Buchbesprechung: Die Fallen der Geschichtsschreibung

Carl R. Trueman. Histories and Fallacies. Crossway: Wheaton, 2010. 194 Seiten. Euro 6,80 (Kindle-Version).

Geschichte ist mehr als das Sammeln und Darstellen von Informationen. Geschichte muss in einen Sinnzusammenhang gestellt werden. Wie aber sollen diese Narrative gebaut bzw. konstruiert werden? Wie kann dies gewissenhaft und sorgfältig erfolgen? In diesem Buch sollen wir etwas über die Fallen von Geschichtsschreibung lernen.

Fächerübergreifend lesen

Warum aber ein Buch darüber lesen, wie Historiker Geschichte schreiben? Die Antwort trägt Carl F. Trueman, Absolvent von Cambridge und Aberdeen und aktuell Kirchenhistoriker am Westminister Seminary, am Ende dieses Buches selbst vor. Er meint: Es ist ein absolutes Erfordernis für den Historiker, fächer- und disziplinenübergreifend zu lesen. Dasselbe gilt auch für einen Theologen wie mich. (Natürlich ist das Buch in erster Linie an werdende und frisch gebackene Historiker gerichtet.) Trueman ist übrigens ordinierter Pfarrer der Orthodox Presbyterian Church. Sein pastorales Herz schlägt auch in seinen Publikationen durch. Der Schreibstil bleibt flüssig. Er verzichtet wo möglich auf lange Fussnoten, pflegt an den unentbehrlichen Stellen jedoch einschlägige Hinweise ein.

Wie das Buch aufgebaut ist

Das Buch folgt einem schlüssigen, klaren Konzept. Vier Hauptkapitel, eingebettet in Einleitung und Schlusskapitel. Jedes Kapitel beginnt und endet mit sorgfältigen Zusammenfassungen und Überleitungen. (Auch dies ist eine Empfehlung Truemans: Wenn ihr andere Autoren lest, dann achtet euch nicht nur auf den Inhalt, sondern auch auf ihr Vorgehen und ihren Aufbau.)

Die drei Hauptkapitel sind matrixartig aufgebaut, das heisst: Das Hauptlernfeld wird anhand eines Themas erarbeitet, nämlich

  1. die Verleugnung der Geschichte anhand der Holocaust-Leugner
  2. der schematische Reduktionismus anhand des Marxismus
  3. der historische Anachronismus anhand des Vergleichs zwischen Johannes Calvin und Francis Turretin und der Frage, ob Martin Luther als Rassist bezeichnet werden kann.

Im vierten Kapitel geht Trueman auf eine Reihe weiterer Fallen ein. Das Schlusskapitel ist Erkenntnissen und Lernfeldern für (angehende) Historiker gewidmet. Ein Konferenzpapier über die Rezeption von Johannes Calvin hängt dem Buch als weiteres Fallmaterial an.

Gelernt

Trueman betrachtet die unterschiedlichen Geschichtsverständnisse auf einer polaren Achse. In der einen Ecke taucht das konstruktivistische Geschichtsverständnis auf. Dieses geht von der (lapidaren) Voraussetzung aus, dass alle Geschichte relativ sei. Demnach würden alle Erzählungen und Ansätze gleichwertig nebeneinander stehen. (Ein kurzes Nachdenken genügt um zu merken, dass dieser Ansatz nicht praktikabel ist.) Auf der anderen Seite steht ein enger, allen Ereignissen übergestülpter Filter (eigene Formulierung). Beim letzteren Ansatz müssen sich alle auftauchenden Fakten der eigenen Position unterordnen. Ein konstruktiver Umgang mit Geschichtsschreibung muss irgendwo dazwischen liegen. Es geht nicht an, dass jedes Ereignis so unsicher ist, so dass es letztlich verneint wird. Ebenso wenig stellt sich die Geschichte so einfach dar, dass sie unter nur einem Aspekt endgültig behandelt werden könnte. Bei allem muss der Unterschied zwischen Neutralität und Objektivität beachtet werden. Jeder Historiker trägt eine explizite oder implizite moralische Agenda mit sich (mir ist es am liebsten, wenn diese offen gelegt ist). Das tut der Suche nach Objektivität keinen Abbruch. So liest Trueman auch marxistische Denker, mit denen er trotz aller Unterschiede doch einige wichtige methodische Vorgehensweisen teilt und deren inhaltlichen Argumente er sogar einiges abgewinnen kann. (An dieser Stelle war ich erleichtert; ich habe ebenfalls von solchen Historikern wie z. B. Eric Hobsbawn profitiert.)

Sehr instruktiv waren die Ausführungen über die begrenzte Aussagekraft von Augenzeugenberichten. Trueman führt überzeugend die Problematik der Wiedergabe von subjektiven Erlebnissen vor. Nicht nur der zeitliche Abstand, vor allem die eingeschränkte Wahrnehmung, gerade im Rahmen von ausserordentlichen Ereignissen, erfordern eine sorgfältige Evaluation.

Auch die ästhetische Falle ist zu berücksichtigen. Wie schnell lassen wir uns von einer anmutigen, geschickten Gestaltung irreführen. Ein schönes Format, imponierend viele Fussnoten oder einschlägige Grafiken allein unterstreichen den Wahrheitsgehalt von Aussagen keineswegs. Leider sind wir von den unzähligen medialen Darbietungen her anders „konditioniert“ worden.

