Interview: Die Pfeiler der Josia-Konferenz waren die textauslegenden Predigten

Die fünfte Josia-Konferenz gehört der Vergangenheit an. Dieses Jahr führte ich mit Jörn Hägele vom Leitungskreis des Netzwerks Josia – Truth for Youth ein ausführliches Interview.

1. Die Konferenz findet zum fünften Mal statt. Was hat sich seit Beginn verändert und was ist gleich geblieben?

Die Frage nach Veränderung und Konstanz ist eine wesentliche Brille zur Beurteilung alles Geschehens in der Welt. Das merke ich auch immer wieder in meinem Job in der Wissenschaft (Anm: Jörn ist Doktorand, er beschäftigt sich mit der Didaktik der Physik.) Ich glaube, dass hängt damit zusammen, dass es letztlich nur eine Realität gibt, die von der Zeit losgelöst ist: den dreieinigen Gott.

Und so hoffen wir auch, dass die Josia-Konferenz eine grundlegende Konstante hat: Gott selbst, so wie er sich uns in seinem Wort offenbart. Als Netzwerk für Jugendliche wollen wir dabei natürlich besonders Jugendliche im Blick haben. All das und die damit verbundene Vision von Josia hat sich über die Konferenzen hinweg nicht geändert.

Weil sich das Grundanliegen nicht geändert hat, hat sich auch die grundlegende Struktur der Konferenz nicht verändert. Pfeiler der Konferenz sind in all den Jahren vier bis fünf textauslegende Predigten gewesen. Zudem gab es auch immer ein vielfältiges Seminarangebot, bei dem Jugendliche verschiedene Themen mit Bezug zu ihrem Alltag auswählen konnten. Darüber hinaus haben wir auch immer Lieder gesungen, die Gottes gute Nachricht von Jesus Christus deutlich und explizit benennen und anwenden und so die Möglichkeit geben, einander die ermutigende, tröstende und ermahnende Wahrheit zuzusingen.

Auf der Ebene der Angebote hat sich einiges verändert. Beispielsweise haben wir darüber nachgedacht, wie wir die Angebote noch klarer auf unsere Zielgruppe abstimmen können (und sind damit auch noch lange nicht fertig). Wir haben ein Volleyballtunier, den Josia-Cup, eingeführt, das auch dieses Jahr wieder großen Anklang gefunden hat. Wir haben den Ort von Gießen nach Gummersbach gewechselt und hatten dadurch auch die Möglichkeit, mehr Jugendlichen die Teilnahme an den Konferenzen zu ermöglichen. In diesem Jahr hatten wir knapp 300 Teilnehmer. 

In diesem Jahr ist uns besonders stark aufgefallen, dass sich mit der Zeit auch die Mitarbeitschaft ändert. Einige haben aufgrund beruflicher oder gemeindlicher Verantwortung ab einem gewissen Alter weniger Zeit, sich bei Josia leitend einzubringen. Bereichsleiterposten und Organisationsposten wurden von anderen Personen übernommen. Wir sind Gott dankbar, dass trotz diesen Veränderungen auch in diesem Jahr keine besonderen Komplikationen aufgetreten sind.

Die Jugendlichen waren wie immer munter, sie stellten in persönlichen Gesprächen (besonders beim Essen und bis spät in die Nacht) viele Fragen, sie knüpften Kontakte mit Christen aus anderen Teilen Deutschlands (oder aus der Schweiz). Auch wenn sich die Dichte an Smartphones pro Konferenz-Quadratmeter vermutlich von der ersten bis zu dieser Konferenz drastisch erhöht hat, so sind wir froh, dass das Gemeinschaftselement der Konferenz durch die Technologie auch in diesem Jahr nicht beeinträchtigt wurde.

2. Wie würdest du einen "typischen" Konferenzbesucher beschreiben?

Der typische Konferenzbesucher ist laut Anmeldedaten am 05. August 1995 geboren (Standardabweichung: 4 Jahre 6 Monate 11 Tage), kommt aus Nordrhein-Westfalen, hat sich am Abend des 14. August 2017 für die diesjährige Konferenz angemeldet und an der gesamten Konferenz teilgenommen. (Im Vergleich zur Konferenz 2013 ist das durchschnittliche Alter um etwa ein Jahr gesunken, die Streuung ähnlich geblieben.)

Über das wirklich Typische der Teilnehmer dürften die Zahlen aber nur wenig aussagen. In persönlichen Begegnungen, die wir Leitungskreismitglieder gemacht haben, stellen wir als großes Kennzeichen der Teilnehmer fest, dass sie großen Hunger nach Gottes Wort haben und sich wünschen, dass sie auch in ihren Gemeinden oder Jugendgruppen regelmäßig damit genährt werden. Außerdem ist der typische Teilnehmer nach meinem Empfinden in der eigenen Gemeinde recht engagiert – das ist natürlich eine gute Sache, weil somit unser Anliegen (hoffentlich) auch in die Gemeinden hineingetragen wird.

