Zitat der Woche: Warum Christen in der Sexualethik Grundlagenarbeit leisten müssen

Andreas Köstenberger stellt im ausgezeichneten Werk "God, Marriage, and Family: Rebuilding the Biblical Foundation" im ersten Kapitel fest:

For the first time in its history, Western civilization is confronted with the need to define the meaning of the terms marriage and Family.

Das bedeutet, dass wir zu einer umfassenden Grundlagenarbeit aufgerufen sind!

If, then, the cultural crisis is symptomatic of an underlying spiritual crisis, the solution likewise must be spiritual, not merely cultural.

Eine wichtige Denkvoraussetzung dafür:

God’s Word is not dependent on man’s approval.

Köstenberger stellt die These auf, dass sich unsere Literatur zur Thematik symptomatisch auf die Wie- statt auf die Was- und Warum-Frage fokussiert hat.

(There is a) lack of commitment to seriously engage the Bible as a whole.

Die fehlende Verknüpfungen zeigen sich z. B. markant in der Erziehung (Pos. 2044):

Parents who neglect to hold their children accountable for rendering obedience fail them in that they do not help them along the path of Christian discipleship, of which obedience is a central component.

Input: Der Professor widersprach sich, was der Student in der Hausarbeit nachwies

Kürzlich hatte ich die Gelegenheit, in verschiedenen Büchern von E. Michael Jones (* 1948), einem konservativ-katholischen Kulturkritiker, zu stöbern. Er studierte während den gesellschaftlich turbulenten 1960ern. Aus dem Hippie wurde ein Katholik, der Jahrzehnte später nach seiner Kritik an der katholischen Universität Notre Dame gefeuert wurde. Ich kann keine Gesamtaussage zu seinen Thesen treffen, über die er opulente Werke schrieb und die ihm viel Kritik eingebracht haben. Eine Geschichte aus Degenerate Moderns: Modernity as Rationalized Sexual Misbehavior erregte meine Aufmerksamkeit. 1969 belegte er einige Kurse bei dem bekannten postmodernistischen Literaturwissenschaftler Stanley Fish (* 1938), dessen Literaturtheorie konsequent (oder eben inkonsequent) subjektivistisch ausgerichtet war. 

Jones wunderte sich über die These von Fishs radikalen Leserorientierung, wonach ein Mensch in einem neuen Buch nur das lesen könne, was er bisher gekannt habe. Er verfasste eine Hausarbeit, in der er die These seines Professors widerlegte. Diese Arbeit wurde zu seinem ersten Aufsatz in der Zeitschrift des College veröffentlicht. Ich wünschte mir, dass wir Christen Theorien, Thesen – und mögen sie gegenwärtig noch so "en vogue" sein – hinterfragen. Die Reaktion des Professors war übrigens sehr aufschlussreich. Er gab ihm fairerweise eine sehr gute Note (A-) und kritzelte unter die Arbeit die Bemerkung: "Diese These bedeutet mir heute nichts mehr." Fish gab nichts darauf, dass er sich widersprochen hatte. Offenbar konnte er kurze Zeit später neue zum Besten geben.

Kolumne: Sein wie die anderen – zur Langzeitschädigung fromm Sozialisierter

In diesem Beitrag thematisiere ich ein «Muster», das sich im theologisch konservativen «Milieu» eher entfalten kann als in einem kulturell aufgeschlossenen. In einem solchen Familien- und Gemeindeumfeld prägt sich von früh auf ein Muster der Rückzugsmentalität aus. Ohne Worte wird die Botschaft vermittelt: «Wir sind die Guten, draussen leben die Bösen.»

Diese (teilweise) Abschottung entwickelt jedoch seltsame Widersprüche. Denn seit jedermann und jedefrau ein Smartphone auf sich trägt, hat ein medialer Dammbruch stattgefunden. Nicht nur Youtube-Clips, sondern auch und vor allem pornografische Inhalte können ohne Aufheben konsumiert werden. Es braucht dazu nicht mehr den Gang zum Kiosk. Man kann es sich in einem ruhigen Moment zuführen.