Ich war beruhigt zu lesen, dass auch Trueman bisweilen Fehler unterlaufen sind – zu denen er heute steht und aus denen er gelernt hat. Ich selbst habe z. B. in meiner Dissertation dem stark veränderten Begriff der „Kultur“ zu wenig Beachtung geschenkt. Das heisst, ich habe retrospektiv einen Bedeutungszusammenhang behauptet, der aufgrund des damaligen Verständnisses nicht vorhanden sein konnte.

Fazit

Ich empfehle die Lektüre des Buches aufgrund seiner attraktiven Länge (unter 200 Seiten), den vielen anschaulichen Beispielen (Holocaust, Marxismus, Calvin & Luther u. v. m.) und der angenehmen inhaltlichen „Leserführung“. Als wichtigsten „Take Home Value“ betrachte ich die Gefahr, aufgrund eines weltanschaulichen Rahmens – auch wenn es ein biblischer zu sein scheint – Fakten auszublenden. Es gilt sich der Vorläufigkeit bestimmter geschichtlicher Annahmen bewusst zu bleiben.

Input: Wir leben in einer gebrochenen Welt

Wenn prominente Personen Eheprobleme haben, wird das nicht selten öffentlich ausgeschlachtet. So war in den vergangenen Monaten immer wieder vom Enkel Billy Grahams, Tullian Tchividjian, zu lesen. Er hat sich von seiner Frau getrennt und nun die Scheidung eingereicht. Er ist als Pastor seiner grossen Gemeinde zurückgetreten. Hier sind die Ereignisse zusammengefasst.

Paul Tripp, der Seelsorger von Tchividjian,  hat ein lesenswertes Statement geschrieben:

I wish we lived in a world where pastoral counsel and heart, life and ministry restoration could take place in private, but those days are regretfully long gone. So, in light of the news getting out that Tullian Tchividijian has filed for divorce and to mitigate any unnecessary and unhealthy speculation regarding the details of the situation, as Tullian's friend and counselor, I have decided to post this statement.

Sadly, there are times in this broken world where things that have been damaged by sin don't get put together again. So, we groan, reminded that sin still lives inside us, that we live in a shattered world and that God's work of redemption is not yet complete.

So, it has been with sadness that I, along with others, have come slowly and cautiously to the conclusion that his marriage is irreparably broken.

From the point of Tullian's confession and repentance, he has been committed to dealing with the issues of his heart and to restoring his marriage. Much grace, counsel, thought, prayer and action has been invested over a six month period of time with the hope of healing the marriage, but sadly, there are times when the trust is so deeply broken and patterns so set in place that it seems best to recognize that brokenness, cry out for God's grace, mourn, commit to forgiveness, rest in the truths of the gospel and with a grieved heart, move on.

I remain committed to Tullian as a brother and counselor and I will continue to give him the gospel as he now deals with what we together hoped and prayed would not happen.

Buchbesprechung: Modernismus und Orthodoxie

Herman Bavinck. Modernisme en orthodoxie. J. H. Kok: Kampen, 1911.

Bavinck Rektoratsrede von 1911 an der Freien Universität Amersterdam gilt als Höhepunkt seiner Kultur-zugewandten Äusserungen. Er sprach in einer Zeit, die noch vom Optimismus des beginnenden Jahrhunderts gekennzeichnet war, die aber durch den grossen Krieg drei Jahre später jäh zerstört werden sollte.

Bavinck streicht zuerst heraus, wie durch die Entdeckungen der Naturwissenschaften die „grosse, unendliche Vielfalt“ vermehrt zu Tage gefördert worden sei und gleichzeitig  „die vollkommenste Einheit“ sichtbar werde (Einheit und Vielfalt).  „Schwindelerregende Höhen und unergründliche Tiefen … bilden jede für sich eine Welt und sind doch Teile eines riesigen und wohlgeordneten Ganzen.“ Den Naturforschern, welche die wunderbare Struktur und Ordnung entdeckten, schritten jedes Mal durch eine Tür, die aber „nicht zu dem Licht, sondern auf einen anderen, langen, dunklen Korridor, an dessen Ende wieder eine Tür ist“ führten. „Und so geht es ins Unendliche.“ (Pierre Loti) Die Wissenschaft stehe in ständiger Bewegung. Deshalb würden neu gebaute Systeme von anderen wieder entthront. Der Ursprung der Welt und des Menschen seien aber nach wie vor ein Rätsel. 

Bavinck legt in seiner Rede Optimismus zu Tage. Das Wissen um Gottes erhaltende Kraft, den Glauben, „dass Er es ist, der in diesem Jahrhundert durch seine allmächtige und allgegenwärtige Kraft alle Dinge erhält und regiert“, führe zu Dankbarkeit. So könnten wir mit Freude die Ausbreitung und Erweiterung unseres Wissens annehmen. „Wir nutzen alle technischen Ressourcen, die der menschliche Genius zur Verfügung hat.“ Bavinck sieht sich als „Kind dieser Zeit“, das dankbar jede gute Gabe, die der Vater der Lichter in diesem Jahrhundert gegeben hat, annimmt.

