Buchbesprechung: Philosophie der Offenbarung (I)

Herman Bavinck. Wijsbegeerte der openbaring. J. H. Kok: Kampen, 1908. (Niederländisches Orginial, freier Download)

(Die englische Übersetzung ist nicht in allen Teilen sehr glücklich. Es existiert mittlerweile eine überarbeitete Fassung von P. Pikkert, die ich jedoch nicht kenne. Das Buch wurde bei der Herausgabe 1909 auch auf deutsch übersetzt. Hier gelten die gleichen Vorbehalte.)

Das Werk „Philosophie der Offenbarung“ stellt das philosophische Hauptwerk des reifen 54-jährigen Bavinck dar. (Bavinck verzichtete für die Vorbereitung sogar auf Urlaub mit Frau und Tochter.) Seit sechs Jahren war er als Professor für Dogmatik an die Freie Universität Amsterdams gewechselt und hatte sich im mondänen, grossstädtischen Umfeld schnell etabliert. Die Reformierte Dogmatik war seit sieben Jahren abgeschlossen; Bavinck hatte sich zu zahlreichen philsophischen Themen geäussert, u. a. in „Christliche Weltanschauung“ (1904) und „Christliche Wissenschaft“ (1904). Die christliche ARP stand auf dem Höhepunkt der Macht. Nach der Wahlniederlage Kuypers 1905 hatte Bavinck den Vorsitz der Partei abgegeben. Das Verhältnis zu Kuyper war abgekühlt. Bavinck argumentierte inhaltlich nuancierter als sein mächtiger Weggefährte. Das Werk „Philosophie der Offenbarung“ entstand anlässlich des Auftrags, 1908 in den USA die Stones Lectures vorzutragen – 10 Jahre nach Abraham Kuyper. James D. Bratt hat in „The Context of Herman Bavinck’s Stone Lectures: Culture and Politics in 1908” die politische, soziale und geistlicheswissenschaftliche Lage gut skizzert. Es empfiehlt sich, diesen Aufsatz als Hintergrund zu Gemüte zu führen. Zu den acht Vorlesungen fügte Bavinck hinterher noch die beiden Kapitel „Offenbarung und Kultur“ sowie „Offenbarung und die Zukunft“ an. Die Lektüre ist kein Spaziergang; man kann jedoch problemlos einzelne Kapitel lesen.

Zum ersten Kapitel hole ich etwas weiter aus, da Bavinck hier die Idee einer Philosophie der Offenbarung erläutert. Die Menschheit sei durch alle Zeiten „bis in ihr Innerstes“ supra-naturalistisch geprägt gewesen. Seit dem Deismus der Aufklärung waren jedoch die Handlungen Gottes in der Welt für überflüssig erklärt worden. Das 19. Jahrhundert brachte mit den Exponenten Darwin und Marx einen agnostischen und später gar atheistischen Naturalismus hervor. Die bis dahin angenommene Teleologie der Welt wurde in die These eines permanenten Flusses umgewandelt. Entwicklung bedeutete Fortschritt. Da die Menschen jedoch nicht mit einem blanken Materialismus auskommen, kippte die Denkweise in eine pantheistische Deutung der Evolution: Sie bringe einen „absoluten Geist“ hervor. Diese pantheistische Wandlung sei jedoch eher von Sehnsucht nach Selbstzufriedenheit als nach dem Begehren nach Erkenntnis und Dienst am lebendigen Gott gekennzeichnet gewesen. Die wahre Religion jedoch müsse uns über diese Welt hinausheben. Bavinck entfaltet in der ersten und zweiten Vorlesung – wie kaum an einer anderen Stelle – wunderschön den Gedanken der zweifachen Offenbarung Gottes. Die erste ergeht an alle Menschen durch die Schöpfung, die zweite erhellt den Erlösten den Blick auf Gott als Vater in Jesus Christus – durch die Schrift. Bavinck weist auch auf die Beziehung der zweifachen Offenbarung hin, etwa dass die spezielle Offenbarung zahlreiche Elemente der allgemeinen in sich aufgenommen habe und auf ihr basiere. Kein Wunder, denn hinter beiden Offenbarungen steht derselbe Gott.

