Buchbesprechung: Überrascht von Freude

Clive Staple Lewis. Überrascht von Freude. Brunnen: Giessen/Basel, 2014 (6. Auflage). 304 Seiten. Euro 9,99 (Kindle-Version Euro 7,99).

Ich bin nicht der erste, der zu diesem Buch schreibt und den Fokus gewählt hat, die Spur der Freude in C. S. Lewis‘ autobiografischer Schilderung zu verfolgen. Es geht im Buch „Überrascht von Freude“, wie er selbst bemerkt, nicht um eine lückenlose Schilderung seines Lebens, sondern um seinen Weg vom Atheisten zum Christen (9). Natürlich freute es mich zu lesen, dass Lewis in seinen frühen Jahren zu Hause unterrichtet wurde oder später als Vorbereitung auf die Universität ein One-to-one-Tutoring geniessen durfte. Ebenso litt ich, wenn Lewis seine Erfahrungen mit einem tyrannischen Lehrer an der Privatschule (33-55) teilte oder von pädophilen Spielen hinter den College-Kulissen berichtet (108ff). Ich nahm mir die Schilderungen über seinen Vater zu Herzen (siehe „Väter, achtet auf eure Worte!“ und „Väter, hört ihr euren Kindern wirklich zu?“). Staunend genoss ich die Schilderung der Bekehrung (255ff). „Ich sage ‚Ich entschied mich‘, doch es schien eigentlich gar nicht möglich zu sein, das Gegenteil zu tun.“ (269)

Ich habe die Stellen zusammengesucht, in der Lewis von der „Spur der Freude“ berichtet, die sein Leben von klein auf durchzogen hatte. Es geht um Signale in der natürlichen Realität, die über diese Realität hinausweisen (wie dies Os Guinness in seinem Buch  „Time for Truth“, Baker: Grand Rapids, 2001, S. 102, schreibt).  Es handelt sich also um mehr als blosse Imagination, nämlich um das, was der französische Universalgelehrte Blaise Pascal als Sehnsucht des Menschen nach dem verlorenen Paradies beschrieben hat.

Die drei ersten Erlebnisse

Eine Empfindung der ‚gewaltigen Seligkeit‘, gleich wieder entglitten

Es ist schwer, Worte zu finden, die stark genug wären, um die Empfindung zu beschreiben, die über mich kam; nahe kommt der Sache vielleicht Milton mit seiner ‚gewaltigen Seligkeit‘ des Paradieses. Natürlich war es ein Gefühl der Sehnsucht; aber Sehnsucht wonach? Gewiss nicht nach einer Keksdose voller Moos, nicht einmal (obwohl das dabei mitspielte) nach meiner eigenen Vergangenheit. ‚Ach, ich ersehne zu viel‘ – und bevor ich wusste, was ich ersehnte, war die Sehnsucht selbst verschwunden, der Blick durch den Schleier vorbei, und die Welt wurde wieder alltäglich, leise bewegt vielleicht nur durch ein Sehnen nach der eben entglittenen Sehnsucht. Es hatte nur einen Augenblick gedauert; doch in einem gewissen Sinn war alles andere, was mir je widerfahren war, im Vergleich dazu belanglos.

Eine Überraschung aus einer anderen Dimension

Zum zweiten Mal lüftete sich der Schleier durch Squirrel Nutkin, und nur durch dieses Buch… Und man griff immer wieder nach dem Buch, nicht um die Sehnsucht zu befriedigen…, sondern um sie von neuem zu erwecken. Auch in diesem Erlebnis schwang dieselbe Überraschung und dieselbe unvorhersehbare Bedeutsamkeit mit. Es war etwas ganz anderes als das gewöhnliche Leben und selbst die gewöhnliche Freude; wie man heute sagen würde, etwas ‚aus einer anderen Dimension‘.