Bavinck sieht sich also „mit beiden Füssen in unserer Zeit“ stehend. Heisst das aber, jegliches Bekenntnis zu verlassen? Dem Supranaturalismus den Rücken zu kehren? Der Autor bezieht mit diesen Einwänden zum Vorwurf Stellung, dass die Theologie weder richtig modern noch richtig orthodox sei. Für beide Begriffe ortet er eine unbefriedigende Deutung: „Modern“ sei eine Bezeichnung, die bereits im Mittelalter von Gruppen gebraucht worden sei, um einen Anspruch auf Neuheit geltend zu machen. Orthodoxie beinhaltete hingegen Zustimmung zum Bekenntnis einer bestimmten Gruppe. Er stellt diesen Definitionen den Begriff „reformiert“ gegenüber, der sowohl Bindung und Kontinuität an das christliche Bekenntnis wie auch die Pflicht beinhalte, die christliche Lehre ständig auf die aktuellen Fragestellungen anzuwenden.

Auch bei den Begriffen „Naturalismus“ und „Supranaturalismus“ nimmt Bavinck eine Begriffsklärung vor. Im 18. Jh. sei der Naturalismus nicht gegen den Supernaturalismus ins Feld gebracht worden, sondern gegen den Rationalismus. Der Naturalismus, der jegliche Offenbarung und sämtliche Wunder leugnete, die ausserhalb und über der normalen Ordnung der Natur stehen, sei erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts aufgekommen.

Wie schnell das neue Weltbild für andere Bereiche übernommen worden sei, zeigte sich etwa an der Schulfrage: Die Schule sollte eine neutrale Bildung und Ausbildung gewährleisten. Religion wurde auf Kirche und Familie, vielmehr das Herz bzw. das Innere, begrenzt. Damit wurde das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Für das kirchliche Leben habe das eine doppelte Folge gehabt: Einmal grosse Unsicherheit durch viele einander widersprechende Richtungen, die ein gemeinsames Bekenntnis unmöglich machten, zweitens leere Kirchenbänke. Andererseits sei aber die Unzufriedenheit und Suche nach mehr verstärkt worden: Das Bewusstsein der Abhängigkeit des Menschen, dessen Elend und die Schwere der Sünde, die Notwendigkeit eines Erlösers, die Notwendigkeit der Versöhnung und Erneuerung, der Glaube an das Geheimnis der Welt und der Durst nach Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott. Alle Religionen seien supra-naturalistisch, denn sie stützten sich immer auf eine Realität oder eine vermeintliche Offenbarung. Wenn es einen Gott gebe, dann existiere auch eine anerkannte Ordnung der Dinge, die der Natur und über der menschlichen Erkenntnis übergeordnet sei. Supranaturalismus gehöre, so Bavincks Fazit, zum Wesen des Christentums.

Bezüglich Materialismus habe sich das Blatt aber bereits wieder gewendet. Ganz so eingängig sei die materialistische Erklärung für den Ursprung der Welt nun doch nicht gewesen. Entweder sei „die endgültige Ursache und der tiefste Grund“ dergestalt, dass sie entweder absolut unerkennbar blieb oder nur Objekt eines kindlichen Glaubens sein konnte. Religion sieht Bavinck als Teil der Realität, die damit einen gleichberechtigten Anspruch neben der Wissenschaft, der Kunst erheben dürfe.

Bavinck arbeitet dann den Gegensatz zwischen dem Gottesbild, die die Wissenschaft vermittelt – sie verkündige einen fernen, indirekten Gott – und der Sehnsucht der  Menschen dar. Sie sehnten sich nach einem Gott, der nahe ist und Gebete erhört. Damit greift Bavinck eine Grundspannung des modernen Menschen heraus: Einerseits ist sein Wissen über die Beziehung von Ursache und Wirkung in Natur und Geschichte deutlich erweitert worden. Trotzdem bleibt die Grundfrage bestehen: Wie ist das Bild, das die Wissenschaft von Gott vermittelt, und dem Gott, der den religiösen Bedürfnissen entspricht, miteinander vereinbar? Wie kann das unendliche, ewige Wesen liebevoller, barmherziger und fürsorglicher Vater seiner Kinder sein?

Die Heilige Schrift bezeugt die Einheit Gottes. Der Schöpfer des Himmels und der Erde, in dem alle Wesen leben und weben, der unvergleichliche, unbegreifliche, unendliche und ewige, ist auch der Vater unseres Herrn Jesus Christus und in ihm der Vater aller seiner Kinder. Bavinck bekämpft die „schicksalhafte Trennung zwischen Kirche und der Welt zwischen Wissenschaft und Glauben, zwischen Wissenschaft und der kirchlichen Theologie". Trefflich habe die Theologie zwischen mitteilbaren und nicht mitteilbaren Eigenschaften Gottes unterschieden und keinen Widerspruch zwischen der Transzendenz und Immanenz Gottes gesehen. Auch wenn das menschliche Wissen erweitert worden ist, bleibt ein unendlicher Abstand erhalten. Es unterscheidet sich insofern nicht wesentlich vom früheren Wissen, denn das Rätsel der Natur konnte nicht einfach aufgelöst werden

Bavinck legt in forschem Tempo weitere Argumente vor: Er spricht von der Allgemeinen Offenbarung Gottes in Natur, Geschichte, unserem eigenen Herzen und Gewissen. Die Menschen haben ein Bewusstsein von Gottes Güte, aber auch und noch verstärkt von seiner Gerechtigkeit und seinem Zorn, seiner unvergleichlichen Größe und Majestät (siehe Römer 1,20f). Wenn jedoch das Vertrauen wieder festen Boden unter den Füßen gewinnt, ist dies auf die Spezielle Offenbarung zurückzuführen. Objektiv kommt diese besondere Offenbarung in der Person Christi und subjektiv im  Zeugnis des Heiligen Geistes im Herzen des Menschen zum Ausdruck.

