Buchbesprechung: Calvins Vorrede zur Institutio (1536)

Vorrede zu Calvins Glaubenslehre, in Johannes Calvin. Christliche Glaubenslehre. Erstausgabe der ‘Institutio’ von 1536. RVB/VKW: Hamburg/Bonn, 2008.

Wie entstand dieses Schreiben?

1536 schrieb Calvin im Alter von 26 Jahren die erste Auflage der Christlichen Glaubenslehre in sechs Kapiteln, die sich stark an Luthers Katechismus anlehnte. Durch die ausbrechende Verfolgung flüchtete Calvin 1534 von Paris nach Strassbourg, wo er mit den dortigen Reformatoren in Kontakt trat. Bald zogen sie weiter nach Basel, wo er das bedeutende Werk abschloss. 1536 wurde die erste Auflage in Basel gedruckt. Die Vorrede ist dem König von Frankreich, Franz I., gewidmet. Er verteidigt in ihr seine Glaubensgenossen unter dessen Herrschaft.

Um was geht es?

Es mag uns erstaunen, doch Calvins erklärte Absicht bestand darin, sich “auf die Entwerfung einiger Grundzüge der Heilslehre” zu beschränken, um dadurch diejenigen “welche noch irgendein religiöses Interesse verspüren, für die wahre Gottseligkeit zu gewinnen”. Zweitens glaubte er ein “gutes Werk zu stiften”, um seine verfolgten Glaubensgenossen in Frankreich zu verteidigen und “eine Verantwortung meines Glaubens” abzufassen. Er selber scheute sich nicht, sich “eben zum Inhalt jener Lehre” zu bekennen, die “mit Kerker, Verbannung, Ächtung und Verbrennung” bestraft wurde.

Mit welcher Haltung hat sich Calvin auf diese Verteidigung und Darstellung des Glaubens eingelassen?

  • Er war überzeugt, nicht die alte Lehre zu verleugnen, sondern positiv die wahre Lehre “zu behaupten”.
  • “… die gemeinsame Sache aller Frommen, ja Christi selbst habe ich zu vertreten.”
  • Er erwartete vom König, dass er “einer so gerechten Anwaltschaft nicht Ohren noch Herz” verschliessen sollte, “zumal wo es sich um eine solche Lebensfrage handelt”.
  • “Wenn sie (die Gegner) aber auch die Ungewissheit unserer Lehre bespötteln mögen, wenn sie die ihrige mit ihrem eigenen Blute und Aufopferung ihres Lebens besiegeln sollten, da könnte man schauen, wie hoch sie dieselbe schätzen.”
  • Calvin hegt das “zuversichtliche Vertrauen, seine Huld wieder erklangen zu können, wenn Du dieses unser Bekenntnis, welches wir als Verteidigung vor Deiner Majestät niederlegen, einmal mit Ruhe und Wohlwollen lesen wolltest.”

Diese Stellen haben mich besonders angesprochen:

Der Zweck der Regierung: “Denn sich in Verwaltung seines Reiches als Gottes Diener erkennen, das macht den wahren König. Wer aber nicht zu diesem dem Zwecke regiert, der Ehre Gottes zu dienen, der übet nicht Herrschaft aus, sondern ein Raubwerk.”

Selbsteinschätzung: “Wir wissen es ja zu gut, wie kleine, arme und verachtete Menschlein wir sind: vor Gott elende Sünder, in den Augen der Leute die verächtlichsten Geschöpfe; eine Art Auswurf und Kehricht der Welt, wenn Du willst, oder noch etwas Schlechteres, … also dass wir uns vor Gott nicht rühmen können als einzig und allein Seiner Barmherzigkeit, welche uns ohne all unser Verdienst das Heil erworben hat.”

Umgang mit den Schriften der Kirchenväter: “Allein, wir bewegen uns in ihren Schriften nie anders als mit dem Bewusstsein, dass alles darin unser ist, um uns zu dienen, nicht um über uns zu herrschen, wir aber allein Christo angehören, dem wir in allen Dingen ohne Ausnahme gehorchen müssen (1 Kor 3,21).”

