10 Hinweise … zu sehr stressigen Zeiten

Als Vater einer Grossfamilie, Arbeitnehmer, Kirchgänger und Staatsbürger erlebe ich immer wieder stressige Momente – manchmal Augenblicke, auch Stunden, Tage, manchmal sogar Wochen. Hier sind meine wichtigsten Überlegungen:

  1. Werde dir bewusst, dass Gott dich genau in dieser Situation etwas lehren will.
  2. Suche den Allmächtigen im Gebet. Gestehe ihm ein, dass du es nicht aus eigener Kraft schaffen willst.
  3. Bitte andere Menschen um Hilfe.
  4. Atme immer wieder bewusst  tief durch.
  5. Bau den Stress durch Bewegung ab. Wandere nach Möglichhkeit auf einen Hügel oder Berg.
  6. Dusche kalt.
  7. Notiere dir, was dich beschäftigt.
  8. Gestehe dir die Angst ein und bringe sie vor den Allmächtigen.
  9. Denke an andere und tue Gutes.
  10. Danke Gott, wenn die Zeit vorbei ist.

Buchbesprechung: Die Nachfolge Christi

Herman Bavinck. Imitatio Christi (1885/86 und 1918). In: John Bolt. A Theological Analysis of Herman Bavinck’s Two Essays on the Imitatio Christi: Between Pietism and Modernism. Edward Mellen: New York 2013. S. 372-440.

Der erste Aufsatz zur Nachfolge Christi (1885/86)

Der Aufsatz beginnt mit der Feststellung, dass der Ruf zur Selbstverleugnung eine zentrale Rolle im Lehren von Jesus und seinen Jüngern gespielt habe. Die Geschichte der christlichen Kirche sei aber auch voll von Missinterpretationen bezüglich der Nachfolge Christi gewesen. Bavinck zeichnet die dogmengeschichtliche Linie des Themas nach.

Die ersten Christen lebten in einer Zeit der Verfolgung – in der Hoffnung auf eine bessere jenseitige Welt. Mit der Zeit gelangte das Martyrium sogar zu Ehre, der Tod wurde zum Triumpf. Mit der staatlichen Anerkennung des Christentums geriet die Kirche in Abhängigkeit vom Staat und büsste einen Teil ihrer moralischen Kraft ein. Diese führte zu zwei Strömungen innerhalb der Gemeinden: Die begannen sich in der Welt richtig zu Hause zu fühlen, während die anderen vor der Gefahr der Anpassung warnten. Die mönchische Bewegung kann deshalb als Nachfolgebewegung der Märtyrer gesehen werden. Das Mönchtum entwickelte zwei Standards von Moral und Verpflichtungen, ein niedriges und ein höheres Leben. Dies führte zur Abspaltung vom natürlichen Lebensbereich vom Bezirk des Glaubens.

Die mönchischen Reformbewegungen strebten nach Erneuerung und der Rückkehr zum Modell der frühen Kirche. Die Waldenser erhoben die Bergpredigt zum Gesetz und zum Prüfstein der wahren Kirche. Das gesamte Leben von Jesus musste nachgeahmt werden, deshalb das Armutsideal. Dies führte beispielsweise zum Extrem der Stigmatisierung, dem Imitieren der Wunden Jesu. Damit sollte sich zeigen, dass der Geist dem Körper überlegen war.

Diesen drei Modellen der Nachfolge Christi, dem Märtyrer (Frühzeit), dem Mönch und dem Mystiker (Mittelalter) fügt Bavinck einen vierten Typus der Moderne hinzu: Den rationale Weg der Nachfolge. Jesus ist ein normales menschliches Lebewesen, das in Worten, Tat und Tod ein normatives Ideal darstellte.

Wie aber sollte die Nachfolge Christi gelebt warden? Bavinck stellt klar, dass diese nicht richtig verstanden werde, solange sie als sklavisches Kopieren seiner Worte und Taten aufgefasst sei. Es geht vielmehr um eine Anwendung der Prinzipien, nach denen Jesus lebte und das Moralgesetz erfüllte. Der Kerngedanke der Nachfolge besteht in der lebendigen Gemeinschaft mit Christus, der unio mystica. Unser Leiden ist so nicht das erlösende Leiden Christi, sondern in allgemeinem Sinn zu verstehen. Diese geistliche Einheit findet ihren konkreten Ausdruck im Bereich des Ethischen (398-99).

Der zweite Aufsatz zur Nachfolge Christi (1918)

Bavinck schrieb den zweiten Aufsatz am Ende des Ersten Weltkrieges. Die schnelle Kette von schrecklichen Ereignissen hatte nicht nur die Gesellschaft, sondern auch die Theologenwelt nachhaltig erschüttert. Der Fortschrittsglaube war jäh in Frage gestellt. Viele ethische Fragen standen im Raum, so zum Beispiel die Frage nach dem gerechten Krieg. Dahinter standen viele weitere Themenkreise von Staat, Industrie, Business, Wissenschaft und Kunst.

Erneut blendet Bavinck – diesmal viel kürzer – auf den antithetischen Stand der ersten Christen angesichts der gesellschaftlichen Dekadenz zurück. In den ersten Jahrhunderten galt der Märtyrer als wahrer Nachfolger Christi. Erst die Reformation überwand dieses asketische Ideal, auch wenn diese Tendenzen gleich nachher wieder Eingang in die protestantischen Kreise gefunden habe. So bestehe eine Lebensstrategie des „frommen und einfachen Christen“ darin, die Kirche als unbedeutende, kleine Schar von Pilgern zu sehen, die durch ein Tränental wanderten. Es geht um ein freudloses, weltabgewandtes Ethos. Es gibt kaum Interesse an wissenschaftlichen Errungenschaften und  Schöpfungen der Kunst.