Fazit: Wir haben ein- und denselben wahren und lebendigen Gott, der in Christus seine Barmherzigkeit offenbart und gleichzeitig auch durch die neueren natürlichen und historischen Wissenschaften seine ewige Macht und göttliche Majestät bezeugt. Die Grundhaltung des Christen – und auch der Freien Universität Amsterdams – ist die dankbare und eifrige Anwendung aller verfügbaren Ressourcen. Sie behält sich das Recht vor, alle Ressourcen, die Wissenschaft und Kultur zu Verfügung stellt, zu nutzen und damit die Wahrheit Gottes in seiner allgemeinen und besonderen Offenbarung besser und näher kennen zu lernen.

Kolumne: Ich sei ein Kopfmensch

Immer wieder habe ich es gehört: Ich sei ein Kopfmensch.

Den Glauben muss man leben.

Das entspricht dem Ideal des evangelikalen Frommen.

 

Meine Antwort lautet:

Gott hat mich mit einem denkerischen Schwerpunkt auf die Welt kommen und in einer denkenden Familie aufwachsen lassen.

Er hat mir von Kindsbeinen auf Freude am Lesen geschenkt.

Nicht nur Romane lese ich, nein, auch komplizierte theologische und philosophische Literatur.

 

Ja, ich höre schon den Einwand: Des Büchermachens ist kein Ende.

O ja, und des Filme Guckens erst recht nicht.

Lieber drei, vier, fünf Stunden fernsehen und sich seine Weltanschauung auf diese Weise ins Gehirn brennen lassen.

Lieber eine halbe Stunde fromme Dusche am Sonntag mit einigen weichen Liedchen, einer merkwürdig verstörten, auf den Prediger – statt auf die Schrift – ausgerichteten Botschaft.

Meistens wird moralisiert: Du musst nur das und das und das tun, um…

um einen besseren Stand mit Happyface und hoher Erlebnisdichte mit Gott zu erwirken.

Was habe ich diese gesetzlichen Botschaften satt!

 

Was passiert, wenn kein Happyface kommt, sondern

Depression, Vereinzelung, Tod, Ablehnung, Versagen im Beruf?

Was dann?

Dann werden wir auf Gott wütend.

Dann kracht uns unser schönes Kartenhaus auf den Kopf.

Prost auf den praktischen Christen!

 

Handeln ist alles. Orthopraxie – Entschuldigung, rechtes Handeln – zählt, sonst nichts.

Irrtum: Wer sein Handeln nicht ständig an Gottes Massstab ausrichtet, verirrt sich in seinem Handeln!

Da kannst du dein ganzes Leben praktisch bleiben.

Man kann immer rennen – in die falsche Richtung!

 

Aufs Leben kommt es an.

So, so.

Dann schauen wir doch einmal unser Leben an.

Unsere bürgerlichen Werte: Ich will meine Ruhe.

Und das Geld soll sich jährlich vermehren.

Also ich meine: Wenn ich auf mein Leben blicke, dann endet das regelmässig in einem Sündenbekenntnis.

 

Wir sind doch Jünger!

Ja, das sind wir. Lernende Jesu Christi, Fallende und Aufstehende.

Unser Glaube wirkt keinen anderen Glauben, bewahre.

Gott wirkt Glauben.

Zum Glück hat sich der Allmächtige nicht auf das alt- und neutestamentliche Gottesvolk abgestützt.

Natürlich, er hat es gebraucht.

Zum Beispiel hat er die ersten Christen durch Verfolgung aus Jerusalem hinaus gejagt, sonst wäre das Evangelium wohl nie nach Samarien gekommen.

 

Meine Kinder brauchen dringend eine externe, objektive Orientierung: Gottes Wort.

Ich bin nicht ihr Messias.

Ich bin eine unsichere Orientierungsgrösse.

O ja, ich nehme meine Aufgabe ernst.

Mein Zielbild ist, von seinen Worten zu sprechen, wenn ich aufstehe, unterwegs bin und mich niederlege.

Ich hoffe, dass meine Söhne merken, dass mein Glaube mit meinem ganzen Tagesablauf zusammen hängt:

Ohne IHN würde ich nicht

Teilzeit arbeiten

die Kinder selbst unterrichten

meine Morgenstruktur bis zum Eintreffen am Arbeitsplatz sorgfältig planen

meine Ernährung regulieren

meinen Medienkonsum genau überlegen

täglich über der Charakterentwicklung meiner Söhne hirnen

um Andachtszeiten kämpfen

mit meiner Frau ein oder mehrere Stunden austauschen.

 

Wie will ich beurteilen, wie ich

mit meiner Frau umgehen

meine Söhne erziehen

meinen Beruf ausüben

meinen Pflichten als Staatsbürger nachkommen

soll,

wenn ich nicht täglich über Gottes Wort ringe

und seinen moralischen Willen (sein Gesetz) zu erkennen trachte?

 

Auf die Beziehung komme es an.

Ja, aber wie definiert die Bibel diese Beziehung?

Wer mich liebt, sagt der Apostel der Liebe, wird meine Gebote halten!

Wer die Beziehung gegen den Geber des Wortes ausspielt,

ist gesetz-los.