Irrtum der Mehrheit: “Allein, kaum hat es je mit der Menschheit so gut gestanden, dass der Mehrzahl das Bessere zusagte. Somit entsprang aus den Fehlern so vieler Einzelner meistenteils ein Irrtum der Gesamtheit… Und solche Abhilfe verweigert man aus keinem andern Grunde, als weil wir uns längst an die Übel gewöhnt haben.”

Gott schützt seine Kirche: “Gelebt hat freilich vordem die Kirche Christi, und wird leben, solange Christus zur Rechten des Vaters herrschen wird; Seine Hand wird sie halten, Seine Obhut sie schirmen, Seine Kraft wird sie stärken.”

Das Wort und Satan: “Es ist dies eine Art Naturbeschaffenheit des göttlichen Wortes, dass es niemals auftaucht, ohne en Satan aus seine ruhigen Schlafe aufzuwecken.”

Höhepunkt: Was dem Wesen des Christenglaubens entspricht

“Denn was stimmt mehr, was besser zum christlichen Glauben als die Anerkennung, dass wir von jeder Tugend entblösst sind, um von Gott bekleidet zu werden? Alles Guten leer, um uns von ihm erfüllen zu lassen? Wir, der Sünde Knechte, um von ihm befreit zu werden? Wir, die Blinden, um von ihm erleuchtet zu werden? Wir, lahm, auf dass Er uns leite? Wir schwach, auf dass Er uns unterstütze? Was empfiehlt sich mehr, als uns jeden Stoff zum Rühmen zu entziehen, damit Er selbst allein in Herrlichkeit erscheine, und wir in Ihm uns rühmen? … Was entspräche ferner mehr dem Wesen des Christenglaubens, denn sich Gottes als eines gnädigen Vaters zu getrosten, wo Christus anerkanntermassen Bruder und Versöhner ist? Was wäre ihm angemessen, als alles Glück und Heil von dem Gott zu erwarten, dessen unaussprechliche Vaterliebe zu uns so weit ging, dass Er selbst Seines eigenen Sohnes nicht verschonte, sondern Ihn für uns dahingab (Röm 8,32)?”

Aus den Medien: Mütter am iphone, Mütter zu Hause, selbstgefälliger Westen

Ertappt

Bitte zu Ende lesen.

Ich sehe Sie im Park mit Ihren Kindern, das Telefon in der Hand. Ihre Kleinen rennen spielend herum und rufen: “Mami, guck mal!” Sie stürzen sich quietschend vor Vergnügen die Rutsche runter, schreien “Mami, guck mal!” Sie klettern die Leiter hoch, um nochmal zu rutschen und rufen “Mami, ich will, dass du guckst!! Mami, guck! Mami! Mami!! MAMI!!!!”

Aber Sie schauen nicht hin… weil Sie Ihr Smartphone in der Hand haben — Facebook oder Emails checken oder Pinterest.

Erfolg bei Müttern, die zu Hause bleiben

Da warnt die deutsche Familienministerin vor dem Hausfrauen-Dasein.

Wie sollen Frauen als Mütter leben? Familienministerin Manuela Schwesig hat Verständnis, wenn Mütter sich nur ihren Kindern widmen wollen. Trotzdem warnt sie vor den Folgen, wenn sie sich ausschließlich auf den Nachwuchs konzentrieren.

Gemäss einer norwegischen Studie lohnt es sich für Mütter, auch dann zu Hause zu bleiben, wenn die Kinder grösser sind.

Her being ever-present improves quality of life within and without the home, for neighbours, spouses, grandparents – and yes – older children. And, where older children are concerned, we find ourselves in territory which does have a metric; because older kids do exams.

Wir tun nichts

Und noch zu einem ganz anderen Thema:

Wenn es einen großen Verlierer der arabischen Revolution gibt, dann sind es die Christen in der Region. Die ISIS-Fanatiker haben dem, was seit dem Jahr 2011 dort vor sich geht, nun die Krone aufgesetzt. Die Namen der christlichen Kirchen, ihrer Patriarchen, die bedroht sind, klingen für uns hier im Westen fremd. Sie tragen fremdartige Gewänder in orientalischen Farben. Sie sehen auf den Fotos, die wir von ihnen sehen, auf keinen Fall wie Verwandte aus.

