10 Hinweise für Begegnungen unterwegs

Ich freue mich über Begegnungen unterwegs. Wie komme ich über nette Oberflächlichkeiten hinaus?

  1. Woher stammst du? Wie sieht deine Herkunftsfamilie aus?
  2. Wie verlief dein beruflicher Werdegang?
  3. Wie wohnst du?
  4. Welche Tätigkeiten schätzt du an der Arbeit am meisten?
  5. Welche Orte würdest du mir für einen Ausflug/eine Wanderung empfehlen? Weshalb?
  6. An welche Momente erinnerst du dich gerne zurück?
  7. Was stört dich an unserer Gesellschaft?
  8. Wen würdest du gerne beeinflussen?
  9. Eine direkte Frage, die meine Kinder immer wieder stellen: Woran glaubst du?
  10. Was wird nach dem Tod sein?

10 Hinweise, wofür ich beten kann

 Hast du einige Minuten an der Bushaltestelle? Auf dem stillen Örtchen? Während einem Spaziergang? Wachst du nachts auf und bist in Gedanken?

Hier sind zehn Dinge, für die ich dauernd bete:

  1. Preise Gott für eine seiner Eigenschaften. Überlege, wie sie sich dir zeigt.
  2. Lobe Gott für seine geistliche und körperliche Versorgung. Nenne konkret, wie du sie gerade jetzt merkst.
  3. Lobe Gott für sein Wort. Welche Aussage ist dir kostbar geworden?
  4. Bitte Ihn, dass deine Liebe zu Ihm und deine Freude zunimmt.
  5. Danke und bitte für deinen Ehepartner und deine Kinder.
  6. … für deine Herkunftsfamilie.
  7. … für deine Freunde
  8. … für deine Vorgesetzten und deine Arbeitskollegen.
  9. … für die Leitung deiner Kirchgemeinde.
  10. … für die Regierung deiner Stadt, deines Landkreises, deines Landes.

Zudem: Bitte sofort um Vergebung für Sünden, die du in Gedanken, Worten und Taten begangen hast.

10 Hinweise zum nächsten kleinen Schritt

Mein Leben findet ständig vor Gott statt. Was das bedeutet, erklärt der  Artikel "Was bedeutet 'coram Deo'?". Dieses Bewusstsein wächst über die Jahre, wofür ich sehr dankbar bin. Eine Auswirkung dieses "Lebensstils" versuche ich in Worte zu fassen: Während ich früher häufig resignierte ("bringt eh nichts"), überlege ich mir heute ebenso oft einen nächsten kleinen Schritt. Einige tägliche Beispiele gefällig? Hier sind sie:

  1. Etwas vergessen? – Was liegt jetzt doch noch drin?
  2. Eine unvorteilhafte Rückmeldung bekommen? – Was könnte ich sofort korrigieren?
  3. Etwas nicht umsetzen können? – Was davon könnte ich trotzdem tun?
  4. Der Urlaub liegt nicht drin? – Welcher Freiraum öffnet sich am heutigen Tag?
  5. Den Artikel noch nicht schreiben können? – Wie wären einige Sätze, die zum Enstehen führen können?
  6. Noch nicht zum Lesen des Buches gekommen? – Wieviele Seiten könnte ich lesen (10, 20, 50, 100)?
  7. Den Kontakt schon lange nicht mehr gepflegt? – Was könnte ich unmittelbar als Mail, SMS, Brief schreiben?
  8. Vergessen Sport zu treiben? – Welche Bewegungen kann ich hier sofort nachholen?
  9. Nicht aufs Trinken geachtet? – Was kehre ich jetzt vor, um in den nächsten Stunden genügend zu trinken?
  10. Zu viel gegessen? – Was könnte ich jetzt ohne Probleme weglassen?

Fazit: Suhle dich nicht in deinen Gefühlen, wenn du umgefallen bist oder etwas vergessen hast. Kehre um und stehe sofort wieder auf. Frage dich, was dein nächster kleiner Schritt in die andere Richtung ist. Viele kleine Schritte verändern nicht nur dein Denken, sondern auch deinen Zielpunkt!