Dann formuliert Bavinck die Hauptaussage des Buches: Eine Wissenschaft der Erkenntnis Gottes gründet auf seiner Offenbarung. Das gesamte Werk geht der Idee dieser Gottesoffenbarung nach und untersucht sie in Beziehung mit verschiedenen Bereichen des Lebens. Die Offenbarung sei Voraussetzung, Fundament und Geheinmnis der gesamten Schöpfung – der sichtbaren Welt und der unsichtbaren Welt der Ideen.

In der zweiten und dritten Vorlesung richtet Bavinck die Aufmerksamkeit den ersten Lebensbereich der Philosophie. Der Schwerpunkt liegt auf der philosophischen Erkenntnislehre (Epistemologie). Sämtliche Betrachtungen beruhen auf einem weltanschaulichen Metamodell. Sämtliche Anschauungen bewegten sich zwischen den drei Polen Gott, Welt und Mensch. Es gehe stets darum, die gegenseitigen Beziehungen zu definieren. Wer Gott ausblendet, muss entweder bei der Welt oder beim Menschen ansetzen. Wer bei der Welt beginnt, setzt sich die Brille des Naturalismus in seiner materialistischen oder pantheistischen Form auf. Die Atome werden zu den ultimativen Element der Welt oder aber eine „Weltseele“. Da diese Anschauungen letztlich nicht befriedigen können, kippt das Pendel auf die Seite des Menschen. Man sucht durch ihn das Rätsel der Welt zu lüften.  Bavinck setzt sich dann ausführlich mit dem Pragmatismus aueinander, das die Welt als wachsendes Gebilde, das einen dauernden Optimierungsprozess durchläuft. Pragmatisten sind pessimistisch bezüglich Vergangenheit und Gegenwart, jedoch optimistisch gegenüber der Zukunft. Sie haben Gott, aber auch sämtliche Ideen und Bezeichnungen (abgesehen von ihren eigenen) aufgegeben. Der Idealismus nimmt hingegen den Geist des Menschen zum Ausgangspunkt und definiert ihn als Basis für sämtliche Erkenntnis. Auf diese Weise wird versucht, den Graben zwischen Gedanken und Sein zu überbrücken. Bavinck greift dann auf die Erkenntnislehre von Augustinus zurück: Es gibt eine Selbstwahrnehmung des Menschen, die ihm und seinem Denken vorgelagert ist, nämlich die Realität Gottes und der Welt. Damit ist die Schein-Unabhängigkeit des Menschen aufgedeckt. Die Idee Gottes wird nicht gefunden, sondern ist ursprünglich (vor)gegeben. Im Selbstbewusstsein des Menschen offenbart sich Gott selbst, andere Menschen, die ihn umgebende Welt. Und er ist sich auch selbst ein Gegenüber. Bavinck skizziert hier den Kern seines christlichen Realismus: Es besteht Korrespondenz zwischen Gott, dem Menschen und der Welt.

Diese ersten drei Vorlesungen enthalten die Grundlagen für die Entfaltungen, die nachher folgen. Es braucht eine gehörige Portion Ausdauer, um sich durch die ersten 60 – 80 Seiten des Buches zu arbeiten. Der Leser wird jedoch mit einem geistesgeschichtlichen Überblick zu den Strömungen des 18. und 19. Jahrhunderts, dem weltanschaulichen Metamodell und den Kerngedanken einer theistisch-christlichen Erkenntnislehre belohnt.

Fortsetzung folgt

Zitat der Woche: C. S. Lewis Briefe aus den 1930ern

In kleinen Portionen habe ich die Briefe von C. S. Lewis der 1930er-Jahre gelesen. Weshalb ich diese Briefe lese, habe ich hier beschrieben.

Hier sind 10 interessante Details:

  1. Tages- und Wochenprogramm mit 33 (an Warnie, 17.11.31)
  2. Zu Gelesenem zurückkehren (an Arthur Greeves, 10.1.32): I don’t think you re-read enough—I know I do it too much.
  3. Über den Zweck von “Pilgrim’s Regress (17.1.33): The Pilgrim’s Regress: an allegorical apology for Christianity, Reason, and Romanticism, and is a kind of Bunyan up to date.
  4. Vorbereitung und Durchführung einer Vorlesung (7.6.34)
  5. Über die Beziehung zum Vater (28.4.35): I have deep regrets about all my relations with my father (but thank God they were best at the end). I am going bald. I am a Christian. Professionally I am chiefly a medievalist. I think that is all my news up to date.
  6. Scheu gegenüber Kindern (an Arthur Greeves, 9.12.35): I theoretically hold that one ought to like children, but am shy with them in practice.
  7. Über den Inklings-Club (an Charles Williams, 11.3.36): We have a sort of informal club called the Inklings: the qualifications (as they have informally evolved) are a tendency to write, and Christianity.
  8. Freudig krank im Bett (Februar 37): I’ve had a grand week in bed. (anschliessend Aufzählung des Gelesenen)
  9. Kein Autofahrer (18.4.38): Memo: I can’t drive a car.
  10. Der tugendhafte Ungläubige (8.5.39): I don’t pretend to have any information on the fate of the virtuous unbeliever.