An der Wiege des Christentums erlebt eben diese Christenheit, die uns so fremd erscheint, dass es Kräfte gibt, die ihr nicht wohlgesinnt sind, die sie hassen und die ihr Ende möchten. Und was tun wir: nichts. Wir wollen nicht. Uns ist alles, was mit Religion zu tun hat, ein bisschen peinlich. Vor allem sind uns Leute peinlich, die Religion ernst nehmen.

10 Stellen aus jedem Bibelbuch (13): 5. Mose

Das Volk Israel steht vor dem Einzug ins Land. Wie wurden sie auf den neuen Abschnitt vorbereitet? Es wurde ihnen Gottes gute Gebote nochmals detailliert vorgestellt.

So bewahrt sie nun und tut sie; denn darin besteht eure Weisheit und euer Verstand vor den Augen der Völker. Wenn sie alle diese Gebote hören, werden sie sagen: Wie ist doch dieses große Volk ein so weises und verständiges Volk! Denn wo ist ein so großes Volk, zu dem sich die Götter so nahen, wie der Herr, unser Gott, es tut, so oft wir ihn anrufen? Und wo ist ein so großes Volk, das so gerechte Satzungen und Rechtsbestimmungen hätte, wie dieses ganze Gesetz, das ich euch heute vorlege? (4,6-8)

O wenn sie doch immer ein solches Herz hätten, mich zu fürchten und alle meine Gebote allezeit zu halten, damit es ihnen gut ginge und ihren Kindern ewiglich! (5,29)

Du sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Haus sitzt oder auf dem Weg gehst, wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst; und du sollst sie zum Zeichen auf deine Hand binden, und sie sollen dir zum Erinnerungszeichen über den Augen sein; und du sollst sie auf die Pfosten deines Hauses und an deine Tore schreiben. (6,7-9)

Hüte dich, daß du den Herrn, deinen Gott, nicht vergißt, so daß du seine Gebote, seine Satzungen und Rechtsbestimmungen, die ich dir heute gebiete, nicht hältst; damit nicht, wenn du ißt und satt wirst und schöne Häuser erbaust und darin wohnst, … (8,11-12)

Und nun, Israel, was fordert der Herr, dein Gott, von dir, als nur, daß du den Herrn, deinen Gott, fürchtest, daß du in allen seinen Wegen wandelst und ihn liebst und dem Herrn, deinem Gott, dienst mit deinem ganzen Herzen und deiner ganzen Seele, indem du die Gebote des Herrn und seine Satzungen hältst, die ich dir heute gebiete, zum Besten für dich selbst? (10,12-13)

So sollst du nun den Herrn, deinen Gott, lieben, und seine Ordnung, seine Satzungen, seine Rechtsbestimmungen und Gebote halten allezeit. … So nehmt euch nun diese meine Worte zu Herzen und in eure Seele, und bindet sie zum Zeichen auf eure Hand, und sie sollen zum Erinnerungszeichen über euren Augen sein. Und ihr sollt sie eure Kinder lehren, indem ihr davon redet, wenn du in deinem Haus sitzt oder auf dem Weg gehst, wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst. Und schreibe sie auf die Pfosten deines Hauses und an deine Tore,… (11,1+18-20)

Bewahre und befolge alle diese Worte, die ich dir gebiete, damit es dir und deinen Kindern nach dir gut geht ewiglich, weil du tust, was in den Augen des Herrn, deines Gottes, recht und wohlgefällig ist. (12,28)

Wenn er dann auf seinem königlichen Thron sitzt, so soll er eine Abschrift dieses Gesetzes, das vor den levitischen Priestern liegt, in ein Buch schreiben [lassen]. (17,18)