Dieser mediale Dauereinfluss entfaltet eine «schizophrene» Wirkung. Äusserlichkeiten und die innere Landschaft driften wie kaum zuvor auseinander. Es braucht nur noch die äusserliche Umstellung durch Markenkleider, Schmuck, Frisur und einige andere Gadgets (z. B. Statussymbole wie eine bestimmte Freizeit- und Urlaubsgestaltung) für die komplette Gleichschaltung.

Dahinter steckt der Wunsch, so zu sein wie die anderen. Es handelt sich um eine Versklavung an die Vorstellungen und Mentalitäten von anderen. Die Bibel nennt das Motiv «Menschenfurcht» – der Drang, sich den (vermeintlichen) Erwartungen anderer anzupassen. Dabei wird ein kräftezehrender Eifer an den Tag gelegt. In bestimmten Verhaltensweisen muss die Anpassung durch Übertreffen sich selbst (und anscheinend anderen) bewiesen werden.

Was ich über die Jahre beobachtet habe, ist eine ungesunde Langzeitwirkung dieses Imitations-Verhaltens. Nicht nur «passt» es nie ganz. Mit der Zeit geht das Verhalten der Übertreibung in die «DNA» über. Gedanken, Einstellungen und Verhaltensweisen sind abgespeichert und zu Gewohnheiten geworden. Schmunzeln löst es bei mir aus, wenn ich nach Jahren oder gar Jahrzehnten ein «konserviertes» Verhalten früherer Jahrzehnte entdecke.

Da gibt es tatsächlich Mittvierziger wie ich, die sich nach wie vor wie Heranwachsende benehmen wollen. Die noch immer den gleichen Vorlieben frönen wie vor 25 Jahren. Der Gedanke blitzt durch den Kopf: «Etwas peinlich.» Also genau das, was sie nie werden wollten, ist eingetreten. Die Kultur des Protests hat sich verfestigt und ist zu einem unzeitgemässen Relikt geworden.

In der Zeit der «Midlife-Crisis» – einem typischen Phänomen der westlichen Konsumgesellschaft – beginnt die Schere zwischen Illusion und Wirklichkeit so auseinander zu gehen, dass sich der Spagat nicht mehr überbrücken lässt. Die einen suchen die Entspannung in Brüchen. Sie trennen sich vom Ehepartner und beginnen nochmals eine neue Ausbildung. Etwas abgemildert legen sie sich einen neuen Look zu und passen ihr Freizeitverhalten an.

Ich nenne diese Reaktion «Götterwechsel». Die beruflichen und privaten Schwerpunkte werden verlagert. Die Navigation bzw. der innere Zustand bleiben, der Frust steigt. Ich bin Gott dankbar, dass ich schon als Kind weder in das Schema meiner sozialen Bezugsgruppe noch in den Raster der Schule passte. Dies führte im besten Alter – mit ca. 16 Jahren – zum willentlichen Entschluss, mit Gottes Hilfe ein eigenes Profil zu entwickeln. Dies hielt ich – mit Ab und Abs – durch Studium und Beruf aufrecht.

Es war kein einfacher Weg. Er hat mich vielen Frommen entfremdet und dafür zu zahlreichen neuen Freundschaften geführt. Die zweite Lebenshälfte spielt mir zu. Nicht mehr der berufliche oder familiäre Erfolg stehen im Vordergrund, sondern die Sinnstiftung. Unsere frommen Subkulturen betreiben dagegen Symptombekämpfung: Noch mehr Wellness, noch mehr Fitness. Der Markt hat sich längst auf diese Altersgruppe ausgerichtet. Zeit für einen Paradigmenwechsel, meine ich. Zuerst braucht es eine neue Ausrichtung der Kompassnadel. Das Modell des «christlichen Hedonismus» (mehr dazu in meiner Arbeit zu John Piper) könnte für Aussteiger eine wichtige Hilfe darstellen.

Zitat der Woche: Unwahr, weil unbequem?

Mit Vergnügen lese ich Predigten, die Mark Dever über jedes Buch des Neuen Testaments gehalten hat. Man kann sich diese übrigens auf der Website der Capitol Hill Baptist Church anhören. In seiner Predigt zum Galaterbrief schreibt er (Mark Dever, Promises Kept: The Message of the New Testament, Crossway: Wheaton, 2005, S. 216):

Beware of thinking the truth will always consist of ideas that are immediately appealing to you. Why on earth do you think the truth is something you will like? Who taught you that liking something is good evidence for its factuality? Has every fantasy you have ever had come true? Has everything that has happened to you been exactly what you wanted? What about the “D” you got in that class? Or the hurtful thing your father said to you? I could go on and on: Your most recent evaluation at work. The number on the scales when you look down. Your friend’s stinging comment on the phone. Your bank balance or the doctor’s advice. None of these things are generated by whether we like them or not. They are simple realities that are diminished in no way because we dislike them. Only our foolish imaginations would make us think that because we do not like something, it must not be true.