3. Was ist das wichtigste Anliegen der Konferenz?

Auch wenn ich damit in der Gefahr stehe, eine Plattitüde zu äußern: Das wichtigste Anliegen der Konferenz besteht darin, dass Gott geehrt wird, indem die Freude seines Volkes gefördert wird. Dabei wollen wir – auch wenn es nicht immer leicht ist – nicht nur die einzelnen Jugendlichen im Blick haben, sondern auch ihre Einbettung in ihre und ihre Stellung in ihren Gemeinden. Darum ist es wichtig, das von Gott zu seiner Ehre eingesetzte Mittel der Predigt des Wortes zu gebrauchen. Dadurch wird Er ins Zentrum gestellt und jeder Teilnehmer erbaut. Effekt davon ist hoffentlich ein Verlangen danach, im Alltag in der Heimat und der Heimatgemeinde dranzubleiben und Gott zu ehren. Außerdem ist es gut und wichtig, die Gemeinschaft der Heiligen zu pflegen und zu intensivieren – auch über Gemeindegrenzen und Örtlichkeiten hinweg. Vernetzung, aber eben auf der Grundlage der bereits vorhandenen geschwisterlichen Verbindung im Blut Jesu ist daher auch Teil dieses Anliegens. Personen mit ähnlichen Kämpfen kennenzulernen, kann Entmutigte ermutigen und dazu anhalten, auch und vorrangig zu Hause intensive Gemeinschaft im Glauben zu leben.

4. Wenn du fünf Jahre vorausblickst: Was wird sich bis dahin getan haben?

Wenn Jesus es so will und Josia noch existiert, wird es sich verändert haben. Aber die oben beschriebene Konstanz wird hoffentlich auch weitere fünf Jahre bestehen bleiben. Wir und unsere Nachfolger werden die Vision detaillierter ausbuchstabieren – möge Gott uns dabei aber bewahren, davon abzuweichen. Es ist natürlich möglich, dass sich die Schwerpunktsetzung in Bezug auf die Zielgruppe ändert oder dass die Teilnehmer aktiver in die Gestaltung einzelner Programmpunkte eingebunden werden. Aber von der Predigt des Wortes und der Pflege geistlicher Gemeinschaft sollte Josia nicht abweichen.

Ich bin beispielsweise froh, dass die Josia-Konferenz mehr und mehr jüngere Teilnehmer anspricht. Denn wir brauchen im deutschsprachigen Raum Angebote für 16–24-Jährige (und die Konferenz wird und soll natürlich auch Personen ab 14 und bis Mitte 20 anziehen). Ich wünsche mir, dass wir in fünf Jahren einen Altersdurchschnitt von 20 Jahren haben, damit wir unsere Kernzielgruppe noch besser treffen. Dann gehöre ich zu den Oldies und vielleicht zu den älteren und weiseren Seminarleitern, die im Altersdurschnitt nicht berücksichtigt werden. 

Außerdem sehe ich einige strukturelle und organisatorische Änderungen auf uns zukommen. Das hängt unter anderem mit den Teilnehmerzahlen zusammen. Wenn die Josia-Konferenzen in den nächsten Jahren deutlich besser besucht werden, müssen wir zunächst in Gummersbach (sofern wir uns dort weiterhin treffen dürfen) und dann eventuell sogar durch Ortswechsel umstrukturieren, wo z. B. gegessen wird, geschlafen oder wo und ob Volleyball gespielt wird.

Besonders aber sehe ich mit Freuden, dass es in fünf Jahren vermutlich eine große Zahl deutschsprachiger Jugendlicher und junger Erwachsener geben wird, die von Josia geprägt wurden. Manche von ihnen werden in ihren Gemeinden in der Jugendleitung sein. Andere werden Theologie studieren und als Pastoren, Prediger, Seelsorger in Deutschland und auf der ganzen Welt dienen. Manche werden fest im Glauben stehen und an ihrem Arbeitsplatz zum Zeugnis leben und reden. Dass diese Personen von Josia geprägt wurden, wird dabei nicht so wichtig sein wie die Tatsache, dass Gottes Wort sie gelehrt hat und beständig weiter darin anleitet, das Gute und Richtige in Weisheit zu wählen und freudig auf der Pilgerreise in die zukünftige Welt der völligen Gemeinschaft mit Gott zu wandeln. Wenn Josia auch in fünf Jahren noch viele dabei begleiten und darin unterstützen darf, bin ich froh.

Ich sehe also vorrangig nicht ein Mehr an Zielen, Aufgaben oder Aktivitäten, sondern Treue in Bisherigem.

5. Um noch etwas weiter zu blicken: Was würdest du dir für deine eigenen Kinder wünschen?

Ich wünsche mir für meine Kinder, dass auch sie in jungem Alter Christen aus ganz Deutschland (und darüber hinaus) kennenlernen. Ich wünsche mir, dass sie zusätzlich zu regelmäßiger guter Nahrung in ihrer Lokalgemeinde auch die Möglichkeit haben, besondere Festessen mit besonders gutem Essen und besonders besonderer Festgemeinschaft zu genießen. Das kann im Rahmen von Josia sein, wenn es dann noch existiert. Schön wäre es sicherlich. 

Vielleicht gibt es dann aber auch weitere Netzwerke, andere Projekte und Verbände, die sich an den Grundsätzen der Reformation orientieren, die sich stark und immer wieder von Gottes Wort leiten lassen und nicht vom Pragmatismus oder aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen. Wir sind froh, in diesem Jahr Material vom Bibelprojekt auf der Konferenz genutzt zu haben und beten, dass sich das Netzwerk gut entwickelt. Wir haben lange Zeit sehr intensiv mit dem Timotheus-Magazin zusammengearbeitet und freuen uns über die Arbeit dort. Wenn solcher Initiativen mehr werden und einander noch liebevoller unterstützen und füreinander beten, dann können meine Kinder in einer gottzentrierten Christenheit in Deutschland aufwachsen.