An diesem heutigen Tag gebietet dir der Herr, dein Gott, daß du diese Satzungen und Rechtsbestimmungen hältst; so bewahre und tue sie von ganzem Herzen und von ganzer Seele! Du hast dem Herrn heute zugesagt, daß er dein Gott sein soll, und daß du auf seinen Wegen wandeln willst und seine Satzungen, Gebote und Rechtsbestimmungen halten und seiner Stimme gehorchen willst. (26,17-28)

(I)ch habe dir heute das Leben und das Gute vorgelegt, den Tod und das Böse. Was ich dir heute gebiete, ist, daß du den Herrn, deinen Gott, liebst und in seinen Wegen wandelst und seine Gebote, seine Satzungen und seine Rechtsbestimmungen hältst, damit du lebst und dich mehrst; und der Herr, dein Gott, wird dich segnen in dem Land, in das du ziehst, um es in Besitz zu nehmen. (30,15-16)

Eine Mini-Bildungsreform in der Familie

Als Gastbeitrag bei “Christian Homeschoolers in Austria” erschienen:

Weshalb tun wir uns dies an? Höchstwahrscheinlich sind wir nicht die einzigen Homeschooler, die sich diese Frage ab und zu stellen. Etwa dann, wenn wir morgens müde aus dem Bett steigen und Gott um seine Unterstützung für die nächsten Stunden anflehen. Im täglichen Ringen um Charakterentwicklung und  über dem Bewältigen von Veranstaltungen, Einladungen, Besuchen, Erwerbsarbeit und Haushalt schleicht sich im Hinterkopf gerne die leise Frage nach dem Sinn ein.

Hier sind 10 Ideen für eine Minibildungsreform in der Familie, wenn keine christliche Schule verfügbar und Homeschooling nicht in Frage kommt:

  1. Erzähle regelmässig von Erlebnissen aus deinem Leben (als Vater/Mutter), in denen du die Unterschiede zwischen den Weltanschauungen zu spüren bekommen hast.
  2. Stelle dem Kind täglich Fragen zum Schulalltag: Was lief dir gut? Wo haperte es? Warum? Wo spürst du Widerstand? Was hilft dir? Wo stehst du an?
  3. Mache es dir zur Gewohnheit, die Hausaufgaben nicht nur formell und inhaltlich, sondern auch ideologisch zu begleiten. Bete darum, gute Verknüpfungen zwischen dem vermittelten Stoff und der christlichen Weltanschauung herzustellen.
  4. Unterschätze nicht die Gewohnheit der Familienandacht und des Vorlesens. So kommst du immer wieder an Stellen vorbei, wo du einen Bezug zum Alltag schaffen und christliche Überzeugungen vermitteln kannst.
  5. Reflektiere mit den Kindern auch (Kinder-)Gottesdienste. Was war die Hauptaussage? Mit was bist du (nicht) einverstanden? Was ist anders als in der Schule? Weshalb?
  6. Achte gut auf Antworten der Kinder. Wo schleichen sich Tendenzen ein, Glaube und Leben voneinander zu trennen? Wo entwickelt sich ein unausgewogenes Verständnis zwischen Gesetz und Evangelium?
  7. Sprich mit deinem Kind über Erfahrungen, die ihr gemeinsam mit anderen Christen macht – in beiden Richtungen: Weltflucht und Weltanpassung.
  8. Nimm Fragen der Kinder, auch kritische, auf jeden Fall ernst. Gibt keine vorschnellen Antworten. Es kann auch angezeigt sein, sich zu informieren, und später das Kind zur Diskussion einzuladen.
  9. Pflege Kontakte zu Nachbarn. Diskutiert über Weltanschauungen, mit denen ihr im Kontakt konfrontiert werdet (Säkularismus, Islam, Buddhismus).
  10. Danke deinem Kind, wenn es dich auf neue Themen oder auf Ungereimtheiten in deinen Überlegungen aufmerksam gemacht hat.

Best of Blog: 27 Kolumnen

Das wollte ich schon länger: Die wichtigsten Kolumnen dieses Blogs zusammenstellen. Hier sind sie.