So schrien die einen nach dem „ursprünglichen Christentum“; die Gegenseite votierte, dass sich das Christentum definitiv überlebt habe oder nur noch als Wert für die private Moral überleben könne. Für Bavinck waren dies jedoch keine befriedigenden Antworten. Er rang – wie schon sein ganzes Leben – angesichts der “grossen Bürden” des modernen Lebens um eine differenzierte Alternative. Dafür ging er in Altes und Neues Testament zurück

Im alttestamentlichen Israel ging es in der Nachfolge Jahwes um die Treue gegenüber dem Gesetz Moses. Die Jünger Jesu realisierten während der dreijährigen Wanderschaft mit ihrem Meister, dass sie unweigerlich mit Ablehnung und Hass konfrontiert sein würden. Das Kreuz wurde Symbol des Leidens, das sämtliche Nachfolger erwartete. Hier flechtet Bavinck einige hermeneutische Anmerkungen zum besseren Verständnis der Bergpredigt ein. Das Gesetz des Alten Testaments enthielt zahlreiche zivile und zeremonielle Bestimmungen. Das Neue Testament basierte auf dem Alten. Die Jünger mussten jedoch ein neues Verständnis eben dieses Gesetzes gewinnen. Es ist dabei nicht unwesentlich zu berücksichtigen, dass die Berpredigt sich in erster Linie an seine Jünger richtete. Da die Jünger Vertreter der ärmeren Schichten der Bevölkerung waren, wäre es unangemessen gewesen, ihnen das Kulturmandat vorzustellen und sie zu dazu aufzurufen, irdische Güter aufzuhäufen oder Industrie und Handel weiter zu entwickeln („It would have been quite inappropriate to set before them a so-called cultural mandate, a call to engage in science and art, to accumulate earthly goods and develop industry and commerce.” 418)

Die Nachfolgegenerationen fühlten sich in der Welt nicht zu Hause. Sie wurden verfolgt. Es ging – so Bavinck – in der ersten Periode darum, dass die Kirche ihre unabhängige Identität bewahrte und ihre eigene Stellung behielt. An der gesellschaftlichen Ordnung wurde nichts geändert; der Sklave blieb Sklave. Die Apostel begnügten sich mit der geistlichen Freiheit und wandten diese nicht auf das soziale Leben an. Nirgend finden wir einen Aufruf, für die Freiheit aufzustehen, auf eigenen Rechten zu beharren oder das eigene Los zu verbessern. Im Vordergrund stand das Bewusstsein der baldigen

In späteren Phasen genügten die “passiven Tugenden” nicht mehr. Die Kirche musste ihre Stellung gegenüber der Welt revidieren und sich der Aufgabe der Reform und Erneuerung in der Welt durch christliche Prinzipien stellen. (Hier ist jeweils besonders der Aufbruch in den von der Reformation geprägten Ländern sowie auch der neocalvinistische Schub ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gemeint.) Bavinck stellt hier die Theologie des Kreuzes dem Prinzip der Inkarnation (der Menschwerdung Christi) und der Theologie der Herrlichkeit gegenüber. Nur in der komplementären und damit in einer Spannung stehenden Berücksichtigung beider Seiten könne Jüngerschaft in der modernen Welt richtig verstanden werden. Es geht um den “gesamten Christus”, den gekreuzigten und den verherrlichten. Mit der apostolischen Lehre würden wir über eine Konzeption von Nachfolge hinausgehoben, welche die Bergpredigt als neues, vollkommenes Gesetz und Modell Christi deutete, das reproduziert werden musste. Jesus würde sein Volk nicht aus der Welt nehmen, sondern vor dem Bösen bewahren (Joh 17,15). Die Apostel standen der Schöpfung nicht entgegen, sondern dem Bösen innerhalb der Welt (1Joh 2,16).

Eine Verbindung zwischen dem Christentum und der Welt kann jedoch nur in ethischer Hinsicht stattfinden. Das Christentum brachte keine Kultur hervor, sondern traf auf eine bestehende Kultur. Es geht nicht darum, dass der Glaube das Leben der Kultur – Kultur verwendete Bavinck in einem weiten Sinn, nämlich sämtlicher menschlicher Entwicklungen und Errungenschaften in der Natur – nicht verneinen, sondern ihre Gesetz respektiert. Nicht das Studium der Schrift, sondern das genaue Studium seiner Schöpfung stattet uns für diese Aufgabe aus. Das Waffenarsenal des Christen bleibt jedoch beschränkt: Zwang, Macht, Reichtum, Schmeichelei und Heuchelei sind ihr verwehrt; die einzig legitimen Waffen sind “das Wort und der Glaube, Wahrheit und Gerechtigkeit”.