 

Wir impfen unseren Kindern ein: „Es muss für mich gefühlsmässig stimmen.“

Aha. Dann sind Gefühle der Massstab für das geistliche Leben.

Das also ist ein Hauptdogma.

Neben einer Einschärfung: Es muss praktisch sein, Denken nur in Ausnahmefällen erlaubt.

 

Der amerikanische Sportseelsorger und Kirchenhistoriker Ahsley Null sagte: „Unsere Gemeinden sind so katholisch wie die Kirche vor der Reformation.“

Ich stimme zu.

Herr, erlöse uns von dem Bösen.

 

Euer denkender

Hanniel

Buben in die Selbständigkeit begleiten (31): Schwerarbeit Charakterentwicklung

Den Einkauf erledigen; die Kleinen füttern; Windeln wechseln; das Auto putzen; neue technische Geräte anschaffen; mit den Kindern rammeln; den Boden feucht aufnehmen; auch mal das Bügeleisen in die Hand nehmen. So muss der zeitgemässe Hausmann amten. Die Partnerin überlegt sich stets: Was habe ich davon? Wie kann ich noch…? Das wichtigste Beurteilungskriterium scheint darin zu bestehen, endlich wieder mal einen Abend mit Freundinnen zu verbringen, ins Kino zu gehen oder eine inspirierende Weiterbildung zu absolvieren. Dies gilt vor allem für die Kleinkindphase. Nachher gehen die beiden Partner beide wieder voll ihren eigenen Interessen nach. Das Kind muss schliesslich seinen Weg finden.

In den Disziplinen, die oben beschrieben waren, da ich gebe offen zu: Da war (und bin) ich nicht stark. Meine Frau deckte einen Grossteil dieser Aufgaben ab. Dafür habe ich herbe Kritik eingesteckt, zum Teil zu Recht, zum Teil zu Unrecht. Lasst mich einmal eine Beobachtung schildern: Manche Väter bleiben bei dieser rein äusserlichen Versorgung des Nachwuchses stehen. Meine Frau hat mich – in Absprache – für andere Aufgaben freigesetzt: Der inhaltlichen und charakterlichen Begleitung der Söhne. Nicht für die Zwischengeräusche habe ich auf den Plan zu treten, sondern dann, wenn sich der Wind dreht oder sich Weichen stellen.

Zieht ein Konflikt auf? Der Vater geht hin. Er klärt mit den Beteiligten die Rollen, durchbricht gehütete Eigeninteressen, versucht mit Fragen Motive aufzudecken. In diesem Prozess kriegt er manchmal selbst etwas ab. Besteht Lernunwille? Dann wird das Gespräch wird gesucht. Verzweiflung, Faulheit, Ehrgeiz werden thematisiert. Steht ein Kind bei seiner eigenen Stillen Zeit an? Der Vater setzt sich hin, geht den Ursachen nach. Muss ein Kind zu Unrecht einstecken? Der Vater ist gefordert, den Ursachen der Entmutigung und der Unfähigkeit, selber hinzustehen, nachzugehen. Wird die Mutter mit Forderungen unter Druck gesetzt? Der Vater stellt sich vor die Mutter und klärt, weshalb es dazu gekommen ist. Hat sich das Kind ein Ziel gesteckt? Der Vater ist für die Zielklärung verantwortlich. Er regt das Kind bei der Planung, Etappierung und Überprüfung der Umsetzung an.

Ich kann versichern: Diese Tätigkeiten sind härteste Arbeit. Es braucht Durchhaltewillen und vor allem ständiges Gebet. Der Vater steht oftmals selbst wie ein Esel am Berg da. "Die Kirche sorgt für die religiöse Erziehung der Kinder." So denken manche Väter. Was für eine Lüge! Für Bildung, aber auch für religiöse Erziehung kommt dem Elternhaus die Schlüsselrolle zu. Man kann delegieren, jedoch nie die Verantwortung abgeben. Der Vater trägt die Letztverantwortung für die Familie.

Meine Erfahrungen als Amazon-Rezensent

Vor zwei Monaten startete ich den Versuch, regelmässig Rezensionen auf Amazon einzustellen. Es ist eine Plage unserer Zeit, dass alles verglichen werden muss. "Wettbewerb belebt das Geschäft", rufen die einen. "Neid regiert die Welt", schallt es zurück. Meine Erfahrungen in Kürze:

  1. Ich bin eine wettbewerbsfreudige Person und deshalb anfällig für "sportliche Aktivitäten" wie diese. Dass ich mich gerne messe, habe ich wohl auch schon an die nächste Generation weitergegeben – mit Sonnen- und Schattenseiten. Natürlich ist mir klar, dass ich nur mit der Besprechung der neusten elektronischen Gadgets richtig nach vorne kommen könnte. Das werde ich nicht tun; ich will meiner Linie treu bleiben.
  2. Das Wetteifern um Plätze kann eine Sogwirkung entfalten. So habe gelesen, dass Top-Rezensenten einander schlechte Bewertungen geben. Ein Mann gelangte zu Berühmtheit, weil er über 10 Jahre (!) täglich eine Rezension eingestellt hatte. 2012 stieg er aus dem "Zirkus" aus. Es ist eine Gefahr, durch Bezahlung eher das Produkt anzupreisen als eine kritische Auseinandersetzung zu fördern.
  3. Was ist meine Strategie? Kurze, aber nicht zu kurz gehaltene, prägnant geschriebene, strukturierte, mit einer klaren Empfehlung versehene Rezensionen zu einem Buch werden eingestellt. Ich habe für mich ein inhaltliches Profil entwickelt: Bücher aus der Sicht christlicher Weltanchauung zu beurteilen. Das Ziel ist, dass Leser der Besprechungen auf mein Profil gehen und auf diese Weise Zugang zu anderen Büchern finden. Bis jetzt habe ich minimal drei von fünf Sternen vergeben. Ich möchte eigentlich keine Bücher rezensieren, die es nicht wert sind besprochen zu werden.
  4. Ein interessantes Unterfangen ist das Lernen von anderen Top-Rezensenten. Ich lese gerne Christian Döring, Lexi oder fachlich starke Rezensenten wie diese, um von ihnen zu lernen und neue Buchhinweise zu bekommen.
  5. Durch meine Tätigkeit wurde ich angeregt, wieder vermehrt in deutscher und nicht nur englischer Sprache abgefasste Werke zu lesen. Dazu gehören Sachbücher und Biografien, auch neu erschienene. Mein Spektrum erweitert sich auch über den wissenschaftlichen Bereich hinaus auf allgemein verständliche Literatur.
  6. Letztlich sind die Buchbesprechungen auch Dokumentation der eigenen inhaltlichen Auseinandersetzung und Reibung mit den Ideen anderer Menschen. Die Beschäftigung mit diesen Gedankengängen weitet meinen eigenen Blick und schärft meine Argumentation.

Ich werde diese Tätigkeit fortsetzen. Ich verfüge über einen grossen Vorrat an weiteren Rezensionen.

Buchbesprechung: Ein aktueller Managementratgeber

Claus O. Scharmer. Theorie U: Von der Zukunft her führen: Presencing als soziale Technik. Carl Auer-Verlag: Heidelberg, 2014. 526 Seiten. 50 Euro 

Der Autor

ist hoch dekorierter Wirtschaftswissenschaftler am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Das Institut gilt gemäss Laudatio auf der Rückseite als kreative Brutstätte und hat zahlreiche Nobelpreisträger hervorgebracht. Scharmers Werk liegt ein persönliches Erlebnis zugrunde: Als 16-jähriger wurde er ohne Vorwarnung aus der Schule zum elterlichen Hof beordert. Er lief hinzu, um das Anwesen in Flammen aufgehen zu sehen. Diesen Moment bewertet er im Nachhinein als Glück. Es stiess ihn nämlich zur Veränderung seines Aufmerksamkeitsfeldes an (75). Scharmer erinnert sich zurück an die wöchentlichen Spaziergänge mit der Familie, bei denen sein Vater – Pionier-Biobauer – einzelne Schollen aufhob und die Schichten genau studierte. Er sieht das Buch als Einladung zu einem „Feldgang“ durch die soziale Landschaft unserer globalen zeitgenössischen Gesellschaft (36).

Ein Management-Wälzer?

Der Umfang (über 500 Seiten) und die Dichte (insbesondere bedingt durch die Vielzahl von Modellen und Quellen) liessen mich untergründig fragen: Wäre es auch kürzer gegangen? Dass der Carl Auer-Verlag als Herausgeber der deutschen Übersetzung fungiert, liess erahnen, dass der Inhalt nicht nur auf der rational-sachlogischen Ebene angesiedelt sein würde. Scharmer zitiert transparent seine Quellen der Inspiration, zu denen er u. a. Rudolf Steiner zählt: „Steiners Synthese von Wissenschaft, Bewusstsein und sozialer Innovation hat meine Arbeit nachhaltig inspiriert.“ (57)

Die These und das zentrale Modell

Der Schlüsselbegriff ist das „Presencing“. Darunter versteht der Autor den Vorgang bzw. die Technik, sein „eigenes höchstes Zukunftspotenzial zu erspüren, sich hineinziehen zu lassen und dann von diesem Ort aus zu handeln“ (35). Es geht um das „Anwesendwerden einer essenziellen Möglichkeit, als Ankünftigwerden eines zukünftigen Potenzials“ (58). Wer ist Beteiligter? Jeder Mensch unabhängig von seiner institutionellen Position, der  an der Gestaltung und Veränderung der Zukunft arbeitet (31). Es geht nach Scharmer darum, nicht aus der Vergangenheit, der unmittelbaren Gegenwart, sondern „aus der entstehenden Zukunft heraus zu handeln“ (74), sich "aus der Zukunft entgegenzulaufen" (258, zit. Heidegger).

Aufbau und Methodik

Das Buch besteht aus drei Teilen (46): Der erste Teil des „Feldgangs“ setzt sich mit dem kollektiven „blinden Fleck“ auseinander. Dann skizziert der Autor den Prozess, um diesen blinden Fleck zu erhellen und drittens einen Prozess „sozialer Evolution“ zu entwerfen.

Dies wird mit drei methodischen Strängen verbunden: Phänomenologie (gemeinsames Hinsehen), Dialog (zahlreiche Interviews mit bekannten Beratern und Künstlern) sowie kollektive Aktionsforschung (Beschreibung von Gruppenprozessen).