Der Blick durch den Schleier

Der dritte Blick durch den Schleier kam durch die Dichtung. …sofort wurde ich in die riesigen Weiten des nördlichen Himmels entrückt und ersehnte mit quälender Intensität etwas, das ich niemals hätte beschreiben können (ausser als etwas, das kalt, weiträumig, streng, blass und fern war); und dann fand ich mich, wie in den anderen Fällen, im selben Augenblick schon wieder dieser Sehnsucht beraubt und wünschte mir, sie wieder zu spüren. (26-27)

Eine Definition der Freude: Von Glück und Vergnügen scharf unterschieden

Es ist ein unerfülltes Begehren, das an sich schon begehrenswerter ist als jede andere Erfüllung. Ich nenne sie Freude, und das ist hier ein spezieller Begriff, der sowohl von ‚Glück‘ als auch von ‘Vergnügen’ scharf unterschieden werden muss. Freude (in meinem Sinne) hat in der Tat ein und nur ein Merkmal mit diesen beiden gemeinsam, nämlich die Tatsache, dass jeder, der sie erlebt hat, sie wieder erleben möchte. … Ich bezweifle, dass irgend jemand, der die Freude je geschmeckt hat, sie gegen alle Vergnügungen der Welt eintauschen würde, wenn er über beides verfügen könnte. Freilich können wir über die Freude niemals verfügen, über das Vergnügen dagegen oft. (28)

Für Jahre entschwunden

Für viele Jahre war die Freude (so, wie ich sie definiert habe) nicht nur abwesend, sondern gar vergessen. (47)

Über dem Lesen eines Buches gelangte Lewis als Jugendlicher unversehens in die Vergangenheit zurück, und zwar so heftig,

dass es mir fast das Herz brach, die Erinnerung an die Freude selbst, das Wissen, das ich einmal besessen hatte, das mir nun schon seit Jahren fehlte, dass ich nun endlich aus meinem Wüstenexil in mein eigenes Land zurückkehrte. Die Ferne der Götterdämmerung (aus dem Buch) und die Ferne meiner eigenen vergangenen Freude, beide unerreichbar, flossen zusammen zu einem einzigen, unerträglichen Gefühl der Sehnsucht und des Verlustes. Und schon wurde es eins mit dem Verlust des ganzen Erlebnisses, das, als ich mich nun wie ein Mann, der aus der Bewusstlosigkeit aufwacht, in jedem staubigen Klassenzimmer umschaute, schon wieder verschwunden, mir entglitten war, kaum dass ich sagen konnte ‚Es ist‘. (91-92)

Bücher als Medium der echten Freude

Bücher vermittelten Lewis den Blick durch den Schleier.

Alle Freude erinnert an etwas. Sie ist niemals ein Besitz, sondern immer ein Verlangen nach etwas, das länger zurückliegt oder weiter entfernt ist oder erst noch geschehen muss. (96)

Aus Büchern

empfing ich immer und immer wieder den Stich der Freude. Noch bemerkte ich nicht, dass er ganz allmählich seltener wurde. (97)

Es bildeten sich zwei Lebenswelten heraus, das imaginative und das äussere. Mit dem imaginativen meint Lewis „ausschliesslich mein Leben im Zusammenhang mit der Freude“ (98).

Die beiden Leben scheinen sich gegenseitig überhaupt nicht zu beeinflussen. Herrscht im einen eine hungrige Wüstenei und ein Darben nach der Freude, kann das andere voller fröhlicher Geschäftigkeit und Erfolg sein; ist umgekehrt das äussere Leben unglücklich, kann das andere vor Ekstase übersprudeln. (97)

Die Freundschaft mit Arthur

Sein Freund Arthur lag krank im Bett. Lewis besuchte ihn und erlebte Momente der Gemeinschaft durch das Erleben der Freude.

Im nächsten Augenblick war das Buch in unseren Händen und wir steckten die Köpfe zusammen, zeigten, zitierten, redeten – schrien beinahe – und entdeckten in einem Schwall von Fragen, dass wir nicht nur dasselbe liebten, sondern auch dieselben Teile darin und auf dieselbe Weise; dass wir beide den Stich der Freude kannten… (159)

Der Zeitpunkt des grössten Wissens und der geringsten Freude

Lewis befand sich an einem Punkt, an dem sämtliche Herrlichkeit entschwunden war. Plötzlich tauchte die Erinnerung wieder auf.