Bavinck kann der Auffassung, dass der Stand des Christentums gegenüber der Kultur dem der frühen Kirche entsprechen müsse, wenig abgewinnen. Es gebe “einfach viel zu viel in unserer gegenwärtigen Kultur, dass wir glücklich und dankbar das akzeptieren, das wir täglich nützen und geniessen”. Es sind gute Geschenke des “Vaters der Lichter”. Es handelt sich also um ein ethisches Ringen. Bis zum gegenwärtigen Tage seien das öffentliche Leben immer noch stark durch die ethischen Normen des Christentums geprägt. (Ich fragte mich, wie Bavinck 2015 die Lage eingeschätzt hätte.) Eine “durch und durch gesunde Kultur” sei zudem utopisch. Der Zustand der Vollkommenheit sowohl bei Einzelnen als auch bei Gemeinschaften und Staaten würde erst in der Zukunft verwirklicht werden.

Im Licht dieser Überlegungen kann die anarchistische oder quietistische Moral, welche die Abschaffung des Krieges fordert, nur zurückgewiesen werden. Ja, Christen sind aufgerufen, schon jetzt gegen die Folgen von Sünde, Krankheit und Tod anzukämpfen. Dies sei aber erst ein Vorgeschmack auf den endgültigen Sieg einer zukünftigen Weltzeit. Christen, welche die Nachfolge Christi ernstnehmen, müssen sich also keineswegs der zivilen Ordnung oder dem Krieg als solchen entgegenstellen. Die natürliche Ordnung wird nicht verändert, sondern durch ethische bzw. geistliche Kraft verändert und erneuert. Die christlichen Tugenden bleiben während allen Zeitaltern bestehen, müssen jedoch variiert angewendet werden. Über Strecken schien es, wie wenn die “passive” den “aktiven” Tugenden entgegenstehen würden. Bavinck betont zum Schluss des Aufsatzes das Spannungsfeld. Einmal muss mehr die eine Seite, dann wieder die andere betont werden. Bavinck endet mit der Mahnung, dass “unser materialistisches Zeitalter” die Warnung bestätige, dass das Streben nach Reichtum grosse Gefahren beinhalte. Doch dürfe nicht vergessen werden, dass nicht Gold oder Silber, Besitztum oder Kapital in sich selbst sündig seien – ebensowenig wie Wissenschaft, Kunst, die zivile Ordnung “oder sogar Krieg”. Die Sünde im Herzen des Menschen ist der erste und ursprüngliche Platz des Kampfes. Es sei leichter, Kapital und Krieg zu verdammen, als ein treuer Nachfolger in allen diesen Bereichen zu sein.

Zitat der Woche: C. S. Lewis über die Vorbereitung und Durchführung einer Vorlesung

Am 7. Juni 1934 schrieb C. S. Lewis an Sister M. Madeleva (1887-1964), ein Mitglied der Schwestern des Heiligen Kreuzes, Englischlehrerin am St. Mary’s College, Notre Dame, Indiana. Sie hatte 1934 an Lewis‘ Vorlesungen über die mittelalterliche Poesie teilgenommen. Lewis beschreibt den Entstehungsprozess seiner Vorlesung „Prolegomena to the Study of Medieval Poetry“.

1. Einige Jahre Arbeit am Thema – Materialsammlung

The history of my lecture is this. After having worked for some years on my own subject (which is the medieval allegory), I found that I had accumulated a certain amount of general information which, tho far from being very recondite, was more than the ordinary student in the school could gather for himself.

2. Idee zur Vorlesung

I then conceived the idea of my ‘prolegomena’.

3. Lücken schliessen: Durch Vorlesungsnotizen anderer gehen, den Quellen nachgehen

There were however several gaps in the general knowledge which I had accidentally got. To fill these up I adopted the simple method of going through Skeat’s notes on Chaucer and Langland, and other similar things, and followed these up to their sources when they touched on matters that seemed to me important. This led me sometimes to books I already knew, often to new ones. This process explains why I inevitably appear more learned than I am. …

4. Induktive Methodik

In fine, the process is inductive for the most part of my lecture: tho’ on allegory, courtly love, and (sometimes) in philosophy, it is deductive—i.e. I start from the authors I quote. I elaborate this point because, if you are thinking of doing the same kind of thing (i.e. telling people what they ought to know as the prius of a study of medieval vernacular poets) I think you would be wise to work in the same way—starting from the texts you want to explain. You will soon find of course that you are working the other way at the same time, that you can correct current explanations, or see things to explain where the ordinary editors see nothing.

5. Fehlzitate auch in den besten Büchern

I suppose I need not remind you to cultivate the wisdom of the serpent: there will be misquotations, and misunderstood quotations in the best books, and you must always hunt up all quotations for yourself and find what they are really in situ. But of course, I do not know what it is you propose to do.

6. Quellen im Notizbuch aufgezeichnet

I have therefore mentioned all the more important ‘sources’ in my note-book without any attempt at selection. You will see at once that this is the bibliography of a man who was following a particular subject (the love-allegory), and this doubtless renders the list much less useful to you, who are hardly likely to be after the same quarry. In the second part, texts, I have been more selective, and have omitted a certain amount of low or lowish Latin love poetry which is useful only for my own special purpose.

7. Mit klassischen Autoren beginnen und wiederholt lesen

You will observe that I begin with classical authors. This is a point I would press on anyone dealing with the middle ages, that the first essential is to read the relevant classics over and over: the key to everything—allegory, courtly love etc—is there. After that the two things to know really well are the Divine Comedy and the Romance of the Rose.

8. Dem Studenten Handwerkszeug in die Hände geben

The student who has really digested these,* with good commentaries, and who also knows the Classics and the Bible (including the apocryphal New Testament) has the game in his hands, and can defeat over and over again those who have simply burrowed in obscure parts of the actual middle ages.