Die Problemdiagnose: Kollabierendes globales System

Wo ortet der Autor die Problemzonen der Unternehmen? Man kann dafür an den Anfang des Buches gehen. „Wir leben in einer Zeit brodelnder Konflikte und massiven institutionellen Versagens.“ (26) Die Arbeitnehmer spürten „die Hitze einer sich immer weiter hochschraubenden Arbeitsbelastung und den Druck, noch mehr zu leisten“ (27). Diese Ausgangslage sei in eine Periode weltweiter Unruhe eingebettet: Hunger, Krankheiten und Krieg, vergiftete Umwelt, Unsummen an Fehlinvestitionen für marode Gesundheits- und Bildungssysteme. Diese brächten traditionelle und moderne industrielle Strukturen zum Einstürzen (29). In diesem „immer chaotischeren“ Umfeld sollen nun „Quellen für fundamentale und nachhaltige Innovation und Erneuerung“ erschlossen werden (89). Scharmer geht davon aus, dass Organisationen gegenüber bruchartigen Chancen für Veränderungen blind seien („blinder Fleck“, 101).

Die Lösungssuche und -verwirklichung: Selbstreflektive Wende der eigenen Muster von Aufmerksamkeit und Bewusstsein

Der Schlüssel für Veränderung sei eine tiefere gemeinsame Sicht (die Worte "tiefer" und "sehen" werden sehr oft verwendet). Dazu müsse das Urteilen (kognitiver Feind), der Zynismus (Feind des Herzens) und die Angst (Feind des Willens) überwunden werden (71). Alte, gewohnheitsmässige Betrachtungsweisen müssten losgelassen werden. Scharmer beschreibt dazu einen mehrstufigen Öffnungsprozess (innehalten/hinsehen, umwenden/hinspüren, loslassen) sowie einen spiegelbildlichen Prototyping-Prozess (kommen lassen, verdichten/hervorbringen, erproben/verkörpern). Mitte und Wendepunkt ist das Presencing, das der Autor mit den Kernaktivitäten "mit der Quelle verbinden" und "anwesend werden" umschreibt. Zum Vorschein komme das "essentielle oder authentische Selbst" (190).

Als schädlicher Gegenprozess wird das "Absencing" beschrieben: Runterladen, Nichtsehen, Entfühlen, Abwesendwerden, Illusionieren, Abbrechen, Auslöschen (270).

Bewertung aus biblischer Weltsicht

Der Autor erkennt eine Unruhe, die der ganzen Welt, aber auch einzelnen Institutionen innewohnt. Die Bibel beschreibt diese Instabilität als Folge des Sündenfalls – ein Begriff, der dem Autor fehlt. Ebenso erkennt Scharmer einen blinden Fleck, der Unternehmen unfähig macht, sich ändernden Bedingungen rechtzeitig anzupassen. Hier muss unterschieden werden: Schwierigkeiten entstehen aus Folgen von Sünde (z. B. durch Korruption, Faulheit, Betrug). Andererseits ist der Mensch bestimmten Begrenzungen unterworfen. Zum Beispiel waren vor 50 Jahren die Möglichkeiten Herzleiden behandeln, noch viel eingeschränkter als heute (Makroebene). Es ist aber auch möglich, dass ein Unternehmen bzw. ganze Branchen Entwicklung aus bester Absicht „verschlafen“ und dadurch ins Schlingern geraten (Mikroebene). Sämtlicher Fortschritt ist vom Schöpfer initiiert. Auch diese Differenzierung wird nicht vorgenommen, weil der Autor keinen theistischen Standpunkt einnimmt.

Die Lösungssuche besteht bei Scharmer aus einer „Öffnung nach innen“: In einer gemeinsamen Erfahrung (die er als „Spiritualität“ beschreibt) wird die Aufmerksamkeit umgelenkt und das Bewusstsein bei der gemeinsamen Lösungsfindung geweitet. Fortschritt besteht nach wie vor in Veränderung, doch nicht mehr in rein kognitiver oder prozesslogischer Weiterentwicklung, sondern in der Entdeckung neuer innerer Ressourcen. Das Potenzial verbirgt sich in einer gemeinsamen Wesensschau des Menschen. Es wird deutlich, dass Scharmer hier keine Unterscheidung zwischen Schöpfer und Geschöpf voraussetzt bzw. die göttlichen Fähigkeiten den Geschöpfen zuschreibt. Anstatt einer „Öffnung nach oben“ und der grundlegenden Veränderung durch das neue Leben wird ein immanenter Veränderungsprozess skizziert.

Scharmer hält durch seine Fähigkeit, genau hinzusehen und durch Dialog die Ressourcen von verschiedenen Menschen und Organisationen zu heben, immer wieder hilfreiche Modelle und Einsichten bereit. Ebenso gelingt es ihm aufzuzeigen, dass Erkennen, Fühlen und Wollen zusammengehören und in eine neue Richtung gelenkt werden müssen. Insgesamt bleibt der Prozess jedoch zu schwammig. Der niederländische Theologe und Philosoph Herman Bavinck hat es so beschrieben: Wer Gott aus der Landkarte des Denkens und Handelns verschwinden lässt, kann seine Anstrengung entweder auf den Menschen oder die übrige Natur richten. Die Folge davon sind reduktionistische Theorien und Systeme, die entweder einen materialistischen oder einen humanistischen Schwerpunkt aufweisen. In diesem Werk ist der Mensch und seine schlummernden Potzenziale im Zentrum der Aufmerksamkeit. Er ist Heilsbringer, indem er Veränderungsprozesse anstösst, die zu friedvoller Kooperation, neuen Visionen und Initiativen sowie wirtschaftlicher Regeneration in Unternehmen führen.

