Hanniel hirnt (110): Die Sackgasse des Ungehorsams – Vogelflug durch das Buch der Richter

Schon als Kind las ich dieses Buch sehr gerne, doch stets mit leichtem Schauern. Die Geschichten von mutigen und hauptsächlich weniger mutigen Richtern prägten sich mir durch die Bände „Die Bibel im Bild“ ein.

Das Buch besteht aus drei Teilen: Einer thematischen Einleitung (Kapitel 1 – 3,7), dem Hauptteil mit der Portraits mehrerer Richter (ergänzt durch summarische Berichte; 3,8 – 16) sowie einem moralischen Querschnitt (Richter 17-21).

Gerne verweise ich auf bestcommentaries.com für ein Rating der Kommentare.

Wie weist das Buch auf Christus voraus? Die Richter sind ein eindrückliches Beispiel für Sackgassen. Die Richter konnten dem Volk nur kurze Ruhepausen verschaffen. Für weitere Überlegungen verweise ich auf den ausgezeichneten Vortrag von Bryan Chappell.

Höre dir meinen Vogelflug zum Buch an – am besten mit geöffneter Bibel!

Kolumne: Fragen für den nächsten (Familien-)Spaziergang

Spaziergänge bieten sich für ein Gespräch an. Was für die Ehe gilt – siehe Die Wahrheit beginnt zu zweit -, lässt sich auch gut auf gemeinsame Wanderungen mit Familie, den Team oder als Reisegruppe anwenden. Fragen sind Impulse in Form von Ansprachen. Die Antwort des Einzelnen können sehr unterschiedlich ausfallen. Aus meiner Erfahrung richten die Antworten auch bei Personen etwas aus, die gar nicht direkt antworten. Hier ist eine Sammlung, die ich vor kurzem in der Familie gesammelt habe.

  • Was hat dich in letzter Zeit … richtig gefreut? … überrascht? …geärgert?
  • Wovon träumst du? Welcher Traum ist zerplatzt? Welcher ist immer noch da?
  • Was war eine Kleinigkeit, die du geschätzt hast?
  • Was hast du dir angeschafft, was du nachher gar nicht gebraucht hast?
  • Wofür hast du dich richtig geschämt?
  • Was sind deine aktuellen Anfechtungen?
  • Was sagen deine Nachbarn / Arbeitskollegen / Kunden über dich? Welche Geschichten erzählen sie über dich?
  • Wen nennst du dein Freund? Wer könnte dein Feind sein?
  • Was ist eine Predigt – ein Buch – eine Sendung, die dir nachgeht und dich prägt?
  • Wer sind deine Vorbilder, an denen du dich orientierst? Wer dient dir als Warnschild?
  • Vor was fürchtest du dich manchmal?

Weiterlesen

  1. 7 Grundfragen, auf die jeder Mensch eine gelebte Antwort gibt
  2. Fragen ans Innere und Ziele fürs Kommende
  3. 10 Fragen vor einer Anschaffung
  4. Im Fragen wachsen

Kolumne: Grossfamilie, Sonntagmorgen, zu spät aufgestanden

Ihr lieben Familienväter und -mütter: Kennt ihr eine solche Situation am Sonntagmorgen? Während der Woche hat sich unglaublich viel ereignet. Samstag war auch besetzt durch Besuch. Am Abend war man eher spät als früh ins Bett gekommen. Erschreckt fährt man dann am Sonntag hoch und sieht auf die Uhr. Schon so spät? Auf, beten als Ehepaar, die Kinder wecken, Frühstück machen. Der Morgen schickt sich an hektisch zu werden.

Da setzt sich meine Frau an den Küchentisch. Die Familie versammelt sich hungrig. Ich blicke auf die Uhr und wünschte mir, wir wären schon unterwegs in die Gemeinde. Die nächsten Minuten könnten durchaus turbulent, jede Sekunde eine weitere Gelegenheit für Konflikte werden.

Da nahm meine Frau den Heidelberger Katechismus zur Hand. Fasziniert unterbrach ich meine Überlegungen, meine Befürchtungen waren im Nu verflogen. «Ich habe die ganze Woche die Fragen 57 und 58 studiert und war so gesegnet.» Dann begann sie diese Fragen auf die Situation von mir und meinen Söhnen anzuwenden.

«Nehmt mal an … ihr fühlt euch ganz allein – das Projekt ist in die Hosen gegangen – ihr seid mit dem Rücken zur Wand…» Jeder Einzelne von uns sah sich lebhaft in eine reale Situation versetzt. Das ist bei solchen Dingen oft die Problematik: Wir hören eine Botschaft, doch wir fühlen uns nicht angesprochen. Wir vernehmen den Inhalt, doch beziehen ihn nicht unmittelbar auf uns selbst.

