer Zeit darstellen, in der sich Gott in erster Linie vor unserem Verstand zu verantworten hat?

Meine Empfehlungen zur Apologetik:

10+ Zitate … aus “Gender – Von Gender-Mainstreaming zur Akzeptanz sexueller Vielfalt”

Ich habe kürzlich das neu erschienene Buch "Gender" von Christoph Raedel gelesen. Ich staune ob seiner Engelsgeduld und bin froh, dass er diese wirklich unangenehme Recherchearbeit geleistet hat. Hier sind 10 Zitate aus dem Buch:

  1. Genitalien sind bedeutungslos dafür, wie ich mich verstehe (und inszeniere); die Fantasie schiebt sich erkenntniskritisch vor die Faktizität, wir haben es hier auf eine bestimmte Weise also mit einer postfaktischen Position zu tun. Denn die behauptete und inszenierte Geschlechtsidentität (gender) ist hier radikal losgelöst vom anatomischen Geschlecht (sex) zu denken. (25)
  2. Weitreichende Vorschriften werden nicht mehr nach parlamentarischer Debatte von gewählten Volksvertretern verabschiedet, sondern nach Beratung in geschlossenen Expertengremien der Durchsetzung von Verwaltungsbehörden überlassen. (35)
  3. Das gewünschte Ergebnis ist die (nahezu) Vollerwerbstätigkeit sowie die paritätische Verteilung der Hausarbeit auf Männer und Frauen bei gleichzeitiger (ganztägiger) Fremdbetreuung für Kinder vom ersten Lebensjahr an.  Um dieses Ziel zu erreichen, müssen angesichts der starken Beharrungskräfte, die in Partnerschaften wirksam zu sein scheinen, die gesetzlichen Stellschrauben entsprechend angezogen werden. (50)
  4. Dem staatlichen Recht wird also die Möglichkeit bestritten, überhaupt Bewertungen aussprechen und Unterscheidungen vornehmen zu dürfen. Unklar bleibt, welche Mittel der staatlichen Rechtsordnung dann überhaupt noch bleiben, z. B. Sex mit Minderjährigen, Kinderehen oder Inzesthandlungen als illegitime Ausdrucksformen von Sexualität zu behandeln, wenn alle Menschen das uneingeschränkte Recht haben, in ihrer individuellen geschlechtlichen Identität und Orientierung respektiert zu werden. (56)
  5. Dieses Beharren auf absolute (d. h. keiner Bewertung zugängliche) Gleichbehandlung führt … faktisch zur Privilegierung sexueller Minderheiten… (57)
  6. In einer Welt, die eine Vielfalt an Begabungen hervorbringt und darin jeden  Einzelnen in irgendeinen Bereich in einer bestimmten Weise vor anderen auszeichnet, hat jeder Mensch in irgendeinem Bereich zunächst einmal weniger Aussicht darauf, ein nur begrenzt verfügbares Gut erlangen zu können. Es gibt kein Menschenrecht darauf, nicht der Erfahrung ausgesetzt zu sein, ungünstiger als andere behandelt zu werden. (61)
  7. Die Vorstellung von der Seele, die sich im 'falschen Körper' befindet, setzt einen schroffen Dualismus von Körper und Geist voruas, wie er bereits in der Antike von gostisch beeinflussten Gruppen vertreten wurde. Die Einheit der menschlichen Person als ein sowohl geistiges als auch leibliches Wesen wird hier preisgegeben. (83)
  8. Es soll ein einklagbares Recht sein, in allem, was mit dem Geschlechtsleben zu tun hat, von normativen Wertungen freigestellt zu sein. Die Deutungshoheit über die geschlechtliche Identität liegt allein beim Betroffenen. (84)
  9. 'Keine Toleranz für die Intoleranten' – das ist genau das richtige Motto, wenn es um Feinde unserer demokratischen Grundordnung geht. Hier aber wird es gegen Bürger gewendet, die nicht zu akzeptieren bereit sind, dass der Grundsatz des moralischen Relativismus an die Stelle unserer durchaus wertegebundenen staatlichen Grundordnung tritt, die einen solchen Relativismus gerade nicht voraussetzt, sondern sich am Leitbild von Ehe und Familie orientiert. (92)
  10. Vielfalt braucht die Abweichung von der Dominanzkultur; daher gilt jede Entscheidung für die Abweichung davon als selbstbestimmt, jede Entscheidung zugunsten der Dominanzkultur dagegen als Anzeichen für einen 'Einordnungszwang', der die Würde des Menschen verletzt. (95)
  11. In der pansexualisierten Welt der Sexualpädagogik ist nie Sex als solcher das Problem, sondern allein die möglicherweise missachtete Selbstbestimmung. (99)
  12. Das subjektive Unbehagen wird zur Basis eines Menschenrechts darauf, eine Toilette der gewählten Geschlechtsidentität entsprechend zu wählen. Mit der Schubkraft der Menschenrechte wird das Recht auf die Entfaltung der eigenen Persönlichkeit gegen die Persönlichkeitsrechte aller anderen vor einer solchen Entscheidung unvermeidlich Betroffenen in Stellung gebracht. (108)
  13. Wo Sprache verschleiert, ist sie nicht länger Mittel der Kommunikation, die Menschen verbindet, sondern Werkzeug der Spaltung. (112)