Aus den Medien: Kindergeld für Flüchtlinge, Dialog mit Muslimen, Pleite mit individuellem Lernen, kranke Verkündigung

Frei gewordenes Betreuungsgeld für Flüchtlinge einsetzen

Harald Martenstein meint (VD: FS):

Nichts ist einfacher, als einen moraltriefenden Text über Flüchtlinge zu verfassen. Damit trägt man hauptsächlich dafür Sorge, selber als guter Mensch dazustehen. Ein Reformvorschlag: Das Geld, das durch den Wegfall des Betreuungsgeldes frei geworden ist, sollte für Flüchtlingsfamilien verwendet werden.

Es gehe nicht um Religionsvermischung

Auch Michael Diener, Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz, sandte Signale:

Der Dachverband der deutschen Evangelikalen hat die Mitwirkung des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, an einem islamischen Kuratorium verteidigt. „Es geht da nicht um Religionsvermischung, sondern um Einsatz für Verständigung“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz (DEA), Michael Diener. …  In einigen evangelikalen Kreisen werde „oft jede Form von Dialog, Gespräch, Zusammenarbeit mit Nichtchristen – vor allem mit Muslimen – von vornherein kategorisch abgelehnt“.

Ineffektives individuelles Lernen

Eine Tübinger Vorzeigeschule produziert katastrophale Ergebnisse. Die FAZ berichtet:

Mitarbeiter des Lehrstuhls Bohl haben im Rahmen einer alltagsnahen Begleitforschung (in einer zweiten Tranche soll eine Längsschnittbefragung folgen) jetzt die Arbeit der Tübinger Vorzeigeschule unter die Lupe genommen. Sie haben eine Inklusionsklasse mit 19 Schülern und eine weitere Lerngruppe mit 26 Schülern untersucht. Ausgerechnet das individuelle Lernen, das in der Gemeinschaftsschule bei den Kernfächern in zwei der vier Wochenstunden praktiziert werden soll, aber auch im Wahlpflichtbereich viel Raum einnimmt, hat sich als denkbar ineffektiv erwiesen.

Kranke Verkündigung

Eine klare Ansage von Bischof Stefan Oster:

Ich halte es erstens für eine äußerlich recht sympathisch wirkende Irrlehre, wenn heute mit Hilfe des Schlagwortes „Frohbotschaft statt Drohbotschaft“ das Christentum zu einer Art Humanismus der Nettigkeit nivelliert wird: Ja nichts von Sünde, nichts von Umkehr, nichts von Gericht, schon gar nicht von Hölle predigen! Passt nicht mehr in die Zeit. Und passt auch irgendwie nicht zur Kirche im Heute. Die „Botschaft“ des Evangeliums ist demnach vor allem ein nettes, ein wenig ethisch aufgeladenes Handlungsprogramm, das uns auffordert, gut zueinander zu sein, vor allem gut zu Minderheiten und Armen, gut zur Schöpfung, gut zu Flüchtlingen, gut zum Nachbarn….. Und wer das einigermaßen erfüllt, der ist schon Christ oder zumindest irgendwas Ähnliches. Der meint, es jedenfalls schon verstanden zu haben, was in der Kirche immer gepredigt wird, der ist irgendwie dabei.

Zitat der Woche: Fast alle haben einen Schaden aus ihrer Kindheit

Entsetzlich, den Leichtsinn und die Gleichgültigkeit und die Sicherheit zu sehen, womit man Kinder erzieht: und doch ist jeder Mensch wesentlich, was er bliebt, wenn er zehn Jahre alt ist; und dennoch wird man finden, dass fast alle einen Schaden aus ihrer Kindheit an sich tragen, den sie mit 70 Jahren nicht verwunden haben; samt dem, dass alle unglücklichen Individualitäten sich gewöhnlich zu einem verkehrten Kindheitseindruck verhalten. / O, wehmütige Satire über das menschliche Geschlecht: dass die Lenkung deshalb beinahe jedes Kind so reich ausgestattet hat, weil sie im voraus wusste, was ihm bevorstehe: dass es von 'Eltern' erzogen, d. h. verpfuscht werden sollte, soweit ein Mensch das vermag.

Joakim Garff. Kierkegaard. Hanser: München/Wien, 2004. (38)

Input: Vier gesellschaftlich anerkannte Mythen

In Anlehnung an Offenbarung 6 nannte Chuck Colson, Gründer von Prison Fellowship, vier gesellschaftlich akzeptierte Mythen und ihre Auswirkungen. Er hielt die Rede anlässlich der Verleihung des Tempelton-Preises im Jahr 1993.

The first myth is the goodness of man. The first horseman rails against heaven with the presumptuous question: why do bad things happen to good people? He multiplies evil by denying its existence. … This myth deludes people into thinking that they are always victims, never villains; always deprived, never depraved. The second myth of modernity is the promise of coming utopia.

The second horseman arrives with sword and slaughter. This is the myth that human nature can be perfected by government; that a new Jerusalem can be built using the tools of politics.

The third myth is the relativity of moral values. The third horseman sows chaos and confusion. … This myth hides the dividing line between good and evil, noble and base. It has thus created a crisis in the realm of truth. When a society abandons its transcendent values, each individual's moral vision becomes purely personal and finally equal.

The fourth modern myth is radical individualism. The fourth horseman brings excess and isolation. … This myth dismisses the importance of family, church, and community; denies the value of sacrifice; and elevates individual rights and pleasures as the ultimate social value.

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