Systematische Theologie für die Familienandacht (11): Gott existiert aus sich selbst

Ehe die Berge wurden und du die Erde und den Erdkreis hervorbrachtest, ja, von Ewigkeit zu Ewigkeit bist du Gott! Psalm 90,2

Kommt, laßt uns dem Herrn zujubeln und jauchzen dem Fels unsres Heils! Laßt uns ihm begegnen mit Lobgesang und mit Psalmen ihm zujauchzen! Denn der Herr ist ein großer Gott und ein großer König über alle Götter. In seiner Hand sind die Tiefen der Erde, und die Gipfel der Berge gehören ihm. Sein ist das Meer, denn er hat es gemacht, und seine Hände haben das Festland bereitet. Kommt, laßt uns anbeten und uns beugen, laßt uns niederfallen vor dem Herrn, unserem Schöpfer! 7 Denn er ist unser Gott, und wir sind das Volk seiner Weide und die Schafe seiner Hand. Psalm 95,1-7

Manchmal wird gefragt: „Wer hat denn Gott geschaffen?“ Die Antwort darauf lautet: Gott hat niemand geschaffen, er war schon immer. Er steht ausserhalb der Zeit. Dies können wir – wie manches andere auch – mit dem Verstand nur sehr begrenzt nachvollziehen. Weshalb? Weil wir als Geschöpfe von Anfang an in einem abhängigen Zustand geschaffen worden sind. Wir haben uns nicht selbst auf die Welt gestellt. Wir haben auch unser Ende nicht in unserer Hand. Wir altern schnell, unsere Tage und Jahre fliegen vorbei. Die Bibel vergleicht unser Leben mit dem einer Blume: Rasch verblüht. Unser Schöpfer verändert sich jedoch nie. In dieser Beziehung gibt es einen unendlich weiten Abstand zwischen ihm und uns.

Gottes Existenz aus sich selbst ist eine wichtige Grundwahrheit. Paulus erklärte den philosophisch interessierten Bürgern von Athen, dass der Schöpfer nicht mit menschlichen Händen geschaffen worden ist. Ebenso wenig braucht er die Menschen, sondern gibt umgekehrt allem Lebenden den Atem (Apg 17,23-25). Das steht im Gegensatz zu vielen Kulten, die davon ausgehen, dass Gott mit Opfern besänftigt werden muss. Die Theologen brauchen für diese Selbstexistenz von Gott das Wort „Aseität“. Vom Wesen Gottes ist alles auszuschließen, was nicht sein Sein selbst ist. Gott ist die Fülle des Seins, in ihm gibt es, anders als bei uns, keine Seinsunvollkommenheit. Gott braucht nichts (Ps 90,1-4; 102,25-27; Jes 40,28-31; Joh 5,26; Offb 4,10).

Wir Menschen stehen ständig in Gefahr, unsere eigenen Voraussetzungen auf Gott zu übertragen und von unserer Endlichkeit auf seine Unendlichkeit zu schliessen. Das kommt nicht gut heraus. Es ist Sünde, weil wir uns dann einen Gott nach unserem Bild bauen. Das zweite Gebot untersagt dies ausdrücklich. Vor allem denken wir dann viel zu klein von Gott selbst. Es ist wichtig für unsere geistliche Gesundheit, Gott als selbst-existenten Schöpfer zu denken! Die Psalmen sind gefüllt von Beschreibungen über die Grösse Gottes. Darum ist es wichtig sie immer wieder zu lesen, zu beten und zu singen.

Input: 10 Hinweise für das Lesen der Bibel

Gott hat es gefallen, sich durch ein Buch zu offenbaren und alles mitzuteilen, was für das Leben mit ihm notwendig ist.