10 Hinweise zum gesellschaftlichen Klima

Ich habe kürzlich Timothy Kellers Buch "Predigen" gelesen und rezensiert. Kellers besondere Stärke ist sein Feingefühl für das gesellschaftliche Klima. Dies sind 10 Hinweise, die ich im Buch gesammelt habe:

Die Zeit, in der wir leben…

  1. geht vom souveränen Ich aus
  2. ist gegen jegliche Autoritätsansprüche resistent geworden
  3. hat nie gross über seine Grundüberzeugungen und deren Begründung nachgedacht
  4. mag heruntergekommene Praktiken haben, hinter denen jedoch höhere Ideale stehen
  5. ist blind gegenüber den eigenen Glaubenswagnissen (für die Annahme des Säkularismus)
  6. fragt sich der Zuhörer normalerweise: Wie baue ich mein Selbstwertgefühl auf und wie werde ich ein souveränerer Mensch?
  7. hat moralische Positionen absolut gesetzt, die sie der christlichen Weltanschauung entlehnt hat (Rationalität, Geschichte, Gesellschaft, Gerechtigkeit, Identität)
  8. hat immer noch die Wissenschaft als säkularen Hoffnungsträger
  9. setzt sich dem immensen Stress aus, alles von neuem (und immer wieder) definieren zu müssen
  10. legt enorm viel Wert auf Erfolg, Kompetenz und Charisma (anstatt auf Charakter)

10 Hinweise zum Umgang mit meinem Besitz

Kürzlich habe ich von einer grosszügigen Person diesen Satz mitgenommen: "Ich gebe lieber mit warmen Händen als mit kalten." (Sprich: Allen Besitz lasse ich sowieso zurück.)

Das führte mich zum genialen kleinen Buch "Wo dein Schatz ist" von Randy Alcorn.  Hier sind zehn Perlen aus dem Büchlein.

  1. Gott hat mit seinem Geld größere Pläne, als meinen Wohlstand zu sichern.
  2. Wenn Gott uns mehr Geld anvertraut, dann zur Erhöhung des Gebensstandards!
  3. Beim Thema Geben herrscht in den Gemeinden der Grundsatz vor: »Bloß nichts fragen, bloß nichts sagen.«
  4. Ich kann nichts von hier mitnehmen, aber ich kann es vorausschicken. Also frage ich nicht, was das Geld in 30, sondern 30 Millionen Jahren abwirft.
  5. »Wir sind Gott am ähnlichsten, wenn wir geben.« Was wir geben, ist eine Antwort auf Gottes Gnade in unserem Leben.
  6. Beim Geben strömt eine Freude ins Leben. Plötzlich funkt etwas aus der Ewigkeit in meinen ganz gewöhnlichen Alltag.
  7. Pilger reisen mit leichtem Gepäck.
  8. Der Zehnte ist nicht die Decke, die wir irgendwann einmal erreichen sollten; er ist vielmehr der Fußboden, auf dem wir anfangen.
  9. Wird an dem, wie viel ich dir gebe, deutlich, dass ich deine Gnade in meinem Leben wirklich verstanden und verinnerlicht habe?
  10. (Gebet) Ich bitte Gott, mir zu zeigen, wie man für sein Reich echte finanzielle Opfer bringt.

10 Hinweise zum Aufbau guter Gewohnheiten

Dies sind keine revolutionären Einsichten. Gott hat uns so angelegt, dass wir durch Wiederholung lernen.