Von Raedel sind ausserdem erschienen:

Update Buchprojekte 2017/18

Das Jahr 2017 neigt sich dem Ende zu. Es war dicht und produktiv.

Christliche Denker für eine neue Generation: Fünfteilige Serie erschienen

Zu C. S. Lewis, Francis Schaeffer, J. I. Packer, Alexander Solschenizyn und G. K. Chesterton habe ich je eine Einführung in Biografie, Werk und Lernfelder geschrieben. Jede Einführung umfasst ca. 10'000 Worte und kann in zwei Stunden gelesen werden.

Christliche Weltsicht: Sechsteilige Serie aus Blogbeiträgen abgeschlossen

Die aus Blogbeiträgen stammende, geordnete und lektorierte Serie umfasst einen Band zur Familie in der Konsumgesellschaft, einen zur Selbstführung, zum Geistlichen Leben, zwei mit jeweils 50 Kolumnen zu konkreten Fragestellungen in Familie, Beruf und Gemeinde sowie einen weiteren zum Variantendenken in 50 Situationen meines Alltags.

Schwerpunkt Theologie der Kultur: Mehrere Bücher in der Pipeline

Vorab zu nennen ist "Drinnen & draussen: Als Christ in einer säkularen Umgebung leben, sie überwinden und Jesus bezeugen". Das Buch habe ich zusammen mit Jonas Erne geschrieben. Es wird 2018 als gedrucktes Buch erscheinen. Fragestellung des Buches: Wie gestaltet der Christ sein Verhältnis zu seinem zwar noch vom Christentum beeinflussten, jedoch stark säkular geprägten Umfeld?

Eben erst aus der Schreibwerkstatt kam "Ich wachte auf und griff zum Smartphone: 52 Impulse zur Charakterführerschaft". Das Ziel der Impulse besteht darin, das Leben durch die Kraft des Evangeliums zu erneuern. Jeder Beitrag steht symbolisch für eine Woche des Jahres als Hilfe zur Veränderung der Smartphone-Gewohnheiten. Als Christen sollten wir nicht Technologie-, sondern Charakterführerschaft übernehmen. Also nicht das neuste Gerät ist die Hauptsache, sondern von Jesus erneuerte Gewohnheiten für den Umgang damit.

Eingereicht bei ceBooks.de sind zudem drei kurze Bücher zu John Piper, Dr. Donald A. Carson & Timothy Keller mit der Perspektive: "Christliche Weltsicht im Diskurs mit der säkularen Gegenwartskultur". Dafür habe ich jeweils ausgewählte Werke der drei führenden Theologen inhaltlich zusammengefasst und ausgewertet.