Achten Sie darauf, wie blind ich war. Gerade in diesem Moment stieg in mir die Erinnerung an einen Ort und eine Zeit auf, wo ich die verlorene Freude in seltener Fülle geschmeckt hat. (202)

Diese Erinnerung entfachte eine Sehnsucht

(die gleichzeitig eine Erfüllung war), … die aus dem Geist überfloss und den ganzen Körper einzuschliessen schien. (202)

Er glaubte, dass die imaginative Erfahrung kein Zufall war.

Ich glaube, dass alle Dinge auf ihre Weise himmlische Wahrheit widerspiegeln, nicht zuletzt auch die Imagination. (203)

Lewis hatte sich in seiner Jugend

von Gott abgewandt, um statt dessen nach gewissen Bewusstseinszuständen zu streben, die ich durch schiere Willenskraft hervorzubringen suchte. (204)

Lewis bekennt aufrichtig den Irrtum „Religion in einen selbstliebkosenden Luxus und Liebe in Autoerotismus“ zu verwandeln (205). „(D)er zweite Irrtum besteht in dem Versuch, diesen Bewusstseinszustand hervorzubringen, nachdem man ihn fälschlicherweise zu seinem Ziel gemacht hat.“ Er kam zum Schluss, dass „es eine Stimmung oder ein Zustand in meinem Inneren sei, der sich in jedem Kontext zeigen könne. ‚Es wiederzuhaben‘ wurde mein ständiges Streben…“ (205).

Was fand er am Ende dieses Pfades vor?

(A)m Ende fand man Vergnügen; was unmittelbar zu der Entdeckung führte, dass Vergnügen … nicht das war, was man gesucht hatte. (206)

Daraus folgte die wichtige Schlussfolgerung:

Die Freude ist kein Ersatz für Sex; freilich ist Sex sehr oft ein Ersatz für die Freude. Ich frage mich manchmal, ob nicht alle Vergnügungen ein Ersatz für die Freude sind. (207)

Wiederum durch Bücher nahm er wahr,

dass die Luft dieser neuen Region zwar alle meine erotischen und magischen Verfälschungen der Freude wie abgeschmackten Plunder erscheinen liess… Bisher hatte jedes Aufleuchten der Freude die alltägliche Welt vorübergehend zu einer Wüste gemacht. (219)

Schachmatt

Im zweitletzten Kapitel schildert Lewis eine der letzten Phasen im Durchbruch zum christlichen Glauben, nämlich die Wende zum Theismus. Die Beschäftigung mit der Freude war keine Nabelschau, denn:

Der sicherste Weg, sich ein Vergnügen zu verderben, war, anzufangen, seine eigene Befriedigung zu untersuchen. (262)

Die Auflösung des Rätsels beschreibt Lewis so:

Ich würde mich nie wieder um diese Bilder oder Empfindungen kümmern müssen. Ich wusste jetzt, dass sie nur die geistige Spur waren, die der Durchzug der Freude hinterlassen hatte – nicht die Welle, sondern der Abdruck der Welle im Sand. (263)

Lewis realisierte: Nicht das Erlebnis, sondern das Objekt der Freude ist das Wesentliche.

Die Freude selbst, einfach als Ereignis in meinem eigenen Geist betrachtet, erwies sich als vollkommen wertlos. Der ganze Wert lag allein in dem, was die Freude begehrte. Und dieses Objekt war ganz eindeutig nicht irgendein Zustand meines eigenen Geistes oder Körpers. (264)

Der Wunsch nach Selbstbestimmung hatte Lewis geleitet.

Vor allen anderen Dingen hatte ich immer gewollt, dass man sich nicht in meine Angelegenheiten ‚einmischte‘. Ich hatte (welch ein wahnsinniger Wunsch) ‚meine Seele mein eigenen nennen‘ wollen. Ich war weit ängstlicher darauf bedacht gewesen, Leiden von mir fernzuhalten als Glück zu finden. Immer hatte ich es auf beschränkte Haftung abgesehen. Das Übernatürliche selbst war für mich zuerst ein verbotener Traum und dann, wie bei der Reaktion eines Trinkers, ekelerregend gewesen.  (273)

Aus der Bibliothek (37): Genovieva

Gutes Vorlesebuch gesucht? Wir haben es von einer befreundeten Familie geschenkt bekommen: “Genovieva”.