  1. Geistliche und nicht geistliche Gewohnheiten werden auf dieselbe Weise angeeignet. Kein Wunder, denn es steckt derselbe Gott dahinter.
  2. Nach dem Aufnehmen einer neuen Gewohnheit läuft es besonders die ersten Tage und Wochen nach dem Prinzip "Fallen und Aufstehen".
  3. Es gibt Früh- und Mittelabbrecher. Das heisst das Abbruchsrisiko ist nach wenigen Tagen und nach einigen Wochen am höchsten.
  4. Der Wohlfühl- und Spassfaktor steht uns im Weg. Ein gutes Gefühl und Befriedigung sind Nebenprodukte und stellen sich nach der Anstrengung ein.
  5. Als Christ leben wir in einer Haltung der aktiven Passivität. Von Moment zu Moment strecken wir unsere leeren Hände nach Ihm aus und packen freudig das an, was vor Füssen liegt.
  6. Es ist eine Fehlüberlegung, prinzipiell aus dem Moment heraus zu leben. Auf diese Weise leben wir je länger je mehr als Opfer der Umstände.
  7. Neue Gewohnheiten, z. B. Lesen oder Sport, muss in den Tagesplan integriert werden.
  8. Wir brauchen Freunde, mit denen wir unsere Erfahrungen teilen können, die ermutigen und nachfragen.
  9. Wir sollen die Zeit auskaufen, unsere Tage sind kurz. Welche Tätigkeiten kannst du reduzieren/weglassen, weil sie deinem Langfristziel guter neuer Gewohnheiten entgegenstehen?
  10. Ständig stehen wir in Gefahr, aus eigener Kraft leben zu wollen, uns zu vergleichen und aus der neuen Gewohnheit einen neuen Götzen zu konstruieren.

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Ich habe eben ein Vorabexemplar des Buches "Media, Journalism, and Communication: A Student's Guide" gelesen. Mercer Schuchardt, Professor für Kommunikationswissenschaften am Wheaton College, rechnet darin für die USA vor (meine Zusammenfassung):

Ein Kind verbringt mit seinen Eltern 14 Stunden, mit dem Fernseher hingegen 35 Stunden wöchentlich! Es sitzt 30 Stunden in der Schule, verglichen mit 77 Stunden vor irgendwelchen Bildschirmen. Den mickrigen drei Stunden Gottesdienst stehen 84 Stunden in den Medien gegenüber. Die Medien sind Pädagogen der Kinder in jeglicher Hinsicht – auch in religiöser! Zwei andere Vergleiche: Menschen geben dreimal mehr Geld für Medien aus als für Spenden. Gott ruft zur Ruhe an jedem siebten Tag auf. Wenn wir dieses Verhältnis auf die Medien übertragen würden, benötigten wir jeden zweiten Tag einen Sabbat!

In diesem Interview erzählt Schuchardt, der unter dem späten Neil Postman promoviert hat, von der ersten Begegnung mit dem Medienkritiker: "Postman discusses the 2nd commandment of the Decalogue as “a strange injunction to include as part of an ethical system unless its author assumed a connection between forms of communication and the quality of a culture.”

Ich empfehle zudem das überaus provokative Referat "God Does Not Post to YouTube". Er schreibt: "Under conditions of 12-hours a day of mass media, we've literally fulfilled the letter of the law of Deuteronomy 11:18-19, but with the wrong medium: Fix these images of media in your hearts and minds; tie them as symbols on your hands and bind them as logos on all your clothing. Show them to your children, texting about them when you sit at home and when you multitask along the road, when you lie down with a sleeping pill and when you get up with a double espresso. Never turn them off."

 

Hanniel hirnt (48, 49, 50): Viele Eltern sind mit alltäglichen Situationen überfordert

Ein Freund schrieb mir: "Die Stärke einiger christlichen Erziehungsratgeber war – so schien es mir in der Vergangenheit, von einem biblischen Menschenbild ausgehend – auf die Veränderung des Herzen des Kindes abzuzielen. Was ich jedoch in einigen christlichen Erziehungsratgeber vermisst habe, waren die Beispiele aus der Praxis. Wie zeigt sich das in den Situationen des Alltags? Wenn das Kind nicht essen möchte? Wenn das Kind kein Selbstvertrauen hat? usw.