Zitat der Woche: Nur noch den Augenblick benutzen

Ein weiteres wuchtiges Zitat aus Rohrmosers "Nietzsche als Diagnostiker der Gegenwart" (S. 133f; über weite Strecken zitiert aus der Vierten Unzeitgemässen Betrachtung):

'Ehemals sah man mit ehrlicher Vornehmheit auf die Menschen herab, die mit Geld Handel treiben, wenn man sie auch nötig hatte; man gestand sich ein, dass jede Gesellschaft ihre Eingeweide haben müsse. Jetzt sind sie die herrschende Macht in der Seele des modernen Menschen, als der begehrlichste Teil derselben.' Nietzsche bezieht sich hier auf die Besessenheit, mit der wir vom Erwerbstrieb erfasst sind, und auf die Macht des Geldes. Er spricht hier den Grundtatbestand der kapitalistischen Lebensweise an. 'Ehemals warnte man vor nichts mehr, als den Tag, den Augenblick zu ernst zu nehmen und empfahl das nil admirari und die Sorge für die ewigen Angelegenheiten; jetzt ist nur eine Art von Ernst in der modernen Seele übrig geblieben, er gilt den Nachrichten, welche die Zeitung oder der Telegraph bringen. Den Augenblick zu benutzen und, von ihm Nutzen zu haben, ihn so schnell wie möglich zu beurteilen! – man könnte glauben, es sei den gegenwärtigen Menschen auch nur eine Tugend übrig geblieben, die der Geistesgegenwart. Leider ist es in Wahrheit vielmehr die Allgegenwart einer schmutzigen, unersättlichen Begehrlichkeit und einer überall hinspähenden Neugierde von Jedermann.' Die unersättliche Begehrlichkeit, der Besitztrieb und die Versklavung an den Augenblick und an das, was in den Zeitungen steht und in den Nachrichten gesendet wird – das sind die Aussagen Nietzsches über die Verfasstheit des Menschen in der modernen Welt, von denen man ohne Übertreibung sagen kann, sie könnten auch heute geschrieben sein. Nietzsche stellt fest, dass das Dasein des modernen Menschen durch den modernen Macht- und Erwerbsapparat gekennzeichnet ist. Übrig bleibt ein ausgelaugter, ein steriler Mensch, der dann, auf sich selbst zurückgeworfen, die Entleerung des Daseins, durch den euphorischen Ausdruck 'Freizeit' zu verkleiden sucht.

Kolumne: Eine evangelikale Erklärung zur Sexualethik

Die Nashville-Erklärung, in den USA kontrovers diskutiert, ist dieser Tage in deutscher Sprache erschienen. Dass mit einem solchen Papier die Wogen der Diskussion hochgehen, erstaunt nicht. Schade, dass es erst so spät geschieht. Es scheint mir, als hätten viele Christen die säkularen Denkvoraussetzungen schon verinnerlicht. Ich stimmte Matthias Lohmann zu: „Obwohl das Christsein nicht mit einer Sexualmoral verwechselt werden darf, können wir die biblische Sicht auf die Geschlechtlichkeit nicht aufgeben.“

Ich hebe einige Dinge aus der Erklärung heraus und kommentiere sie mit eigenen Worten.

  1. (Präambel) "Die westliche Kultur ist zunehmend post-christlich geworden. Sie hat begonnen, ganz neu zu definieren, was es heißt, ein menschliches Wesen zu sein." Identität ist "Ausdruck autonomer Präferenzen des Einzelnen". Hier ist ein Weg "ohne falsche Scham" und einem klaren gegenkulturellen Zeugnis angezeigt.
  2. (Artikel 1) Unsere Gesellschaft wird vom (kündbaren) Vertragsdenken beherrscht. Der Mensch ist autonomer Vertragspartner. Dadurch wird die normative Seite Vertrages, nämlich seiner durch den Schöpfer gestellten Bedingungen, ausgeschlossen. Der Schöpfer und Herr erhebt den Anspruch auf volle Loyalität!
  3. (Artikel 2) Der ethische Relativismus und die Herrschaft von Gefühl und Begehren sind selbstverständlich Hauptkriterien für den Geschlechtsakt. Hier rühren wir an eine weitere Grundkategorie des säkularen Denkens. Das Entscheidkriterium stellt für ihn die Stimmigkeit dar.
  4. (Artikel 4) Manchmal wird mit einem heilsgeschichtlichen Argument hantiert: Die Unterschiede zwischen Mann und Frau seien durch den Sündenfall und nicht durch die ursprüngliche Schöpfungsordnung bedingt. Das muss differenziert werden: Durch den Sündenfall werden die Unterschiede pervertiert.
  5. (Artikel 6) Dieser Paragraph adressiert eine kleine Gruppe von Menschen mit Geschlechtsdiffferenzierungsstörungen. Anhand dieser Gruppe wird das Prinzip bekräftigt, ein "fruchtbringendes Leben in freudigem Gehorsam" möglich sei. Selbstverständlich wird dies gemäss POMO-Definition von "Liebe" als äusserst "lieblos" abqualifiziert werden. Liebe ohne Wahrheit ist wie ein Flugzeug mit einem Flügel: Es stürzt ab.
  6. (Artikel 8) Es ist auch immer wieder zu hören, dass Homo- und Transgender-Selbstkonzepte Teil von Gottes Schöpfungsordnungen seien. Hier wird wiederum heilsgeschichtlich unzulässig argumentiert. Es geht um die Sünde, welche diese Ordnung korrumpiert und zerstört.
  7. (Artikel 10) Es geht um eine erstrangige Frage, weil sie direkt die Verfassung des Menschen sowie die Grundlagen der Heilsgeschichte in Frage stellt. Dies kann keine "untergeordnete Meinungsfrage" sein.
  8. (Artikel 12) Es ist nicht Prüderie oder Verleugnung unserer Körperlichkeit, dass Gott durch das neue Leben es ermöglicht "sündhafte Begierden abzutöten und des Herrn würdig zu leben". Diesem Argument liegt der fehlgeleitete Freiheitsbegriff zugrunde. Letzlich ist dies ein Zweifel an Gottes Macht und Fähigkeit Menschen zu erretten und verändern (vgl. Artikel 14).