Genovieva, ein rumänisches Mädchen, hat es in der Schule nicht leicht. Und das nur, weil ihre Eltern Christen sind! Erst als sie Jesus selber kennen lernt, scheinen ihr diese Nachteile nicht mehr so wichtig. Die Unterdrückung des Christentums kann Genovieva nicht mehr davon abhalten ihren Glauben weiterzusagen und zu singen.

Die wahre Geschichte, die in Rumänien zur Zeit des Diktators Ceaucescu spielt, bewegt. Wenn auch nur schwach, so spüren wir doch Anklänge an die eigene Zeit. Wir leben in einem nachchristlichen Land. Die Leitideologie ist zwar nicht der Marxismus. Doch die Religion des Säkularismus folgt ihren eigenen Dogmen. Wohl dem, der sich diesen Dogmen fügt.

Kinder in die Selbständigkeit begleiten (7): Wem gehört meine Aufmerksamkeit?

Fünf Jungs sind voller Ideen. Sie regen sich gegenseitig von frühmorgens bis (spät)abends damit an. Innerhalb von Sekundenbruchteilen entsteht Gelächter, Lärm, eifriges Arbeiten, Spielen oder Streiten. So fassen Aussenstehende die Situation zusammen, wenn sie mir zurückmelden: „Da ist bei euch immer etwas los.“

Ungünstig

Die Ideen der Kinder haben jederzeit Vorrang. Ruft jemand an? Wir Eltern werden im Telefongespräch unterbrochen. Klingelt es an der Tür? Nach der stürmischen Begrüssung wird der Besuch in Beschlag genommen. Trifft man einen Bekannten auf der Strasse? Es wird gedrängelt weiter zu gehen. Fängt man ein Gespräch an? Gleich wird man unterbrochen mit einem Einschub.

Alternative

Ich habe gemerkt, dass sich dieses Muster sogar in die Unterhaltung mit meiner Frau eingeschlichen hat. Sind wir im Gespräch, müssen nur ein, zwei Buben stürmen – und meine Aufmerksamkeit ist weg. Das vermittelt meinem Gegenüber natürlich das Gefühl, hintan stehen zu müssen. Dies erfordert zuerst von mir eine Korrektur. Wie es bei allen Gewohnheiten ist: Das Umgewöhnen verlangt viel ab – und lohnt sich.

Aufsatz: Einführung zu Herman Bavinck

Ein biografisch-einführender Aufsatz zu Herman Bavinck (1854-1921) ist in der Reihe der MBS Texte erschienen.

Herman Bavinck (1854–1921) gehört neben seinem berühmten Landsmann Abraham Kuyper (1837–1920) zu den führenden Personen der niederländischneocalvinistischen Erneuerungsbewegung. Diese prägte zwischen 1870 und 1920 nicht nur die religiöse, sondern auch die staats- und bildungspolitische Agenda des Landes mit. Durch die englische Übersetzung von Bavincks Hauptwerk, der Reformierten Dogmatik (RD), und weiteren Texten hat die Forschungstätigkeit vor allem im angelsächsischen Raum zugenommen. Einige Konferenzen sind in den letzten Jahren abgehalten worden. Im deutschen Sprachraum ist Bavinck noch kaum bekannt. Die deutsche Übersetzung der Reformierten Dogmatik ist in Bearbeitung. Diese Arbeit führt in das Leben und Werk dieses bedeutenden Denkers ein.

 

Buchbesprechung: Gott ist keine Illusion

Fran­cis Schaef­fer. Gott ist keine Illu­sion. Haus der Bibel/R. Brock­haus Ver­lag: Zürich/Genf/Basel/Wuppertal, 1974. Anti­qua­risch.

Die­ses Buch (engl. Ori­gi­nal­ti­tel „The God Who Is There“, 1968) ent­hält die wesent­li­chen Erläu­te­run­gen der christ­li­chen Welt­sicht, wie sie von Fran­cis Schaef­fer ent­wi­ckelt wor­den ist. Mit Ent­wick­lung meine ich „in zahl­lo­sen Gesprä­chen erar­bei­tet und ver­fei­nert“. Man­che die­ser Dis­kus­sio­nen spiel­ten sich in Schaef­fers Haus ab, wo Men­schen aus aller Welt abstie­gen und über die Sinn­frage nachdachten.