Input: Exodus, Wüstenreise, Landnahme

Vor kurzem habe ich eine Bibelarbeit zu Psalm 78 gehalten. Die Notizen sowie ein Mitschnitt der wichtigsten Teile sind erhältlich. Zudem die Notizen zu einem Exkurs:

In Psalm 78 werden drei wichtige Wegmarker in der Geschichte des Volkes Israel erwähnt: Der Auszug aus Ägypten, die Wüstenreise und der Einzug ins verheissene Land. Das Neue Testament greift diese Ereignisse auf und wendet sie heilsgeschichtlich an:

Typen im Neuen Testament

  • Ägypten – Herrschaft der Sünde (1Kor 5 Christus als Passah; vgl. Röm 6,15ff)
  • Wüste – Leben als Christ (1Kor 10)
  • Landnahme – ewige Ruhe (Hebr 4)

Exodus, Wüstenreise, Landnahme in den Psalmen

  • Ps 80 Weinstock aus Ägypten gerufen
  • Ps 95 Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet eure Herzen nicht
  • Ps 105 Lob Gottes für seine Heilstaten in Israels Frühzeit
  • Ps 106 Sieben bewertete Ereignisse aus der Wüste und der Verlauf nach der Landnahme
  • Ps 107 Danklied der Erlösten mit Anspielungen auf die Wüstenreise
  • Ps 135 & 136 Lob für Gottes Führung mit seinem Volk

Erinnerung innerhalb der Torah und der frühen Propheten (beispielhaft)

  • 5Mose 26 Gedenke daran, dass du Knecht warst in Ägypten
  • Josua 24 Rückblende auf die Geschichte des Volkes
  • 2Könige 17 Rückblende auf die Untreue des Volkes

Anwendung im Leben von Jesus (nicht abschliessend)

  • Mt 2,15 als erstes Beispiel für eine ganze New Exodus Typologie, die sich durch das ganze NT zieht.
  • Jesu 40-tägige Wüstenprüfung als Erfüllung der 40-jährigen Prüfung des Volk Israels (Mt 4)
  • Speisung der Menge mit Brot und Jesus selbst als Manna vom Himmel (Joh 6)
  • Jesu Verklärung, wo Mose auch erscheint und die Jünger ein Zelt errichten wollen (Stiftshütte, Mt 17)

Anwendung in den Briefen

  • Stiftshüttentheologie im Hebrerbrief
  • 2Joh 7 und 2Tim 3,4-5 sich nicht verführen lassen im Sinne der 10 Kundschafter, die das ganze Volk abtrünnig gemacht haben
  • Judas 5 Errettung aus Ägypten

Kolumne: Fünf säkulare Denkmuster, die mir täglich begegnen

Jede Gesellschaft entwickelt so etwas wie ein kollektives Bewusstsein. Das heisst, sie prägt Denkvoraussetzungen. Hier sind einige dieser säkularen Denkmuster, verpackt in die Form von logischen Schlussfolgerungen:

Wohlstand anhäufen

1. Besitz schafft Befriedigung.
2. Es steht in meiner Möglichkeit, … anzuschaffen.
3. Wenn ich … besitze, werde ich glücklich sein.

Emotionale Sättigung durch Beziehungen

1. Mein Partner muss mich emotional sättigen.
2. Er/sie sättigt mich nicht mehr.
3. Ich löse die Beziehung auf.

Arbeit vermeiden

1. Arbeit ist ein notwendiges Übel.
2. Übel gilt es zu vermeiden.
3. Ich lebe von und für Feierabende, Weekends und Urlaube.