Kolumne: Neu an der Oberstufe

Unser Zweiter hat nach den Sommerferien mit der Oberstufe begonnen. Wir pilotieren eine Kombilösung (Mathe an der öffentlichen Schule, der Rest zu Hause).

Die Zusammenfassung meines Sohnes: Es gibt viel mehr zu tun. Ich kann weniger schlafen.

Beobachtungen

  • Es sind (massiv) grössere Lernmengen zu bewältigen.
  • Es herrscht die Einstellung vor: Weil ich etwas (momentan) verstanden habe, bin ich vorbereitet. Das genügt.
  • Die "Besseren" sind im Gymnasium, die "Schlechteren" in einer anderen Stufe. Das heisst: Das Mittelfeld ist plötzlich alleine.
  • Es herrscht kein Druck "gut" zu sein. (Mein Sohn war ab dem ersten Tag extrem gefragt und muss den Stoff den anderen erklären.)
  • Am Wochenende kompensieren die Schüler mit Gamen und Schlafen.
  • Gerade die Mütter sind gefordert, ihre Buben nicht zu stark zu bemuttern und ihnen unnötig Hindernisse aus dem Weg zu räumen.
  • Die Kinder lassen sich von den Eltern nichts mehr sagen; das hat damit zu tun, dass die Beziehung schon viel früher gekappt oder auf das Minimum des Versorgers zurückgefahren wurde.

Hinweise für die Eltern

  • Von den Eltern ist Geduld gefordert. Es geht nicht so schnell wie gedacht. Das Einüben neuer Gewohnheiten benötigt mehrere Monate.
  • Rechne mit regelmässiger Entmutigung des Kindes. Fokussiere deine Energie darauf, nochmals ranzugehen. Fleiss wird sich nicht immer sofort, jedoch mittel- und langfristig auszahlen.
  • Es winkt die Chance in der Selbstführung einen Schritt nach vorne zu kommen. Das beginnt bei der Pünktlichkeit und der Sorge um das eigene Material.
  • Betrachte die Abhärtung als einen Teil der Vorbereitung für das Berufsleben. Thematisiere Schlafmangel, Atemtechnik, Anspannung und Entspannung, aber insbesondere auch innere Einreden bei Frust!
  • Beschuldige nicht vorschnell die Lehrer. Viele (Einstellungs-)Dinge spielen sich im Kopf des Schülers und auch der Eltern statt.
  • Ermutige deinen Ehepartner und dein Kind: Es geht um eine neue Lebensphase. Alle können durch Gottes Gnade dazulernen.
  • Sei offen für die halblaut geäusserten Fragen des Kindes. Ich werde fast täglich angegangen, um Ideen für schwierige Situationen zu generieren.

Impulse für das geistliche Leben

  • Bete für dein Kind, deinen Ehepartner, die Geschwister und dich selbst.
  • Besprich dich regelmässig mit deinem Ehepartner.
  • Bekenne Verfehlungen zeitnah.
  • Erzähle von deiner eigenen Wachstums- und Lernzone.
  • Frage nach schwierigen Momenten und bete mit dem Kind dafür.
  • Notiere dir Schlüsselaussagen und Erkenntnisse. Frage nach einigen Tagen/Wochen wieder nach.
  • Achte beim Studieren der Bibel und der Andachten auf Hinweise für die Situation!

Hanniel hirnt (20): Die Reaktion der Christen auf die 68er Kulturrevolution

Vor 50 Jahren ereignete sich eine Kultur-Revolution, die unsere Gesellschaft von innen heraus grundsätzlich verändert hat. In der ersten Folge beschäftigte ich mich mit den drei aktiven Gruppen der Revolution und drei gesellschaftlichen Optionen. Im zweiten Beitrag stellte ich das rasche Einschwenken auf die Position von Wohlstand und Sicherheit fest. Im dritten Teil zitiere ich erneut Francis Schaeffer auf die Frage:

Wie können Christen auf die durch die Kulturrevolution veränderte Situation reagieren?