Nimm & lies hat die ausführliche Besprechung veröffentlicht.

Aus den Medien: Im flüchtigen Netz schreiben, Mohammed wörtlich nehmen

Schafft den Online-Journalismus ab!

Ein engagierter Beitrag im FAZ-Feuilleton (VD: JE).

… immer ging es um die gleiche Polarität: das Greifbare gegen das Unfassbare, das Stoffliche gegen das Flüchtige, das Bestehende gegen das Drohende, das Solide gegen das Ätherische, Ruhe gegen Hetze, Gründlichkeit gegen Flüchtigkeit, Qualität gegen Schund, Gut gegen Böse.

Die Mörder des IS nehmen Mohammed eben wörtlich

Eine mutige Debatte in der “Welt” (VD: AS).

Immer, wenn im Namen des Islam Grausamkeiten begangen werden, hören wir, dass die Terroristen lediglich eine friedliche Religion pervertieren. Dabei berufen sie sich auf das Vorbild Mohammed.

Gewalt und theologische Tradition im Islam

Noch ein kritischer Beitrag aus dem Feuilleton der NZZ (VD: AS).

Geben Gründungsgeschichte und Gründungsidee des Islam eine Handhabe, um im Namen Allahs begangene Gewalttaten theologisch prinzipiell zu verurteilen? Nein – der Islam müsste sich erst in seiner religiösen Substanz wandeln.

 

Gebet: Gib uns überwältigende Erkenntnis dessen, wer du bist

Ich bin immer wieder enttäuscht über meine immer gleichen Worte, die ich im Gebet an meinen Herrn richte. Gott sei Dank verfügen wir mit der Bibel und Gebeten von anderen Christen über einen wundervollen Schatz an Gebeten. Hier ist eines:

Höchster König des Himmels, Herr der Jahre, souverän über Zeit und Geschichte,

gib uns überwältigende Erkenntnis dessen, wer du bist,

so dass unser Vertrauen unerschütterlich feststeht.

Gewähre uns ein ausreichendes Verständnis der Zeichen der Zeit, in der wir leben,

damit wir wissen, wie wir Dir in unserer Generation dienen

und noch viel wahrhaftiger dein Volk in dieser Welt repräsentieren können.

Zu diesem Zweck, o Herr, belebe uns wieder

und ziehe uns näher zur dir selbst und zueinander.

Wo wir in falscher Zufriedenheit dahindümpeln, säe in uns eine heilige Ruhelosigkeit;

Wo Entmutigung niederdrückt, gewähre uns neue Frische in unsere Herzen.

Für deine Sache stärke uns als Salz und Licht,

damit wir in deinem Frieden aufblühen können.

In Namen Jesus‘, Amen.

Aus: Os Guinness, Renaissance: The Power of the Gospel However Dark the Times. (freie Übertragung)

Zitat der Woche: Die wahre Glückseligkeit des Menschen

In Teil I/2, Fragen 1-5 der “Summe der Theologie” handelt Thomas von Aquin (1225-1274) die Frage nach dem Endzweck des Menschen ab. Dieses bestehe in der Glückseligkeit des Menschen.

In Frage 2 bespricht er acht mögliche Kandidaten des Glücks. Er beginnt mit dem Reichtum, der am offensichtlichsten kein Endzweck darstellen kann.

…wie ungenügend und mangelhaft diese Güter sind, wird desto mehr erkannt, je mehr sie besessen werden. Dieser Umstand also zeigt gerade ihre Unvollkommenheit und daß in ihnen das höchste Gut nicht besteht. (1. Artikel)

Von Aquin schliesst die zweite Frage mit der wichtigen Aussage, die ich zuerst in der englischen, dann in der deutschen Übersetzung wiedergebe:

It is impossible for any created good to constitute man’s happiness. For happiness is the perfect good, which satisfies the appetite altogether; else it would not be the last end if something yet remained to be desired. Now the object of man’s will is the universal good, just as the object of the intellect is the universal true. Hence it is evident that nothing can satisfy man’s will but the universal good. This is to be found not in any creature but in God alone. Therefore God alone can satisfy the desire of man.