  1. Richte dir eine täglich Gewohnheit ein. Rechne damit, dass du dafür drei bis sechs Monate benötigst.
  2. Bitte den dreieinigen Gott, dass er dir die Augen öffnet, damit du seine Worte verstehst.
  3. Teile dir die Bibel in verdaubare Portionen ein. Lies die gesamte Bibel durch. Plane so, dass du Texte auch zwei-, dreimal hintereinander und an zwei Tagen lesen kannst.
  4. Überlege dir zuerst, was du im Text über Gott – seinen Charakter und seine Handlungen – lernst.
  5. Die ganze Bibel hat Christus zum Zentrum. Wie weist der gelesene Abschnitt auf IHN hin?
  6. Was zeigt der Text über das Elend der Sünde? Wie ermutigt er über das Leben in der Nachfolge?
  7. Lies den Text betend. Lies einzelne Passagen laut. Lass dir den Text von einem Hörbuch vorlesen.
  8. Halte Erkenntnisse in einem Tagebuch fest (oder auch elektronisch).
  9. Überlege dir, wem du vom Gelesenen erzählen kannst (Familie, Gemeinde, Ausbildung, Arbeit, Nachbarn).
  10. Halte Flauten durch. Wenn du aufgehört hast zu lesen, dann fange wieder an!

Kolumne: 10 Wege, den Jüngsten nicht zum verwöhnten Nesthäkchen werden zu lassen

Ich beobachte sehr gerne, wie sich erwachsene Jüngste (mit mehreren Geschwistern) im öffentlichen und privaten Raum bewegen. Auf die Gefahr hin, dass ich hier einer Verallgemeinerung bezichtigt werde, stelle ich fest: Sie sind wortgewandt und stellen sich gerne in den Mittelpunkt. Sie sind es sich gewohnt, beachtet und umsorgt zu werden. Nur ungerne sind sie alleine. Sie tun sich gerne mit verantwortungsbewussten Ältesten zusammen. Sie wurden von klein auf von den älteren Geschwistern umsorgt. Manche Unannehmlichkeit wurde ihnen von den Schultern genommen. Klar, sie mussten auch „unten durch“. Die Interessen der Älteren waren oft andere, ebenso die Tischgespräche und das Tempo beim Unterwegssein. Im (christlichen) Gemeindekontext konnte es schon mal vorkommen, dass die Jüngsten einfach mitgeschleppt wurden. Sie langweilten sich, aber es interessierte niemanden. So hängten sie zuerst innerlich und später äusserlich ab. Schulisch hatten die älteren Geschwister schon alle Wege vorgebahnt. Also war es dem Jüngsten überlassen, sich seine eigene „Laufbahn“ zu zimmern.

Dies sind vorsorgende Überlegungen von uns Eltern bezüglich unseres Jüngsten:

  1. Wir nehmen es sehr ernst, wenn ihn etwas langweilt.
  2. Wenn die Geschwister sich beklagen, dass wir weniger konsequent seien, überdenken wir dies ebenfalls und reagieren darauf.
  3. Wir fordern ein, dass er sein „Ämtchen“ gewissenhaft ausführt.
  4. Wir achten uns darauf, dass seine Beiträge nicht übergangen oder belächelt werden.
  5. Wir bemühen uns, ihm die gleiche Unterstützung wie den Geschwistern zukommen zu lassen (z. B. den Einstieg in ein neues Fach oder in den Musikunterricht).
  6. Wir beten speziell für ihn als Jüngsten.
  7. Wir schreiten ein, wenn andere ihn zu stark „beklatschen“ (Jö-Effekt).
  8. Wir achten uns darauf, dass er immer wieder mal Dinge unternehmen kann, die nur ihn betreffen.
  9. Wir beginnen mit ihm in der biblischen Unterweisung wieder von vorne.
  10. Wir setzen die Geschwister in Verantwortung, ihm gewisse Fähigkeiten beizubringen.

Gott hat die jüngsten Kinder bewusst als jüngste geplant und in eine Familie gestellt. Durch ihre Rolle entwickeln und trainieren sie Fähigkeiten, die den älteren Geschwistern abgehen. Nicht selten sind jüngste Geschwister auch beruflich erfolgreich. Es wäre schade, wenn sie charakterlich oder inhaltlich vernachlässigt werden!

20 Zitate aus … Leland Rykens Packer-Biografie (2)

Leland Ryken. J. I. Packer: An Evangelical Life. Wheaton: Crossway, 2015. 434 Seiten. 20 Euro (Kindle-Version.)

Hier geht es zum ersten Teil.

Zur Person:

  1. Much of Packer’s investment of time and ability has been behind the scenes. (180-81)

  2. (W)e can say that J. I. Packer came from humble roots. (244-45)

  3. (T)o this day, Packer types his books and correspondence on a typewriter instead of a computer. (337-38)

  4. (H)e became “a Dostoyevsky addict,” much impressed by how the Russian novelist “takes the skin off his characters and allows us to see what they are like.”