Dasselbe hat Dever für das Alte Testmament erarbeitet (The Message of the Old Testament). Zu diesem Band habe ich eine Besprechung geschrieben.

Hanniel hirnt (88): Schöpfung und Sündenfall – Vogelflug zum Anfang der Bibel

Drei meiner Söhne führen dieser Tage das wunderbare Werk von Joseph Haydn "Die Schöpfung" (Text) auf. Haydn hat dabei auf den Text aus Genesis 1, Psalm 19 und auch auf Miltons "Das verlorene Paradies". Aus dem Jubiläumsjahr 2009 existiert eine Website mit Musik, Partitur und Details.

Besonders faszinierend:

  • c-Moll-Ouvertüre "Die Vorstellung des Chaos"
  • Erster Schöpfungstag: Die musikalisch gestaltete Geburt des Lichts
  • Vierter Schöpfungstag: Terzett und Chor "Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes"
  • Fünfter Schöpfungstag "Der Herr ist gross in seiner Macht" (Chor)
  • Sechster Schöpfungstag: "Vollendet ist das grosse Werk" (Chor)
  • Anfang des dritten Teils: Orchesterpräludium "Aus Rosenwolken bricht"

Im Rahmen meiner Vogelflüge durch biblische Bücher habe ich eine Sequenz den ersten drei Kapiteln der Bibel gewidmet. Der Mensch ist ein Wesen, das über sich selbst hinausweist. Er fragt nach dem Ursprung. Und er beschreibt am laufenden Band, dass die Dinge mehr so sind, wie sie sein sollten. Die Bibel offenbart uns, wie alles begann und weshalb es nicht mehr ideal ist (Schöpfung und Sündenfall).

Hier geht es zu weiteren Beiträgen zum Thema "Schöpfung", u. a. die Buchbesprechung "Der Streit um den Anfang".

Aufsatz: Wie Kirchgemeinden und Verbände theologisch liberal werden

Im Aufsatz „Wie Kirchgemeinden und Verbände theologisch liberal werden“ (in Bekennende Kirche Nr. 73) untersuche ich Gründe, Vorgangsweisen und Argumente, die zur theologischen Liberalisierung in Kirchgemeinden und Verbänden beitragen. Mein eigener Erfahrungsraum erstreckt sich auf den deutschsprachigen Raum seit Mitte der 1990er-Jahre.

Der US-amerikanische Theologe und Sozialethiker Gary Dorrien schreibt, dass jede Berufung auf Wahrheit im menschlichen Verstand und seiner Erfahrung verortet sein muss, nicht in externer Autorität (also der Bibel im Sinn einer von Gott gegebenen Offenbarung).

Die Inhalte hatte ich zuerst in Form von Podcasts veröffentlicht.

  1. Sieben gesellschaftliche Faktoren, die den theologischen Liberalismus begünstigen (Folge 1 & Folge 2)
  2. Vier Gründe für die Verwundbarkeit des Evangelikalismus (Folge 3)
  3. Wie das Verständnis von Kultur hineinspielt (Folge 4)
  4. Fünf inhaltliche Konfliktpunkte (Folge 5)
  5. Fünf Killerargumente (Folge 6)
  6. Reaktionsmöglichkeiten (Folge 7)                                           

Eine wertvolle inhaltliche Ergänzung zum Aufsatz ist die Übersicht „Historische Kritik in den Bibelwissenschaften: Anspruch und Wirklichkeit“ von Stefan Felber.