Thomas von Aquin, zit. in Peter Kreeft. The Philosophy of Thomas Aquinas. (77)

Ich antworte, unmöglich könne die Seligkeit des Menschen in einem geschaffenen Gute bestehen. Die Seligkeit nämlich ist das vollendete Gut, von dem das Begehren ganz und gar befriedigt wird; sonst wäre sie nicht der letzte Endzweck, wenn etwas zu begehren übrig bliebe. Der Gegenstand des menschlichen Begehrens aber, also des Willens, ist das Gute im allgemeinen, d. h. alles Gute; wie der Gegenstand der menschlichen Vernunft das Wahre im allgemeinen, alles Wahre ist. Wo also, wie dies in jeder Kreatur der Fall ist, nur ein beschränktes Gut sich findet, da kann nicht die Seligkeit des Menschen sein. Nur in Gott ist alles Gute, die Kreatur nimmt nur teil am Guten. Also nur Gott kann anfüllen den Willen des Menschen, nach Ps. 102.: „Der mit Gütern anfüllt dein Verlangen.“ Nur also in Gott besteht die Seligkeit des Menschen.

Thomas von Aquin, Summe der Theologie, I/2., 2. Frage, 8. Artikel, “In keinem geschaffenen Gute besteht die Seligkeit des Menschen”

Kolumne: Ich bin auch ein Tierfreund

„Das ist ungewohnt!“ Dies war die spontane Reaktion mehrerer Freunde. Man trifft mich mit einer schwarzen Pudelwelpe auf Spaziergang. Ja, es ist ungewohnt. Auch für mich. Zwei Wochen gehört ein junger Hund zu unserer Familie; wir sind sozusagen seine Urlaubsdestination.

Wer profitiert von wem?

Ich liebe lange Spaziergänge. Durch den Hund erhalte ich nicht nur die Legitimation, sondern ernte gar noch Komplimente dafür. (Aber Achtung: Ein Hund kann auch zur willkommenen Ausrede werden, um Aufgaben und Problemen auszuweichen, indem Mann sich aus dem Staub macht.)

Vom Hund werde ich mit viel Aufmerksamkeit bedacht. Sie liegt mir auf den Schuhen und versteckt sich hinter mir. Wenn ich mich bewege, blickt sie in die gleiche Richtung. Wenn ich Richtung Ausgang schreite, kommt sie Schwanz wedelnd daher. (Ich glaube, dass Tiere zum Ausgleich für fehlende Beachtung gehalten werden.)

Ein Spiegelbild der eigenen Stimmung

Mit jedem Menschen in unserer siebenköpfigen Familie unterhält der Hund seine eigene Beziehung. Sie weiss genau, mit wem sie was anfangen und mit wem sie wie weit gehen kann. Wer seine innere Spannung an ihr entlädt, indem er sie zwanzigmal reizt, muss sich nicht wundern, wenn sein Umgang mit wildem Bellen und Schnappen quittiert wird. Sie springt mich nicht an und “zwackt” mich auch nicht. Ich bin ihr Kumpel in gefahrvollen Situationen (z. B. bei grossen Hunden), bei längeren Spaziergängen und dann, wenn sie ganz schnell nach draussen muss.

Gemeinsame Erlebniswelt

Das grösste Erstaunen löste bei mir die Reaktion von Spaziergängern aus. Hundefreunde jeden Alters und beiden Geschlechts überhäuften mich mit Komplimenten. Zwei, drei Buben und dazu noch ein junger Hund! Das muss der vollendete Papa sein. Noch nie in meinem Leben, auch nicht als ich mich mit allen fünf Kindern in Extremsituationen im öffentlichen Raum bewegte, wurde ich so mit Lob überhäuft. Nachdem ich mich von der ersten Verblüffung erholt hatte, fragte ich mich nach dem Grund. Meine These: Die Menschen haben mehr Interesse an Tieren, weil die meisten von ihnen mehr Erfahrung mit Tieren als mit mehreren Kindern haben.