9. Hintergrundwissen ausbauen

Of scholastic philosophy and theology you probably know much more than I do. If by any chance you don’t, stick to Gilson as a guide and beware of the people (Maritain in your Church, and T. S. Eliot of mine) who are at present running what they call ‘neo-scholasticism’ as a fad. Of Periodicals you will find Romania, Speculum and Medium Aevum useful. Remember (this has been all important to me) that what you want to know about the Middle Ages will often not be in a book on the Middle Ages, but in the early chapters of some history of general philosophy or science. The accounts of your period in such books will, of course, usually be patronizing and ill-informed, but it will mention dates and authors whom you can follow up and thus put you in the way of writing a true account for yourself. If there is any way in which I can assist you, or if you would care to call and discuss anything with me, do not hesitate to let me know.

Yours sincerely, C. S. Lewis

Input: Brexit und das polarisierte Gequatsche

In den letzten Tagen dominierte Brexit – die Volksentscheidung der Briten zum Austritt aus der Europäischen Union – die Meldungen und Diskussionen in meinen Filtern der sozialen Medien. Silas Deutscher hat einen treffenden Kommentar abgegeben:

Die allermeisten Reaktionen auf den Brexit lassen sich in zwei Gruppen einteilen. Die einen sehen unverzüglich ein Wiedererstarken des Faschismus (im Übrigen ein zu Tode gedroschener Begriff), beschwören allerlei Bilder herauf, und halten ein Comeback der Nationalstaatlichkeit für ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Man ist der Meinung, dass nur braune Dumpfbacken, die durch den schlimmen Neoliberalismus instrumentalisiert und auf hinterhältige Art und Weise rechter Propaganda unterworfen worden sind, für den Brexit gestimmt haben. Diese zweite Gruppe lacht sich nun aber ins Fäustchen und bekundet ihre Freude darüber, dass dem totalitären Politapparat im elitären Brüssel endlich ein schmerzhafter Denkzettel verpasst wurde. Johlend feiern man die Tatsache, dass den linken Träumern nun endlich bang ums Herz werden muss, natürlich ist man davon überzeugt, dass nun wieder alles besser werde.
Ist dieses unfassbare Beharren auf diesem oder jenem Pol nicht eine unfassbarer intellektueller «monster fail»? Beide Positionen idealisieren, teils mit sträflicher Geschichtsblindheit ihren Pol, werfen drastische Begriffe in die Debatte und vermischen, was eigentlich nicht vermischt werden kann (z.B. nationale Autonomie = böse). Fällt man nicht gerade dadurch wieder in dieselbe geschichtliche Problematik zurück, welche unter anderem zur Verwüstung das 20. Jahrhunderts geführt hat? Können sich totalitäre Strukturen etwa nur in Nationalstaaten ausbilden? Oder bilden sich diese etwas nur in zentralisierten Staatskonstrukten? Will man das unlösbare das Zerwürfnis und die Hinfälligkeit unserer politischen Geschichte pragmatisch abzufangen und sachlich gestalten, kann man sich nicht einfach von der eigenen Ideologie verklärt an einem dieser Pole bewegen. Der Mythus des Staates wird ersehnt und er besteht aus einer vollkommenen Einheit der Vielfalt, in welcher weder die Vielfalt die Einheit verdrängt, noch die Einheit die Vielfalt. Unsere politische Geistesgeschichte ist anscheinend dazu verdammt dialektisch zwischen diesen Polen umherzuschwingen, stets im Glauben, nun die Gefahr des Totalitarismus zu überwinden. Die Gefahr wird nicht überwunden werden. Sie kann eingedämmt werden und sie kann zunehmen, mit und ohne Brexit.

Kolumne: Rückblick auf das Schuljahr – was sich (nicht) bewährt hat

Eine Serie von Rück- und Ausblicken

Seit einigen Jahren reflektiere ich ein abgelaufenes Schuljahr und blicke auf das neue voraus:

Beobachtungen und Überlegungen, wenn die Kinder älter werden

Hier sind einige weitere zusammenfassende Texte:

Was sich bewährt hat

  1. Umstellung auf einen Minimal-Lifestyle, Teilzeitarbeit: Dass mir Gott vor fünf Jahren eine Teilzeitstelle schenkte, ist für mich Anlass zur Dankbarkeit. Just in den Jahren, in denen viele Väter beruflich ausbauen und viel von zu Hause fort sind, habe ich einen Teil meiner Kraft in die Familie investieren können.
  2. Das tägliche Gespräch über Weltsichten: Es gab kaum einen Tag, an denen meine Frau und ich mit den Kindern nicht über Weltsichten diskutierten. Die Anlässe hierfür waren vielfältig. Dazu gehörten eigene Erlebnisse an der Arbeit und auf Reisen, Erfahrungen innerhalb der Familie, Beobachtungen von unterwegs, Informationen aus Büchern und Meldungen aus den Medien.
  3. Lesen und Vorlesen: Jeder unserer Söhne ist unterschiedlich begabt. Doch wenn es ums Lesen und Vorlesen geht, so hat jeder von ihnen einen Zugang gefunden. Wenn meine Frau oder ich aus einem Buch vorlesen, so versammeln sie sich im Nu um uns herum. Ich habe die Jungs auch immer wieder ermutigt, den jüngeren Brüdern vorzulesen. Das geschieht bis heute täglich.
  4. Der Stellenwert von Mathematik: Seit Jahren bin ich der Auffassung, dass die exakten Disziplinen in unseren Ländern vernachlässigt werden. Inder und Asiaten machen es uns vor: 60 bis 90 Minuten täglich sollten der Mathematik gewidmet sein. Dazu gehört das Kopfrechnen – eine Schulung des Geistes und des Gedächtnisses, ca. 20 Rechnungen ins Heft, und spätestens ab der 5. Klasse täglich mindestens eine Textaufgabe.
  5. Ein tägliches Programm und der Aufbau von Lerngewohnheiten: Ab Mittelstufe wissen unsere Söhne, was sie täglich mindestens abzuarbeiten haben. Dazu gehört Mathematik (zu Beginn des Tags), Deutsch, Fremdsprachen und das Klavierspiel. Sie sollen selber lernen, mit Widerständen umzugehen, ihre Arbeit einzuteilen, bei Schwierigkeiten nachzufragen und zunehmend eine eigene Agenda zu führen.