Mein Eindruck war: Sie beschreiben zwar das Fundament, überlassen es aber dann dem Leser, die richtige Schlüsse für den Alltag zu ziehen. Meine Beobachtung in meinem Umfeld (Freunde, Familie) ist die: Viele Eltern sind mit den alltäglichen Situationen überfordert und wissen nicht, wie sie reagieren sollen. Dabei ist ihnen das grosse Ganze (biblisches Menschenbild) klar."

Denselben Eindruck hatte ich vor Jahren auch. Deshalb erklärte ich die Erziehung zu meinem Notstandsgebiet. Hier sind drei Antwortteile.

Im ersten Audiobeitrag stelle ich die Frage: "Wie kann ich erkennen, wie ein Ratgeber in Bezug auf die christliche Weltsicht einzuordnen ist?" Ich mag bis zu einem gewissen Punkt mitgehen. Ja, wir gehen im Kopf von einem persönlichen Gott aus. Wir stimmen zu, dass mit uns nicht alles in Ordnung ist. Wir bejahen, dass jeder von Gott gewollt und einzigartig begabt ist. Doch in der Realität leben wir oftmals wie Atheisten. Wir vertrauen auf unsere eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten. Wir entschuldigen unsere Sünde und die unserer Kinder. Wir würden gerne andere Gaben besitzen – bekannter, beliebter und aussergewöhnlicher sein. Säkulare Ratgeber fallen in aller Regel mehreren Reduktionismen anheim: Sie kommen ohne Gott aus (und vergöttern darum oft das Kind); sie müssen das offensichtliche Böse neu verorten (und suchen es in der Regel abstrakt in schlechter Umgebung und Systemen).

Der zweite Audiobeitrag beschäftigt sich mit der Herausforderung: "In der Familie täglich mit dem Gott leben, der wirklich da ist". Was bedeutet es als Familie täglich mit ausgestreckten, leeren Händen vor Ihm zu erscheinen? Wie integrieren wir das Gebet in den Familienalltag? Vertrauen wir auf unsere eigenen Ressourcen, die eigene Geschicklichkeit und unsere Vorräte? Wie sollen denn unsere Kinder lernen von Gott abhängig zu leben und sich bewusst zu werden, dass sie in glücklichen und schwierigen Momenten stets vor Ihm stehen?

Der dritte Audiobeitrag "Wie bringe ich ein biblisches Welt- und Menschenbild in den Erziehungsalltag?" versucht einen Weg aufzuzeigen, um im Alltag die Verknüpfungen zwischen einem Gott, der wirklich da ist und unserer Not, Verzweiflung, Ärger, Unbeherrschtheit, Ungehorsam, Starrsinn herzustellen. Ich schlage fünf Schritte vor: 

1. Protokolliere während 30 Tage jeweils 1-2 Schlüsselsituationen.
2. Bete immer wieder um Weisheit für diese Situationen.
3. Lies aufmerksam die ganze Bibel (Psalmen, Sprüche, Geschichten in AT & NT), um Hinweise zu bekommen.
4. Frage erfahrene Menschen, denen du begegnest, um Rat.
5. Verdichtet als Eltern eure Erkenntnisse. Was habt ihr über eure eigenen Herzen gelernt?

Wie Gott uns reformierte (Gastbeiträge von Flowing Waters – 6/6)

Von der Illusion des freien Willens eines Sünders

Da ich in der gleichen Gemeinde, wie auch die anderen von uns, aufwachsen durfte, glich auch mein Gottesbild den zuvor beschriebenen: Da Gott Liebe ist, schuf er als Reaktion auf den Sündenfall des Menschen einen Ausweg, indem Jesus Christus auf diese Erde kam, um für alle Sünden aller Menschen zu sterben und somit jedem Menschen die Erlösung anzubieten. Der Mensch muss nur noch zugreifen und das Geschenk der Errettung annehmen. Da es aber ein Geschenk Gottes ist, liegt es nun an jedem Menschen, dieses Geschenk auch anzunehmen oder eben abzulehnen. Dass Gott uns unseres „freien Willens“ berauben und einige Menschen vor Grundlegung der Welt auserwählt und zur Sohnschaft für sich selbst vorherbestimmt haben könnte, passte nicht in mein Gottesbild und wurde folglich auch gekonnt ignoriert. Allgemein wurden Begriffe wie „von Gott vorherbestimmt“ oder „auserwählt“, im Bezug auf die Errettung des Menschen, beim Lesen der Bibel einfach übergangen und nicht wahrgenommen.