«Was tröstet dich die Auferstehung der Toten?» Hier werde ich höchstpersönlich angesprochen. Trost bedeutet eine unmittelbare Änderung und Heiligung meiner Gefühle. Dadurch verändert sich meine innere Disposition. Ich werde verfügbar, mein Wille wird bewegt.

«Nach diesem Leben werde ich durch die Kraft Christi auferweckt werden.» Ich werde aus meiner Augenblick-Fixierung herausgerissen. Meine Seele und mein Körper – so die alte Fassung – werden auferweckt werden. Dann: Ich werde zu Christus, meinem Herrn, kommen. Leibhaftig. «Er wird mir Anteil an seiner Herrlichkeit geben.»

Ich sah ihr Haar flattern, während sie der Haltestelle der S-Bahn zueilte. Mit blitzenden Augen meinte sie: «Es kann auch Freude machen zu eilen.» Wir stiegen ein. Gesegnet. Durch die Andacht meiner Frau. Herr, schenke in den Familien mehr solche erfrischenden Augenblicke!

Input: Ungesunde Gemeinde, falsche Sicherheit, Gemeinde verändern, Fokus Bibeltext, Ziele fürs Bibellesen

Das Netzwerk Evangelium21 schaltet wöchentlich mehrere übersetzte Beiträge zur Lehre der Gemeinde, der persönlichen Heiligung und der christlichen Weltsicht. Gerne weise ich auf diese wichtigen Ressourcen hin.

(Gemeinde) Fünf Wege, um ein gesundes Mitglied einer ungesunden Gemeinde zu sein: "Gebet verändert, nicht nur unsere Umstände, sondern uns selbst. Gebet hilft uns fokussiert zu bleiben, nicht auf unser Leid, sondern auf unseren Retter. Gebet hilft uns, weiter um unsere Gemeinden zu kämpfen, selbst wenn alles in uns aufschreit in Wut, Bitterkeit, Furcht und Gleichgültigkeit. Fang also an zu beten und hör nie damit auf."

(Gemeinde) Sechs Wege, wie man falsche Sicherheit fördert: "Zu schnell setzen wir voraus, dass Leute in unseren Gemeinden das Evangelium verstehen und glauben. Schließlich kommen sie am Sonntagmorgen in den Gottesdienst. Doch Tatsache ist, dass viele unserer Gemeinden die Botschaft und das Verständnis der Gemeinde davon für selbstverständlich halten. Das Ergebnis davon ist, dass unsere Gemeinden voller Leute sind, die einiges von den Implikationen des Evangeliums verstanden haben (z.B. wie man ein besserer Ehemann ist; wie man seinen Zorn in den Griff bekommt) und ein moralisches Leben führen, ohne das Evangelium auf sich selbst anzuwenden."

(Gemeinde/Lehre) Wie man eine Gemeinde verändert: "Zunächst sollten unsere Ideen für unsere Gemeinde aus der Schrift kommen. Das macht die Predigt zu dem wirkungsvollsten Instrument der Gemeindeveränderung. Die regelmäßige Auslegungspredigt der Schrift ist die Art und Weise, wie Gottes Geist normalerweise in Menschenherzen wirkt."

(Bibel/Predigt) Fünf Schritte, um die Hauptaussage eines Bibeltextes zu finden: Wie hat der Autor den Abschnitt aufgebaut? Warum hat der Autor den Abschnitt an diese Stelle des Buches platziert? Inwiefern bezieht sich mein Abschnitt auf das Thema des gesamten Buches? In welcher Verbindung steht der Abschnitt zum Evangelium?Was versucht der Autor seiner ersten Hörerschaft zu sagen?

(Bibel) Zehn Ziele fürs Bibellesen: John Piper wurde gefragt, was er tun würde, wenn er nochmals 22 Jahre alt wäre. „Ich würde den Entschluss fassen, jeden Tag für den Rest meines Lebens meine Bibel zu lesen.“

Blog-Rückblick: Drei Aufsätze zum Thema Menschsein

In meiner "Blogfrühzeit" habe ich drei Aufsätze zur biblischen Lehre über den Menschen geschaltet. Sie sind nach wie vor aktuell.