Was sich nicht bewährt hat

  1. Zu hohe Erwartungen der Eltern: Manchmal habe ich zu viel von den Kindern erwartet. Ich musste lernen, dass wir das göttliche Tempo ihrer Entwicklung nicht übersteuern sollen.
  2. Zu viel Verantwortung übernehmen: Wenn wir zu viel Verantwortung für das Kind übernehmen, dann behindern wir seine Entwicklung. Es soll schrittweise lernen, selbst Verantwortung für das eigene Lernen zu übernehmen.
  3. Zu viele Aktivitäten: Es gab kein einziges Jahr, in dem wir uns nicht gegen ein Überangebot von Aktivitäten hätten wehren müssen. Das ist uns mehr schlecht denn recht gelungen. Freizeitaktivitäten müssen sorgfältig ausgewählt werden.
  4. Die Konflikte der Kinder laufen lassen: Je älter die Kinder werden, desto mehr Verantwortung sollen sie auch für das Austragen und Bereinigen von Konflikten verwenden. Hier braucht es jedoch viel Vermittlungsarbeit der Eltern.
  5. Zu viele unterschiedliche Lehrmittel und Materialien: Über die Jahre haben wir eine Vielzahl von Büchern, Lerhmittel und Materialien gesammelt. Auch hier besteht ein Überangebot. Es ist wichtiger, dass ein Kind an einer Sache dranbleibt, als ständig zu neuen Unterlagen wechselt.

Predigt: Gottes Wort richtet aus, wozu es gesandt ist

Beim wiederholten Durchlesen von Jeremia 36 hat mich das Kapitel so richtig gepackt. Vor einiger Zeit habe ich über den Text gepredigt. Die überarbeitete Fassung ist in Bekennende Kirche Nr. 65 erschienen.

Haben Sie sich schon jemals redlich Mühe gegeben, jemanden, der Ihnen wichtig ist, von einer guten Sache zu überzeugen? Ein Kind, einen Enkel, einen Freund, einen Arbeitskollegen, einen Mitarbeiter oder einen Vorgesetzten? Womöglich haben Sie sich zur Unzeit eingesetzt, Eifer bewiesen, gute Argumente eingebracht, Hingabe gezeigt oder gar Tränen vergossen. Sie mussten sich mit dem Resultat begnügen, dass alles vergeblich war. Verfolgen Sie mit, was Jeremia ungefähr im Jahr 600 vor Christus erlebte. Ich gebe zuerst die Ereignisse des Kapitels in eigenen Worten wieder.

Über 20 Jahre nach seiner ersten Botschaft erhielt der Prophet Jeremia den Auftrag zur Niederschrift sämtlicher Prophezeiungen. Er hielt sie mit dem Ziel schriftlich fest, dass sie dem untreuen Volk Juda im Gedächtnis bleiben. Es sollte sich um eine der letzten Gelegenheiten zur Buße handeln, bevor Jerusalem eingenommen wurde. Nachdem Gott den Auftrag, die Weissagungen aufzuzeichnen, gegeben hatte, erfolgte eine mühsame, über Wochen oder gar Monate sich hinziehende Niederschrift auf eine Buchrolle: Zeichen für Zeichen, Wort für Wort mussten aufgezeichnet werden.

Da Jeremia mit einem Zugangsverbot zum Tempel belegt worden war, sandte er Baruch zum Verlesen der Buchrolle. Baruch machte sich immer wieder auf, um im Tempel die Schriftrolle dem vorbeieilenden Volk vorzulesen.

An einem von der Regierung ausgerufenen Fasten, wahrscheinlich angesichts der drohenden Kriegsgefahr von Seiten der Babylonier, verlas Baruch die Prophezeiungen Jeremias vom Balkon des königlichen Schreibers in der Tempelanlage. Der aufmerksame Sohn des Beamten brachte die Botschaft zu dem Gremium, das für die Regierungsgeschäfte mitverantwortlich war.

Angesichts der klaren Gerichtsbotschaften wurden diese Männer von einem großen Unbehagen erfasst. Obwohl sie sich denken konnten, wie der König auf eine solche Gerichtsbotschaft reagieren würde, schickten sie einen Diener des Königs zu ihm, damit ihm ebenfalls der Inhalt der Schriftrolle zur Kenntnis gebracht würde. Aber das darin angekündigte Gericht durch die Babylonier passte nicht in das Konzept des verblendeten Monarchen. Stück für Stück zerschnitt er die Rolle und warf sie ins Feuer. Der außerdem vom König gegen die Verfasser ausgesprochene Haftbefehl blieb wirkungslos, denn Gott hielt seine beiden Diener verborgen.