Da mir versichert wurde, dass es sich bei diesem Thema um kein grundlegend wichtiges Thema handeln und nur Streit und unnötige Auseinandersetzungen zur Folge habe würde, machte ich mir auch keine weiteren Gedanken darüber. Ich war mir über Gottes und über meine Rolle in der Errettung im Klaren, sozusagen nach dem Motto: Gott ist neunundneunzig Schritte auf mich zugegangen und dann habe ich den letzten Schritt, der noch gefehlt hat, getan.

Doch dieses falsche Gottesbild bekam die ersten Risse, als ich, damals noch glühender Verfechter meines „freien Willens“, mit einem Freund über dieses Thema diskutierte. Da sich dieser Freund durch meine Argumenten nicht überzeugen lassen wollte und ich mich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausgiebig mit diesem Thema auseinandergesetzt hatte, beschloss ich, der Sache nun auf den Grund zu gehen. Und weil ich nicht irgendwelche Meinungen von Menschen übernehmen wollte, indem ich ihre Bücher oder Kommentare zu diesem Thema lese, fing ich an, das neue Testament durchzugehen, um eine Liste mit den, zu diesem Thema relevanten, Bibelstellen zu erstellen, um das „verkehrte“ Gottesbild meines Freundes zu korrigieren.

Doch je mehr Bibelstellen ich sammelte, desto größer wurden meine Zweifel, denn entgegen meiner Erwartungen fand ich viele Bibelstellen, in denen die Worte vorherbestimmt oder auserwählt in Bezug auf die Errettung von Menschen gebraucht wurden, jedoch keine, die von einem „freien Willen“ sprach. Das war der Beginn meiner Reformation, die seit damals stetig fortschritt.

Es brauchte aber noch eine gewisse Zeit, bis Gott mein stolzes Herz zu der Erkenntnis brachte, dass Gott auch nicht die Korridore der Zeit hinunter schaute, um seine Wahl an meiner Entscheidung für ihn rückwirkend festzumachen, was mein nächster Gedankengang war, sondern dass ich es alleine seinem Entschluss und seinem Willen zu verdanken habe, dass er mich auferweckt hat, der ich tot in meinen Sünden war. Vielleicht dauerte es bei mir deshalb etwas länger, um zu der Erkenntnis zu gelangen, dass der Sünder total verdorben ist und sich somit weder für das Gute entscheiden, noch etwas tun kann was Gott gefallen könnte. Man bedenke, dass ich in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen und dadurch vor den „schlimmen Sünden“ bewahrt worden bin. Ich hatte also eigentlich ein recht gutes Bild von mir. Doch die Gespräche mit meinen Freunden und vor allem das Hören der Predigtreihe über den Römerbrief von Dr. Wolfgang Nestvogel half mir dabei, dieses mehr und mehr zu verstehen und zu begreifen. Nun kann ich Gott von ganzem Herzen danken, dass er mich zur Sohnschaft durch Jesus Christus vorherbestimmt und mir, der ich tot in meinen Sünden war und nur den Willen meines Fleisches und meiner Gedanken tat, neues Leben geschenkt hat.

Ich stehe noch am Fuße des Berges der Erkenntnis dieser herrlichen Gnade, doch ist es mein Gebet, dass Gott mir mehr und mehr offenbart, was die Lehren der Gnade alles beinhalten, damit ich ihn so erkennen kann, wie er wirklich ist und ihn für seine herrliche Gnade, Souveränität und Allmacht in meiner Erlösung preisen und anbeten kann.

Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus! Er hat uns gesegnet mit jeder geistlichen Segnung in der Himmelswelt in Christus, wie er uns in ihm auserwählt hat vor Grundlegung der Welt, dass wir heilig und tadellos vor ihm seien in Liebe, und uns vorherbestimmt hat zur Sohnschaft durch Jesus Christus für sich selbst nach dem Wohlgefallen seines Willens, zum Preise der Herrlichkeit seiner Gnade, mit der er uns begnadigt hat in dem Geliebten. (Epheser 1,3-6)

Simon Feder

Wie Gott uns reformierte (Gastbeiträge von Flowing Waters – 5/6)

Es ist hart für dich, gegen den Stachel auszuschlagen!

Im Gegensatz zu meinen Freunden von Flowing Waters war ich theologisch nie derart geformt, dass ich von einer „persönliche theologische Reformation“ sprechen könnte. Dies ist schlichtweg dem geschuldet, dass ich recht spät, im 21. Lebensjahr, von Gottes Gnade ergriffen und souverän errettet wurde, nachdem ich mir zuvor lediglich theologisches Wissen angeignet hatte.

Sehr wohl genoss ich das selbige Gemeindeumfeld, doch die tiefe Verdorbenheit meiner fleischlichen Natur blieb stets eine ungezähmte Bestie, trotz aller Bekehrungsaufrufe und Tiefschläge in meinem Leben. Auch durch mehrere, teils schwere und selbst verschuldete Autounfälle änderte sich hierbei nichts. Mir wurde gesagt, dass „Gott zwei oder dreimal klar zu mir spricht“ und wenn ich nicht reagiere, dann wäre es zu spät. Durch diese Aussagen packte mich schon immer wieder mal die Angst vor der Hölle. Auch das stetige Drängen von Eltern, Verwandten und Großeltern „ich solle mich doch bekehren“ bewirkte nichts. Nun müsste es doch bestimmt zu spät gewesen sein, oder?

Ich war bereits 20 Jahre alt, führte theologische Schlachten über die Sicherheit des Heils, hielt sogar Jugendstunden und erntete massig positives Feedback – doch die innere Leere war stets gegenwärtig. Ich konnte mich noch so viel mit der Bibel befassen oder beten, ich wusste, dass ich kein Gotteskind bin.

Primär denke ich an zwei elementare Erlebnisse zurück, welche mir den Durchbruch zum Glauben verwehrten.

Zum einen waren es Predigten von führenden Brüdern, welche die „Irrlehre“ der Unverlierbarkeit des Heils anprangerten und dies als „schlimme Verführung aus Amerika“ abtaten.

Mir leuchtete nicht ein, wieso ich denn Gott bräuchte, wenn mein Heil weiterhin von mir abhängig ist und ich es sowieso wieder verlieren kann. Einen solchen Gott wollte ich nie, da er mir schlichtweg sinnlos erschien.

Zum anderen erlebte ich eine herbe Enttäuschung in der Jugend, als ich im Jahr 2004 für den Einkauf von Zigaretten auf einer Sommerfreizeit in Rumänien bestraft wurde, indem ich von der nachfolgenden Winterfreizeit ausgeschlossen wurde. Ich fühlte mich ungerecht behandelt, da ich juristisch nichts Verwerfliches tat und nicht gegen Vorschriften verstieß, während andere Jugendliche fest aufgestellte Regeln missachteten und keinerlei Konsequenzen folgten. Dies verhärtete mich bitterböse und ich lehnte die geistlichen Vorbilder der Gemeinde und der Jugendleitung nun kategorisch ab. Ich wehrte mich förmlich gegen einen solchen Gott, dem eine Theologie angedichtet wurde, die mir nicht einleuchtete und gegen Diener mit einem mir befremdlichen Gerechtigkeitssinn.

Wohlgemerkt, ich gebe niemand die Schuld für meine Herzenshärte, denn die Rettung ist alleinig Gottes Werk. Jedoch erkenne ich rückwirkend Gottes wunderbare Handschrift und Seine Führung in meinem Leben!