Alternative: Sich mit Arbeit ablenken

1. Das Leben ist sinnlos.
2. Arbeit lenkt ab.
3. Ich stürze mich in die Arbeit.

Anerkennung durch andere Menschen erhalten

1. Was andere anerkennen, gewinnt an Bedeutung.
2. Anerkennung gibt ein gutes Gefühl.
3. Ich strebe nach Anerkennung durch andere.

Variante für die Familie: Anerkennung durch die Kinder erhalten

1. Gestillte Wünsche der Kinder werten mich auf.
2. Ich liebe es, aufgewertet zu sein.
3. Ich gebe dem Kind, wonach es fragt.

Leid vermeiden

1. Gutes Leben heisst mich ungestört meinen Plänen widmen zu können.
2. Leid stört.
3. Ich vermeide Leidvolles.

Input: Die Botschaft, die mithalf meine Träume zu zerstören

Vergeude dein Leben nicht, es ist einmalig! Diese Botschaft hallte im Jahr 2000 über den grossen Platz in Memphis und erreichte 40'000 junge Erwachsene. Das Buch, das daraus entstand, ist heute übersetzt und online umsonst erhältlich. Wenn du es noch nicht gelesen hast, dann hole dies nach! Aus meiner Buchbesprechung:

„Können Sexualität, Autos, Arbeit, Krieg, Windelnwechseln und das Zahlen von Steuern wirklich zu einer Einheit zusammengebunden werden, die Gott verherrlicht und die Seele befriedigt?“ (45) Diese Frage stellt sich umso stärker, wenn man die Babyboomer-Generation, die jetzt im Rentenalter ist, beobachtet. „Leider war das der Traum: Gelange ans Ende deines Lebens – deines einzigen, wertvollen, gottgegebenen Lebens – und mache es zum letzten großen Werk deines Lebens, Softball zu spielen und Muscheln zu sammeln, bevor du deinem Schöpfer Rechenschaft gibst. Stellen Sie sich vor, wie die beiden einst im Gericht vor Christus stehen werden: »Sieh, Herr. Hier sind meine Muscheln.«“ (48) Mittelpunkt unseres Rühmens muss in den Worten von Paulus das Kreuz werden, der strahlende Mittelpunkt der Herrlichkeit Gottes. Von diesem Standort aus wird „jeder Atemzug, jeder Herzschlag, jeder neue Tag, unsere Augen, Ohren, Beine, unser Mund …freie, unverdiente Gaben an Sünder, die nur das Gericht verdienen.“ (55) 

Ein neuer Artikel How John Piper’s Seashells Swept Over a Generation erinnert sich an die "Einschläge" im Leben einer Generation. Der erste Tag der 4. Passion-Konferenz dürfte der Tag gewesen sein, den Gott benützte, um die für uns Westler bitternötige Botschaft zu verteilen. Sie erreichte mich vor einer Anzahl Jahren.

Von Natur aus neige ich dazu, dieselben Dinge zu lieben wie die Welt. Ich beginne mich anzupassen. Allmählich liebe ich, was die anderen lieben, und nenne die Erde mein »Zuhause«. Bevor ich mich versehe, nenne ich Luxus ein »Bedürfnis« und gehe mit meinem Geld genauso um wie die Ungläubigen. Ich vergesse den Krieg und denke nicht mehr daran, dass Menschen umkommen. Mission und unerreichte Völker schleichen sich aus meinen Gedanken heraus. Ich höre auf, vom Sieg der Gnade zu träumen. Ich verfalle in eine weltliche Haltung, die zuerst auf das schaut, was der Mensch tun kann – und nicht auf Gott. Es ist eine schreckliche Krankheit. Und ich danke Gott für jene, die mich immer wieder zu einem Leben wie in Kriegszeiten zwangen. (124)

Die Umstände der Predigt waren – wie könnte es anders sein – traumatisch. 40'000 Jugendliche, Regen, ungenügende Infrastruktur, zudem wurden Piper die Hälfte der Notizen vom Wind weggetragen.