Jeremia bekam von Gott einen zweiten Schreibauftrag. Nur wenige Monate später eroberten die Babylonier Jerusalem.

Wir lernen aus diesem Abschnitt, dass Gottes Wort ausrichtet, wozu es gesandt ist – entweder zum Segen oder zum Fluch. Wir stellen uns unter das Kapitel, indem wir es aus zwei Blickwinkeln betrachten: erstens aus der Sicht von fünf Beteiligten, zweitens geben wir Acht auf die drei Phasen, die die Botschaft Gottes durchläuft.

10 Hinweise … für den Tagesablauf

Hier sind zehn Anstösse, die ich mir selbst zu Herzen nehme:

  1. Integriere Wichtiges und Nicht-Dringliches in deinen üblichen Tagesablauf.
  2. Verschiebe deinen Schlafrhythmus nicht ohne Grund.
  3. Beachte deine Energiekurve (in der Regel zwei Höhepunkte am Vormittag und am späteren Nachmittag).
  4. Halte wenn möglich einen kurzen Mittagschlaf.
  5. Beginne deinen Tag mit der Ausrichtung auf Gott und beende ihn damit.
  6. Heute ist der Tag, um Dinge anzupacken. Was will ich gerne aufschieben?
  7. Bekenne deine Sünden vor Gott und anderen.
  8. Plane tägliche Leseportionen.
  9. Bitte Gott um Begegnungen. Frage nach.
  10. Triff tägliche Entscheidungen aus der Perspektive der Ewigkeit.

 

Buchbesprechung: 3 Bücher für Männer und Väter

Zuerst muss sich das Herz der Väter ändern! Ein Vater-Sohn-Spaziergang

Klaus Güntzschel. Das Herz der Väter: Ein Plädoyer für das Vatersein. CLV, 2016.

Da setzt sich ein sechsfacher Vater hin, um ein kurzes Buch mit 20 Anstössen zu schreiben. Seine Kindheit hatte er in der DDR verbracht. Er begreift sich als Glied in der Generationenkette. Er lebt mit seiner Familie auf dem Freizeitzentrum Reiherhals in der Feldberger Seenlandschaft (Brandenburg).

Ist es uns schon aufgefallen, wie das Alte Testament endet? Zum Schluss zeigt Gott eine Lösung für das Generationenproblem. »Und er wird das Herz der Väter zu den Kindern und das Herz der Kinder zu ihren Vätern wenden, damit ich nicht komme und das Land mit dem Bann schlage« (Maleachi 3,24). Es geht zuerst darum, das Herz der Väter zu ändern. Dafür möchte dieses kurze Buch eine Hilfestellung bieten.

Wo liegt das Problem von uns Vätern? „Das Problem liegt in einer Generation, die versagt hat, die sich selbst gelebt hat und nur allzu oft ihre Kinder auf dem Altar ihres Egos und ihrer Selbstverwirklichung geopfert hat.“ (13)

Güntzschel geht durch die ersten neun Kapitel der Sprüche. Wie der Dichter nimmt er den Sohn auf einen Spaziergang mit und setzt sich hin und wieder auf eine Bank. Der Rahmen für die Belehrung bildet Sprüche 1,7 und 9,10: „Das große Ziel eines christlichen Vaters ist es, sein Kind die Furcht des HERRN zu lehren und sie ihm vorzuleben.“ (17)

Es ist nicht von ungefähr, dass das Thema der Sexualität grossen Raum einnimmt. Was für eine wichtige Botschaft in unserer sexualisierten Zeit. Güntzschel betont: „Kennen deine Kinder dich als jemand, der alles verbietet? Dann hast du irgendetwas nicht gut verstanden. Zeige ihnen das Gute.“ (75) „Wir müssen unseren Kindern klarmachen, dass es in ihrem Leben keinen Bereich ibt, der dauerhaft verborgen bleibt. Entweder werden Tatsachen bekannt, oder aber unser verborgener Umgang prägt unsere Gewohnheiten und unseren Charakter, unser Denken und unser Reden. (79)

Das Buch wirkt erfrischend. Das hat mit der guten Leitidee (dem Durchgang durch die Kapitel der Sprüche) und überhaupt damit zu tun, dass der Autor die Bibel durchtränken lässt. Der einzige Wermutstropfen waren ständige Seitenhiebe an das gottlose System von Politik und Schule. Sie schwächt die Hauptbotschaft jedoch nicht ab. Es erhöht vielmehr die Dringlichkeit: „Bitte präge deine Kinder selbst und überlass die geistliche Prägung nicht Menschen, die selbst keine geistliche Prägung haben.“ (87)

Empfehlung: Zum Lesen für Väter und Söhne, für Familienandachten und Vater-Sohn-Zeiten.

Wie hinterlasse ich als Mann eine bleibende Spur?

Jim George. Ein Mann nach dem Herzen Gottes – Lebe für das, was wirklich zählt. CMV, 2008.