Buchbesprechung: Radikaler Gehorsam – zu lesen mit Packungsbeilage

An meinem Geburtstag las ich bewegt einen Teil des Buches "Radical" (auf deutsch "Keine Kompromisse") von David Platt. Der englische Untertitel "Taking Back Your Faith from the American Dream" sagt schon viel darüber aus, weshalb das Buch im Westen solchen Anklang findet. Im deutschen Teaser heisst es "Dieses Buch ist ein Weckruf für die eingeschlafene westliche Christenheit." Ich pflichte bei: Sie ist eingeschlafen. Ein wichtiger Bestandteil des einschläfernden Cocktails ist die Vermittlung billiger Gnade, die Verkündigung einer Nachricht, welche die Nachfolge ausklammert.

In meiner Rezension  habe ich eine "Packungsbeilage" dem Aufruf zum radikalen Gehorsam beigefügt. Worum geht es? Eine englische Rezension stellt zu Recht fest: "Platt repeatedly issues a call to 'live the gospel' (20, 94, 109, 136, 198, 200, 212; die Seitenzahlen beziehen sich auf die englische Ausgabe). Whether this arises from a laof precision or from the standpoint of theological conviction, the misrepresentation of the gospel for readers is much the same." In einer Predigt mit dem Titel "The Gospel Demands Radical Giving" wird es so zugespitzt: Das Evangelium erwartet von dir, dass du radikal gibst. Das läuft auf eine Vermischung der beiden fundamentalen Kategorien Gesetz und Evangelium hinaus. Nochmals die Rezi: "God's law discloses our sin and misery (Rom. 3:20).The gospel as extraordinary good news does not impose any commands."

Deshalb schrieb ich in meiner Besprechung:

Dieses Buch, so denke ich, kann mit Segen gelesen werden, wenn unser Denken dem Dreiklang des christlichen Glaubens folgt: Elend, Erlösung, Dankbarkeit. Durch das Gesetz Gottes erkenne ich, worin meine Misere vor Gott besteht; nur von Christus her kommt die Erlösung aus meiner aussichtslosen Lage. Die Dankbarkeit, ermöglicht durch das ewige Leben, verändert schrittweise mein Heute und Morgen.

Glaubensgeschwister haben mich – zu Recht – darauf hingewiesen, dass Platt im Buch die Unterscheidung zwischen Gesetz und Evangelium nicht überall sauber zieht. Das Gesetz ist im Sünder drin; er weiss, dass er ihm nicht entspricht (Röm 1,32). Christus alleine hat das Gesetz vollkommen gehalten – an unserer Stelle. Das Evangelium ist die Gute Botschaft vom stellvertretenden Opfer von Jesus an unserer Stelle. Der Glaubende hat sein neues Sein «in Ihm». Seine Gerechtigkeit wird ihm angerechnet. Auch wenn wir alle Opfer der Welt gebracht hätten: Es wäre nur das, was sowieso schuldig gewesen wären (Lk 17,10). Wenn wir, durch das neue Leben beschenkt und befähigt, die Änderung von Gewohnheiten anstreben, geschieht es aus einer anderen Motivation heraus (Röm 8,4). Ansonsten besteht die Gefahr einer neuen Gesetzlichkeit, auf die besonders Menschen mit einem schwachen Gewissen einsteigen.

Wenn also die Prämisse nicht DAMIT, sondern WEIL lautet, dann können wir dieses Buch – auch und besonders die Abschnitte über das Geben (siehe z. B. S. 112, 122, 175) – mit Segen lesen.

Ergo: Auch wir reformatorisch Gesinnten müssen gehörig aufpassen, dass wir nicht in eine neue Gesetzlichkeit fallen. Das Buch entwickelt ohne den Kontext einen starken Drall in diese Richtung. Dies wird durch das Wort "radikal" verstärkt. Dies trifft wiederum einen anderen Teil der säkularen Botschaft etwas Besonderes und Aufregendes darstellen zu wollen. Ich glaube, dass die Unschärfe insbesondere Teil 2 und 3 des Dreiklangs betrifft: Die Dankbarkeit wird mit der Erlösung vermischt. Daraus resultiert: WENN wir dankbar sind (indem wir z. B. radikal geben und auf jeglichen Luxus verzichten), DANN sind wir errettet bzw. haben für eine innere Gewissheit gesorgt.

Dies gilt es auch für das Nachfolgerbuch "Follow me" (meine Rezension) zu beachten.