In der Werkstatt: Die Notwendigkeit einer christlichen Weltanschauung

"Alles, was du über Sex wissen musst". Meine Söhne wachsen heran – in einer durch und durch sexualisierten (Jugend-)Kultur. Es geht darum, die ursprüngliche Absicht von Sexualität zu entdecken und die billige Perversion zu enttarnen – um den göttlichen Schatz zu hüten

"Nur ein Gott für die gesamte Wirklichkeit": In dieser Abhandlung schreibe ich darüber, was es bedeutet, unser Leben und unsere Welt aus einer christlichen Sicht wahrzunehmen. Dafür sehe ich eine dreifache Notwendigkeit: Frommer Anti-Intellektualismus (Innensicht), die Herrschaft der säkularen Elite sowie die Konkurrenz des Islam (Aussensicht).

Interview: Begründet glauben

Stephan Lange, Autor des neu erschienenen Buches "Begründet glauben"  und Blogbetreiber Mitdenkend: Glaube für Auf- und Abgeklärte beantwortete mir freundlicherweise einige Fragen.

Stephan Lange, du bahnst dem Leser einen ernsthaften, unverkrampften Weg, den christlichen Glauben (vielleicht zum ersten Mal) näher in den Blick zu nehmen. Du erwähnst mehrmals, dass du selbst deine Reise als kritischer Betrachter begonnen hast. Wann und warum war bei dir der „Punkt der Gleichgültigkeit“ überschritten?

Danke für die Frage. Wie im Buch beschrieben, wollte ich zunächst wissen, ob man der Frage «Stimmt es, was Christen glauben?» auch mit eingeschaltetem Verstand begegnen kann. Deshalb waren objektive Gründe für mich sehr wichtig. Wenn es die nicht gibt, so dachte ich mir, dann ist es auch Zeitverschwendung, sich mit dem christlichen Glauben näher auseinanderzusetzen. Den ersten «Punkt der Gleichgültigkeit» habe ich wohl dann überschritten, als ich durch viel Lesen und Recherchieren gemerkt habe, dass es sehr wohl vernünftige und ernstzunehmende Argumente für die Existenz Gottes im Allgemeinen und den christlichen Glauben im Speziellen gibt.

Was war der „Turning Point“, der dich zur „Neuformulierung deiner Weltsicht“ (so schreibst du es) brachte?

Mit dem Wissen, gute objektive Gründe für den christlichen Glauben im Handgepäck zu haben, konnte ich es schließlich intellektuell vertreten, einen testweisen Schritt des Vertrauens hin zu Jesus zu wagen. Als ich also testweise mit ihm ins Gespräch kam, bemerkte ich in unterschiedlichen Situationen, dass dort wirklich jemand war, der auf mich und meine Anliegen reagierte. Vielleicht nicht immer in die Geschwindigkeit, in der ich es gerne gehabt hätte und vielleicht auch nicht immer auf die Art und Weise, die ich mir vorgestellt habe, aber trotzdem. Letztendlich brach das Eis, als ich bemerkte, dass sich zu den objektiven Argumenten viele subjektive Gründe für den christlichen Glauben gesellten. Einen ganz konkreten «turning point» hatte ich wohl nicht – es war eher eine Vielzahl von kleineren Tropfen, die bei mir «das Fass zum Überlaufen» gebracht haben.

Welche Hindernisse und Hilfestellungen von Christen erlebtest du auf dieser Reise? Was würdest du einem Christen raten, der einen suchenden Menschen begleitet?

Hindernisse waren vor allem meine glaubenskritischen Freunde, die mir zu erklären versuchten, dass es im 21. Jahrhundert doch reichlich naiv sei, Christ zu sein bzw. zu werden. Gerade in solchen Situationen war ich froh, dass ich gerade dabei war, die intellektuelle Redlichkeit des christlichen Glaubens intensiv abzuklopfen. Hilfestellungen von Christen gab es insbesondere in der Phase meines Lebens, als ich herausfinden wollte, ob es neben den objektiven Gründen für den Glauben auch subjektive gibt: Gerade bei Fragen wie «Wie finde ich heraus, ob Jesus wirklich erfahrbar ist?», «Warum ist Jesus gestorben?», «Warum braucht so jemand wie ich, der doch eigentlich nichts Schlimmes getan hat, Vergebung der Sünden?» waren mir viele Gespräche mit Christen-Freunden eine große Hilfe.