Aus der Bibliothek (32): Eine Kiste für den Bären

Die Zeit für Bilderbücher ist bei uns bald abgelaufen. Eigentlich schade. Ich liebe es, kreative und gut bebilderte Bilderbücher vorzulesen oder nacherzählen zu lassen. Für unseren Jüngsten ist zur Zeit “Eine Kiste für den Bären” Trumpf. Seit einigen Wochen will er die Geschichte jeden Abend vorgelesen bekommen.

Ein paar Ideen für ein schönes Vorleseritual:

  • Einen gemütlichen Ort in der Wohnung auswählen und beibehalten
  • Das Kind das Buch holen lassen
  • Rhetorische Frage: “Seid ihr bereit?”
  • Vorlesen und sich jederzeit unterbrechen lassen
  • Eigene Ideen hinzudichten und sich von den Kindern korrigieren lassen
  • Manchmal dem Kind das Buch geben und sich erzählen lassen
  • Auftrag für eine Zeichnung geben

Kinder in die Selbständigkeit begleiten (2): Abendritual

Ungünstig

Fünf Jungs halten sich oft gegenseitig wach. Es gibt immer etwas Spannendes zu tun. Die Arbeiten werden hinaus geschoben. Ich merke, dass wir mit dem Programm im Verzug sind. Ich beginne jeden Einzelnen anzutreiben. Das kostet Energie. Die ständigen mündlichen Wiederholungen lassen meine Glaubwürdigkeit schnell sinken. Ich beginne mich immer häufiger zu wiederholen. Nach einigen Abenden falle ich gar in eine Vermeidungshaltung, indem ich mich zurückziehe – und den Jungs damit noch mehr Raum gewähre. Meine Frau holte mich zurück auf den Boden der Realität: “Mit einem solchen Abendritual könnte ich nicht leben.”

Alternative

An der Schnittstelle – bevor nämlich die Tischgemeinschaft beendet ist -, kündige ich die Zu-Bett-gehen-Zeit an und gebe bekannt, was jeder bis dahin noch zu erledigen hat. Es kann sein, dass ich in der Halbzeit noch einmal daran erinnere. Wie angekündigt schliesse ich den Tag ab. (Eigene Abmachungen einzuhalten ist unglaublich wichtig.) Wer seine Aufgaben noch nicht erledigt hat, muss nacharbeiten und eine Zusatzarbeit fürs Gemeinwohl verrichten. Auf die gleiche Art und Weise hole ich einen Buben nochmals aus dem Bett, wenn er sich nicht an die Bettruhe hält.

Input: Wann sollen wir mit unseren Kindern über Sex sprechen?

Wann sollen wir mit unseren Kindern über Sex reden? Früh genug, denn sie werden schon früh damit konfrontiert. Jen Wilkin:
Let me tell you what played out at the sixth-grade lunch table that day. When the phone with the images was offered, my son responded, “I don’t look at porn.” The owner of the phone, perplexed, asked, “Then how will you know how to have sex?” My son responded that his parents had told him all about it. Jaws dropped. Not one other sixth-grade boy at the table had yet talked with his parents about sex, or, it would seem, about porn. But they were by no means lacking in instruction.

Buchbesprechung: Die Verwöhnungsfalle

Albert Wunsch. Die Verwöhnungsfalle: Für eine Erziehung zu mehr Eigenverantwortlichkeit. Kösel-Verlag: München, 2000. 238 Seiten.

Fünfzehn Jahre nach dem Erscheinen des Buches halte ich es in den Händen. Seit der Erstpublikation bin ich selber fünffacher Vater geworden und neugierig auf Hinweise für Kurskorrekturen.

Das Buch entstand aus einem Artikel in „Die Zeit“ (1998) heraus, welche eine intensive Diskussion von begeisterter Zustimmung bis zu heftiger Ablehnung nach sich zog (21-23). Der Autor hat in seiner Rolle als Erziehungsbeistand manche Situation lebhaft vor Augen. Wunsch verspricht vorab, dass „viele Beispiele oder Episoden“ so konkret sein werden, dass ‚Ertappt-sein-Reaktionen‘ unvermeidlich seien. Würde sich diese Ankündigung erfüllen?