Hanniel hirnt (87): Ein Vogelflug durch das Buch Leviticus

Podcast: Vogelflug durch das Buch Leviticus (Dauer 41 Minuten)

Ich bin richtig in der Aufgabe angekommen, innerhalb von Blöcken durch die biblischen Bücher zu fliegen. Jetzt soll mir mal einer erklären, weshalb Leviticus in der Bibel steht, wenn das Thema des Opfers und der dadurch stattfindenden Sühne keinen zentralen Platz in der Bibel hätten. Es ist einfach nicht zu überlesen (ausser man liest das Buch nicht oder lässt es beseite).

Leviticus ist dem gottesdienstlichen und gemeinschaftlichen Leben des Volkes gewidmet. Die Begegnung ist nur auf der Basis von Opfern möglich. In Kapitel 1-7 werden verschiedene Arten von Opfern beschrieben. Die einen sind freiwillig, die anderen werden durch Schuld fällig. Der Ort der Opferung, der Vorgang und auch die Person des Opfernden sind genau vorgeschrieben. Er ist der Herr und will, dass wir Ihm so nahen, wie Er es anordnet. Der sofortige Tod zweier Priester nach dem eigenwilligen Darbringen von Räucherwerk verdeutlicht diesen Punkt.

Der Gedanke der Reinheit ist die Konkretisierung der Heiligung des Bundesvolkes. Israel sollte Gottes heiliges Volk sein und sich von den anderen Völkern abheben. Das ist der Zusammenhang der Vorschriften für reine und unreine Tiere (Lev 11,44f). Es ist ebenso der Zusammenhang für die zahlreichen ethischen Anweisungen für das gemeinschaftliche Leben des Volkes (19,2; 20,7 etc.).

Live-Blog: Die Bibelworte beherrschen unsere Predigten

„Um der Hoffnung Israels willen trage ich diese Kette.“ (Apg 28,20)

Etliche Minuten zu spät huschte ich in den Kirchgemeindesaal der Bullingerkirche in Zürich. Eine Bullinger-Büste im Treppenhaus. Wohl etwas über 100 zumeist grauhaarige Menschen sitzen an diesem Sonntagnachmittag vor und während dem WM-Spiel Deutschland – Mexiko im Raum und lauschen gespannt den Erzählungen von Pastor Wolfgang Wegert. „Da gibt es Leute, die liegen sonntagmorgens im Bett und schalten zu früh Sport 1 ein. Manchmal genügen fünf Minuten. Und sehen die Fernsehkanzel der Arche.“

„Es kommt gar nicht so sehr darauf an, wie wir sind. Das Wichtigste ist das Wort Gottes. Das biblische Wort hat Kraft.“ Wegert erzählt von einem zwölfjährigen Mädchen: „Du kennst mich nicht, aber ich kenne dich. Deine Show gefällt mir.“ Wegert weiter:

In Deutschland gibt es ein unglaubliches Bibel-Analphabetentum. Auch die Christen lesen ihre Bibel sehr selektiv. Sie suchen sich Verheissungsworte, die kribbeln. Aber sich mit dem gesamten Ratschluss Gottes zu befassen – das ist verloren gegangen. Dadurch werden viele Christen schwach. Es fehlt ihnen an Überwinderkraft.

Wir stehen zur Textlesung auf. Wegert freut sich sichtlich über die letzten Worte der Apostelgeschichte. "Gott benutzte Führungspersönlichkeiten, darunter Paulus, um Gemeinden zu gründen. In Rom kannte man seine Geschichte allerdings nicht. Die Gemeinde in Rom war nicht von ihm gegründet worden. Nach einer beschwerlichen Reise kam Paulus in Rom an." Er hätte sagen können: 'Jetzt mache ich erst mal ein Sabbatjahr.' In unermüdlichem Eiferer ruft er die Synagogenvorsteher zusammen.

Paulus liebte seine jüdischen Landgenossen besonders. Wie es seine Gewohnheit war, wandte er sich zuerst an sie und spricht von der Hoffnung Israels. Auch heute liegt diese Hoffnung nicht in politischen Lösungen oder in der militärischen Stärke, sondern in Jesus Christus. Vom Morgen bis zum Abend, angekettet an einen Soldaten, ging Paulus durch das Alte Testament. Er suchte zu überzeugen, indem er die Bibel auslegte.