  5. To this day, I can see the seventy-year-old Packer in the first wave of walkers, setting a lively pace and conversing the entire way. (597-98)

  6. (He read the) two-volume biography of Whitefield. He later called his reading of this biography a milestone in his spiritual development. (670-71)

  7. (H)e is not a person who characteristically has only one option. (1056)

  8. “Kit possessed all those qualities that [Packer], in his bookish way, seemed to lack. She was practical, relational, lively, and independent.” (1245-1246)

  9. Packer’s desire to answer students’ questions in such a way as to reveal the process by which answers evolved rather than giving them only the product of his thinking. (1360-61)

  10. Stott and his followers stressed pietistic community based on experience, while Packer stressed the importance of thinking in the parish. (1774)

  11. (Beispiel einer ac hoc Antwort) “Are we in agreement as to what Schleiermacher said?” Packer proceeded to give his questioner a brief tutorial on Schleiermacher, replete with references to specific pages in Schleiermacher, after which he developed the thesis that “Schleiermacher was wrong, for the following eight reasons.” (2089-91)

  12. (He was a) “big-minded” in his Reformed theology and a “courteous listener” to students who expressed their viewpoints in the classroom. (2109-10)

  13. (Mitarbeit bei Christianity Today) Packer continued to critique every issue, and eventually did so without payment. (2690)

  14. Packer “has good journalistic sense and is a great collaborator.” (2693)

  15. When I asked Packer if he believes that he has experienced a lot of adversity, his reply was, “To be honest, no.” (2849-50)

  16. When I asked him whether he ever regretted leaving the parish ministry, he replied, “No, because I have had such a strong sense of calling in regard to my academic life.” (3125-26)

  17. When he reads “a detective story for five or ten minutes,” he knows that it “is of no great importance and it pushes out of my mind all these anxious cares.” (3210-11)

  18. Packer does most of his writing at home, on a typewriter, early in the day. (3351)

  19. It is not surprising that Packer emerged as an advocate of catechesis, because the format of asking and answering questions has long been a favorite rhetorical strategy for him. (3409-11)

  20. “From student days I have known that I was called to be a pastor according to Baxter’s specifications.” (4344)

  21. Packer has made his reputation partly through being an indefatigable speaker right from the beginning of his scholarly career. (4628-29)

  22. “Weigh the loss before you go.” People leaving Anglicanism would lose “a heritage.” In Packer’s view, “the loss would far outweigh the gain.” (5190-91)

  23. “I am an adult catechist; it was quite a discovery.” (5806)

Systematische Theologie für die Familienandacht (10): Gottes Name

Gott sprach zu Mose: »Ich bin, der ich bin!« Und er sprach: So sollst du zu den Kindern Israels sagen: »Ich bin«, der hat mich zu euch gesandt. Und weiter sprach Gott zu Mose: So sollst du zu den Kindern Israels sagen: Der Herr, der Gott eurer Väter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs, hat mich zu euch gesandt; das ist mein Name ewiglich, ja, das ist der Name, mit dem ihr an mich gedenken sollt von Geschlecht zu Geschlecht. (2. Mose 3,14-15)

Manchmal frage ich frisch gebackene Eltern, weshalb sie ihrem Kind gerade diesen Namen gegeben haben. Erstaunt antworten sie: „Wegen dem schönen Klang.“ „Der Name gefiel uns einfach.“ Es geht also mehr um eine persönliche Vorliebe und um die Klangästhetik. In biblischen Zeiten war das komplett anders. Namen gaben darüber Auskunft, was eine Person ausmachte. Im Alten Testament wird Gott dafür gepriesen, dass er seinem Volk seinen Namen kundgetan hatte (z. B. Ps 8,2 „wie herrlich ist dein Name…“).

Als Gott sich Mose in der Wüste am Dornbusch offenbarte, fragte Mose, mit welchem Namen er ihn dem Volk Israel vorstellen sollte. Gott beginnt damit, dass er derjenige ist, der sich den Patriarchen Abraham, Isaak und Jakob in einem Bund verpflichtet hatte (1. Mose 17,1-14). Dieser antwortete: „Ich bin, der ich bin“ oder „Ich werde sein, der ich sein werde“, kurz „Ich bin“, Jahwe. Dieser Name verkündigt seine ewige, selbst erhaltende, selbst bestimmende, souveräne Realität. Das sichtbare Zeichen dafür war der brennende Busch, der nicht verbrannte. Er würde immer der lebendige, mächtige, uneingeschränkt Regierende sein.