Welche These liegt dem Buch zugrunde? Die gesamte Gesellschaft ist „durch verwöhnende Umgangsformen geprägt und geschädigt.“ (11) Wie macht sich die Wirkung bemerkbar? Sie äussert sich im Unvermögen, ein eigenständiges Leben zu führen (14).

Der Autor eröffnet mit einer ausführlichen Niederschrift des Zeit-Artikels. Verwöhnung tritt im Gewand der Zuwendung auf. Es geht jedoch um den eigenen Vorteil, nicht um den anderen (16). Frauen verwöhnen durch aktives Tun, Männer durch Vermeiden von Auseinandersetzung (17). „Das Kind wird zum kuschligen Schosshund, zum eingekauften Seelenbeistand, vielleicht zum Ersatz nicht vorhandenen Partnerglücks.“ (18) Das Kind konzentriert sich auf das Gefallen-Wollen. Die Folgen für die kommenden Generationen: Es werden kraftlose, ängstliche, leistungsschwache, unmotivierte, angepasste Egoisten herangezogen. Dies beeinflusst die Gesellschaft – etwa insofern, als Unsummen für Verweigerer gezahlt werden. Verwöhnung trägt zur Stabilisierung negativer Strukturen bei.

Um etwas messen zu können, ist ein Massstab notwendig. Was ist gute Erziehung? Wunsch erstellt eine kurze Skizze mit einigen kurzen Rückgriffen in die Pädagogikgeschichte (27-73). Erziehung sei durch „Entfremdung von Lebenszusammenhängen“ (33) nötig geworden. Sie ist „Anregung und ermutigende Hilfe für Kinder und Jugendliche durch Eltern und andere Erwachsene. Sie umfasst alle Bestrebungen, die zu einem selbständigen und eigenverantwortlichen Leben in der Gesellschaft führen.“ (38) Diese Entwicklung des Kindes ist mit Anstrengung verbunden. „Fehlt ein solches Training, werden Hürden als angeborene Begrenzungen oder als Willkürakte der Umwelt erlebt.“ (41) Besonders sticht ein grau hinterlegter Abschnitt heraus:

Als Säugling wurde ich mit Zuwendung und Geschenken überschüttet, als Kind erfuhr ich, dass ich zum Störfaktor in Beruf und Tagesablauf wurde, als Jugendlicher geriet ich per Geld und Konsumgüter in die Abschiebung, als Erwachsener warf man mir vor, mein Leben nicht in den Griff zu bekommen. (52)

Wunsch nennt als Grundvoraussetzungen für Erziehung: Genügend Zeit, eigenes Erwachsenwerden des Erziehers, Vorbild- statt Abbildfunktion und Stabilität in den Beziehungen. Es ist ihm wichtig, Erziehung eingebettet in Ermutigung zu sehen. Ich greife zwei Aspekte heraus:

  1. Konsequenzen müssen zugelassen werden. Wenn der Erzieher die Anspannung nicht aushalten kann, verhindert er das Erfahrungslernen des Kindes. “Wird dagegen die Konsequenz eines Tuns gespürt, kann ein Aufarbeiten einsetzen. Konsequenzen sind nachvollziehbar und reduzieren die Voraussetzung zur Entstehung von Machtkämpfen. Sie verdeutlichen auf differenzierte Weise, was welche Folgen hat. Ist der Preis zu hoch, ändert sich das Verhalten.” (63) Ich würde aus Sicht biblischer Weltanschauung hinzufügen: Solche Lektionen sind wertvolle Gelegenheiten, mit dem Kind über Motivationen und Herzenshaltung zu sprechen und es dann zu Christus zu führen.
  2. Ermutigung setzt bei einer Zwischenbilanz an. “Besonders weiterführend ist, wenn auf ‘Noch-nicht-Können’ reagiert wird. Aber auch angemessene Hinweise, wie der momentane Erfolg auszubauen wäre, werden gerne aufgegriffen… (72)