Im Jahr 2006 nahm ich erneut an einer Sommerfreizeit teil, diesmal in Norwegen. Ich entschloss mich mit meinem bereits verstorbenen Cousin die Freizeit zu ruinieren, es den Leitern schwer zu machen, sie büßen zu lassen für die ungerechte Behandlung. Beispielsweise hissten wir bei der Überfahrt mit dem Schiff in den Hafen Oslos die deutsche Flagge, was in Anbetracht des Palastes eine pure Provokation darstellte, worauf hin unsere Flagge von der Besatzung ins Wasser geworfen wurde. Auch rauchten und tranken wir – entgegen den Verhaltensregeln! – auf der Freizeit im Zimmer, stets in der Bemühung entgegen den Vorschriften Leitung zu handeln.

Nie im Leben dachte ich auf dieser Freizeit an eine Änderung meines Lebensstils – doch es kam total anders! An einem Zeugnisabend berichtete ein Freund davon, wie sein ungläubiger Onkel bei einem Autounfall ums Leben kam. Ich erkannte mich darin! Genau so hätte es mir schon etliche Male ergehen können, als ich auf wunderbare Weise in keinem der schweren Unfälle größere Blessuren davon trug. Es durchbohrte mich! Ich war wie versteinert an diesem Zeugnisabed! Ich zitterte und fror, es schüttelte mich innerlich – ich war mit mir am Ende! Ich merkte, dass Gott nun an mir wirkt, es war genug, gegen Ihn zu rebellieren und zu widerstreben. Völlig am Boden, weinend und kapitulierend erlebte ich, wie Gott mich aktiv wiedergebar und ich in Buße und Dankbarkeit mich ihm auslieferte. Sein Wirken war unwiderstehlich! Diese „irresistible Grace“ durchbrach nun meinen versklavten, unfreien Willen vollkommen – und ich wurde errettet!

Rückblickend kann ich mich allzu gut mit der Aussage in Gottes Wort identifizieren:

Als wir aber alle zur Erde niedergefallen waren, hörte ich eine Stimme in hebräischer Mundart zu mir sagen: Saul, Saul, was verfolgst du mich? Es ist hart für dich, gegen den Stachel auszuschlagen! (Apg 26,14)

Es war mir hart, auszuschlagen; ich wehrte mich, ich gab Menschen die Schuld für meine geistliche Taubheit – doch schlussendlich war mein Mühen vergebens!

Ich war nun völlig empfänglich und durch Gottes Geist vorbereitet, Sein Wort in aller Klarheit zu vernehmen. Die MacArthur Studienbibel war mir hierbei sehr große Hilfe, soteriologische Zusammenhänge zu begreifen, die Sinn ergaben und Gott allein die Ehre gaben. Ich verstand meine absolute Verdorbenheit, dieses Hindernis der Widerspenstigkeit um nach Gott zu fragen. Auch erkannte ich, dass ich weder aus meinem Willen noch aus menschlichen Taten wiedergeboren wurde. Überdies wurde mir klar, dass meine Erlösung in Gottes Plan lag und dieser Plan bis zum Ende hin sicher durchgezogen wird – weil Gott der Architekt dieses Plans ist und für die Durchführung sorgen wird! 

Durch die Bibelschule am EBTC und die Hirtenkonferenzen wurde diese Erkenntnis zunehmend verstärkt und deckte sich völlig mit dem, was ich durch das reine Lesen des Wortes Gottes bereits entnehmen konnte. Ich kam auch mit den Lehren der Gnade in Berührung, die mir schlussendlich gar nicht neu schienen, jedoch in ihrer kompakten Form die Freude am Evangelium neu entflammten.

Voller Dankbarkeit darf ich auf den Gebrauch der MacArthur Studienbibel und den Besuch der Bibelschule zurück blicken, welche mir eine saubere Lehre vermittelte und mir erstmalig ein theologisches Profil gaben, welches ich in voller Freudigkeit nun verkündigen darf!

Richard Henrich