Jim George, seit 25 Jahren im Dienst an Männern, schrieb sich dieses Buch „vom Herzen“. So ist es auch verständlich, dass er den Leser immer wieder mit „Freund“ und „Weggefährte“ anredet. Schon diese Anrede mutet unangenehm an, denn es nimmt den Angesprochenen in die Verantwortung. Es ist höchste Zeit hierfür, meine ich. Wie kommt es, fragt sich George, dass er Männer morgens um fünf auf dem Fischerboot und samstags vor sieben Uhr in Scharen auf dem Golfplatz antrifft? Ihr Hobby hat aus dem Bett gezogen. Geht es hingegen darum, samstags gemeinsam die Bibel zu studieren, trifft sich ein kleines Grüppchen.

Dass man mich nicht falsch versteht: Es geht dem Autoren nicht um „Charakterverbesserung“. Er wählt deshalb den idealen Einstiegspunkt ins Buch. Gottes Gnade ist der entscheidende Wendepunkt im Leben eines Mannes. Mit John Newton kann er ausrufen: Ich bin ein grosser Sünder, und Jesus ist ein grossartiger Erlöser. Über einem solchen Leben steht das Motto, mit dem auch Davids Leben zusammengefasst wird: Er starb, nachdem er dem Willen Gottes gedient hatte (Apostelgeschichte 13,36).

Der Ausgangspunkt für eine nachhaltige Veränderung ist die Entwicklung des eigenen geistlichen Lebens. Wie wird ein solches Leben charakterisiert? Es wird von einem gehorsamen, betenden, lobenden und dienenden Herzen bestimmt. Davon ausgehend bespricht der Autor fünf Lebensbereiche: Ehefrau, Kinder, Arbeit, Gemeinde und Evangelisation.

Das Buch lebt von drei Dingen: Den biblischen Beispielen (die Bibel ist „Handbuch für echte Männer“, S. 19), von markanten Gliederungen (z. B. zur Arbeit: Warum, für wen, wozu, mit wem und wo arbeite ich? S. 123) und hilfreichen Gegenüberstellungen (z. B. Kennzeichen von Gewinnern und Verlierern, S. 107).

Nicht dass ich dies alles noch nie gehört hätte. Das Buch hat mich jedoch aufgerüttelt. Ja, ich möchte gerne eine bleibende Spur hinterlassen. Und ja, ich möchte mich auf die Verpflichtung einlassen, mein Leben auf den Willen Gottes auszurichten. Konkret? Ich verbessere meine Gebetsliste und achte vermehrt darauf, gegenüber meiner Frau und meinen Kindern kleine Opfer zu bringen.

30 Lektionen für Vater-Sohn-Lesezeiten

Bob Schultz. Wie man ein Mann wird. CMV, 2015.

Schmunzelnd vernahm ich vom Autor, dass er selbst keine Söhne hat – und trotzdem gebeten wurde, ein Buch über werdende Männer zu schreiben. Er sei schliesslich selbst einmal ein Junge gewesen. Und was für einer! Ein richtiger Bub, der seinerzeit mit frisch erworbenem Jagdbrevet unbekümmert sieben Eichhörnchen erschoss, morgens um drei Uhr aufstehen durfte, um mit einem LKW-Fahrer auf eine Tour mitzugehen; der als junger Mann trotz Benzinknappheit 800 km zur Hochzeit eines Freundes fuhr und mitten in der Nacht mit Benzinkanister und Gottvertrauen über den nächsten Hügel wanderte – und prompt zur einzigen Tankstelle im weiten Umkreis vorstiess.

Das Buch lebt von den einzelnen Kapiteln, die als in sich abgeschlossene Lektionen ausgearbeitet sind. Was gewinnen wir beim sorgfältigen Studium von Gottes Schöpfung? Welche Folgen hat es, einen Fehler zu verstecken? Wie kann ich Macht nützen, um zu beschützen anstatt zu verletzen? Wie kann ich korrigieren, wenn ich merke, dass ich vom (Lebens-)Kurs abgewichen bin? Was verliere ich, wenn ich begehre? Wie kann ich der Einladung Böses zu tun, mit Gutem entgegentreten? Wie helfe ich anderen, mir zu vergeben? Warum passe ich als Christ nicht in diese Welt? Wie kann ich den Gedanken des Fleisses folgen? Wie kann ich anderen Menschen aufmerksam begegnen? Wie komme ich aus dem Modus des Zuschauers heraus? Wie schaffe ich es, früh aufzustehen um Gott zu begegnen? Wie kann ich Schmerz überwinden?

Was mich besonders begeisterte: Es sind genau die Fragen, die mich als fünffacher Bubenvater im Alltag beschäftigen. Ein Kritikpunkt muss ich allerdings anbringen: Schultz geht stillschweigend davon aus, dass der Leser mit dem Evangelium vertraut ist. Aus langjähriger Arbeit mit „kirchen-sozialisierten“ Kindern und Jugendlichen weiss ich, dass dies nicht der Fall ist. Die Verknüpfung zwischen der verändernden Kraft des Evangeliums mit der konkreten Lebenssituation fehlt weitgehend. Ebenfalls vermisste ich eine ausführliche Besprechung der Problematik neuer Medien. Trotzdem: Das Buch strotzt von Geschichten, Vergleichen und passenden biblischen Bezügen. Ich empfehle es nicht nur für Vater-Sohn-Lektüre, sondern auch für Jungscharstunden und Familienandachten.