Wahrheit auf unterschiedlichen Positionen anerkennen: Sie unterscheiden zwischen einer zeitweiligen Interessensverbindung und einer dauerhaften Verbündung. Sie finden bei einem wahren Argument Zustimmung zur einen oder zur anderen Seite (der neuen Linken oder den reaktionären Kräften).

Wahre Wahrheit inmitten des ethischen Relativismus hochhalten: Sie nehmen die Wahrheit ernst. Schaeffer meint, dass der Evangelikalismus unter diesem Namen den Kern seiner Überzeugungen durch den ethischen Relativismus zerstört. Das Gegenteil der von Gott in seinem Wort offenbarten Wahrheit kann nicht richtig sein. Diese Verkehrung kann so gut in einem buddhistischen Gewand oder in herkömmlichen christlichen Vokabular verpackt sein. Wir müssen Wahrheit praktizieren, auch wenn sie uns etwas kostet.

Schönheit Gott gestifteter Gemeinschaft zur Entfaltung kommen lassen: Orthodoxie der Lehre muss mit Orthodoxie der Gemeinschaft Hand in Hand gehen. Andere sollen sehen können, was Gott in seinen Lehren offenbart hat. Diese göttliche Schönheit soll sich in unserer Gemeinschaft und unserer Kommunikation entfalten. Das ist nicht möglich mit ewigem Gezänk.

Interview: Was Wolfgang Bühne Studenten, Eltern und Senioren rät

Kürzlich hatten wir die Freude, den Verleger Wolfgang Bühne (clv.de & leseplatz.de) bei uns willkommen zu heissen. Er beantwortete nicht nur Fragen meiner Söhne, sondern im Nachgang schriftlich auf einige Dinge, die mich beschäftigen.

1. Wie siehst du die Entwicklung innerhalb der Evangelikalen der letzten 20 Jahre? Was fällt besonders auf?

Mir fallen zwei gegensätzliche Entwicklungen innerhalb der Evangelikalen in den letzten 20 Jahren auf:

Eine zunehmende Säkularisierung und ein erschreckendes Desinteresse an biblischer Lehre und Ethik in den meisten Gemeinden und Gemeinschaften, leider auch an manchen theologischen Seminaren und Bibelschulen und nicht zuletzt in den meisten bekannten evangelikalen Verlagen.

Andererseits sehen wir bei nicht wenigen jungen Christen ein wachsendes Interesse an gesunder, biblischer Theologie und Jüngerschaft – und zwar quer durch konservative Gemeinden, wobei junge Geschwister aus  den russlanddeutschen Gemeinden und sog. "Brüderversammlungen" auffällig zahlreich vertreten sind.

2. Du hast in der Verlagsarbeit bei CLV die Übersetzung von wichtigen Werken von John Piper und Randy Alcorn vorangetrieben. Weshalb?

Beide Autoren vertreten eine konservative, reformatorische Theologie mit einem ausgeprägt erwecklichen Anliegen, um Freude an unserem Herrn, an Gottes Wort und an konsequenter Nachfolge Jesus zu fördern.        

Dabei verfügen beide Autoren über einen sehr guten Schreibstil und weiten Horizont durch ihre Kenntnis der Kirchengeschichte und zahlreicher Werke älterer Autoren der Erweckungsbewegungen, aus deren Büchern sie zahlreiche hervorragende Storys und Zitate einflechten. Dazu kommt, dass beide über einen erfrischenden und selbstkritischen Humor verfügen und die Schwachstellen der heutigen Evangelikalen sehr gut kennen und ins Visier nehmen.

3. Als Rezensent hast du unzählige Bücher gelesen. Welche 5- 10 Werke empfiehlst du besonders?

Das kommt ganz auf das Alter und die geistliche Reife der Leser an. Jungen Lesern empfehle ich gerne Bücher zum Thema Nachfolge von William MacDonald, John Piper und Randy Alcorn, wie auch von Jim und Elisabeth Elliot. Etwas reiferen Christen rate ich Bücher und Predigten von C.H. Spurgeon, Wilhelm Busch, A.W. Tozer und ähnlichen Autoren zu lesen. Wenn es um Auslegungen geht empfehle ich unbedingt die Auslegungen von Warren W. Wiersbe, Benedikt Peters und weiteren Autoren aus der Brüderbewegung.

Allen Lesern versuche ich Biographien aus den verschiedenen Jahrhunderten und Erweckungsbewegungen lieb zu machen, weil besonders diese Gattung Literatur bildet, beschämt, anspornt, warnt und vor traditioneller Kurzsichtigkeit und Verschrobenheit bewahrt. 

Dazu gehören die Lebensbilder über George Whitefield, Georg Müller, C.H. Spurgeon, Hudson Taylor, John Wesley, David Brainerd, Jim Elliot, Johannes und Wilhelm Busch, Gladys Aylward, Florence Allshorn und viele weitere.

4. Was sind zwei, drei wichtige Ratschläge für Familien?

Was Eltern betrifft:

Den Kindern vor allem ein Vorbild zu sein in freudiger Hingabe an Christus, an diszipliniertem Bibellesen und Gebet.

Durch Liebe und Zuwendung eine Hilfe und Ansporn zu sein um Christ zu werden.