Was würde ich Christen raten, die einen Suchenden begleiten dürfen? Ganz einfach: Jederzeit klarstellen, dass beim christlichen Glaube jede kritische Frage erlaubt und erwünscht ist. Gerade weil ich als Christ ja sage, dass die Wahrheit mich gepachtet hat, brauche ich keine Angst vor schweren Fragen zu haben. Nein, gute Fragen verdienen gute Antworten. Die kann man sich wahrscheinlich nicht immer so locker aus dem Ärmel schütteln, aber man braucht ja auch nicht immer sofort zu antworten. Zumal stärkt es den eigenen Glauben ungemein, wenn man sich einmal selbst mit harten Fragen auseinandersetzt und so seinen Horizont erweitert. Das ist eine sehr gesunde Einstellung, wie ich finde. Und bei allem darf man ganz entspannt bleiben: Letztlich hängt das Schicksal des anderen natürlich nicht von mir und meinem Wissen ab, sondern alleine von Gott.

Welche drei Autoren haben dich bei der Suche am meisten beeinflusst? Weshalb?

Das war zum einen Lee Strobel mit seinen beiden Büchern «Der Fall Jesus» und «Glaube im Kreuzverhör». Strobel, einst selbst strammer Atheist, interviewt in seinen Büchern hochdekorierte Fachleute zu Fragen wie «Warum lässt Gott Leid zu?» oder «Wie historisch glaubwürdig sind die Evangelien eigentlich?» Josh McDowell, der mir vor allem mit seinem brillanten Buch «Die Tatsache der Auferstehung» sehr weitergeholfen hat – und natürlich, wie könnte es anders sein, C.S. Lewis. Von «Pardon, ich bin Christ» bis zum «Dienstanweisungen an einen Unterteufel» habe ich sie alle gelesen. Lewis’ Wortgewalt und Denkvermögen sucht wohl immer noch ihresgleichen.

Wie verbindest du heute deinen Beruf als Lehrer mit deiner Identität als Christ?

Da ich Christ an einer christlichen Privatschule bin, ist das bei mir wahrscheinlich nicht ganz so schwer (lacht). Ich freue mich aber immer wieder, meinen Schülerinnen und Schülern – z.B. im Rahmen einer AG oder eines Projektkurses – deutlich machen zu können, wie großartig die Begründungslage für den christlichen Glauben ist. Es stimmt einfach, dass wir Gott lieben sollen von «ganzem Herzen» und auch «ganzem Verstand».

Welches Projekt verfolgst du als nächstes? Ist wieder ein Buch geplant?

Beim letzten Projekt wurde ich vom Neukirchener Verlag ja angefragt, da hatte ich mir ein Jahr Schreibzeit erbeten, was letztlich auch ganz gut gepasst hat. Ich kann mir durchaus vorstellen, nächstes Jahr ein zweites Buch zu beginnen – grob in die Richtung, wie anders wir Christen mit dem Thema «Krankheit, Leid und Tod» umgehen dürfen. Die Regale sind natürlich voll mit solchen Büchern, von daher will ich erst dann loslegen, wenn ich mir sagen kann: «Okay, das ist wirklich etwas, dass es so noch nicht gibt.» Das ist nicht leicht, aber ich habe nun auch keinen Abgabetermin und somit keinerlei Druck.

Auf jeden Fall will ich aber meinen Blog  zu einem Video-Blog erweitern. Im Laufe der Zeit haben sich dort über 260 kritische Fragen gesammelt, die ich alle versucht habe, nach bestem Wissen und Gewisse zu beantworten. Da ich aber gerade in der Schule immer wieder sehe, wie mächtig und wirksam Portale wie YouTube sind, werde auch ich mich bald einmal unter die «Vlogger» begeben.

Vielen Dank, Stephan, für diese ehrlichen und anschaulichen Antworten!