Zitat der Woche: Weltflucht und Kampf um zweitrangige Anliegen

Wir Christen tendieren ständig dazu, auf zwei Seiten zu kippen: Weltflucht und Rückzug von allen aktuellen Fragestellungen (was das Problem 1947 in Teilen des US-evangelikalen Lagers war) und auf der anderen Seite die Preisgabe der Kernüberzeugungen in einer Haltung des vorauseilenden Gehorsams.

What concerns me more is that we have needlessly invited criticism and even ridicule, by a tendency in some quarters to parade secondary and sometimes eben obscure aspects of our position as necessary frontal phases of our view. To this extent we have failed to oppose the full genius of the Hebrew-Christian oulook to its modern competitors. With the collapse of Renaissance ideals, it is needful that we come to a clear distinction, as evangelicals, between those casic doctrines on which we unite in a supernaturalistic world and life view and the area of differences on which we are not in agreement while yet standing true to the essence of Biblical Christianity. But even beyond this, I voice my concern because we have not applied the genius of our position constructively to those problems which press most for solution in a social way. Unless we do this, I am unsure that we shall get another world hearing for the Gospel. …

Those who read with competence will know that the 'uneasy conscience' of which I write is not one troubled about the great Biblical verities, which I sonsider the only outlook capable of resoving our problems, but rather one distressed by the frequent failure to apply them effectively to crucial problems confronting the modern mind. It is an application of, not a revolt against, fundamentals of the faith, for which I plead.

Carl. F. H. Henry. The Uneasy Conscience of Modern Fundamentalism. (Preface)

20 Zitate aus … Leland Rykens Packer-Biografie (3)

Leland Ryken. J. I. Packer: An Evangelical Life. Wheaton: Crossway, 2015. 434 Seiten. 20 Euro (Kindle-Version.)

Teil I (Biografie), Teil II (Person) 

Zitate aus dem Werk

  1. “Unitarianism affirms the ethic of Jesus as the most wonderful thing since ice cream and negates the divinity of Jesus as superstition.” (382-83)

  2. “achieving a happy compatibility of incompatibles is part of the maturing effect that marriage is meant to have.” (1238-39)

  3. “the best theological work has been done under pressure of controversy and urgent need.” (1526)

  4. “persons denying the full truth of Scripture may claim an evangelical identity while methodologically they have moved away from the evangelical principle of knowledge.” (2284)

  5. “the Christian tastes God in all his pleasures, and this increases them.” (3247)

  6. “All doctrines terminate in mystery; for they deal with the works of God.” (3784)

  7. “I love pregnant brevity, and some of my material is . . . packed tight (Packer by name, packer by nature).” (3794)

  8. It is “not so much a story of what I have done with the Bible but of what the Bible has done with me” (3851)

  9. “Built into Christianity is a principle of authority. This is because Christianity is revealed religion.” (4013)

  10. having the right view of the Bible’s authority and reliability is useless if we do not read the Bible and apply it to our lives. (4037)

  11. we will not seek to understand the Bible unless we accept its authority; (2) we will understand it only insofar as we interpret it correctly; (3) understanding the Bible means receiving its teaching; and (4) God gives this understanding by his Holy Spirit and by the input of the Christian community and its traditions. (4048-51)

  12. we must interpret a biblical text in keeping with the author’s intention; (2) we must assume the coherence, harmony, and veracity of the Bible; (3) we must interpret individual parts of the Bible by placing them into the context of the entire biblical canon; and (4) we must respond to a biblical text with an increase of our faith. (4089-91)

  13. “Have something to say.” (2) “Keep it simple.” (3) “Make it flow.” (4) “Be willing to redraft as often as is necessary to meet these requirements.” (4511-13)

  14. “The Evangelical is not afraid of facts, for he knows that all facts are God’s facts; nor is he afraid of thinking, for he knows that all truth is God’s truth, and right reason cannot endanger sound faith.” (4792)

  15. “Theology is for doxology and devotion—that is, the praise of God and the practice of godliness.” (5503)

  16. “Theology’s proper goal,” he writes, “is to equip the disciples of Jesus Christ for obedience.” (5530)

  17. “To be preoccupied with getting theological knowledge as an end in itself . . . is the direct route to a state of self-satisfied self-deception.” (5584-85)

  18. “Like Calvin, I theologize in constant dialogue with the whole Christian heritage of study, proclamation, and belief. . . . Theology is a cooperative enterprise, and the fellowship of its practitioners has a historical as well as a contemporary dimension.” (5636-38)

  19. “Christianity is not instinctive to anyone, nor is it picked up casually without effort. It is a faith that has to be learned, and therefore taught, and so some sort of systematic instruction (catechumenate) is an essential part of a church’s life.” (5689-91)

  20. When a Christian minister moves into a congregation, he “has first of all to make sure that there is a willingness on the part of the congregation to learn the Bible.” (5914-15)

  21. The pastor should see himself as a man set apart to preach Bible truth, to teach Christ and to counsel the spiritually perplexed in light of the written Word; to convert, nurture, watch over and care for sinners; to pray for them, bring wisdom to them, model godliness before them, and lead them into and in doxology, fidelity, purity, humility, maturity, and joy in Christ; and to fight in whatever way particular situations might require for the fullness and forthrightness of the faith. (5928-31)

  22. The only way for a preacher to avoid making himself the authority is for him to see “himself as no less under the authority of the Word than the congregation. (5971-72)

  23. “the preacher, rather than the critical commentator or the academic theologian, is the true interpreter of Scripture.” (6039-40)