  1. Das biblische Menschenbild und der anthropologische Entwurf von Carl Rogers. Rogers war Hauptvertreter der humanistischen Psychologie im 20. Jahrhundert. Durch die Psychologiesierung der Gesellschaft sind Grundannahmen, die er wirksam vertreten hat, auch in christlichen Kreisen tief eingedrungen. Ich würde behaupten, dass viele Verkündiger die Version eines "therapeutischen Evangeliums" verkündigen, das sich nicht so stark von Rogers unterscheidet.
  2. Predigt "Was ist der Mensch?" Der Mensch ist Geschöpf und muss von Gott aus gedacht werden. Dazu sind zwei Aspekte zentral: Die Würde des Menschen ist in der Ebenbildlichkeit Gottes gegründet. Als gefallener Sünder kann er die Verantwortung hierfür nicht von sich weisen.
  3. Aufsatz "Warum ist Sex etwas Besonderes?" Mein Doktorvater Thomas K. Johnson beginnt den Aufsatz so: "Warum sollte Sex nicht wie jede andere Aktivität behandelt werden? Warum sollten wir es als moralisch einwandfrei betrachten, mit jemandem Tennis zu spielen, den wir nicht lieben, aber als unmoralisch, mit jemandem Sex zu haben, den wir nicht lieben? Warum sollten wir es als moralisch einwandfrei betrachten, mit einer Person des gleichen Geschlechts Mittag zu essen, aber als unmoralisch, mit der gleichen Person Sex zu haben? Warum sollte es uns erlaubt sein, aus reinem Vergnügen einen Film zu schauen, aber nicht, aus reinem Vergnügen Sex zu haben? Wodurch zeichnet sich Sex aus, dass solche besonderen Regeln dafür notwendig sind?“

Aufsatz: Die Beteiligten jedes Lernprozesses

Für Josia – Truth for Youth schreibe ich eine Serie zum Thema Lernen. Ich begann mit Lernen bedeutet: Über unser Denken nachdenken zu lernen. Jetzt geht es weiter mit der Überlegung, wer an einem Lernprozess beteiligt ist. Wir übergehen in der Regel den ersten Beteiligten, nämlich Gott selbst.

Aus der augustinischen Denktradition – der Kirchenvater Augustinus (354-430 n. Chr.) hat der Pädagogik viele wichtige Impulse gegeben – heraus stammt die Überlegung, dass es keinen Gedanken gibt, der nicht von Ihm zuvor gedacht worden wäre. Natürlich haben wir Menschen in unserer Sünde manche dieser Gedanken verkehrt und entstellt. Das ändert jedoch nichts daran, dass wir grundsätzlich nur Gottes Gedanken „nach-denken“ können. Wir sehen den dreieinigen Gott eher als Schöpfer des sichtbar Geschaffenen als den Urheber aller Gedanken. Für Lernprozesse ist dieses Letztere jedoch bedeutsam.

Hier geht es zum Aufsatz. Er geht auf einen Workshop zurück, den ich mit Lehrpersonen gemacht habe (Live-Ausschnitt).

Kolumne: Das Kind zur Lebensuntüchtigkeit erziehen? 10 Vorschläge

«Die spinnen, die Römer!» Diese Worte aus dem Mund von Obelix hätten die Angesprochenen wohl umgekehrt. «Die spinnen, die Gallier!» In diesem Sinn: Alles ist absolut ernst gemeint. Parallelen zur eigenen Situation sind beabsichtigt.

  1. Frage das Kind ab spätestens dem zweiten Lebensjahr, welche Kleider es anziehen, was es essen und ob es sitzen, stehen oder liegen will. Damit verfestigst du von klein auf die Rollenumkehr.
  2. Frage das Kind nur dann etwas, wenn du wirklich neugierig oder ängstlich bist. Warte dann die Antwort nicht ab, sondern gib sie dir selbst. Das erspart dem Kind die unangenehme Reflexion.
  3. Lass das Kind um jeden Preis nur mit Personen derselben Altersgruppe zusammen sein. So wird es wirksam von der Lebenswelt anderer Altersgruppen und Generationen abgeschirmt.
  4. Beruhige das Kind möglichst früh mit Online-Spielen. Dadurch wird ihr Gehirn stimuliert und ihre Fantasie beflügelt.
  5. Wenn du einen Auftrag gegeben hast, dann vergiss ihn geflissentlich und komme nicht mehr darauf zurück. So ersparst du dir und dem Kind manchen Ärger.
  6. Kürze Unannehmlichkeiten für das Kind wo immer du kannst ab. Springe ein für seine Nachlässigkeiten und überbrücke insbesondere finanzielle Folgen sofort. Damit wahrst du auch dein Gesicht.
  7. Lies dem Kind jeden materiellen Wunsch von den Lippen ab. Am besten, du beantwortest ihn bevor das Kind überhaupt etwas gesagt hat. Damit zeigst du ihm, wie sehr du es liebst.
  8. Weise alle Hilfeangebote des Kindes energisch zurück. Das Kind wird ja noch früh genug in den rauen Wind des Lebens gestellt werden.
  9. Zähle jeden Tag ab Geburt, bis du dein Kind kompetenten Erziehern und Lehrern abgeben kannst. Weise ihm damit den Weg, dass es dann auch mal für sich schauen kann, wenn es erwachsen ist.
  10. Staue dir deinen Ärger auf für Kleinigkeiten, die dir in die Komfortzone gehen. Insbesondere wenn du dich vor anderen, vor denen du gut dastehen willst, schämst.