Anknüpfungspunkt für Gespräche

Als Hündeler ist Mann sofort im Kontakt mit anderen Menschen. Das sichtbare Objekt des Erstkontakts ist der Vierbeiner. Mann spricht über Charakter, Erziehung, Angewohnheiten, das Wetter und schliesslich auch über das eigene Leben. Es eröffnen sich neue Möglichkeiten. Wer sonst mit gesenktem Haupt an vorbeirennt, blickt mich plötzlich mit offenem Gesicht an und beginnt einen Schwatz.

Zudem: Der Gesprächseinstieg nach dem Gottesdienst fällt viel leichter! Menschen, die sich schnell zurückziehen und kaum Einblick in ihr Leben und schon gar nicht in ihre Gedanken geben, öffnen sich plötzlich. Der Austausch von Erfahrungen führt unverhofft unter die erste Schicht der Höflichkeit. Unwillkürlich entfährt mir ein Seufzer. Wenn der Einstieg in das Gespräch über die Predigt doch ebenso mühelos von statten gehen würde!

Erziehung in Schlüsselmomenten

Natürlich gilt es auch die Parallelen zur Kindererziehung im Auge zu behalten. Führungspotenzial,  Präsenz und Konsequenz bilden sich eins zu eins beim Tier ab. Schlüsselmomente prägen den Verlauf der restlichen Zeit. Gibst du Leine, wenn du sie bei dir halten sollst? Muss sie dir auch dann gehorchen, wenn sie nicht möchte? Erlaubst du gar eine Rollenumkehr? Ziehst du die Anordnungen durch, dass sie sich zu bestimmten Zeiten und in bestimmten Räumen nicht blicken lassen soll? Daraus Schlussfolgerungen zu ziehen, ist ungemein lehrreich.

Mein Umgang mit Tieren und der Einfluss des Evangeliums

Gott ist der Schöpfer von Menschen und Tieren. Seine Wahrheit ist die Wahrheit für das ganze Leben. Durch die Sünde sind Mensch und Tier einander entfremdet. Beide leiden unter dem eigenen Ungehorsam und unter dem des Gegenübers.

Ja, es gibt einen Zusammenhang zwischen dem Halten von Tieren und dem Einfluss des Evangeliums. Die gute Botschaft entfremdet nicht von der Natur, sondern die Gnade stellt eben diese Beziehungen zumindest teilweise wieder her. Zwei Lektionen:

  1. Zurückstehen: Ein Tier lernt mich zurückzustehen. Allerdings gilt es auch für das Umgekehrte: Das Tier kann einen Platz in meinem Leben bekommen, der Gott allein gehört. Ich bin überzeugt, dass mancher Tierfreund in Wirklichkeit vor allem Freund von sich selbst ist. Tierdienst kann Götzendienst werden.
  2. Sorgen: Körperpflege, Ernährung, Training, Zuwendung – all dies wird von einem Tierhalter verlangt. Auch dies kann sich schnell in eine ungesunde Richtung entwickeln. Über dem Tier wird der Ehepartner oder die Beziehung zu Gott vernachlässigt.

In wenigen Tagen werde ich wieder alleine oder nur mit meinen Kindern unterwegs sein. Dann muss ich selber bellen, um wieder Beachtung zu bekommen.

Aus der Bibliothek (36): Narnia

Die letzten beiden Sommer beschäftigte ich mich intensiv mit den Narnia-Chroniken. Ich las die sieben Bände, trug die Lieblingsstellen zusammen. Darauf beschäftigte ich mich mit Biografien und dann Kommentaren zu den berühmten Fantasy-Werken. Natürlich erzählte ich ab und zu meiner Frau und den Kindern von meinen Erkenntnissen. Dies geschah jedoch sehr informell. Eines Tages schnappte sich mein Ältester den Sammelband, der herumlag. Innerhalb von einer Woche verschlang er alle sieben Bände. Von sich aus erzählte er immer wieder vom Gelesenen. So kam es, dass wir immer wieder einzelne Stellen besprachen. Es brauchte nur wenige Fragen, um den Brückenschlag bzw. Übertragung in unsere Lebenswellt und unseren Alltag zu bahnen. Ich habe mir vorgenommen, mehr von meinen Forschungen zu berichten – und die Bücher dann einfach herumliegen zu lassen.

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