Im April 2000 starben Ruby Eliason und Laura Edwards in Kamerun, Westafrika. Ruby war über achtzig, nie verheiratet und setzte ihr Leben für eine große Sache ein: Jesus Christus den Unerreichten, Armen und Kranken vorzustellen. Laura war eine achtzigjährige Witwe, die als Ärztin an Rubys Seite diente. Die Bremsen versagten, das Auto schoss über den Abhang hinaus, und beide waren auf der Stelle tot. Ich frage Sie: War das eine Tragödie? Zwei Leben, angetrieben von der großen Leidenschaft, zur Ehre Christi den Armen zu dienen – selbst noch zwei Jahrzehnte, nachdem sich die meisten Amerikaner zur Ruhe gesetzt haben, um ihr Leben mit Nichtigkeiten zu vergeuden. Nein, das ist keine Tragödie. Das ist herrlich. Ihr Leben war nicht vertan. Und es war nicht verloren. »Wer aber sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird es erretten« (Mk 8,35). (47)

Ich hoffe und bete, dass durch diese Botschaft noch unzählige junge Menschen in unseren Ländern aufrüttelt!

Input: Schaeffers prophetischer Blick in seinem letzten Werk

Vor über 30 Jahren verfasste Francis Schaeffer sein letztes Buch The Great Evangelical Desaster. Das Buch gibt es in der deutschen Übersetzung Die grosse Anpassung umsonst online zum Download. Hier geht es zu meiner Besprechung des Buches.

Evangelical Focus hat 10 Aspekte herausgepflückt, die er treffsicher voraussah:

1. Growing Relativism: No longer was God to set the rules and call the shots; but rather humankind was to determine what was good and evil, true and false.

2. Lack of Discipline: Many churches had fallen into the trap of downplaying Christian doctrine (absolutes) by refusing to take action against false teachers.

3: Compromise: The sad mark of his age was one of continual compromise on all fronts, both doctrinal and practical.

4. Social Work: Instead of keeping focused on the Gospel, many evangelical churches were running off in the liberal direction of “confusing the kingdom of God with a socialistic program”.

5. The Temptation of Ecumensim: Every type of non-biblical theological fantasy was being permitted for the love of church unity.

6. Abortion: Mass abortion was simply the outworking of a revived hedonistic attitude which put a person’s happiness above a sacred respect for human life.

7. (Theological) Liberalism: The denial of the supernatural; belief in the all-sufficiency of human reason; the rejection of the Fall; denial of the deity of Christ and his resurrection; belief in the perfectibility of man; and the destruction of the Bible,

8. Hedonism: The meaning of life ultimately revolves around one’s happiness, pleasure and feeling good at the moment.

9. The Loss of Propositional Revelation: Schaeffer’s stress was not primarily upon a believer’s subjective religious experience, but upon the objective account of revelation displayed in Scripture.

10. The Inerrant Scriptures: The Bible is without error not only when it speaks of values, the meaning system and religious things, but it is also without error when it speaks of history and the cosmos.

Zitat der Woche: Denkende Menschen und der Kontakt zu anderen

Für denkende Menschen ist der Kontakt zu anderen Menschen oft erschwert.

Ein wahnsinniger Ehrgeiz, den manche an mir gemerkt haben, machte mir das Leben schwer und entzog mir die Liebe und das Vertrauen meiner Mitmenschen. Damals war ich furchtbar allein und mir selbst überlassen. Das war sehr schlimm. (Dietrich Bonhoeffer, DBW 14,112f)

(an seine Verlobte Maria aus dem Gefängnis Tegel im Dezember 1943) … schon früher konnte ich Familienfeste, die ich an sich sehr liebe, immer nur durchhalten, indem ich mich von Zeit zu Zeit auf eine halbe Stunde in mein Zimmer flüchtete … Du darfst mich deswegen nicht für menschenfeindlich halten; aber ich finde eben leider, dass Menschen ungeheuer anstrengend sind.

(Biograph Wolfgang Seehaber) Als Kind und Schüler benötigte Dietrich keine Freunde ausserhalb des Familien- und Bekanntenkreises. Da waren die Geschwister, deren Spielgefährten und Vettern, die für alle Ansprüche an Geselligkeit genügten.

Wolfgang Seehaber. Bonhoeffer und Bethge. fontis: Basel, 2016. Dietrich Bonhoeffers erste Freundschaften: Wie er sie verstand und was aus ihnen folgte. (Kapitel 1)

Interview: Autorität dient im relativistischen Klima der eigenen Agenda

Was für ein kraftvolles Interview hat David F. Wells dem Moderator von 9Marks, Jonathan Leeman, gegeben. Ich habe die Antwort auf die erste Frage übersetzt.