Lassen wir die Aussagen der Bibel stehen, anstatt ständig unsere Meinungen über sie zu äussern. Hätte Paulus eine ökumenische Mission gehabt hätte, er hätte seine Zuhörer nicht zu überzeugen versucht.

Wie haben die Juden reagiert? Die einen lassen sich überzeugen, die anderen bleiben ungläubig. Die Zuhörerschaft war gespalten. Paulus setzt noch eins oben drauf, was zur Trennung führte. Er zitiert die Worte Gottes an Jesaja nach dessen Prophetenberufung. Rief er ihnen zu: 'Überlegt es euch nochmals?' Nein! Gottes Worte an Jesaja waren: 'Macht das Herz dieses Volkes unempfänglich.' Das sind wir uns nicht gewohnt. Auch Jesus kam zweimal auf den gleichen Sachverhalt zu sprechen (Mt 13,14f; Joh 12,40). Die Menschen verschlossen ihre Augen, darauf hat Gott sie verschlossen. Der Unglaube ist schon Ausdruck des Gerichtes Gottes (Joh 3,18). Der Geist Gottes muss uns diese Halsstarrigkeit gegenüber Jesus wegnehmen.

Viele Christen meinen, sie seien Christen geworden, weil sie eine gute Entscheidung getroffen hätten. Dabei hat der lebendige Gott hat ein Wunder getan, das Wunder der Wiedergeburt. Hör auf, deinen Verwandten, der Christus noch nicht kennt, mit einem halben Zentner Traktate zu bewerfen und ihn zu bedrängen.

Und was sagte Paulus zum Schluss? Die Juden wandten sich verstockt ab. Doch die Heiden würden hören. Eine Zeit der Gnade ist für die Völker angebrochen.

Danke, Pastor Wegert, dass du zu uns nach Zürich gekommen bist. Ich bete für Orte in der Reformationsstadt, wo man nicht nur die Bullinger-Büste abstaubt, sondern Woche für Woche die Bibel auslegt und die Evangeliumsbotschaft ungeschminkt verkündigt.

Hanniel hirnt (86): Ein Vogelflug durch das Buch Exodus

Ich setzte mich hin und blätterte durch das Buch Exodus (Podcast; Länge 43 Minuten).

Das Buch nimmt den Faden des vorangehenden wieder auf (Sarg & Hoffnung). Gott erfüllte seine Verheissungen, indem Er Israel zu einem grossen Volk heranwachsen liess. Gleichzeitig geriet es in die Fänge des Pharao, der Angst vor Überfremdung bekam. Das Volk konnte nichts anderes tun als zum Gott ihrer Väter zu schreien. Gott erweckte ihnen einen Retter, den er – welche Ironie – am Hof des ärgsten Feindes ausbilden liess. Der Retter selbst wollte gar nicht gehen. Gott erweist Seine Herrlichkeit im Gericht an den Göttern des Pharao. Durch das Opferlamm geschützt, zieht das Volk aus. Es wäre jämmerlich dahin gemetzelt worden, hätte Gott nicht erneut eingegriffen und es durch das Rote Meer geführt. Doch sie murrten von Beginn weg – vor dem Roten Meer, wegen Wasser- und dann wegen Nahrungsmangel. Das Volk wäre von den Amalekitern dahingerafft worden. Gott gab ihnen Wasser, das Manna, und er führte es zum Sieg gegen die Feinde. Er führte es an den Berg Sinai. Dort ergriff Er die Initiative zum Bund. Das Volk brach diesen Bund wenige Stunden nach dem Bundesschluss. Mose trat für das Volk ein und Gott verschonte einen Grossteil des Volkes. Trotz ihrer Untreue gab Er ihnen einen detaillierten Plan, die Ressourcen und auch den Willen und die Freude, dieses transportable Heiligtum zu bauen. Der Höhepunkt des Buches wird mit der Gegenwart Gottes unter seinem Volk erreicht.

Fazit: Der Gott, der Ewig Seiende, der Gemeinschaft mit seinem Volk sucht, vollbringt das Werk der Erlösung von A-Z. Er führt aus der Sklaverei Ägyptens und leitet sie – nicht zurück in den Paradiesgarten, sondern in die Wüste. Dort versorgt Er sie, schliesst einen Bund mit ihnen und gibt ihnen einen Ort, an dem Er seinem Volk begegnen kann!