Später in der Wüste fragte Mose nochmals an, ob er Gottes Herrlichkeit sehen dürfte. Gott antwortete mit der doppelten Beschreibung seines moralischen Charakters. Er stellte sich als der liebend-heilige Gott vor, vorab mit der Doppelnennung Jahwes. „Der Herr, der Herr, der starke Gott, der barmherzig und gnädig ist, langsam zum Zorn und von großer Gnade und Treue; der Tausenden Gnade bewahrt und Schuld, Übertretung und Sünde vergibt, aber keineswegs ungestraft läßt, sondern die Schuld der Väter heimsucht an den Kindern und Kindeskindern bis in das dritte und vierte Glied!“ (2. Mose 34,6-7) Dieser Name wird an anderen Stellen in der Geschichte Israels wieder aufgegriffen (Neh 9,17; Ps 86,16; Joel 2,13; Joh 4,2).

Etwas später fügte Gott hinzu, dass sein Name „der Eifersüchtige“ sei (2. Mose 34,14). Das drückt er auch im zweiten Gebot am Sinai aus, ebenfalls in Verbindung mit seinem Charakter als heilig-liebender Gott: „Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott, der die Schuld der Väter heimsucht an den Kindern bis in das dritte und vierte Glied derer, die mich hassen, der aber Gnade erweist an vielen Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.“ (2. Mose 20,5-6) Gott hatte sich seinem Volk in einem Bund verpflichtet. Sein Anspruch war vollständige Loyalität. Sein Volk sollte nur ihn ehren und ihm exklusiv dienen.

Im Neuen Testament offenbarte sich Gott durch Jesus, den Mensch gewordenen Sohn. „Wer mich gesehen hat, der hat den Vater gesehen.“ (Joh 14,9) Das Gebet, das Jesus seine Jünger lehrte, beginnt mit den Worten: „Geheiligt werde dein Name.“ (Mt 6,9) Jesus selbst stellte sich übrigens als der „Ich bin“ vor. An sieben Stellen wird dies von Johannes erwähnt (Brot des Lebens, 6,35; Licht der Welt, 8,12; Tür der Schafe, 10,7; der gute Hirte, 10,11; die Auferstehung und das Leben, 11,25; der Weg, die Wahrheit und das Leben, 14,6; der wahre Weinstock, 15,5).

Buchbesprechung: Israelischer Befreiungskrieg und Sechstagekrieg

Ich bin begeisterter Leser von Geschichtsbüchern. Diese Begeisterung scheine ich der nächsten Generation weitergegeben zu haben. Vor wenigen Wochen las ich zwei Bücher über den israelischen Befreiungskrieg nach der Staatsgründung (1948) sowie über den Sechstagekrieg (1967). Dabei war ich mir sehr wohl bewusst, dass sich in den letzten Jahren unter evangelikalen Christen die Wahrnehmung des israelisch-palästinensischen Konflikts verschoben hat (siehe z. B. "The End of Evangelical Support for Israel?"). Gary M. Burge fasst die Lage so zusammen:

(Y)ounger evangelicals who see social justice as an integral part of their discipleship now see the moral ambiguity of this conflict. While once evangelicals gave exclusive support to Israel, today that support is balanced in that younger evangelicals have sympathies with both sides in this struggle and are rejecting the unilateral commitments held by an older generation.

Zu beiden Büchern habe ich auf Amazon kurze Rezensionen verfasst, auf die ich verweise.

Minuziöse Erzählung über die Staatsgründung Israels jenseits heutiger Political Correctness

Larry Collins. Dominique Lapierre. Oh Jerusalem. Goldmann, 1984. Antiquarisch.

Mein 9-jähriger Sohn, eine Leseratte, machte sich vor einigen Wochen an eine fünfbändige Saga, in der die Geschichte von Israels Staatsgründung in den Jahren 1947/48 beschrieben wird. Er kam zu mir und meinte etwas enttäuscht: "Diese Bücher sind etwas kitschig. Die Männer verlieren immer, und die Frauen sind die Helden." Er wünsche sich ein Buch über die Geschichte der Staatsgründung Israels.