Zum Weiterlesen: "Sie schicken Ihr Kind regulär zur Schule? 15 Fragen"

Kolumne: Was noch ärgerlicher ist als den Ausstieg zu verpassen

Ich war mit zweien meiner Jungs im Zug unterwegs. Die Lok hielt an der Haltestelle. Nach etwa einer Minute schlurfte eine untersetzte ältere Dame an uns vorbei. Nochmals einige Momente später hörten wir sie mit piepsend-schriller Stimme schreien: «Ich krieg die Türe nicht auf. Ich krieg die Türe nicht auf. Macht mir die Türe auf.» Im ganzen Wagen wurde es mucks Mäuschen still. Nachdem sich meine erste Überraschung gelegt hatte, hob sie erneut an: «Macht mir die Türe auf.» Ich erhob mich und begab mich zum Ausgang. Sofort erkannte ich, dass der Lokomotivführer die Türe bereits wieder geschlossen hatte. Ich erklärte es ihr. Verwirrt suchte sie noch einige Male den Hebel zur Öffnung der Türe zu betätigen – vergebens. Der Zug setzte sich wieder in Bewegung.

Ein übler Geruch stieg mir in die Nase. Die Dame schlurfte an ihren Sitzplatz zurück, erhob sich nach einer Zeit wieder. Sie suchte alle Knöpfe ab, wobei ihr der Schaffner entgegenkam. «Das ist die Notöffnung für die Toilette.» Sie klagte ihm ihre Not. «Madame, setzen Sie sich wieder hin. Wir fahren zur nächsten Stadt. Dann steigen Sie aus und fahren mit dem nächsten Zug zurück.» Es gelang ihm sie zu beruhigen. Bei der nächsten Haltestelle stiegen wir aus. Ich verspürte den innerlichen Impuls, mich von ihr abzuwenden und mich der nächsten Aufgabe zuzuwenden. Doch Jesus hatte mir gerade diese Frage über den Weg geschickt.

Also schritt langsam neben der klagenden Frau durch die Bahnhofshalle. Ein Freund, der mich abholte, druckte ihr den Fahrplan aus. Sie meinte, sie hätte noch nichts gegessen. Aufgrund ihrer Verwirrung traf dies wahrscheinlich zu. Zudem war sie auf einem Auge blind. Sie schien jedoch noch gut zu hören. Ich fasste mir ein Herz und sagte laut zu ihr: «Madame, es ist ärgerlich und anstrengend den Ausstieg zu verpassen. Noch viel tragischer ist es jedoch nicht zu wissen, wo Sie nach dem Tod hinkommen werden. Von dort lässt sich nicht einfach wieder zurückfahren.»

Ihre Reaktion werde ich so schnell nicht vergessen. Für alle Informationen, die mit der Weiterfahrt zusammenhingen, schien sie sehr hellhörig zu sein. Auch das Geschäft mit den Verpflegungsmöglichkeiten nahm sie sehr wohl wahr. Doch auf meine Bemerkung ausserhalb der nächsten Notwendigkeit reagierte sie gar nicht. Ich sehe sie vor meinem inneren Auge wie ein Roboter dem Gleis 28 zugehen.

Eine innere Traurigkeit erfasste mich: Wie viele Menschen reagieren genauso wie diese betagte Frau! Für alles, was den nächsten Moment erleichtert, haben sie ein offenes Ohr. Zugespitzt: Sie suchen sich andauernd ihre nächste Ablenkung. Doch bezüglich der Langfrist-Perspektive verhalten sie sich wie Roboter. Die innere Antenne, die über sie selbst hinausweist, nehmen sie nicht mehr wahr. Das Überhören ist längst zur Gewohnheit geworden.