Durch ermutigendes Beispiel und Anleitung Kinder zu „Protestanten“ in einer anpassungssüchtigen, gedanken- und prinzipienlosen Christenheit zu ermutigen.

5. Was rätst du jungen Menschen, die in unserer westlichen Welt ein Studium absolvieren?

Unbedingt am Studienplatz verbindliche Gemeinschaft mit einer lebendigen, an der Bibel orientierten Gemeinde zu suchen und mitzuhelfen, unter den Mitstudenten evangelistische Gesprächskreise aufzubauen  und freie Zeit zum intensiven Studium der Bibel und zum Gebet einzusetzen.

6. Welche Herausforderungen siehst du für Christen im sogenannten dritten Lebensabschnitt, dem Rentenalter?

Sich nicht auf vergangenen Erfahrungen auszuruhen und träge zu werden. Eigene Grenzen zu erkennen und einzuhalten, mehr Zeit für Fürbitte und Seelsorge an der nächsten Generation einzusetzen und sie durch Vorbild und Begleitung für die zukünftigen Aufgaben und Auseinandersetzungen zu prägen und vorzubereiten.

Vielen Dank für deine geradlinigen Antworten!

In Trauer: Nabeel Qureshi mit 34 Jahren in die Herrlichkeit abberufen

Letzten Samstag ist der bekannte Konvertit Nabeel Qureshi in die ewige Heimat abberufen worden. Der allmächtige, persönlich-unendliche Gott nahm ihn mit 34 Jahren in seine Herrlichkeit auf. Trauer erfüllt mich. Ich frage mich, wie Gottes souveräner Plan wohl aussehen mag.

In einem ersten Nachruf fasst Justin Taylor die bewegende Geschichte der intensiven denkerischen Auseinandersetzung mit dem Islam und dem Christentum zusammen (hier), die Gott benützte, um ihn schrittweise zum christlichen Glauben zu führen.

Seine drei Bücher sind inzwischen in die deutsche Sprache übersetzt worden. Das erste "Allah gesucht, Jesus gefunden", das in biografischer Art abgefasst ist, habe ich vor einiger Zeit rezensiert mit der Überschrift: Wie ein pakistanisches Einwandererkind von Vorzeige-Muslimen über die Untersuchung von Christentum und Islam zum Glauben fand.

Qureshi schrieb zwei Nachfolgewerke, eines zum Dschihad (meine Rezi; deutsche Übersetzung) und ein weiteres unter dem Titel "Islam oder Christentum: Ist Jesus wirklich Gott?: Eine Gegenüberstellung".

Am 31. August hatte Qureshi noch auf Facebook geschrieben, dass ein weiterer agressiver Magenkrebs diagnostiziert worden war. Seine Worte werden als Lob in der Ewigkeit hallen:

In the past few days my spirits have soared and sank as I pursue the Lord's will and consider what the future might look like, but never once have I doubted this: that Jesus is Lord, His blood has paid my ransom, and by His wounds I am healed. I have firm faith that my soul is saved by the grace and mercy of the Triune God, and not by any accomplishment or merit of my own. I am so thankful that I am a child of the Father, redeemed by the Son, and sealed in the Spirit. No, in the midst of the storm, I do not have to worry about my salvation, and for that I praise you, God.

In einer letzten Videobotschaft vom 8. September hatte Qureshi bekannt gegeben, dass er nicht mehr weiter behandelt werden könne. Ravi Zacharias, in dessen Organisation Nabeel Qureshi diente, schrieb am Wochenende:

Our loss is deep and our hearts heavy. Yes, we dreaded this moment, but it is here. Our Lord understands. Even He wept over Lazarus, knowing all along that He would raise him. The pain of death is real. Even short farewells are painful. I have a flood of memories. I have posted an obituary on certain publications, at their request. It is amazing that a life so brief had an impact so big.

Aus den Medien: Marsch für das Leben in Berlin

Mit einem (jungen) Teilnehmer des Lebensmarsches in Berlin vom 17. September führte ich ein Interview. Vor einigen Tagen habe ich erklärt, warum dieses Thema kaum mehr Platz im öffentlichen Raum hat.

1. Was veranlasste dich zur Teilnahme? Ich stimme dem Anliegen des Marsches für das Leben weitgehend zu. Allerdings scheint nur eine nicht allzu große Zahl in Deutschland sich aktiv für diese wichtigen Anliegen einzusetzen. Darüber hinaus wohne ich momentan in Berlin.

2. Wie sah das Teilnehmerfeld aus? Alle Altersgruppen waren vertreten. Auffällig viele junge Menschen nahmen teil. Viele Teilnehmer sind wohl Christen, darunter viele Katholiken, aber auch Evangelisch-Freikirchliche oder Evangelische waren dabei.

3. Weshalb gibt es Widerstand? Menschen die fälschlicherweise in grenzenloser Freiheit (die dann keine mehr ist) ihre Rettung sehen, werden alles daran setzen diese nicht zu verlieren, um mal Tim Keller widerzugeben. Letztlich ist Widerstand gegen das Gute, das von Gott kommende, begründet im Sündenfall.

4. Was würdest du einem Christen antworten, der keinen Sinn an der Teilnahme sieht? 1. Ich glaube als Christen dürfen und sollen wir ganzheitlich, gottesdienstlich leben. Menschen ohne Stimme eine zu geben gehört dazu. 2. "Wenige" Apostel beauftragte Jesus das Evangelium bis an die Enden der Erde zu tragen. Diesem Ziel sind wir heute nahe. Gott will in uns schwachen, d. h. auch wenigen Menschen wirken.