Kurz zu meinem weltanschaulichem Hintergrund: Als gläubiger Christ gehe ich davon aus, dass der persönliche Gott, der jeden Menschen schafft, die Geschicke der gesamten Geschichte lenkt. Dies gilt nicht nur für die grossen Zusammenhänge und Verschiebungen, sondern betrifft auch die kleinsten Details im Alltag eines einzelnen Menschen. Familie, Geburtsort, Land, Zeit und Umstände sind von Gott für einen Menschen vorgesehen. In der Bibel bezeugt dieser Gott auch, dass er den einzelnen Völkern ihre Grenze zugeteilt habe.

Jeder Blick auf geschichtliche Ereignisse ist von Vorannahmen begleitet. Wir müssen gewisse Ereignisse herausfiltern und sie in einen interpretierenden Zusammenhang stellen. So ist es heute aus der Sicht mancher Westler nicht mehr statthaft, eine Pro-Israel-Perspektive einzunehmen. Das Leid und die Unterdrückung, das die palästinensischen Araber in den letzten Jahren gegenüber dem hochgerüsteten, überlegenen Nachbarn Israel erdulden musste, habe im Vordergrund zu stehen. Diesem Diktat der öffentlichen Meinung beuge ich mich nicht.

Sechs-Tage-Krieg: Eine Aufarbeitung mit neuem Quellenmaterial aller direkt und indirekt Beteiligten

Michael Oren. Six Days of War. Rosetta Books, 2010. 9 Euro (Kindle-Version).

30 Jahre nach dem entscheidenden Krieg im Nahen Osten machte sich der israelische Historiker und spätere Botschafter Israels in den Vereinigten Staaten (2009-2013) daran, den Konflikt mit einer Rundum-Perspektive und dem Vorteil eines gewissen zeitlichen Abstands aufzuarbeiten. Nicht dass es vorher an Darstellungen und Dokumentationen gefehlt hätte – im Gegenteil. Befehlsausgaben der kriegsführenden Länder sowie der Rückgriff auf amerikanische, russische, europäische und arabische Quellen (Befehlsausgaben, Berichte, Interviews, Zeitungsberichte, Memoiren etc.) sollen für eine ausgewogene Darstellung sorgen. Ich war erst etwas skeptisch, ob dies einem Israeli, der zudem noch als Politiker aktiv ist, gelingen sollte. Dieser nimmt für sich in Anspruch, seine Vorurteile und seinen Standpunkt in den Hintergrund stellen zu können. Tatsächlich wird in den Darstellungen stets reihum auf die verschiedenen Positionen, Perspektiven und Ausgangslagen Bezug genommen. Trotz allem ging es nicht lange (das mag an meinem eigenen Standpunkt liegen), dass ich Partei für die israelische Seite einnahm.

Für die israelische Seite gelingt es Oren sehr gut, die ständige Ambivalenz des Volkes herauszuarbeiten: Auf der einen Seite bestand die ständige Angst vor der Vernichtung. Diese war gekoppelt mit dem Anspruch auf Unbesiegbarkeit. Oren nennt schon am Anfang sein Mitgefühl für die ungeschickten Entscheide der ägyptischen Führer. Dies führt zur zweiten These: Der Krieg wäre u. U. zu vermeiden gewesen. Falschinformationen, Drohgebärden, aber auch die Wortbrüchigkeit der arabischen Verbündeten liessen den Druck ins Unermessliche steigen und die Eskalation beschleunigen. Die penetrante arabische Propaganda, die den Tatsachen direkt widersprach, wurde auf den Strassen nur zu gern aufgenommen. Motive, Chancen und Gefahren, die Willkür vieler Akteure und nicht zuletzt der Einfluss der beiden Supermächte USA und SU liessen die Lage schwer überschaubar werden.