Bezüglich unserer Situation heute ist auffällig, dass es für so viele Menschen nichts da draußen gibt, das legitimerweise irgendeine Handlung oder Glauben bestätigen kann. Es gibt einfach nichts, das irgendetwas als richtig erklärt. Oder anders gesagt, wir bauen uns eine brillante und komplexe Zivilisation auf, die insgesamt auf einem Vakuum beruht. Das bedeutet natürlich nicht, dass es dem Staat jetzt unmöglich ist, Gesetze, Regeln und Vorschriften zu erlassen. Im Gegenteil, wir ertrinken in ihnen! Dieses Vakuum bedeutet jedoch, dass nichts im Leben jemals eine endgültige Autorisierung geben kann.

Dies war nicht immer so. In anderen Zivilisationen und sogar in unserer eigenen Vergangenheit wurde an eine Autorität im Leben geglaubt. Das ist natürlich das Herzstück des christlichen Glaubens. Es ist Gott, der den Glauben und den Gebrauch von Autorität in letzter Instanz bestätigt – oder es eben nicht tut. Er legt die Linie zwischen Gut und Böse. Gut und Böse sind jetzt Abstraktionen in unserer heutigen Welt. Sie sind irrelevant geworden, um unser Leben zu leben.

An einem postmodernen Moment angekommen, befinden wir, dass es nicht länger eine große Erzählung des Lebens gibt. Es gibt nur unsere persönlichen Geschichten. Es gibt keine übergreifende Bedeutung für sie; es existieren nur unsere privaten Momente, wenn etwas Wirklichkeit wird. Es gibt keine Wahrheit; es gibt nur Wahrheiten. Es gibt kein endgültiges Recht und Unrecht; es gibt nur Dinge, mit denen wir entweder komfortabel leben können oder die uns unangenehm sind. Wir leben jetzt in einer psychologischen Welt, nicht in einer moralischen Welt, und sicherlich nicht einer, in welcher die moralische Wirklichkeit durch die Heiligkeit Gottes definiert wird. Wir sind jetzt allein in der dunklen Nacht des Relativismus, in der nicht eine Meinung als wahr und eine andere als falsch erklärt werden kann. Wenn eine Ansicht privat sinnvoll erscheint, kann sie nicht durch eine entgegengesetzte Ansicht verneint werden. Die Oxford Dictionaries erkürten das Wort "post-truth" (Nach-Wahrheit) als das Wort des Jahres 2016. Nach-Wahrheit akzeptiert die Tatsache, dass eine private Ansicht legitimerweise eine objektive Tatsache übertrumpfen kann.

In diesem kulturellen Umfeld, welkt alle Autorität dahin. Erstens ist jede Beschwerde gegenüber irgendeiner Art von Autorität inakzeptabel, weil es nichts gibt, um diese Beschwerde zu bestätigen. Zweitens folgt daraus, dass diejenigen, die sich auf eine Autorität berufen, dies aus Motiven des Dienstes an sich selbst tun müssen. Ihr Appell ist einfach ein Weg, um andere zu manipulieren und ihren eigenen privaten Agenda zu dienen.

 

Input: Was ist die Aufgabe eines Pastors?

Stefan Beyer bespricht das Buch "Das Spalier und der Weinstock" und stellt drei Modelle vor:

Das erste Modell „Der Pastor als Geistlicher“ ist die traditionelle Auffassung vieler reformierter oder lutherischer Gemeinden. Die Aufgabe des Pastors besteht darin, zu predigen und geistliche Dienste anzubieten. Der Sonntag hat mit seinem Gottesdienst einen hohen Stellenwert und an den Wochentagen kommt die Gemeinde wenn überhaupt, dann vorrangig zu besonderen Anlässen (Kasualien) zusammen. Der Pastor übt seinen Hirtendienst aus, indem er seelsorgerliche Gespräche führt und die Gemeindemitglieder zu Hause besucht. Im Grunde ist eine solche Gemeinde wie ein kleiner Tante-Emma-Laden oder ein 1-Mann-Betrieb: einer macht alles. Die Mitglieder der Gemeinde sind für die meiste Zeit Konsumenten, die daran interessiert sind, daß der Betrieb der Gemeinde aufrechterhalten bleibt.