5. Was würdest du einem Arbeitskollegen sagen, der dich fragt, wo du am Wochenende warst? Vor diesem Wochenende tauschte ich mich mit Kollegen über unsere Pläne fürs Wochenende aus. Ich sagte ich würde bei einer Demonstration mitmachen, die sich für den Schutz des menschlichen Lebens von Beginn bis zum Ende einsetzt. Es ginge um Themen wie Abtreibung und assistierten Suizid.

Hier sind einige Wortmeldungen aus den Medien:

Bei Abtreibungen schauen wir in Deutschland konsequent weg. (Birgit Kelle) "In einem der reichsten Länder der Erde bekommen wir die hohe Zahl der Abtreibungen nicht in den Griff. Schauen wir seit Jahren konsequent weg. Weil es unangenehm ist. Weil sich niemand mit diesen Zahlen beschäftigen will. Wir haben uns an das Töten gewöhnt. Manche bezeichnen es gar inzwischen als ein Frauenrecht. So als ob es eine Errungenschaft einer Zivilisation bedeutet, wenn Mütter nun das Recht bekommen, ihre eigenen Kinder zu töten. Nicht aber das Recht, die ersten Jahre an der Seite ihres Kindes zu leben."

Warum werden die Lebensschützer in Berlin so wütend empfangen? (bz-berlin.de) "In Deutschland darf man ein lebensfähiges Kind vor der Geburt töten, wenn es eine Erbkrankheit hat. Der Arzt sticht ihm mit einer Giftspritze durch die Bauchwand der Mutter in den Kopf. Dann leitet er für den Leichnam die Geburt ein. Warum ist das erlaubt? Warum wird dieses Thema andauernd tabuisiert? Und warum werden Christen, wenn sie das Tabu brechen, so wütend attackiert?"

Denn sie wissen, was sie tun (tagespost.de): "Seit Jahren tapeziert die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung deutsche Innenstädte mit großformatigen Aufklärungsplakaten, die vor ungeschütztem Geschlechtsverkehr warnen, und dennoch werden Jahr für Jahr eher mehr als weniger Frauen ungewollt schwanger. Mit fatalen Folgen: Nach wie vor ist für ein Kind der gefährlichste Ort der Welt der Mutterleib. Allein in Deutschland werden jährlich mindestens 100 000 Kinder abgetrieben – mit leider wieder steigender Tendenz, und dass bei gleichzeitig sinkender Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter. So gut wie gar keine Überlebenschance haben dabei Kinder mit chromosomalen Besonderheiten."

Der frühere Vorstand des BVL, Matthias Lohmann (kath.net): "Wie gut, dass man den Marsch für das Leben nicht mehr übersehen oder/und totschweigen kann! Wie gut, dass auch viele Medien endlich darüber berichten, dass es Menschen aus allen Generationen und mit verschiedenen Überzeugungen gibt, die mitten in Berlin bezeugen: Jeder Mensch hat ein unveräusserliches Recht auf Leben. Von Anfang an bis zum natürlichen irdischen Ende. Der Marsch für das Leben ist die wichtigste Demonstration für Freiheit, Humanität, Gerechtigkeit und Leben."

Kaum Unterstützung von Seiten der EKD (idea.de): "Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz wird den „Marsch für das Leben“ am 16. September in Berlin auch in diesem Jahr nicht unterstützen. Das teilte die Pressesprecherin, Heike Krohn-Bräuer, am 14. September auf Anfrage der Evangelischen Nachrichtenagentur idea mit. Es gelte nach wie vor der Kirchenleitungsbeschluss vom April 2014, der eine Unterstützung der Arbeit oder von Aktivitäten des Bundesverbandes Lebensrecht (Berlin) ablehne."

Die Schwächsten schützen (freiewelt.net): "Die Zahl der Abtreibungen in Deutschland nimmt wieder zu. Zwischen Januar und Juli 2017 stieg der Wert um zwei Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Es handelt sich in der ersten Jahreshälfte um 52.200 Kinder, die nie geboren wurden. Dabei erfolgten 96 Prozent aller Abtreibungen ohne einen zwingenden Grund mittels eines sogenannten Beratungsscheins gemäß der sogenannten Fristenregelung."

Das wichtigste Statement einer jungen Frau mit Down-Syndrom (wdr.de): "Bei der Wahl-Arena am Montag (11.09.2017) stellt eine junge Kölnerin mit Down-Syndron Merkel eine Frage: Die junge Frau, die nach eigenen Angaben bei dem von der Caritas betriebenen Cafe "Queerbeet" in Köln arbeitet, hatte zuvor erklärt, neun von zehn Babys mit Down-Syndrom in Deutschland würden abgetrieben. "Ich will nicht gehen, ich will auf der Welt bleiben", sagte sie."