Welche Antwort gibst du auf die Frage nach der Perspektive über dieses Leben hinaus? Die meisten säkular geprägten Menschen antworten mit einer Variante des traumlosen, ewig währenden  Schlafes. Der Mensch wird taucht wieder ins All ein und wird eins mit der Erde, die ihn hervorgebracht hat. Diese Annahme setzt einen gewaltigen «Glaubenssprung» voraus. Woher wollen sie dies wissen? Es ist dem Menschen gesetzt, einmal zu sterben, und danach das Gericht. So steht es im Neuen Testament geschrieben. Ich höre einen Bekannten lakonisch sagen: «Nur eines muss ich wirklich. Sterben.»

Buchbesprechung: Das Johannesevangelium besser verstehen

Während den letzten Tagen bin ich durch den Einleitungsteil des Johanneskommentars von D. A. Carson sehr gesegnet worden. Ein Vogelflug zeichnet sich ab.

Einige Einsichten habe ich als Rezension eingestellt.

Der fünffache Zweck des Kommentars: Den Textfluss ersichtlich machen; Interaktion mit der relevanten Sekundärliteratur (angesichts der Menge ist dies schon ein hohes Ziel für sich); den Beitrag des Evangeliums zur Biblischen und Systematischen Theologie herausarbeiten; den evangelistischen Gesamtcharakter des Evangeliums in der Auslegung herausschälen; zur übergeordneten Absicht siehe Zitat oben

Die Gliederung der Einleitung: Wichtige Merkmale des Evangeliums; „Soundings“ aus der Literatur, wie das Evangelium verstanden wurde; Authentizität, Autorschaft und Herkunft/Datierung des Evangeliums; Zweck; theologische Betonungen; Anmerkungen für die Predigt; Struktur

Kolumne: Wer das Bessere sieht, kann das andere fahren lassen

Meine Frau hat nach fünfzehn Jahren Tag- und Nacht-Dienst zur Zeit eine freie Zwischenstunde an einem Nachmittag. Sie freut sich jeweils auf die Zeit alleine auf einer Bank mit einem guten Buch. (Ich kann es nicht unterlassen, ihren aktuellen Buchtitel "For the Children's Sake" anzupreisen.) Kaum hatte sie sich gesetzt, gesellten sich zwei ältere Damen zu ihr. Die Ruhe war dahin. Natürlich hätte meine Frau ihren Platz wechseln können. Nach einem kurzen Gebet entschied sie sich zu bleiben. Schliesslich war dies schon das zweite Mal, dass sie diesen beiden begegnete.

Wohl eine halbe Stunde lang musste sie sich nun mitanhören, wie sich die beiden Damen bitterlich über den langsamen Verlust ihrer Gesundheit beklagten. (Es ist sehr unangenehm, älteren Menschen zuhören zu müssen, die sich im Leben noch kaum einschränken mussten und sich gewohnheitsmässig um sich selbst kreisen.) Als sie aufstanden, kam der Hammer – oder besser gesagt die Gelegenheit. Die eine beugte sich zu ihr hinüber und meinte: "Es war sicherlich spannend zwei älteren Frauen zuzuhören." Sie sagte dies in einem ernsten Tonfall.

Meine Frau spürte den Ärger in sich aufsteigen und betete erneut. Dann meinte sie: "Ich bin Mutter von fünf Kindern und habe vieles losgelassen, was Frauen in unserem Land als selbstverständliches Recht für sich beanspruchen. Als meine Kinder ganz klein waren, fiel es mir auf, wie schwer sie es schon hatten, einen Gegenstand loszulassen. Nur in einem Fall klappte dies bestens: Wenn sie einen anderen Gegenstand sahen, den sie noch lieber hatten. Wir kennen eine Frau, die 96 Jahre alt ist. Ihr Alltag ist äusserst hart. Sie befindet sich auf der letzten Wegstrecke. Sie kann jedoch loslassen, weil sie etwas Wichtigeres vor Augen hat: Die kommende Herrlichkeit bei Jesus."

Das Gegenüber meinte betroffen: "Das kann man ja nicht selber machen." Damit traf sie den Nagel auf den Kopf. Diese Perspektive kann jemandem nur geschenkt werden. Wir beten dafür, dass meine Frau bei der nächsten Begegnung auf eine weise Art daran anknüpfen kann. (Ich riet ihr, vier Zettel mit "Gott", "Mensch", "Jesus" und "Antwort" vorzubereiten.) Die Frage stellt sich genauso für mich – und für dich: Was halten wir fest und wollen es nicht hergeben? Weshalb fehlt uns der langfristige Blick? Ich wünsche für mich den Stephanus-Blick – den Blick des Zeugen – für die kommende Herrlichkeit (Apg 7,55).