Systematische Theologie für die Familienandacht (9): Gott, der Schöpfer

Dem Herrn gehört die Erde und was sie erfüllt, der Erdkreis und seine Bewohner; denn Er hat ihn gegründet… Psalm 24,1-2

Herr, wie sind deine Werke so viele! Du hast sie alle in Weisheit gemacht, und die Erde ist erfüllt von deinem Besitz. Psalm 104,24

Nachdem wir uns in den ersten Abschnitten überlegt haben, wie wir überhaupt etwas von Gott in Erfahrung bringen können, wenden wir jetzt ihm selbst zu. Die gesamte Theologie, wie es der Name schon sagt, dreht sich ja um ihn selbst. Deshalb ist die Beschäftigung damit, wie sich Gott in der Bibel offenbart hat, das erste grosse Hauptstück.

 „Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde.“ Mit diesen Worten beginnt die Bibel. Gott schuf aus dem Nichts heraus, ohne bestehendes Material. Das Wort für „schaffen“ wird im Alten Testament nur für ihn selbst verwendet. Er rief die Schöpfung ins Dasein (Psalm 33,6; 148,5; Joh 1,1-3; Kol 1,15-16; Hebr 1,2; 11,3). Sie hängt von seinem Willen ab. Es gibt einige Aspekte, die aus dieser Tatsache hervorgehen:

  • Gott ist unterschieden von seiner Schöpfung. Er steht ausserhalb von ihr und wirkt gleichzeitig in sie hinein. Das steht im Widerspruch zu vielen Menschen, die glauben, dass sie ein Teil Gottes darstellen.
  • Der Akt der Schöpfung bleibt für uns ein Geheimnis. Wir können nicht auf dieselbe Art und Weise schaffen. Wir sind von Material und zum grössten Teil von Ideen anderer abhängig.
  • Zeit und Raum sind Teil der geschaffenen Ordnung. Die Ewigkeit steht ausserhalb dieser Kategorien und ist für uns ebenfalls nicht fassbar.
  • Die Schöpfung ist nicht nur punktuell von Gott ins Dasein gerufen und nachher sich selbst überlassen worden. Nein, Gott selbst erhält sie jeden Moment (Kol 1,17; Hebr 1,3). Deshalb kann Paulus sagen: „In ihm leben und weben und sind wir.“ (Apg 17,28)
  • Wenn Gott der Urheber allen Geschaffenen ist, dann darf es uns auch nicht überraschen, dass er schaffend in diese Schöpfung eingreift: Durch Wunder, wovon die zwei grössten die Schaffung neuer Menschen und die Wiedergeburt geistlich toter Menschen sind.

Zu realisieren, dass die Erde und wir Menschen ihm gehören, hat eine enorme Auswirkung auf unser Leben. Wir Menschen sind zu seiner Ehre geschaffen und nicht wegen uns selbst (Röm 11,36; Offb 4,11). Das bedeutet, dass unser Lebenszweck darin besteht ihn in Worten und Taten zu loben. Wir tun das, wenn wir beten. Gebet, so sagt es der Heidelberger Katechismus, ist die vornehmste Übung der Dankbarkeit. Wir bringen das auch zum Ausdruck, wenn wir sein Wort lesen und darüber singen. Umgekehrt heisst das aber auch: Jeder Mensch, der dies nicht anerkennt, hat ein grundsätzliches Problem.

Publikation: Wenn Vater und Sohn zusammen lernen

Wenn Vater und Sohn zusammen lernenEin weiteres eBook "Wenn Vater und Sohn zusammen lernen" mit Tagebuchbeiträgen ist erschienen. Sie sind während eines Jahres entstanden, in dem ich jeden Montag zusammen mit meinen beiden ältesten Söhnen lernte. Im Vorwort schrieb ich:

Meine Frau und ich erziehen unsere fünf Jungen privat. Die Söhne werden älter. Die Muttre hat die schulischen Grundlagen gelegt. Jetzt ist der Vater vermehrt gefordert und ich nahm diese Aufgabe an. In dieser Zeit des gemeinsamen Lernens und Lehrens ist dieses eBook entstanden.

Zuerst folgen drei Rubriken, in denen Rolle, Beziehung und eigene Erwartungen reflektiert werden: • Planung • Lektionen in der Charakterentwicklung • Lektionen für mich als Lehrenden

Im zweiten Teil gibt es drei weitere inhaltliche Abschnitte: • Lesekompetenz entwickeln • Mathematik mündlich und schriftlich • Ein Experiment: Grundlagen Latein legen

Ich bin der Meinung, dass diese Beiträge nicht nur für Eltern, die ihre Kinder privat unterrichten, geeignet sind. Auch wer den inhaltlichen Teil an die öffentliche Schule delegiert, bleibt in der Verantwortung und nimmt zahlreiche unterstützende Aufgaben wahr.