Das zweite Modell „Der Pastor als Vorstandsvorsitzender“ wurde besonders im Zuge der Gemeindewachstumsbewegung populär. Hier ist der Pastor vornehmlich Prediger und Manager der Gemeinde. Am Sonntag geht es darum, eine möglichst attraktive Veranstaltung zu organisieren. Während der Woche gibt es eine ganze Reihe von Veranstaltungen und Programmen. Der Hirtendienst findet zumeist in Kleingruppen statt. Eine solche Gemeinde ähnelt einem Kaufhaus, bei dem zahlreiche leitende Mitarbeiter angestellt sind. Auch hier sind die einzelnen Gemeindemitglieder hauptsächlich Konsumenten, die aber nicht nur am Erhalt, sondern auch am Wachstum der Gemeinde interessiert sind, weil sich so noch mehr Dienste und Programme ergeben, die sie konsumieren können.

Das Modell, welches im Buch beworben und das eigentlich biblische Modell ist, nennt sich „Der Pastor als Trainer“. Wiederum ist die oberste Aufgabe des Pastors zu predigen. Aber danach ist primär nicht selbst Dienstleister oder Manager, sondern ein Trainer und Ausbilder. Am Sonntag geht es darum, daß sich Jünger versammeln, die ihrem Herrn anbeten und dienen. Unter der Woche gehen diese Jünger hin und machen andere zu Jüngern. Der Hirtendienst wird von diesen Jüngern getragen, indem sie anderen Mitgliedern geistlich dienen. Die Gemeinde ist so ein Team, das einen oder mehrere aktive Trainer hat, bei dem aber die Gemeindemitglieder im Fokus stehen. Sie werden zu Jüngern, die selbst im Missionsmodus sind.

Neuerscheinung: Predigtband zum Gebet

Michael Freiburghaus, Pfarrer in Leutwil-Dürrenäsch, veröffentlichte einen weiteren Predigtband "Gott hört dich!" zum Gebet. Meine Beobachtungen zum Buch:

Michael Freiburghaus ist Pfarrer aus Leidenschaft. Dieser Band ist aus Predigten heraus entstanden, die er „allen Betenden meiner geliebten Kirchgemeinde in Leutwil-Dürrenäsch" widmet.

Welches Grundanliegen ist in diesem Werk erkennbar? Ich meine zwei entdeckt zu haben. Einerseits sollen Impulse zu einem frischen Zugang zu Gott geschaffen werden. Mit dem Titel „Gott hört dich" macht der Autor Mut, den unfassbaren und uns doch oft zu selbstverständlichen Zugang zum Vater, „von dem jedes Geschlecht im Himmel und auf Erden seinen Namen hat" (Epheserbrief 3,15), zu nützen. Das zweite Anliegen besteht darin, dass Jesus gross gemacht und die Frohbotschaft nicht nur durch sämtliche „Ritzen" des Buches, sondern auch in die Leben der Leser dringt.

Der Text besteht aus kurzen, klar gegliederten Impulsen entlang des Vaterunsers und dann einigen ausgewählten Bibeltexten zum Lob-, Dank-, Buß-, Bitt-, Klage- und Rachegebet. Freiburghaus scheut sich nicht, sich auch zu den Rachepsalmen zu äussern. Er nimmt die Ermahnung von Paulus, den „ganzen Ratschluss Gottes" (Apostelgeschichte 20,27) zu verkündigen, ernst. Auch wenn die Volkskirchen solche Texte aus dem Repertoire gestrichen haben (S. 94), nimmt er sie bewusst wieder hervor.

Biblische Begriffe wie Sünde oder Heiligkeit werden aus dem biblischen Text heraus erklärt. Freiburghaus streut immer wieder Vergleiche und Beispiele aus dem Alltag ein, um die Botschaft näher zum Leser hin zu tragen. Freiburghaus spricht auch die Balance zwischen Zuspruch und Anspruch, in theologischer Sprache zwischen Gesetz und Evangelium, immer wieder an. Das Gesetz Gottes stellt uns vor Ansprüche, die wir nie erfüllen können. Jesus erfüllt sie an unserer Stelle. Sie spricht demjenigen, der bei ihm Zuflucht sucht und seine Schuld bekennt, Vergebung zu. Der erneuerte Mensch entwickelt das Verlangen, diesem Anspruch nachzuleben. Auf diese Weise und nicht anders sollen die vielen Beispiele und Anregungen zum Handeln verstanden werden.