Zitat der Woche: Wir treten in das Zeitalter der Retabuisierung ein

In vieler Hinsicht gehören die verschriftlichten Vorlesungen des Religionsphilosophen Günter Rohrmoser "Nietzsche als Diagnostiker der Gegenwart" zum Besten, was ich dieses Jahr gelesen habe. Zum Beispiel in dieser scharfen Analyse:

Heute treten wir in den Zustand der vollbrachten Aufklärung ein. Worüber wäre denn heute noch aufzuklären? Wir haben eigentlich über alles aufgeklärt, worüber man nur aufklären kann. Im Gegenteil, wir sind heute nicht mehr dabei, weitere Durchbrüche im Prozess der Aufklärung auf den Weg zu bringen, sondern wir sind an dem Punkt angelangt, an dem wir neue Tabus errichten wollen oder auch errichten müssen. Es gibt kaum einen Punkt, an dem man sich die Vollendung der Aufklärung so deutlich machen kann, als in der Wiederkehr von Tabus. Diese aufgeklärte Gesellschaft meint offenbar nun, die von der Aufklärung selbst geschaffene prekäre Lage durch neue Tabus retten zu können. Diese neuen Tabus erstrecken sich vorläufig nur auf das Politisch-Ideologische. In unserer liberalen Gesellschaft darf man eigentlich alles sagen und tun, nur rechte Parolen oder auch nur konservative Positionen darf man nicht mehr öffentlich vertreten. Wir dürfen aber sicher sein, dass es bei diesen Tabus nicht bleiben wird. Wir treten in das Zeitalter der Retabuisierung ein. Wir werden uns sozialtherapeutisch und technisch immer mehr der Setzung und Durchsetzung neuer Tabus bedienen. Diese Retabuisierung wird nicht etwa deshalb kommen, weil es Menschen gibt, die plötzlich einen Gefallen an Tabus finden. Sondern sie wird kommen, weil die Aufklärung vollendet ist, weil alle Tabus beseitigt und alle Traditionen aufgelöst sind und die Gesellschaft nun als Folge davon dabei ist, auseinander zu brechen. Wir leben derzeit nur noch von der Inkonsequenz der Aufklärung und davon, dass es immer noch Schichten und Gruppen in der Bevölkerung gibt, die von dem Lichtstrahl der Aufklärung noch nicht erreicht sind und an Traditionen festhalten, die noch den gesellschaftlichen Zusammenhalt ermöglichen. Im Kontext der theoretischen, der wissenschaftlichen, der philosophischen, zum Teil auch der theologisch-religiösen Kultur ist die Aufklärung bereits vollendet und vollbracht. Wenn das aber der Fall ist, beginnt die Gesellschaft, sich selbst zu zerstören. Es gibt so etwas, wie eine Tragödie der Aufklärung. Es gibt sowohl eine Notwendigkeit von Aufklärung, es gibt eine Begründung des Sinns von Aufklärung, es gibt aber gleichzeitig auch die Tragödie der Aufklärung. Und diese Tragödie der Aufklärung besteht darin, dass sie, wenn sie ihr Werk vollbracht hat, sich selbst auch zerstört. Das erleben wir heute.

Hanniel hirnt (19): Ermutigungen aus den Briefen von Edith Schaeffer

Immer wieder greife ich zum Briefwerk von Menschen, die mit Gott gelebt haben. In meinem Regal stehen Briefe Augustins, Calvins, aber auch von C. S. Lewis und Francis Schaeffer.

Aktuell lese ich die L'Abri Family Letters von Edith Schaeffer, Briefe aus den Jahren 1961-1986. Edith Schaeffer hat die Geschichte von l'Abri erzählt. Ich habe eine inhaltliche Zusammenfassung des Buches geschrieben. Diese neun Dinge haben mich beim Lesen ermutigt:

  1. Sie war ständig knapp an Ressourcen: Wärme, Zeit, Wohnraum, Lebensmitteln, Geld, Kraft, Gesundheit, Schlaf.
  2. Sie pflegte täglich das Gebet – mit ihrem Mann, den Mitarbeitern und Gästen. Es gehörte zu ihrem Tagesablauf.
  3. Sie betete über Wochen und Monate für konkrete Anliegen, z. B. Bauprojekte zum Ausbau der Arbeit.
  4. In ihrem ausgefüllten Tag nahm sie sich Zeit für Gott und das Lesen seines Wortes – u. a. auch zusammen mit ihrer erwachsenen Tochter.
  5. Ständig meldeten sich Mitarbeiter und brachten ihre Gaben in die Arbeit mit ein. Zum Teil erledigten sie wichtige Arbeiten im Hintergrund (Tapes aufnehmen, Buchhaltung nachführen).
  6. Sie steckte ständig in Engpässen, z. B. krankheitsbedingte Ausfällen der Mitarbeiter und Krankheit in der Familie. Sie rechnete mit diesen täglichen Anfechtungen Satans.
  7. Gemeinsam unternahmen sie als Gemeinschaft Ausflüge und Wanderungen, begleitet von freiem und angeleitetem Gespräch. Ebenso inspirierend sind für mich die Idee von geführten Essenszeiten, in denen die Gäste nach Gebet bewusst zusammengesetzt wurden.
  8. Gott schenkte Zeit, Ressourcen und Ideen für Rückzugsmöglichkeiten für Familie und Mitarbeiter. Gott nimmt seine Diener auf die Seite und schenkt ihnen Erfrischung.
  9. Sie gab Mädchen und jungen Frauen auf Reisen die Geschichte von l'Abri weiter.

Hier schildere ich mündlich meine Eindrücke.