Ein Beispiel: Wer ist für den Lernerfolg verantwortlich?

Jeden Tag bekomme ich einige unverfängliche Einladungen. Die Kinder wollen mich für ihren Lernerfolg belangen. Es ist bequem sich ziehen zu lassen. Papa gibt den Takt vor, Papa stoppt die Zeit, Papa hakt nach, Papa mahnt, Papa ermutigt. Ja, dies sind alles wichtige Aufgaben, denen ich mich verpflichtet weiss. Aber: Ich bin nicht zuerst für den Lernerfolg meines Sohnes zuständig. Wenn ich innerlich diese Aufgabe zu meiner Aufgabe mache, bringe ich meinen Sohn um ein wichtiges Lernfeld – nämlich zu lernen für sein Handeln Verantwortung zu übernehmen.

Am frühen Morgen schon beginnt es. Es ist wohlig im warmen Bett. Papa wird schon nochmals rufen. Der Geschirrspüler sollte noch eingeräumt werden. In fünf Minuten gibt es Frühstück. Vor dem Essen wird eben noch der Geschirrspüler eingeräumt. Nach dem Frühstück kein Trödeln, sondern Zähneputzen. Und dann die nächste Möglichkeit die eigene Verantwortung zu delegieren: Was mache ich jetzt? Genau: „Ihr geht an die Tafel und schreibt euer Tagesprogramm auf.“ Ich bespreche das Notierte und bitte um Priorisierung.

Wie viele ähnliche Situationen habe ich schon beobachtet. Mütter und Väter nehmen sich selbst in die Pflicht. Hausaufgaben sind ihre Aufgaben. Das Weiterkommen scheint ihre ureigene Angelegenheit zu sein. Die Psychologie spricht von (ungesunder) Symbiose. Moment, ich werde gerade unterbrochen: „Papa, könntest du noch…?“

Vortrag: Wer sagt mir, was ich wollen soll?

Vortrag am Pfingstjugendtreffen Aidlingen, 15. Mai 2016

Gott – mächtiger Player auf der Privatbühne meines Lebens?

Der Like-Button ist Markenzeichen der sozialen Netze. Dann kann es doch kein Wunder sein, dass wir diese Erwartungshaltung auch und gerade auf unser Leben mit Gott übertragen. Ich bewege mich in meinem Kosmos. Ich bin der Hauptdarsteller auf der Bühne meines Lebens. Gott ist ein zugegeben mächtiger Player auf dieser Bühne, der dafür zu sorgen hat, dass es mir gut geht. Er soll mir ab und zu eine Privatvorstellung geben. Es findet eigentlich eine Umkehrung statt: Ich schreibe ihm vor, wie er wollen soll.

Wer sagt mir, was ich wollen soll? Drei Schritte zur Klärung

  • Zwei Hindernisse, die unser Wollen betreffen
  • Zwei Voraussetzungen, um diese Hindernisse beseitigen
  • Drei Beispiele, wie wir wollen sollen

Zwei Hindernisse unseres Wollens

Hindernis #1: Das Zepter trägt ein anderer.

Gott hat uns gemacht. Wir sind für ihn da. Er hält das Zepter in der Hand. Er lässt sich auf keinen Fall manipulieren.

Hindernis #2: Ich will aber nicht.

Wir wollen von uns aus gar nicht so leben, wie er will. Das ist unser Grundproblem.

Zwei Voraussetzungen, um zu wollen

Voraussetzung #1 Eingeständnis: Wir können von uns aus nicht wollen.

Was gibt es Elenderes als ein Elender, der sein Elend nicht sieht? (Augustinus)

Der Heilige Geist überführt einen Menschen von seinem Elend.

Voraussetzung #2 Das neue Leben: Sollen kann zum Wollen werden

Wenn der Heilige Geist "in eine andere Richtung drängt", erwachen wir aus dem geistlichen Tod und erleben eine neue Geburt.

Wir sind mit Jesus gestorben, begraben und auferstanden. Wir sind wie Tote, die ins Leben zurückkommen.