Der Autor versprach dem Leser “Ertappt-sein-Situationen”. Auf den Seiten 89-96 wurde es so richtig ungemütlich. Verwöhnung entsteht durch

  • zu viel gewähren lassen (z. B. übervolle Kinderzimmer, überproportionale Geldzuwendungen, riesige Eisportionen, Berge an Süssigkeiten, willkürliches Aufgeben von vorher gemachten Absprachen)
  • zu wenig gewähren lassen (z. B. zu häufig für ein Kind handeln, es zu lange füttern, anziehen, ihm die Spielutensilien wegräumen, bei Konflikten sofort Partei ergreifen, für die Folgen von Missgeschick, Fehlverhalten oder Streit stellvertretend eintreten)
  • unangemessenes Reagieren (z. B. bei kleiner Überforderung der Hausaufgaben zum Lehrer gehen, präventiv im Supermarkt mit Süssigkeiten eindecken, Süssgetränke per Diktat verordnen)

Im zweiten Teil des Buches widmet sich Wunsch der individuellen und kollektiven Analyse von Verwöhnung inkl. Beschreibung der Folgen. Natürlich unterlässt er es nicht, ein Erste-Hilfe-Paket zur Entwöhnung zu schnüren.

Was ist der Nutzen des verwöhnenden Erziehers? Kurz und bündig: “Wer verwöhnt, hofft auf Willfährigkeit.” (110) “Die subtile Botschaft des Verwöhners lautet: ‘Ich traue es dir nicht zu’; ‘Ich halte dich für schwach’; ‘Schau auf meine Stärke!’ Anstelle eigenen Probierens handeln andere. ‘Ich mach es schon für dich’, so die nett klingende Entmündigungsofferte. Aber weder Kinder noch andere Lernende können so zu einem Zugehen auf Neues geführt werden.” (164)

Was sind typische Aufforderungstechniken zur Verwöhnung (147)? Ungeschicklichkeit, Schwäche, Zeitmangel, Zeitmangel, reuiger Augenaufschlag, Fassungslosigkeit, Dauerstress, sich als Pechvogel hinstellen.

In manchen Büchern stören mich die fett gestellten Zitate, weil ich andere Stellen herausgehoben hätte. Nicht so bei diesem Buch. Man nehme sich diese Charakterisierung von Verwöhnung vor:

Verwöhnung basiert auf grossen Selbstzweifeln,
äussert sich als Angst und daraus resultierendem fehlendem Zutrauen,
verhindert ein Aufgreifen von Herausforderungen,
manifestiert eine substanzielle Entmutigung gegenüber eigenständigem Wachstum mit der Folge einer reduzierten Lebensqualität,
führt auf Dauer zu einem gestörten Gemeinschaftsbezug und macht letztlich abhängig und einsam. (161)

Verwöhnung verhindert Interesse und Neugier, Auseinandersetzungsbereitschaft, Kraft und Ausdauer, Anerkennung, Zielstrebigkeit, angemessene Rückmeldungen, Grenzerfahrungen, selbst geschaffenen Erfolg, ein realistisches Selbstbild und damit Selbstvertrauen (85). Diese Aufzählung lässt mich erschauern – ich verhindere also genau das, was ich anstrebe.

Was empfiehlt Wunsch für Erzieher, die der Verwöhnung entkommen wollen? Er nennt u. a. (211ff)

  • Zur eigenen Haltung: Anbiederung zahlt sich längerfristig nicht aus.
  • Erst wenn der Preis der Verwöhnung zu hoch ist, setzt der Impuls zur Veränderung ein.
  • Nicht ständig die Frage wälzen, wie es dazu kommen konnte
  • Die Energie in mutige Versuche stecken
  • Nachvollziehbare, einfühlsame und wohlwollende Botschaften senden
  • Als “Rückwärtsgang” weg von der Verwöhnung eine Strategie zwischen Ja und Nein ins Auge fassen

Meine Lernpunkte habe ich in Fragen verpackt.