Er schreibt uns also kein Sollen vor, ohne das Wollen mitzugeben. Er schenkt uns zuerst den Willen und dann das Verlangen diesen Willen zu tun.

Drei Beispiele: Was Gott will

Wer meint, Christus befreie uns von seiner eigenen Ordnung, irrt sich gründlich. "Wer mich liebt, wird meine Gebote halten."

Heilig leben heisst unser Leben in allen Bereichen an seine Ordnung anzugleichen.

Lebensbereich #1: Geld

Durch Geldliebe entsteht eine Vielzahl an schädlichen Folgewirkungen.

Lebensbereich #2: Sex

Pornografie: Wir leben jeden Moment vor dem Einen Zuschauer. Der Schmutz beeinflusst unsere Freude an Gott und seinen Geboten, aber auch unsere Freude und Erfüllung in einer Ehe oder als Single massgeblich. Wie ein Ölfilm breitet er sich über unser Inneres aus und hinterlässt Langzeitschäden. Eine der gravierendsten Folge ist die Weitergabe solcher Lebensgewohnheiten an die nächste Generation! Auch und gerade, wenn du dein Treiben niemanden wissen lässt.

Lebensbereich #3: Leid

In unserer westlichen Wohlstandsgesellschaft hat sich zunehmend die Mentalität durchgesetzt, dass wir eine schmerz- und sorgenfreie Existenz verdienen.

Die Geschichte der christlichen Kirche von Beginn bis in die Gegenwart zeigt, dass sein Evangelium durch leidvolle Erfahrungen ausgebreitet wird.

Spassbremse oder Freudenkiller

Wer den Spass sammeln muss, wird davon nicht satt.

Es ist das Schönste mit einem Menschen zusammen zu sein, der von Gott gesättigt ist.

Was soll auf meinem Grabstein stehen? Er hat nach dem Willen Gottes gelebt und gestorben (Apg 13,36). Das ist das Wesentliche.

Buchempfehlungen

Input: Der Triumph des Therapeutischen

Angestossen von Philip Rieff. The Triumph of the Therapeutic. The University of Chicago Press: Chicago/London, 1987 (Neuauflage von 1966).

Die Therapeuten sind die Priester der Religion des Selbst. Rieff schrieb dies vor 50 Jahren. Heute hat diese Kultur auch im frommen Lager voll durchgeschlagen:

Das Ideal

Ich bin Autor und Gestalter auf der privaten Bühne meines Lebens. Dort soll mir eine lebenslange, möglichst ungestörte, sorgenfreie und natürlich unterhaltsame Dauervorstellung geboten werden.

Was steht schief?

Alles, was diese Erfüllung stört, muss beseitigt werden.
Eine Spezialkategorie dieser Störung stellen diejenigen dar, die behaupten, es gebe eine absolute Wahrheit. Im christlichen Bereich sind es die Verfechter von Dogmen.

Wie können die Probleme beseitigt werden?

Entdecke und durchforste dein Inneres. Führe dir vor Augen, wie genial du bist.
Wenn du zu deiner inneren Stimmigkeit zurückgefunden hast, dann feiere dies. Lasse das Eigene triumphieren!

Was ist das schlimmste Vergehen?

Sich selbst untreu zu sein und
andere zu stören und sie dadurch zu verletzen.

Warum gibt es andere Menschen?

Sie sind Erfüllungsgehilfen meiner eigenen Bedürfnisse.
Falls ich dies willentlich eingehe, können sie auch Nutzniesser meiner Anstrengungen sein. Der Lohn dafür ist das Geliebtwerden.

Wer ist Gott und wer sind seine Priester?

Das Ich ist die oberste Instanz. Es geht um mich.
Berater und Therapeuten übernehmen streckenweise (bei Verunsicherung innerhalb dieser Grundorientierung) die Funktion des Sorgers.

Welche Funktion hat Leid?

Es erzeugt Druck zur Veränderung und setzt Energie frei, die Störfaktoren zu beseitigen.
Leid funktioniert als Katalysator.

Wie wird diese therapeutische Religion finanziert?

Durch Zeit, die zulasten der Erwerbsarbeit geht;
falls das private Einkommen nicht ausreicht, springt der Staat als Ersatz ein.

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