  • Wie kann ich vermehrt bei ‘Noch-nicht-Können’ ermutigen?
  • Zu enge Grenzen töten (93). Wo enge ich meine Kinder ein und verhindere Wachstum?
  • Wo lasse ich mich zu Unrecht von meiner Frau verwöhnen?
  • Wann neige ich dazu, über Verwöhnung nach Anerkennung und Zuwendung zu suchen?
  • In welchen Bereichen kann ich vermehrt Anreize zur Übernahme von Selbstverantwortung geben?

Fazit

Ich nehme zwei kleinere Dämpfer vorweg. Die Sätze sind zwar prägnant formuliert, manchmal fehlt ihnen jedoch die Lebendigkeit. In einzelnen Teilen musste ich mich mehrmals orientieren: Was ist das Ziel des Kapitels? Abgesehen davon bestätigte das Werk nicht nur eigene Beobachtungen. Ich glaube, dass Wunsch nahe an einem unangenehmen gesellschaftlichen Nerv “operiert”. Es wundert mich nicht, dass das Buch heute in verschiedenen Übersetzungen auch im asiatischen Raum vorliegt.

Vor allem schärfte die Analyse meine eigene Achtsamkeit. Einige Stellen mögen extrem klingen, so etwa dieser Ausschnitt der Verwöhnungstendenz der Gesamtgesellschaft: “Aufgeschwemmt, blass und übersät mit Krankheitszeichen lechzen sie nach der nächsten Annehmlichkeit. Alle Hoffnung setzen diese Konsumritter von der traurigen Gestalt darauf, bald noch mehr Kraft einsparen zu können. Anforderungen werden als Kriegserklärung erlebt, aber die Trägheit verhindert sogar einen Zurückweisungsversuch. Diesem Sumpf aus Lethargie und Apathie kann kaum aus eigener Kraft entronnen werden. Jede neue Verwöhnung zieht weiter nach unten.” (119) In den weiteren Beschreibungen fallen Worte wie ‘Sozialromantiker’ und ‘postmoderne Asoziale’. Ich halte mich diesbezüglich gerne an Chesterton, der sagte: Christen sind hoffnungslose Pessimisten und gleichzeitig hoffnungslose Optimisten. Wenn das eine dominiert, geht die Balance verloren. Ich ziehe den Schluss: Ja, wir sind verwöhnt, und für solche Menschen ist Christus gestorben. Eigentlich ist dieses Buch ein Augenöffner und Vorbereiter für das Evangelium, das auch im Bereich der Erziehung umgestalten und verändern kann. Verbunden mit dieser grundsätzlichen Kursänderung können die von Wunsch beschriebenen Massnahmen liebevoll und zielführend umgesetzt werden. Manchmal befürchte ich jedoch, dass manche Christen ein Bild vom Glauben haben, das der gesellschaftlichen Verwöhnung nicht unähnlich ist.

Aus den Medien: Selbst-Antrieb, Selbstkritik, Selbstschutz

Diese Woche verweise ich gleich auf drei Beiträge aus “Die Welt” (VD: AS).

1. Der Sextrieb des Mannes als Mass aller Dinge

Die “islamische Republik” Pakistan ist nach Recherchen von Betsy Udink die Hölle auf Erden. Vor allem für die Frauen. Sie können nach der Scharia verheiratet, verstoßen und vergewaltigt werden. Aber auch die “Knabenliebe” wird praktiziert. Sex ist in dieser Gesellschaft eine nationale Zwangsvorstellung.

2. Sind Muslime wirklich unfähig zur Selbstkritik?

Über Israel oder “den Westen” regt man sich gerne auf. Aber wenn in Syrien und im Irak Muslime abgeschlachtet werden, ist das selten der Rede wert. Und die friedliche Mehrheit der Muslime schweigt.

3. Palästinenser-Eltern: Beschützt eure Kinder!

Die Hamas benutzt Kinder als Schutzschilde in ihrem Krieg gegen Israel. Bedeutet diesen Familien ihr Nachwuchs denn gar nichts? Oder gibt es andere Gründe für ihr Fehlverhalten?

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